{"id":3243,"date":"2001-05-31T12:24:46","date_gmt":"2001-05-31T10:24:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3243"},"modified":"2021-01-19T12:26:57","modified_gmt":"2021-01-19T11:26:57","slug":"das-netz-lebt-und-waechst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2001\/05\/31\/das-netz-lebt-und-waechst\/","title":{"rendered":"Das Netz LEBT und W\u00c4CHST!"},"content":{"rendered":"<p>Zum 4. InternetBreakfastForum traf man sich im Berliner Kempinsky zum Thema: Welche Dienste und Unternehmen haben Zukunft? Eine spannende Frage, die mich auch oft bewegt. Schade also, dass ich (noch) nicht hingehen konnte, dachte ich mir so, doch immerhin gab es gleich hinterher einen Ergebnisbericht. In dem steht wieder mal nur das drin, was derzeit geradezu litaneienhaft wiedergek\u00e4ut wird, n\u00e4mlich die tausendfach wiederholte Beschw\u00f6rung:<!--more--><\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Das mobile Internet ist der Zukunftsmarkt&#8220;.<\/p><\/blockquote>\n<p>Frustrierend, langweilig, \u00f6d. Ich kann ja verstehen, dass diejenigen, die mit dem Web das ganz gro\u00dfe Gesch\u00e4ft machen wollten, es nach dem gro\u00dfen Scheitern nun &#8222;mobil&#8220; nochmal probieren wollen. Viel Gl\u00fcck dabei, ich war schon immer daf\u00fcr, auch das schier Unm\u00f6gliche m\u00f6glich zu machen&#8230;:-)<\/p>\n<p>Aber genau DIESER High-Commerce-Blick auf die Welt und das Netz legt immer weitere Schichten Mehltau \u00fcber die Wirklichkeit, so dass es Unkundigen immer schwerer gemacht wird, den wahren Nutzen der Netze und Netzmedien zu erkennen. Dagegen muss man mal wieder anstinken!<\/p>\n<p>Bei der Frage, welche Dienste haben Zukunft, brauch&#8216; ich nur einfach mal Menschen fragen, Menschen, die das Netz nutzen, nicht nur mal kurz gucken. Und da seh ich auf der Ebene des &#8222;ganz normalen Lebens&#8220; jede Menge unverzichtbare Anwendungen, die auch genutzt werden und die noch weit &#8222;netziger&#8220; entwickelt werden k\u00f6nnen. Die Rede vom &#8222;Grossen Gespr\u00e4ch&#8220; ist definitiv der Dreh- und Angelpunkt: Individuen, Initiativen, Organisationen und Gruppen jeder Art k\u00f6nnen sich im Web ausdr\u00fccken, k\u00f6nnen mittels Mail, Foren, Newsletter, Mailinglisten ohne R\u00fccksicht auf Raum und Zeit Communities bilden bzw. Kontakte kn\u00fcpfen, zu welchen Zwecken auch immer und ihre jeweilige Sache vorantreiben. Zur Organisation des Alltags, von der Jobsuche \u00fcber Wohnungssuche und Umzug bis hin zum Kennenlernen eines neuen Stadtteils oder einer andere Stadt (einschl. der dort ans\u00e4ssigen Aktiven) ist das Internet nicht mehr wegzudenken. Auch Personal Publishing wird immer wichtiger: wer flexibel immer neue Aufgaben in immer neuen Zusammenh\u00e4ngen wahrnimmt, braucht zunehmend eine aussagekr\u00e4ftige Selbstdarstellung im Web, ein &#8222;Home&#8220;, wo Interessenten unterschiedlicher Lebensbereiche zu jeder Zeit andocken k\u00f6nnen &#8211; und das wiederum will gelehrt und gelernt sein &#8211; ein bi\u00dfchen Ahnung mu\u00df schon sein, auch wenn man einen Dienstleister beauftragt. Auch Kultur, Politik, sozialer Bereich und nat\u00fcrlich die Wissenschaftler dehnen ihre Kommunikation mehr und mehr ins Netz aus und lernen die spezifischen Vorteile kennen und sch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Es gibt jede Menge zu tun &#8211; aber die \u00d6ffentlichkeit stiert auf die Verlautbarungen der frustrierten Gro\u00dfkonzerne und auf die Pleiten manch&#8216; gr\u00f6\u00dfenwahnsinnigen StartUps, als w\u00e4ren deren Probleme unser aller einzig \u00f6ffentliches Interesse!<\/p>\n<p>Ich rede hier nicht irgendwie idealistisch gegen das Kommerzielle schlechthin an, wie k\u00e4me ich dazu, lebe ich doch auch von Webdienstleistungen, mit gro\u00dfer Freude sogar. Aber kommerziell erfolgreich ist in einem positiven Sinne immer der, der der Gesellschaft n\u00fctzt\/dient. Die ja &#8222;an sich&#8220; keinem wirtschaftlichen Zweck nachgeht, sondern den unz\u00e4hligen menschlichen Interessen ihrer Mitglieder.<\/p>\n<p>Musste ich mal los werden&#8230; :-) Und wenn ich zu guter Letzt mich noch frage, was ich eigentlich vom &#8222;mobilen Netz&#8220; will, dann ist mir das ganz klar: Ich m\u00f6chte das ganz normale Internet, mit Web und Mail und FTP und, und, und&#8230; per UMTS schnell genug auf einem kleinen, leichten und billigen Notebook (bzw. ein abgespecktes Ger\u00e4t) an jedem Ort der Welt zu nutzen. Wozu neue Dienste, extra f\u00fcr&#8217;s Handy? Sicher gibt es da die eine oder andere gute Idee, die auch Abnehmer finden wird &#8211; aber das GANZE Internet ist unersetzbar, genau DAS m\u00f6cht ich gern mobil. Und da bin ich sicher keine Exotin! Die ganzen Planungen, UMTS und Mobilnetz als NEUES (Markt-)FELD zu begreifen, stellt sich mir so betrachtet als der Versuch dar, uns &#8211; zumindest mobil &#8211; vom Netz abzukoppeln und mit teuren, extra aufbereiteten H\u00e4ppchen abzuspeisen, einzeln zu bezahlen, versteht sich.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum 4. InternetBreakfastForum traf man sich im Berliner Kempinsky zum Thema: Welche Dienste und Unternehmen haben Zukunft? Eine spannende Frage, die mich auch oft bewegt. Schade also, dass ich (noch) nicht hingehen konnte, dachte ich mir so, doch immerhin gab es gleich hinterher einen Ergebnisbericht. 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