{"id":320,"date":"2009-08-13T09:59:58","date_gmt":"2009-08-13T07:59:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=320"},"modified":"2009-08-13T22:26:40","modified_gmt":"2009-08-13T20:26:40","slug":"urlaubssehnsuechte-eines-urlaubsmuffels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2009\/08\/13\/urlaubssehnsuechte-eines-urlaubsmuffels\/","title":{"rendered":"Urlaubssehns\u00fcchte eines Urlaubsmuffels"},"content":{"rendered":"<p>Die dritte Reise nach Kambodscha, die ich eigentlich vorgehabt hatte, wird nicht stattfinden. Das ist schon seit einigen Wochen klar: nicht nochmal an denselben Ort, der einfach zu weit weg liegt, um mit gutem Gewissen &#8222;just for fun&#8220; ein drittes Mal Geld, Zeit und einen allzu langen Flug daf\u00fcr aufzuwenden.<!--more--><\/p>\n<p>Manchmal ist mir da schon ein wenig wehm\u00fctig ums Herz, denn auch zweimal 6 Wochen haben gereicht, um mir heimelige Gef\u00fchle zu vermitteln: Das wundervolle Appartement mit Blick auf die Riverside von Phnom Penh, in dem ich bei meinem lieben, aber sehr fernen Freund P. zu Gast war; die bunten, sinnlichen, lauten und sehr <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2008\/02\/18\/erste-spaziergaenge-in-phnom-penh\/\">sehr exotischen M\u00e4rkte<\/a>, der fr\u00fchmorgendliche Singsang der buddhistischen M\u00f6nche, der Ruf des Muezzins f\u00fcnfmal am Tag, p\u00fcnktlich her\u00fcber schallend von der Moschee auf der anderen Seite des Tongle Sap &#8211; und alles eingetaucht ins helle Licht der Tropen, die schw\u00fcle Hitze, die alles verlangsamt und ein ganz anderes Lebensgef\u00fchl vermittelt: mehr im hier und jetzt, denn f\u00fcr mehr reicht die Energie einfach nicht. Angenehm!<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"mitte\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/bilder\/tonglesap.jpg\" alt=\"\" \/><\/p>\n<p>Doch jetzt sitze ich hier am Monitor in Berlin-Friedrichshain bei wechselhaftem, gar nicht zu hei\u00dfem Wetter. Das mediale Sommerloch ist trotz Wahlkampf sp\u00fcrbar, drau\u00dfen gibt es viele Parkpl\u00e4tze, denn viele Berliner sind in Urlaub. W\u00fcsste ich, dass ich im November wieder verreise, w\u00fcrde mir das kaum auffallen. So aber hab&#8216; ich nichts vor, was den Alltag zwischen Rudolfplatz und <a href=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\">Kleingarten<\/a> (immerhin!) unterbrechen wird &#8211; und zum ersten Mal sp\u00fcre ich sowas wie &#8222;Urlaubsreife&#8220;.<\/p>\n<h2>Warum ich keine Touristin wurde<\/h2>\n<p>URLAUB war mir ein Leben lang suspekt: Bis 17 mit der Family immer am selben Ort in Bella Italia, verweigerte ich im folgenden dieses \u00f6de, immer gleiche Ferienritual, das mir nun \u00e4u\u00dferst spie\u00dfig vorkam. Und doch hatte es mich, wie ich bei Gelegenheit einiger Reisen mit Freunden bemerkte, unab\u00e4nderlich gepr\u00e4gt: Ich konnte mich nicht begeistern f\u00fcr diese fl\u00fcchtige Herumreisen, heute hier, morgen dort, einfach mal gucken, essen gehen, vielleicht was besichtigen und schon bald wieder weiter. Was hatte ich mit diesen fernen Gegenden zu tun, wo ich weder jemanden kannte, noch irgend etwas vorhatte?<\/p>\n<p>Ich LANGWEILTE mich und gab das urlauben einfach auf. Mein Leben sollte dort stattfinden, wo ich wohne, wo meine Freunde sind, wo ich arbeite und mich als B\u00fcrgerin berechtigterweise ins politische Geschehen einbringen kann. Ein angestrengtes, freudloses, von vielen Zw\u00e4ngen und einem Terminkorsett eingegrenztes Leben, das nur auf die vier Wochen Urlaub im Jahr schielt, wollte ich nie und nimmer f\u00fchren! (So hatte ich das n\u00e4mlich bei Kollegen mitbekommen w\u00e4hrend verschiedener Jobs meiner Studentenzeit: Kataloge w\u00e4lzend, was man sich kaufen und wohin man reisen wird &#8211; f\u00fcr mich der Gipfel etablierter Leidenschaftslosigkeit!).<\/p>\n<p>Auch Kambodscha war kein Urlaub mit &#8222;Erholungsabsicht&#8220; gewesen: die Reisen hatten sich durch eine neue Freundschaft ergeben, durch die Einladung eines Menschen, der dort lebt und arbeitet. Der sich dann auch wundervoll um mich und meinen Begleiter k\u00fcmmerte und uns Einblicke verschaffte, die man als Durchreise-Tourist (die im Schnitt 1,5 Tage f\u00fcr Kambodscha aufwenden) nie und nimmer gehabt h\u00e4tte.<\/p>\n<h2>Mal raus aus dem Gewohnten&#8230;<\/h2>\n<p>Nun gut &#8211; vorbei! Aber was jetzt?\u00a0 Auf einmal vermisse ich die Gelegenheit, mal &#8222;aus allem raus&#8220; zu kommen, die gewohnte Umgebung zu verlassen und all die routinierten Abl\u00e4ufe durch einen Ortswechsel zu unterbrechen. Es muss ja nicht gleich wochenlang sein&#8230;<\/p>\n<p>Seltsam, das nun doch auch mal zu erleben:\u00a0 es geht eben NICHT darum, dass der eigene Alltag, das &#8222;normale Leben&#8220; irgendwie nicht in Ordnung ist, um sich anderswohin zu w\u00fcnschen.\u00a0 Im Gegenteil: f\u00fcr mich gibt es nichts, was ich mir da ANDERS w\u00fcnschen w\u00fcrde, es ist alles gut, wie es ist. Und doch: mal wieder eine Abwechslung mit neuen Eindr\u00fccken w\u00e4re schon nicht schlecht! :-)<\/p>\n<p>Mal sehen, was sich ergibt. Ein Wunsch ist ja wie ein Vakuum, das schnell irgend etwas ansaugt, um es zu f\u00fcllen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die dritte Reise nach Kambodscha, die ich eigentlich vorgehabt hatte, wird nicht stattfinden. Das ist schon seit einigen Wochen klar: nicht nochmal an denselben Ort, der einfach zu weit weg liegt, um mit gutem Gewissen &#8222;just for fun&#8220; ein drittes Mal Geld, Zeit und einen allzu langen Flug daf\u00fcr aufzuwenden.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[9],"tags":[],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/320"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=320"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/320\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=320"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=320"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=320"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}