{"id":3377,"date":"2021-08-19T11:50:41","date_gmt":"2021-08-19T09:50:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3377"},"modified":"2021-08-19T12:07:31","modified_gmt":"2021-08-19T10:07:31","slug":"deuschland-kein-mangel-an-ideen-aber-unfaehig-zur-umsetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2021\/08\/19\/deuschland-kein-mangel-an-ideen-aber-unfaehig-zur-umsetzung\/","title":{"rendered":"Deuschland: Kein Mangel an Ideen, aber unf\u00e4hig zur Umsetzung?"},"content":{"rendered":"<p>Deutlich wie nie zuvor traten w\u00e4hrend der Corona-Zeit und erneut w\u00e4hrend der Hochwasser-Katastrophe die Defizite der deutschen Politik und Verwaltung schmerzlich ins Bewusstsein. Auch angesichts der immer sp\u00fcrbareren Folgen der Klimakrise musste erst ein &#8222;Tritt in den Hintern&#8220; der Regierenden durch das Bundesverfassungsgericht erfolgen, bevor zumindest ein klein wenig mehr zur Abwendung der Worst-Case-Szenarien getan werden soll: aller Voraussicht nach zu wenig, zu sp\u00e4t, zu halbherzig.<!--more--><\/p>\n<p>In den Kommentaren (unter einem anderen Thema) hat sich nun eine Debatte rund um diese Sachlage ergeben, die einen eigenen Blogpost wert ist. Juri beklagte die mangelnde F\u00e4higkeit der Parteien, eine Vision f\u00fcr die Zukunft zu entwickeln:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Bei jedem popeligen Job wird man auch gefragt, wo man sich denn in 10 Jahren sieht. Wo eine Partei das Land in 10 Jahren sieht, wird aber erst seit Greta gefragt. Von entsprechenden Parteien erwarte ich, dass sie nicht erst getrieben werden m\u00fcssen, sondern eben selbst Konzepte f\u00fcr aktuelle Probleme erarbeiten und vorstellen und gerade bei Volksparteien eben auch Probleml\u00f6sungen die das Volk betreffen und nicht nur die, der oberen 10.000.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Aber: Ist das Entwickeln von Visionen tats\u00e4chlich Aufgabe von Parteien? Haben wir einen \u201eMangel an Visionen\u201c in der Gesellschaft? Gibt es nicht bereits eine Menge toller Ideen und auch Konzepte: f\u00fcr Digitalisierung, Energiewende, Etablierung einer Recycling-Wirtschaft, eine andere Mobilit\u00e4t und den l\u00e4ndlichen Raum? Aus meiner Sicht ist das Problem der Parteien die Konsens(un)f\u00e4higkeit in der ver\u00e4nderungsunwilligen Bev\u00f6lkerung. Was f\u00fcr Widerst\u00e4nde entstehen, wenn der Bev\u00f6lkerung ein wenig mehr Ver\u00e4nderung zugemutet werden soll, sieht man z.B. an den aktuellen Schmutzkampagnen gegen die GR\u00dcNEN, die wiederum f\u00fcr einige bereits zu weichgesp\u00fclt, zu kompromisslerisch sind.<\/p>\n<p>Dazu Juri:<\/p>\n<blockquote><p>Ja, das Problem ist der Konsens: unten Cut, oben Cut und den Durchschnitt irgendwie laufen lassen. Wie Convenience Food oder Schule oder Fernsehen. So sind keine Innovationen zu erwarten!<br \/>\nZu all den Ideen und Konzepten &#8222;f\u00fcr Digitalisierung, Energiewende, Etablierung einer Recycling-Wirtschaft, andere Mobilit\u00e4t, den l\u00e4ndlichen Raum?\u201c liegt einfach eine Fehlkommunikation (auch seitens der Medien) vor.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>F\u00fcr Digitalisierung<\/strong> brauch es keine neuen Ideen, nur eine f\u00fcr alle bezahlbare Umsetzung. Daran ist in Deutschland keiner der Gro\u00dfkopferten interessiert, denn dann w\u00fcrde jeder von ihnen weniger verdienen. Beim Maschinist gibt es einen lesenswerten Reisbericht \u00fcber Transnistrien dazu. Fehlkommunikationen n dem Bereich sind gewollt. Alle deutschen Medien (\u00d6RR &amp; privat) haben bis vor 2 Wochen noch Cell Broadcasting als Warn-SMS deklariert (um ihre Zuschauer nicht zu \u00fcberfordern). So etwas hat sich nicht mal Fox News getraut. Faktenchecker? Fehlanzeige!<\/li>\n<li><strong>Im Recycling<\/strong> waren wir mal richtig weit. Bis man sich doch wieder entschied, nur auf die Kosten zu schauen. Wir haben derzeit eine Quote von knapp 10 %. Tendenz sinkend. Der Rest wird einfach nach Afrika verklappt. Da waren wir sogar schon Ende der 90er weiter. Auch hier braucht es weniger Innovation, sondern Handlung.<\/li>\n<li><strong>Eine andere Mobilit\u00e4t?<\/strong> Hier gab es sogar schon von der ADAC-Motorwelt (einem Autoclub, wtf?) schon innovative Ideen seit Ende der 70er. Unvergessen auch die Idee von &#8217;84 oder so: Eine Art Smart als Stadtauto, der f\u00fcr die gro\u00dfe Pendelstrecke in der Bahn f\u00e4hrt. Nichts davon wird sich jemals in Deutschland durchsetzen! Deutsche haben schlie\u00dflich aus US-Filmen gelernt, dass das Auto der Inbegriff pers\u00f6nlicher Freiheit ist (tats\u00e4chlich ist das Gegenteil der Fall). Vom eigenen Automobil wird man hierzulande niemals ablassen. So ungern ich das als Antiamerikaner zugebe, da sind die Amis wirklich weiter. Schon in den 80ern musstest in den USA Leute mitnehmen, wer in die gro\u00dfe Stadt wolltest. Der Wagen musste daf\u00fcr voll belegt sein, sonst wurde eine Strafzahlung f\u00e4llig. Sowas in Deutschland? Undenkbar! <strong>Car Sharing<\/strong> gibt es jetzt seit gut 15 Jahren. Tendenz abnehmend. Nutzen nur noch Studenten und Aktivisten.<\/li>\n<li><strong>E-Mobilit\u00e4t?<\/strong> Naturkiller. Die ganzen Roller die aus der Elbe und Rhein geborgen werden hinterlassen deutliche Spuren. In Dresden gibt es wenigsten eine Koop der Verkehrsbetriebe mit Nextbike, die die kostenlose Mitbenutzung der Stadtfahrr\u00e4der erm\u00f6glicht, Abomonatskarte vorausgesetzt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00dcbrigens war die Stra\u00dfe mal f\u00fcr alle gedacht. Nicht nur f\u00fcr die Autos. In kleinen Ortschaften macht sich das schon st\u00f6rend bemerkbar. Hier wird leider in Deutschland gar nichts passieren, obwohl wesentlich tollere Ideen vorliegen. Lieber kauft man sich ein E-SUV. Das ist nicht verwunderlich, denn der Staat wird in Zweifelsfall immer f\u00fcr die Autokonzerne arbeiten (auch ohne Scheuer). Da \u00e4ndern auch die Gr\u00fcnen nix!<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein wenig Hoffnung sch\u00fcrender Rundumschlag, den Juri hier vortr\u00e4gt! Ist das aber durchweg so? Ich sehe z.B. den Fortschritt der <a href=\"https:\/\/www.modersohn-magazin.de\/2020\/04\/03\/wie-gehts-voran-mit-der-berliner-verkehrswende\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verkehrswende in Berlin<\/a>: viel mehr Radwege, neuerdings auch die Umwandlung vieler Stra\u00dfen. Der Autobereich wird mancherorts einspurig (in jede Richtung), daneben entstehen breite Radwege, wo auch zwei Lastenr\u00e4der nebeneinander fahren bzw. \u00fcberholen k\u00f6nnen. Beim Recycling ist die Frage: Quote von was? Zumindest bei Verpackungen gab es eine <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/breg-de\/suche\/mehr-recycling-in-deutschland-1507858\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">neue VerpackungsVO<\/a>, die gewiss nicht v\u00f6llig wirkungslos bleibt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3378\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/recyclingquote.jpg\" alt=\"\" width=\"934\" height=\"611\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/recyclingquote.jpg 934w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/recyclingquote-300x196.jpg 300w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/recyclingquote-500x327.jpg 500w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/recyclingquote-768x502.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 934px) 100vw, 934px\" \/><\/p>\n<p>Das sind jetzt nur zwei Beispiele gegen dein Eindruck, es geschehe gar nichts. Allgemein bin ich mit Juri der Meinung, dass viel zu wenig passiert, um die Wirtschaft nachhaltig und CO\u00b2-neutral zu machen. Auch ganz abgesehen vom Klima sollte doch allen klar sein, dass die Ressourcen endlich sind und ein ewiges &#8222;weiter so&#8220; einfach nicht funktionieren wird. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutlich wie nie zuvor traten w\u00e4hrend der Corona-Zeit und erneut w\u00e4hrend der Hochwasser-Katastrophe die Defizite der deutschen Politik und Verwaltung schmerzlich ins Bewusstsein. 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