{"id":31,"date":"2006-08-11T11:38:06","date_gmt":"2006-08-11T09:38:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2006\/08\/11\/brotjobs-und-herzblut-und-cyberabad\/"},"modified":"2008-01-21T18:16:38","modified_gmt":"2008-01-21T16:16:38","slug":"brotjobs-und-herzblut-und-cyberabad","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2006\/08\/11\/brotjobs-und-herzblut-und-cyberabad\/","title":{"rendered":"Brotjobs und Herzblut und Cyberabad"},"content":{"rendered":"<p>Dieses Jahr ist das Sommerloch f\u00fcr mich ausgefallen. Nicht mal im sp\u00e4ten Herbst ist soviel los, muss ich so viele verschiedene Dinge machen, WILL ich auf so vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus, das scheint nicht nur f\u00fcr Stimmungen und Emotionen zu gelten, es ist eine allgemeine mystische Wahrheit. Ich hab\u2019 gerufen: <em>Hey, ich will mal mein Einkommen verstetigen, und auch ein bisschen MEHR w\u00e4r mal angesagt!<\/em> Und schon antwortet die Welt: <em>Aber sicher doch! Hier hast du Arbeit!<\/em> &#8211; und sch\u00fcttet mich so richtig zu!<!--more--><\/p>\n<p><strong> Das ist beileibe keine Beschwerde<\/strong>, sondern eine Beschreibung. F\u00fcr mich bedeutet es die Versch\u00e4rfung meiner \u201eVerzettelung\u201c, das Anwachsen der ToDo-Listen ins Un\u00fcberschaubare, ein verst\u00e4rktes Festkleben vor dem Monitor und in den Momenten des Innehaltens die Freude an der Leere im Kopf, wenn grade allzu viele verschiedene Dinge als n\u00e4chstes dran kommen wollen. Viel reicher bin ich bisher noch nicht geworden, allerdings kann ich meine Rechnungen bezahlen und sogar die viertelj\u00e4hrliche Umsatzsteuer, ohne dass ich in Panik geraten muss wegen des \u00fcberzogenen Kontos \u2013 es kommt ja bald wieder was rein. Ein kleiner Fortschritt also, ob es an der Finanzfront auch mal wirklich komfortabler werden wird, muss sich erst noch zeigen.<\/p>\n<p><strong>Leben und Arbeiten<\/strong> \u2013 das war immer schon mein Thema. Vom Start weg hab\u2019 ich \u201edas ganz Normale\u201c verweigert.  Meine Einblicke in die damals noch gem\u00fctlich verhockte Arbeitswelt der 9-to-5-Jobs erschreckte mich und lie\u00df mich denken: nie, nie niemals werde ich so enden, so lustlos malochend zwischen Geburtstagsfeiern und Pensionierungen, zwei Stunden echte Arbeit, den Rest rumh\u00e4ngen, quatschen, von den n\u00e4chsten Anschaffungen und vom Urlaub plaudern, fr\u00fch kommen, fr\u00fch abhauen und dann endlich FREIZEIT, in der das Hobby ruft \u2013 nie wollte ich so enden! Soviel Lebenszeit in Zusammenh\u00e4ngen verschwenden, die mich nicht wirklich interessieren,  das konnte ich mir nicht ansatzweise vorstellen. Mein Vater, der mich gerne \u201ebeim Staat\u201c gesehen h\u00e4tte, erz\u00e4hlte aus seinem Arbeitsfeld beim Statistischen Bundesamt, wie eigenartig es doch sei, dass auf Spielkarten-Sets unterschiedlich viel Steuern erhoben werden, je nachdem, aus wie viel Lagen Papier und Beschichtungen die Karten bestehen \u2013 wie spannend! Meinte er tats\u00e4chlich, mich mit solchen Geschichten f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst interessieren zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p><strong>Ich wandte mich ab mit Grausen<\/strong> und ging meinen \u201eprek\u00e4ren\u201c Weg: mal schlecht bezahlte Honorarjobs, mal Arbeitslosenhilfe, zweimal Studium (eins mit, eins ohne Abschlu\u00df), Umschulung und Weiterbildung, kurze Anstellungen in befristeten, daf\u00fcr aber spannenden Projekten, schlie\u00dflich die Selbst\u00e4ndigkeit, die quasi \u201evon selber\u201c entstand, ohne jeden Aufwand in Sachen \u201eExistenzgr\u00fcndung\u201c. Und alles immer begleitet von Fragen wie: Was tue ich gern? Wof\u00fcr mach\u2019 ich das eigentlich? Hat es genug SINN, um mir ein gutes Gef\u00fchl zu geben? Kann ich da eintauchen und mich im Flow der Arbeit selbst vergessen? Wenn ja, was ist der Preis daf\u00fcr? Ist es m\u00f6glich, mit dem, was ich am liebsten tue, auch mein Geld zu verdienen? Oder wird es immer die Aufspaltung in Brotjobs (langweilig, aber ordentlich bezahlt) und \u201eHerzblut-Arbeit\u201c (spannend, begl\u00fcckend, aber schlecht oder gar nicht bezahlt) geben?<\/p>\n<p><strong>Die wundersame Verwandlung <\/strong><\/p>\n<p>Mein Arbeitsleben, ja fast mein ganzes Leben ist ein Ausexperimentieren dieser Fragen. Und mit Staunen und Best\u00fcrzung erlebte ich die wundersame Verwandlung von Herzblutarbeiten in Brotjobs, sobald es mal wieder gelungen war, etwas, das wirklich Freude machte, zu \u201ekommerzialisieren\u201c, also endlich Geld damit zu verdienen. Was zur st\u00e4ndigen Pflicht mutiert und zum Termin geleistet werden muss, scheint (obwohl selbst gew\u00e4hlt!) seine Qualit\u00e4ten als \u201efreies freudiges Schaffen\u201c zu verlieren \u2013 wie sonderbar! Ich erkannte, dass es an mir liegt, nicht an den Arbeiten, wie ich mich dabei befinde. Verl\u00e4sslich zum Termin arbeiten kostet \u00dcberwindung und braucht Selbstdisziplin: in der Zeit des \u201eVor-mir-Herschiebens\u201c kann ich mir dann kaum mehr vorstellen, dass die Aufgabe Freude macht, wenn ich erstmal drin bin. Und da mich kein Chef und keine 9-to-5-Struktur zwingt, diesen \u201eEinstieg ins Unausweichliche\u201c ohne viel Lamentieren und Verz\u00f6gern t\u00e4glich zu vollziehen, es also zu \u201e\u00fcben\u201c, anstatt dr\u00fcber zu gr\u00fcbeln, verfalle ich meinen spontanen Impulsen, bzw. erlebe die Notwendigkeit, mich diesen zu entziehen, als Nerverei und l\u00e4stige Last. <em>\u201eDu kannst dir zum Gl\u00fcck deine Zeit einteilen\u201c<\/em> sagen viele Nicht-Selbst\u00e4ndige mit einigem Neid. Sie wissen noch nicht, dass genau das eine Kehrseite hat: Vorteil ist Nachteil (Cioran), es gibt nichts nur Sch\u00f6nes im Reich der Dualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Es wundert nicht, dass meine Haltung den Brotjobs gegen\u00fcber wesentlich freundlicher geworden ist. Ich kann sie mittlerweile richtig sch\u00e4tzen und erlebe deshalb immer \u00f6fter, wie ich gerade da den \u201eFlow\u201c erlebe, wenn ich mal drin bin. Kein Wunder, ich erzeuge die \u201eNerverei\u201c mit dem Anstauen der inneren Widerst\u00e4ndigkeit ja selbst!<\/p>\n<p><strong>Auch dieser Eintrag ist eine Art Ausweichen<\/strong> vor dem, was da auf der ToDo-List lauert \u2013 also lasse ich es jetzt mal dabei bewenden und tauche ab in die Arbeit. F\u00fcr die KURZEN PAUSEN gibt\u2019s jetzt ein Gruppenblog, zu dem mich Oliver Gassner eingeladen hat: <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.cyberabad.de\/\">Cyberabad<\/a> \u2013 fragt mich nicht, was das eigentlich sein soll, es wird jedenfalls schwer drauf los gebloggt!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Jahr ist das Sommerloch f\u00fcr mich ausgefallen. Nicht mal im sp\u00e4ten Herbst ist soviel los, muss ich so viele verschiedene Dinge machen, WILL ich auf so vielen Hochzeiten gleichzeitig tanzen. 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