{"id":3117,"date":"2020-07-30T11:27:24","date_gmt":"2020-07-30T09:27:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3117"},"modified":"2020-07-30T12:29:37","modified_gmt":"2020-07-30T10:29:37","slug":"die-zukunft-gehoert-uns-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2020\/07\/30\/die-zukunft-gehoert-uns-nicht\/","title":{"rendered":"Die Zukunft geh\u00f6rt uns nicht"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8230;aber wir brauchen sie trotzdem!<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Viele Jahre lang hatten sie ihr Alter geplant. Noch in diesem Sommer wollten sie ihre selbstst\u00e4ndigen Berufe auf ein Minimum herunter fahren. Nach Turbulenzen in den letzten Jahrzehnten war es ihnen gelungen, die Finanzen wieder so zu ordnen, dass ein sorgenfreier Lebensabend in greifbarer N\u00e4he schien. Sie freuten sich aufs Reisen, auf vieles, was sie sich f\u00fcr &#8222;sp\u00e4ter&#8220; vorgenommen hatten. Und auf ihre anstehende Silberhochzeit. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/weg.jpg\" alt=\"Weg \/ Zukunft-Symbolbild\" width=\"640\" height=\"334\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3119\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/weg.jpg 640w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/weg-300x157.jpg 300w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/weg-500x261.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Doch diese Zukunft wird es nicht geben. Ganz pl\u00f6tzlich ist mein alter Freund in diesem Fr\u00fchjahr verstorben &#8211; obwohl &#8222;eigentlich&#8220; gesund, fit, aktiv und j\u00fcnger aussehend. Gemerkt hatte ich es, als die Blumen zum Geburtstag ausblieben, die er Jahr f\u00fcr Jahr gesendet hatte. Die Todesanzeige fand ich im Netz &#8211; verst\u00f6rend! Zur\u00fcck bleibt seine Frau, die nicht nur ihren geliebten Mann, sondern auch die gemeinsame Zukunft verloren hat. Eine Zukunft, mit der sie fest gerechnet, auf die sie hingelebt hat. Wie furchtbar!<\/p>\n<p>Was sagt uns das? Verschiebe nichts auf sp\u00e4ter, denn es k\u00f6nnte kein &#8222;sp\u00e4ter&#8220; geben? &#8222;Hier und jetzt&#8220; ist die einzige Wirklichkeit? Carpe diem?<\/p>\n<p>Jeder kennt diese philosophisch-spirituellen Ratschl\u00e4ge. Aber beachten wir sie auch? Geht das \u00fcberhaupt? Was ist mit all den anderen Weisungen, die dazu auffordern, Ziele anzustreben, nach Visionen zu suchen, Fortschritte zu machen? &#8222;Wo sehen Sie sich in f\u00fcnf Jahren?&#8220; fragen Personalmanager die Mitarbeiter und wer da nur mit den Schultern zuckt, macht gewiss keinen guten Eindruck. <\/p>\n<p><strong>Die Zukunft geh\u00f6rt uns nicht<\/strong> und doch tun wir so, als geh\u00f6re sie zum Besitzstand. Wir <em>rechnen<\/em> mit ihr. Kommt es dann doch ganz anders, ist der Verlust umso gr\u00f6\u00dfer, je genauer die Vorstellungen und Pl\u00e4ne waren. <\/p>\n<p>Aber ist ein Leben nur im &#8222;Hier und Jetzt&#8220; \u00fcberhaupt denkbar? Obdachlose kommen diesem Ideal nahe. Der n\u00e4chste Schlafplatz, die \u00d6ffnungszeiten der Suppenk\u00fcchen &#8211; mehr Zukunftsplanung gibt es nicht. Ein solches Leben hat noch kein spiritueller Lehrer als erstrebenswert bezeichnet!<\/p>\n<p>Wie sehr wir alle die Zukunft brauchen, zeigt auf eindr\u00fcckliche Art die Serie <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/serien\/8-tage\">&#8222;8 TAGE&#8220;<\/a>, die derzeit in der ZDF-Mediathek zu sehen ist. Nicht grundlos schreibt sich der Titel im Intro mit Anarcho-A:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/8tage.jpg\" alt=\"8 Tage - Logo\" width=\"346\" height=\"96\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3118\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/8tage.jpg 346w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/8tage-300x83.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 346px) 100vw, 346px\" \/> <\/p>\n<p>Ein Asteroid rast auf die Erde zu, Ablenkungsversuche misslingen, der Menschheit bleiben noch acht Tage bis zum Einschlag. Vorexerziert wird, wie die \u00f6ffentliche Ordnung zusammen bricht und bis dahin g\u00fcltige Werte und Verhaltensmaximen ihren Sinn verlieren. Der letzte Aufrechte ist ein Polizist mit Migrationshintergrund, der auch im End-Szenario seiner Ethik treu bleibt und versucht, Recht und Ordnung hoch zu halten &#8211; bis niemand au\u00dfer ihm mehr da ist. Seinen Bunkerplatz gibt er zu Gunsten der handlungstragenden Familie auf. Schlussszene Sekunden vor dem Einschlag: auf einem verw\u00fcsteten Stadtplatz schreibt er einen Strafzettel und klemmt ihn hinter die Scheibenwischer eines &#8222;falsch geparkten&#8220; Autos. <\/p>\n<p>Kritiker vermissen an der Serie einiges, was sie von Katastrophenfilmen erwarten. Mir hat nichts gefehlt. In derselben Woche, in der ich den Wegfall der individuellen Zukunft eines alten Ehepaars mitbekommen hatte, konnte ich hier den Wegfall der kollektiven Zukunft besichtigen. (Bunker hin oder her, sie \u00e4ndern nichts daran, dass die Welt, wie wir sie kennen, in &#8222;8 Tage&#8220; untergeht).<\/p>\n<p><strong>Wie also mit der Zukunft umgehen?<\/strong> Als Bezugspunkt f\u00fcr vielerlei Handlungen ist sie immer auch Bestandteil der Gegenwart, daran l\u00e4sst sich nichts herum deuteln. Problematisch wird es, wenn es darum geht, wieviel m\u00f6gliche Lebensfreude wir bereit sind, f\u00fcr sie zu opfern. Ist es zuviel, kann es sein, dass man das &#8222;richtige Leben&#8220; verpasst, weil es immer nur f\u00fcr die Zukunft geplant war. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230;aber wir brauchen sie trotzdem!<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3117"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3117"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3117\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3117"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3117"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3117"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}