{"id":3218,"date":"2001-04-18T15:47:37","date_gmt":"2001-04-18T13:47:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3218"},"modified":"2021-01-18T15:51:30","modified_gmt":"2021-01-18T14:51:30","slug":"sag-mir-wer-ich-bin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2001\/04\/18\/sag-mir-wer-ich-bin\/","title":{"rendered":"Sag mir, wer ich bin!"},"content":{"rendered":"<p>Gestern abend rief mich ein Unbekannter an und bezog sich zum Einstieg auf den Titel des letzten Eintrags: &#8222;Der User existiert&#8220;. Er wolle sehen, bzw. h\u00f6ren, ob ich wirklich existiere. Nun gut, es gibt mich tats\u00e4chlich, doch war das nat\u00fcrlich nicht der Grund des Telefonats. Seines Zeichens Psychoanalytiker wollte mir der Mensch mit der freundlichen, aber etwas verspannt klingenden Stimme mitteilen, da\u00df ich doch etwas anderes tun solle. Ich sei &#8222;Web-satt&#8220;, w\u00fcrde zuviel schreiben, meine Zeit im Internet \u00fcberfl\u00fcssig verplempern &#8211; auch sei es nicht angesagt, nach Berlin zu ziehen, im S\u00fcden, z.B. in meiner Geburtsstadt Ulm k\u00f6nne ich mich viel besser entfalten. Schlu\u00dfendlich sei das, was ich mache, keine ECHTE Kommunikation, und schon gar nicht eine im Sinne des <a href=\"https:\/\/www.cluetrain.com\/auf-deutsch.html\">Cluetrain-Manifests!<\/a><!--more--><\/p>\n<p>Wow, wenn jemand soviel \u00fcber mich wei\u00df, mehr als ich selbst, die ich mich doch schon so lange kenne, dann frag&#8216; ich doch gleich weiter: WAS soll ich denn statt dessen machen? F\u00fcr neue Vorschl\u00e4ge bin ich offen! Leute, sagt mir, was ich tun soll, ich sammle die Vorschl\u00e4ge und lasse dann dar\u00fcber abstimmen! :-). Leider hatte mein Gegen\u00fcber dazu keinerlei Ideen, wollte mir offensichtlich nur das gro\u00dfe &#8222;So nicht!&#8220; her\u00fcberreichen &#8211; aber warum nur? Und warum schreibt er keine Mail? Weil das keine ECHTE Kommunikation w\u00e4re? Das ist jedenfalls ein Irrtum, doch gestandene Telefonierer sehen das selten ein (siehe Weiteres per Telefon?). &#8222;Durch das Internet kommen Menschen miteinander ins Gespr\u00e4ch, das war im Zeitalter der Massenmedien undenkbar&#8220;, Cluetrain-Manifest, Punkt 6. Vom &#8222;Ins Telefonieren kommen&#8220; ist keine Rede, und wenn es in Punkt 5 hei\u00dft: &#8222;Menschen erkennen einander am Klang ihrer Stimme&#8220;, so bezieht sich das, wie der weitere Kontext zeigt, auf die \u00fcbliche gro\u00dfkotzige Marketing-Sprache, die sich auf so vielen Unternehmensseiten findet. Spreche ich etwa so? Gr\u00fcbel&#8230;<\/p>\n<p>Mail hat im \u00fcbrigen auch einen &#8222;Sound&#8220; und es ist manchmal ulkig, wie dieser Ton sich von der physischen Stimme unterscheidet! Verschiedentlich kompensiert das eine das andere, wenn sich etwa jemand per Mail oder in Foren eher autorit\u00e4r gibt (viele Ausrufungszeichen, Gro\u00dfschreibungen, unbegr\u00fcndete Behauptungen etc.), und am Telefon sp\u00fcrt man dann die Angst vor dem Anderen, die Sch\u00fcchternheit, die Fluchttendenzen &#8211; was ist davon also &#8222;echt&#8220;? Ich denke beides, und es kommt darauf an, den f\u00fcr das angestrebte Ziel angemessensten Kanal zu w\u00e4hlen. Bevor ich jemanden &#8222;von Angesicht&#8220; treffe, telefoniere ich gerne erstmal, damit der &#8222;Schock&#8220; nicht so gro\u00df ist, wenn das per Text entstandene Geb\u00e4ude der Projektionen zusammenbricht. Das ist allerdings rein pragmatisch gedacht, denn &#8222;in Wahrheit&#8220; ergibt die Stimme nur neues Material f\u00fcr andere Projektionen, genau wie der physische K\u00f6rper, die Mimik und Gestik, wenn der Andere vermeintlich GANZ vor mir steht. Letztlich interpretiere ich meine Wahrnehmungen IMMER anhand eigener Erfahrungen und Befindlichkeiten. Der einzige Weg, dem Anderen n\u00e4her zu kommen ist, sich selber n\u00e4her zu treten.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern abend rief mich ein Unbekannter an und bezog sich zum Einstieg auf den Titel des letzten Eintrags: &#8222;Der User existiert&#8220;. Er wolle sehen, bzw. h\u00f6ren, ob ich wirklich existiere. Nun gut, es gibt mich tats\u00e4chlich, doch war das nat\u00fcrlich nicht der Grund des Telefonats. 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