{"id":3257,"date":"2001-06-24T13:06:07","date_gmt":"2001-06-24T11:06:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3257"},"modified":"2021-01-19T13:14:13","modified_gmt":"2021-01-19T12:14:13","slug":"amputiertes-netlife","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2001\/06\/24\/amputiertes-netlife\/","title":{"rendered":"Amputiertes NetLife"},"content":{"rendered":"<p>So langsam nervt es, nicht ins Netz gehen zu k\u00f6nnen, wann immer es mir in den Sinn kommt. Die Internet-Caf\u00e9s sind nur ein schwacher Ersatz, gerade mal gut, um E-Mails zu beantworten und das Diary zu aktualisieren. Die rechte Lust zum Surfen kommt da einfach nicht auf und ans Arbeiten ist schon gar nicht zu denken. Ich f\u00fchle mich wie amputiert, ein riesiger Raum, in dem ich mich normalerweise st\u00e4ndig bewege, ist auf einmal verschlossen.<!--more--><\/p>\n<p>Genau wie mir in Gottesgabe das Herumschlendern in belebten Stra\u00dfen gefehlt hat, so vermisse ich jetzt mein gewohntes Netzleben. Die 13 Mailinglisten, die ich zwar nicht st\u00e4ndig lese, aber doch gelegentlich: Mal gucken, was die I-Worker machen, ob die Netzliteraten wieder ein Thema gefunden haben, welche Veranstaltungen \u00fcber Rohrpost gemeldet werden und ob in der &#8222;Denkpause&#8220; noch immer geschwiegen wird (= eine Nebenliste der I-Worker, da Denken in der Hauptliste offtopic ist ;-)<\/p>\n<p>Auch die Webboards, sehr viel \u00f6ffentlichere &#8222;Orte&#8220; im Netz als Mailinglisten, gehen mir ab. Zwar bin ich jetzt nicht mehr \u00fcbergewichtig, doch die Community auf www.tinto.de\/xxl\/ vermisse ich trotzdem. Genau wie die gem\u00fctliche Selfhtml-LOUGE, wo es ausgesprochen angesagt ist, &#8222;die Seele baumeln&#8220; zu lassen. Dann die Diarys und Weblogs, die E-Zines und Mags, die Themenportale und Info-Sites, sogar die unbekannten Ziele, zu denen E-Mails gelegentlich verlocken &#8211; alles weg! Als w\u00e4ren vier von f\u00fcnf Erdteilen auf einmal untergegangen. Klar, ich k\u00f6nnte das alles auch im Caf\u00e9 aufsuchen, aber das ist nicht vergleichbar mit spontanem Surfen am eigenen PC. Ich brauche den Inhalt meiner Festplatte, all die Daten, Texte, Bilder und die zugeh\u00f6rigen Programme, um \u00fcber&#8217;s Netz zu kommunizieren, wie ich es gewohnt bin.<\/p>\n<p>Im Internet-Caf\u00e9 wird mir erst richtig bewu\u00dft, wie wenig passiv meine Netzwanderungen \u00fcblicherweise sind. Auf einer Website mit grauenhaft kleiner Schrift landen, einen Screenshot machen, in der Bildbearbeitung einen passenden Ausschnitt w\u00e4hlen, abspeichern und als Mailanhang an den Webmaster schicken, damit der sieht, wie das bei mir aussieht &#8211; solche Aktionen fallen mir kaum mehr auf, doch wenn das pl\u00f6tzlich nicht mehr geht, f\u00fchl&#8216; ich mich wie gefesselt. Es fehlt auch die M\u00f6glichkeit, gleichzeitig mit Freunden und Kollegen zu telefonieren: Schau doch mal eben auf DIESE Website&#8230; und wenn es ein gemeinsames Werk ist, sie gleich updaten, etwas Neues ausprobieren, sich SOFORT Probeversionen als Attachement zusenden, gemeinsam Quelltexte studieren und vieles mehr. Nun nicht mal mehr per copy&#038;paste aus dem Datenfundus zitieren k\u00f6nnen, nur mehr m\u00fchsam und vergleichsweise unspontan \u00fcber Webmail korrespondieren &#8211; insgesamt ist das alles recht sperrig und bei weitem nicht die Art Kommunikation, die mir zur zweiten Natur geworden ist: Das Netz nicht nur NUTZEN, sondern auch KN\u00dcPFEN.<\/p>\n<p>Na, noch vier Tage, dann bin ich wieder richtig online. Am 28. will die Telekom tats\u00e4chlich den Anschlu\u00df schalten, ich hab&#8216; es sogar schriftlich. Montag und Dienstag bin ich sowieso ganz offline, die alte Wohnung in Gottesgabe mu\u00df noch renoviert werden. Das ist dann vorerst die letzte Reise nach Mecklenburg, bin mal gespannt, ob mir das Land fehlen wird!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So langsam nervt es, nicht ins Netz gehen zu k\u00f6nnen, wann immer es mir in den Sinn kommt. 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