{"id":3124,"date":"2020-08-16T10:23:24","date_gmt":"2020-08-16T08:23:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3124"},"modified":"2020-08-19T11:30:10","modified_gmt":"2020-08-19T09:30:10","slug":"ein-grusliger-einblick-alles-antifeministen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2020\/08\/16\/ein-grusliger-einblick-alles-antifeministen\/","title":{"rendered":"Ein &#8222;grusliger Einblick&#8220; &#8211; wirklich alles Antifeministen?"},"content":{"rendered":"<p>Auf Piqd ist gestern die Kurzrezension eines Tagesspiegel-Artikels erschienen, der mich zu einem ungew\u00f6hnlich kantigen Kommentar inspiriert hat. Da schreibt Meike Leopold: <!--more--><\/p>\n<blockquote><p><a href=\"https:\/\/www.piqd.de\/feminismus\/ein-tiefer-und-gruseliger-einblick-in-die-szene-der-antifeministen\">Ein tiefer und gruseliger Einblick in die Szene der &#8222;Antifeministen&#8220;<\/a><\/p>\n<p>Es gibt Artikel, da bleibt einem das ungl\u00e4ubige Lachen schnell im Halse stecken. Dieser geh\u00f6rt definitiv dazu. Es ist ein Blick in Abgr\u00fcnde, die frau nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten hatte. Ein Blick in die hermetisch abgeriegelte und mit Verschw\u00f6rungsmythen durchsetzte Gedankenwelt der sogenannten Antifeministen, die mit Argumenten oder Fakten sicher nicht mehr erreichbar sind. Viele ihrer Protagonisten wollten bezeichnenderweise nicht mit dem Verfasser dieses Beitrags sprechen.<\/p>\n<p>Gerne verbr\u00e4men diese M\u00e4nner ihren tiefsitzenden Frauenhass, indem sie sich als M\u00e4nnerrechtler bezeichnen. Sie stellen ihre gef\u00e4hrlichen Thesen quasi als Notwehr gegen die angebliche \u00dcbermacht der Frauen dar. Sie behaupten zum Beispiel, Frauen seien gar keine Opfer h\u00e4uslicher Gewalt. Sie meinen allen Ernstes, dass jetzt endlich die Reihe an ihnen sein sollte. Sie haben sogar Einfluss in einer Partei wie der FDP (!) und werden als &#8222;Experten&#8220; angeh\u00f6rt&#8230;..<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"https:\/\/www.piqd.de\/feminismus\/ein-tiefer-und-gruseliger-einblick-in-die-szene-der-antifeministen\">Weiter auf Piqd<\/a>.<\/p>\n<p>Der Artikel, um den es geht, stammt von Sebastian Leber und ist getitelt: <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/themen\/reportage\/das-netzwerk-der-antifeministen-wenn-fragile-maennlichkeit-gefaehrlich-wird\/26072892.html\">Das Netzwerk der Antifeministen: Wenn fragile M\u00e4nnlichkeit gef\u00e4hrlich wird<\/a>. Geziert mit dem Gesicht des widerlichen Attent\u00e4ters B., damit auch gleich der &#8222;richtige&#8220; Eindruck entsteht:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3125\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/tsantifem.jpg\" alt=\"Tagesspiegel-Artikel\" width=\"640\" height=\"544\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/tsantifem.jpg 640w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/tsantifem-300x255.jpg 300w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/tsantifem-500x425.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Man sollte dieses St\u00fcck Journalismus vielleicht gelesen haben, um den \u00c4rger zu verstehen, der mich veranlasst hat, zu schreiben:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Ich finde diese &#8222;Zusammenfassende Einleitung&#8220; unterirdisch! Und dann auch gleich noch die Fratze von Breivik als Illu, damit auch gleich klar ist, wie all diese M\u00e4nnerbewegten einzusch\u00e4tzen sind.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist auch der beworbene Artikel eine maximal feindselige Art der Darstellung einer sehr differenzierten Szene, die rechte, linke, sozialdemokratische, liberale, konservative &#8211; und ja, auch radikale Frauenhasser umfasst. Dem Artikel merkt man phasenweise stark an, wie schwer es letztlich f\u00e4llt, mal eben so alle in denselben b\u00f6sartigen Topf zu stecken: alles Frauenfeinde, in ihrer M\u00e4nnlichkeit Verunsichert, wom\u00f6glich Gewaltbereite Dumpfbacken (&#8222;Terroristen&#8220; kommt gleich im Untertitel, in der eine einzelne Aussage mal eben auf &#8222;sie&#8220; n\u00e4mlich ALLE bezogen wird).<\/p>\n<p>Und dann auch noch die Verlinkung! Normalerweise verlinkt man bei indirekten Zitaten zu den Quellen &#8211; hier dagegen wird nicht etwa die jeweilige Argumentation zum Nachlesen (und sich selbst eine Meinung bilden) verlinkt, sondern Artikel, die die &#8222;herrschende Meinung&#8220; wiedergeben. Kann man machen, wirkt aber manipulativ: offenbar soll Frau davor bewahrt werden, die Argumente der anderen Seite auch nur mal zur Kenntnis zu nehmen.<\/p>\n<p>Mich \u00e4rgert diese Art feministischer Populismus, der an einer ernsthaften Debatte \u00fcber diverse Anliegen der M\u00e4nnerblogger gar nicht interessiert ist &#8211; und das auf genau diese Art auch immer wieder zeigt!<\/p>\n<p>Ich komme auf das Thema, weil ich schon seit Jahren in meiner Blogroll feministische und m\u00e4nnerrechtliche Blogs mit ihren jeweilig letzten Beitr\u00e4gen erfasse und punktuell auch mitlese. Dabei ist mir aufgefallen, dass es in der M\u00e4nnerszene durchaus einige Anliegen gibt, die ich f\u00fcr berechtigt halte, auf jeden Fall einer fairen Debatte wert! Und ich habe auch mitbekommen, dass diese von feministischen Blogs nie in irgend einer Form zur Kenntnis genommen werden, bzw. nie darauf reagiert wird (kundigen Widerspruch h\u00e4tte ich erwartet) &#8211; ganz egal, wie sachlich, hassfrei und gut belegt sie daher kommen.<\/p>\n<p>Als Mitlesende dr\u00e4ngt sich nach einiger Zeit der Eindruck auf, dass es unausgesprochene Gr\u00fcnde gibt, diesen Anliegen lieber nicht durch Befassung mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen: es k\u00f6nnte ja sein, dass es Themen und Bereiche gibt, wo die sprichw\u00f6rtlichen &#8222;billig und gerecht Denkenden&#8220; (ein juristischer Terminus f\u00fcr das spontane Empfinden von Gerechtigkeit der Allgemeinheit) mit diesen Anliegen durchaus sympathisiert.<\/p>\n<p>Bisher hab&#8216; ich mich da weit gehend raus gehalten, aber dass solche Artikel noch immer derart undifferenziert &#8222;drauf hauen&#8220; motiviert mich, k\u00fcnftig mal einige dieser M\u00e4nnerblogs und Anliegen selbst in meinem Mischthemenblog (Digital Diary) zu rezensieren.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Meike h\u00e4lt mir nun entgegen:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Danke f\u00fcr deine Meinung. Ich habe das \u00fcberhaupt nicht so empfunden. Zumal es in dem Artikel nicht um M\u00e4nnerrechtler ging, die sich mit dem Thema M\u00e4nnlichkeit in einem konstruktiven Sinne befassen, sondern ausdr\u00fccklich um solche, die dieses Label nutzen, um gegen Feministinnen zu agitieren. &#8222;<\/p><\/blockquote>\n<p>Nun, auch ich hege keinerlei Sympathien f\u00fcr &#8222;Antifeministen&#8220;, die als &#8222;ewig Gestrige&#8220; die Errungenschaften der Frauenbewegung als Beleidigung ihrer M\u00e4nnlichkeit empfinden und einfach aus Frauenhass alles Feministische bek\u00e4mpfen, beschimpfen und verunglimpfen.<\/p>\n<p>Ich bin zu Zeiten der 2.Frauenbewegung sozialisiert und stehe auch heute zu diesen Werten. Das h\u00e4lt mich nicht davon ab, M\u00e4nnerblogs zu lesen, denn &#8222;mein Feminismus&#8220; war und ist immer schon ein Humanimus. Gerechtigkeit, Zuh\u00f6ren, Antisexismus (gegen\u00fcber allen Geschlechtern), ehrliche Debatten und Argument-gest\u00fctztes Verhandeln unterschiedlicher Interessen geh\u00f6ren dazu.<\/p>\n<p>Sebastian Leber l\u00e4sst allerdings in seinem Artikel keine Zweifel aufkommen, was von den &#8222;M\u00e4nnerrechtlern&#8220; zu halten ist. Er benennt und zitiert die bekannten Extremisten und Rechtsau\u00dfen der Szene, tut dann aber alles, um den Eindruck zu erwecken, auch alle anderen seien lediglich aus strategisch-taktischen Gr\u00fcnden um ein seri\u00f6ses M\u00e4ntelchen bem\u00fcht. Auch sie geh\u00f6ren aus seiner Sicht zum &#8222;Netzwerk der Antifeministen&#8220;, das auch bekannte Frauen hassende Terroristen umfasse, denen er dann breiten Raum in seinem Artikel einr\u00e4umt.<\/p>\n<p>Wer hat nach einem solchen Rundumschlag noch Lust, sich mit m\u00e4nnerrechtlichen Positionen zu befassen? Lebers Artikel ist nur ein Beispiel f\u00fcr viele Publikationen, denen man leicht anmerkt, dass sie keineswegs an ehrlicher Auseinandersetzung interessiert sind. Ganz im Gegenteil werden Feminismus-kritische Blogger entweder ignoriert oder als l\u00e4cherlich, unglaubw\u00fcrdig bzw. krass frauenfeindlich dargestellt.<\/p>\n<p>Dass dieser Eindruck bei weitem nicht auf alle m\u00e4nnerbewegten Blogger und alle von ihnen vertretenen Positionen zutrifft, hat mir meine Lekt\u00fcre der &#8222;<a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/geschlechter-blogs\/\">Geschlechterblogs<\/a>&#8220; [Aufruf dauert] \u00fcber die Jahre gezeigt. Ich erwarte dort auch nicht vornehmlich, dass sie sich &#8222;mit dem Thema M\u00e4nnlichkeit in einem konstruktiven Sinne befassen&#8220;, denn es geht ihnen um Anliegen, die aus ihrer Sicht vom derzeitigen Feminismus \u00fcbergangen, ignoriert oder geleugnet werden. Sie sind also tats\u00e4chlich &#8222;Feminismus-kritisch&#8220; und d\u00fcrfen das auch sein. Frau kann ja widersprechen, was ich hier und dort auch getan habe (\u00fcbrigens ohne gel\u00f6scht zu werden wie in manchen feministischen Blogs). Der Begriff &#8222;Antifeminist&#8220; wird allzu gerne auch allen angehangen, die sich Feminismus-kritisch \u00e4u\u00dfern. Er fungiert somit als Kampfbegriff, der Voreingenommenheiten erzeugt und ernsthafte Debatten verhindert.<\/p>\n<p>Weil dieser kleine &#8222;Schlagabtausch&#8220; auf <a href=\"https:\/\/www.piqd.de\/\">Piqd<\/a> (ein lesenswertes, n\u00fctzliches Portal mit vielerlei Themenbereichen!) in der Sache notwendigerweise recht verallgemeinernd bleiben musste, will ich meinem Aufruf zur Differenzierung nun auch folgen.<\/p>\n<p>Anders als hier sonst \u00fcblich, <strong>lade ich nicht zu Kommentaren ein<\/strong>, sondern werde in n\u00e4chster Zeit Einzelf\u00e4lle rezensieren, an deren Beispiel man dann inhaltlich debattieren kann. Welches &#8222;M\u00e4nnerblog&#8220; es als erstes sein wird, wei\u00df ich noch nicht, sondern schwanke zwischen drei m\u00f6glichen Kandidaten aus der Blogroll <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/geschlechter-blogs\/\">&#8222;Geschlechterblogs&#8220;<\/a>, in deren Intro es aus Gr\u00fcnden hei\u00dft:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;&#8230;.Mit der Aufnahme in diese Blogroll ist keinerlei Wertung oder Stellungnahme meinerseits zu den jeweiligen Inhalten verbunden!&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8220;&#8216;<\/p>\n<p>Update 18.8.:<\/p>\n<p>Offenbar hat es ein Missverst\u00e4ndnis gegeben, meine Formulierung<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Er benennt und zitiert die bekannten Extremisten und Rechtsau\u00dfen der Szene, tut dann aber alles, um den Eindruck zu erwecken, auch alle anderen seien lediglich aus strategisch-taktischen Gr\u00fcnden um ein seri\u00f6ses M\u00e4ntelchen bem\u00fcht. Auch sie geh\u00f6ren aus seiner Sicht zum &#8222;Netzwerk der Antifeministen&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>l\u00e4sst denken, dass ich den ebenfalls zitierten M\u00e4nnerrechtler Matthias Enderle zu den &#8222;Rechtsau\u00dfen der Szene&#8220; z\u00e4hle. Das war nicht meine Absicht, sorry! Er geh\u00f6rt f\u00fcr mich zu den gemeinten &#8222;Anderen&#8220;. Das Statement des ebenfalls von Enderle zitierten Publizisten Gunnar Kunz zum Feminismus als &#8222;gr\u00f6\u00dfte Bedrohung der Demokratie&#8220; gibt jedoch durchaus Anlass, ihn als rechts-au\u00dfen wahrzunehmen.<\/p>\n<p>Update 19.8.: <\/p>\n<p>Mittlerweile hat sich <strong>Gunnar Kunz<\/strong> zum Tagesspiegel-Artikel ge\u00e4u\u00dfert und einen <a href=\"https:\/\/alternativlos-aquarium.blogspot.com\/2020\/08\/der-qualitaetsjournalismus-schlaegt-wieder-zu.html\">offenen Brief an den Autor Leber<\/a> ver\u00f6ffentlicht. Darin distanziert er sich deutlich von &#8222;extremistischen Au\u00dfenseiterpostitionen&#8220;, die in der M\u00e4nnerbewegung aus seiner Sicht keine Rolle spielen. Im \u00fcbrigen nimmt er Lebers Artikel noch viel detaillierter auseinander als ich es in meinem kurzen Rant tat. Durchaus lesenswert!<\/p>\n<p>Auch der sozialliberale M\u00e4nnerrechler <strong>Uepsilonniks<\/strong> widmet sich ausf\u00fchrlich dem <a href=\"https:\/\/uepsilonniks.wordpress.com\/2020\/08\/07\/mangelhafte-journalismus-vom-tagesspiegel\/\">mangelhaften Journalismus vom Tagesspiegel<\/a>. Absatz f\u00fcr Absatz setzt er sich mit den Behauptungen, Zitaten und Schlussfolgerungen Lebers auseinander und vermittelt dabei jede Menge Positionen, Argumente und Belege m\u00e4nnerpolitischer Akteure. <em>(Um eine Meinung \u00fcber ihre Berechtigung zu bilden, sollte mensch sie zumindest kennen!)<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Piqd ist gestern die Kurzrezension eines Tagesspiegel-Artikels erschienen, der mich zu einem ungew\u00f6hnlich kantigen Kommentar inspiriert hat. 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