{"id":3219,"date":"2001-04-21T15:51:46","date_gmt":"2001-04-21T13:51:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3219"},"modified":"2021-01-18T15:53:24","modified_gmt":"2021-01-18T14:53:24","slug":"mohammeds-gefuehl-fuer-schnee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2001\/04\/21\/mohammeds-gefuehl-fuer-schnee\/","title":{"rendered":"Mohammeds Gef\u00fchl f\u00fcr Schnee"},"content":{"rendered":"<p> Sp\u00e4tes Fr\u00fchst\u00fcck, Kaffee trinkend und Zeitung lesend sitzen wir in der K\u00fcche. Auf dem dritten Korbsessel liegt die Katze und blinzelt uns kritisch an. Der SPIEGEL bringt einen Bericht \u00fcber das Reich der sagenhaften K\u00f6nigin Saba. Wow, das mu\u00df ich laut vorlesen:    <\/p>\n<blockquote><p>&#8222;F\u00fcr jeden Schwips hatte der vorislamische Jemenit eine spezielle Bezeichnung. Den Morgeschicker nannte er Sabuh, den Mittagsrausch Oayl. Kippte er sich fr\u00fch abends einen hinter die Binde, sprach er von Fahma. Und wer noch in der Morgend\u00e4mmerung an der Flasche hing, durchlebte Jashiriyya. Fast scheint es, als h\u00e4tte Mohammend mit seinem Alkoholverbot die Notbremse gezogen, um den Absturz der S\u00fcdaraber ins Dauer-Delirium zu verhindern&#8220;.<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>&#8222;Wie findest du das?&#8220;, frag ich meinen Lebensgef\u00e4hrten. &#8222;Je mehr Begriffe f\u00fcr diesselbe Sache existieren, desto gr\u00f6\u00dfer ihre Bedeutung, hm? Ist ja wie bei den Eskimos, die dreissig Worte f\u00fcr Schnee kennen sollen. Das Alkoholverbot war also gar nicht religi\u00f6s begr\u00fcndet!&#8220;<br \/>\n&#8222;Das war Mohammeds Gef\u00fchl f\u00fcr Schnee&#8220;, meint Manfred. Ich bin hell entz\u00fcckt: Warum zum Teufel schreibt er nicht? Sowas w\u00fcrde mir NIE einfallen!<\/p>\n<p>Hier in Mecklenburg wird gewaltig gesoffen, die Lebenserwartung ist k\u00fcrzer, zwar gibt es in den D\u00f6rfern keine L\u00e4den mehr, aber ein &#8222;Getr\u00e4nkest\u00fctzpunkt&#8220; findet sich immer. Und wenn es auch daf\u00fcr zu sp\u00e4t ist, sorgen die Tank-Stellen f\u00fcr Nachschub rund um die Uhr. Ob es mit dem Klima zu tun hat? Die langen, \u00f6den, ereignislosen Winter?<\/p>\n<p>Jenseits von Umweltaspekten ist jede Droge ein Mittel, um aus der gew\u00f6hnlichen Rationalit\u00e4t auszusteigen. In der verwalteten, verregelten, technisierten und \u00f6konomisierten Welt finden sich immer weniger Nischen und Auszeiten f\u00fcr das blosse Abh\u00e4ngen, f\u00fcr Herumbl\u00f6deln und Fr\u00f6hlichkeit, f\u00fcr Rausch und Trance. St\u00e4ndig ist Vernunft und Kalk\u00fcl gefragt, &#8222;Fit for Fun&#8220; ist der reine Hohn, stellt diese Forderung doch auch noch den reinen Spa\u00df unter die Knute des Leistungsprinzips! Es gibt kein Recht auf Faulheit, sagt der Kanzler. Und es wundert nicht, dass zu bestimmten Zeiten die Leute vor den Toren der Irrenanstalten in den Metropolen geradezu Schlange stehen, um aufgenommen zu werden.<\/p>\n<p>Oder sich eben zusch\u00fctten. Und heute rettet kein Alkoholverbot. Es w\u00e4re undenkbar, denn anders als zu Mohammeds Zeiten ist es nicht mehr angesagt, Gott zu suchen (oder ihn einen guten Mann sein zu lassen). Wir m\u00fcssen uns um den DAX und den Euro k\u00fcmmern, BSE und MKS in den Griff kriegen, und vor allem wachsen, wachsen, wachsen&#8230;. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sp\u00e4tes Fr\u00fchst\u00fcck, Kaffee trinkend und Zeitung lesend sitzen wir in der K\u00fcche. Auf dem dritten Korbsessel liegt die Katze und blinzelt uns kritisch an. Der SPIEGEL bringt einen Bericht \u00fcber das Reich der sagenhaften K\u00f6nigin Saba. 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