{"id":3211,"date":"2001-04-06T15:00:25","date_gmt":"2001-04-06T13:00:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3211"},"modified":"2021-01-18T15:32:19","modified_gmt":"2021-01-18T14:32:19","slug":"vom-fluss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2001\/04\/06\/vom-fluss\/","title":{"rendered":"Vom Flu\u00df"},"content":{"rendered":"<p>Heute also Berlin. Hat sich spontan so ergeben, denn mein Nachbar f\u00e4hrt hin. Ich werde alte Freunde besuchen, meinen Yogalehrer treffen, und, wenn Zeit bleibt, ein bi\u00dfchen im &#8222;neuen Berlin&#8220; herumwandern, Sonntag dann wieder &#8222;drau\u00dfen&#8220; sein, gl\u00fccklich dar\u00fcber. Bewegung muss wohl sein.<!--more--><\/p>\n<p>Muss? Warum denn so negativ? Manchmal w\u00fcnsche ich, ich k\u00f6nnte Bereiche in meinem Ged\u00e4chtnis wie eine Festplatte l\u00f6schen. Da gibt es n\u00e4mlich Meinungen und \u00dcberzeugungen, von denen ich mittlerweile nicht mehr sicher bin, ob sie mich nicht mehr behindern als bef\u00f6rdern. Es sind genau die Dinge, von denen ich denke, dass sie &#8211; im Gegensatz zu vielem Gelesenen und Geh\u00f6rten &#8211; wirklich &#8222;auf meinem Mist&#8220; gewachsen sind. Zum Beispiel das Gel\u00e4stere \u00fcber Mobilit\u00e4t, Bewegung, Fortschrittsdenken etc.: Klar, das st\u00e4ndige Herumreisen vieler Menschen finde ich irgendwie krank, zielloses Rumfahren mit dem Auto noch viel mehr. Genauso absurd, wie dieses dauernde &#8222;Sich verbessern wollen&#8220;, Fortschritte machen (wohin bitte?), expandieren, nach dem n\u00e4chsten Erfolg gieren, der dann doch bei Erreichen nichts Befriedigendes bringt, allenfalls neue W\u00fcnsche und jede Menge Neid. Und ganz besonders platt wirkt dieses Verhalten, wenn es dabei immer nur um Geld geht, als k\u00f6nnte das dickere Bankkonto jemanden vor dem Tod erretten.<\/p>\n<p>Was ist das aber f\u00fcr ein Beitrag zur Welt, wenn ich mich mit solchen Meinungen &#8222;zur Ruhe setze&#8220;, meine eigenen Bewegungs- und Ver\u00e4nderungsimpulse nur noch sp\u00f6ttisch kommentiere und einfach aussitze? Die Einsicht, dass es mir gut, ja vermutlich besser geht als 90% der Weltbev\u00f6lkerung, ist WIRKLICH ein Fortschritt gegen\u00fcber meiner fr\u00fcheren Jammerei und Schimpferei (b\u00f6se Menschen, b\u00f6se Welt). Aber muss das hei\u00dfen, da\u00df sich nun nichts mehr zu \u00e4ndern braucht? Ja, nichts mehr \u00e4ndern DARF? Das st\u00e4ndige &#8222;Gieren nach Mehr&#8220; ist mir tats\u00e4chlich fremd geworden &#8211; aber wer sagt denn, da\u00df nicht andere Formen, andere Gr\u00fcnde, andere Bewegungsimpulse m\u00f6glich sind? Spielerische zum Beispiel?<\/p>\n<p>Eine Eigenschaft dieser seltsamen Existenz ist, da\u00df es keinen Pausenraum gibt. Man kann nicht an einer bestimmten Stelle sagen: Jetzt ist es gut so, das war&#8217;s, so kann es bleiben. Wer das tut und damit versucht, aus dem Spiel auszusteigen, wird erleben, da\u00df von allen Seiten Kr\u00e4fte auftreten, die den erreichten Status Quo angreifen. Und schon ger\u00e4t man in die Defensive, beginnt, das Erreichte zu verteidigen, sich also doch zu bewegen &#8211; nur jetzt in einer unerquicklicheren Form! Mich erinnert das an einen Wildbach: da gibt es auch oft Gegenst\u00e4nde, die sich weigern, mitzuschwimmen, materielle Anh\u00e4ufungen, die sich mal eben verkeilen, am Boden festkrallen und ihr ganzes &#8222;Gewicht&#8220; dem Flu\u00df entgegen setzen. Und was geschieht? Es entstehen Wirbel um diese Hindernisse herum, das Sprudeln und Ziehen wird st\u00e4rker, der Flu\u00df ignoriert die Anh\u00e4ufung nicht, sondern untersp\u00fclt und untergr\u00e4bt sie, bis der Widerstand gebrochen ist und wieder alles flie\u00dft. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute also Berlin. Hat sich spontan so ergeben, denn mein Nachbar f\u00e4hrt hin. Ich werde alte Freunde besuchen, meinen Yogalehrer treffen, und, wenn Zeit bleibt, ein bi\u00dfchen im &#8222;neuen Berlin&#8220; herumwandern, Sonntag dann wieder &#8222;drau\u00dfen&#8220; sein, gl\u00fccklich dar\u00fcber. Bewegung muss wohl sein.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[148,471,11],"tags":[],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3211"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3211"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3211\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3211"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3211"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3211"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}