{"id":309,"date":"2009-07-11T10:16:25","date_gmt":"2009-07-11T08:16:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=309"},"modified":"2013-10-15T13:04:33","modified_gmt":"2013-10-15T12:04:33","slug":"der-selbstversorger-bloggt-an-seiner-stalltuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2009\/07\/11\/der-selbstversorger-bloggt-an-seiner-stalltuer\/","title":{"rendered":"Der Selbstversorger bloggt an seiner Stallt\u00fcr"},"content":{"rendered":"<p>Dass Produkte immer schlechter werden, sind wir eigentlich schon gew\u00f6hnt. Im Marketing-Jargon nennt man es <a title=\"Krisenblues - ein denkw\u00fcrdiger Artikel dazu von Dirk Schr\u00f6der\" href=\"http:\/\/die.hor.de\/krisenblues\/\">&#8222;Optimierung&#8220;<\/a>, wenn es gelingt, mit immer weniger und schlechteren Materialien noch mehr Profit aus Dingen zu ziehen, die m\u00f6glichst bald in den Zustand &#8222;M\u00fcll&#8220; \u00fcbergehen. Dann m\u00fcssen wieder neue gekauft werden und was immer noch zu lange h\u00e4lt, ger\u00e4t wenigstens aus der Mode. Was soll man auch machen in weitgehend ges\u00e4ttigten M\u00e4rkten, um noch Wachstum zu erzeugen?<!--more--><\/p>\n<h2>Gottfried, der Habenichts<\/h2>\n<p>Aus dieser Welt der sinnloser Ressourcenverschwendung hat sich <a title=\"Lesenswerter Artikel der FAZ \u00fcber das Leben eines Selbstversorgers\" href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub501F42F1AA064C4CB17DF1C38AC00196\/Doc~EAD0683C2039D4B77B6C7CDC6FDF4A4BF~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">Gottfried, der Habenichts<\/a> abgesetzt. Er lebt als Selbstversorger auf seinem 10 Hektar gro\u00dfen Hof, die H\u00e4lfte Wiese, die H\u00e4lfte Wald. Zwei K\u00fche, ein paar Schafe und Ziegen, sowie etliche H\u00fchner teilen sein karges Leben. <\/p>\n<div class=\"kasten\">F\u00fcr Ger\u00e4te mit Stromverbrauch: Erst die Strom-Preise vergleichen&#8230;<\/div>\n<p>40 Tage m\u00e4ht er im Sommer die Wiese, um genug Heu f\u00fcr die Tiere im Winter zu machen &#8211; mit der Sense, denn er will ohne Ger\u00e4te auskommen, die Strom verbrauchen. Aus der Milch der Schafe und Ziegen macht er K\u00e4se. Ab und an schlachtet er ein Tier und trocknet das Fleisch. Wasser holt er eimerweise aus der Quelle und Geschirr sp\u00fclt er mit Wasser aus der Regentonne, gemischt mit Molke, die das Fett l\u00f6st.<\/p>\n<h2>Das bessere Leben<\/h2>\n<p>Frau und Kinder haben den Selbstversorger verlassen, weil sie ein besseres Leben wollten. Auch ich w\u00fcrde\u00a0 freiwillig nicht mehr als einen kurzen Besuch bei Gottfried machen, denn ich m\u00f6chte nicht m\u00e4hen und melken, sondern in den Monitor schauen und mit der Welt kommunizieren. Mich zum Beispiel dar\u00fcber auslassen, wie widerlich ich es finde, dass die Nahrungsmittel mehr und mehr aus <a href=\"http:\/\/www.vzhh.de\/~upload\/vz\/VZTexte\/TexteErnaehrung\/PlagiatLebensmittelliste.pdf\">billigen Ersatzstoffen<\/a> hergestellt werden: Pflanzenfett statt Kuhmilch, gepresstes Eiwei\u00df statt Fisch, Geschmacksverst\u00e4rker statt Meerrettich. <em>&#8222;Der K\u00e4ufer muss inzwischen nicht mehr nur mit Analogk\u00e4se und Formschinken rechnen, sondern auch mit gestrecktem Pesto oder Schokoladenkeksen ohne Schokolade&#8220;, sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale. &#8222;Und das nicht nur bei den Billigmarken, sondern auch bei teuren Markenartikeln.&#8220;<\/em> (<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,635367,00.html\" title=\"Verbrauchersch\u00fctzer decken Lebensmittel-Tricksereien auf, SPIEGEL ONLINE, 10.7.09\">SPON<\/a> via <a href=\"http:\/\/www.claudiakilian.de\/2009\/07\/10\/nicht-fur-die-verbraucher-bestimmt\/\">Sammelmappe<\/a>).<\/p>\n<p>In diesem &#8222;besseren Leben&#8220;, das wir alle nicht mehr missen wollen, ger\u00e4t unser K\u00f6rper au\u00dfer Form, wogegen Di\u00e4ten, Sport und neuerdings Sch\u00f6nheitsoperationen eingesetzt werden, um daraus wieder &#8222;Formfleisch&#8220; zu machen. Junge M\u00e4nner qu\u00e4len sich an Fitnessger\u00e4ten, um ihre Muskeln zu &#8222;definieren&#8220; &#8211; zum Vergleich schaue man sich Gottfried an. Die <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub501F42F1AA064C4CB17DF1C38AC00196\/Doc~EAD0683C2039D4B77B6C7CDC6FDF4A4BF~ATpl~Ecommon~SMed.html\">kurze kommentierte Bilderschau<\/a> zeigt einen K\u00f6rper, an dem kein Gramm Fett zuviel ist: schlank, muskul\u00f6s, aber nicht &#8222;\u00fcberdefiniert&#8220; &#8211; eben so, wie es nur exzessive k\u00f6rperliche Arbeit zustande bringt. Arbeit, die wir (gottlob!) abgeschafft haben.<\/p>\n<h2>Zukunft?<\/h2>\n<p>Der Selbstversorger sieht sein Leben als Zukunftsmodell: er meint, es werden wieder viele Menschen aufs Land gehen m\u00fcssen, wenn der Aldi nicht mehr aufmacht. Was ihn bewegt, schreibt er auf seine Stallt\u00fcr, z.B. <em>&#8222;Ich bleibe auf dem Land und ern\u00e4hre mich, wie ich kann.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Mir fallen dazu all diejenigen ein, die in den letzten Monaten so vehement zur &#8222;Krisenvorsorge&#8220; raten. Die gehen nicht etwa aufs Land, um zu leben wie Gottfried &#8211; bewahre! Sie lagern sich Vorr\u00e4te ein und tauschen ihr Verm\u00f6gen in Gold oder Silber, um die Krise irgendwie &#8222;auszusitzen&#8220; und danach mit besseren Bedingungen als der unbelehrbare (und unverm\u00f6gende!) Rest der Welt starten zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Wohin starten? Nat\u00fcrlich wieder in das &#8222;bessere Leben&#8220; mit all dem Komfort, den wir gewohnt sind. Ja was denn sonst? <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass Produkte immer schlechter werden, sind wir eigentlich schon gew\u00f6hnt. Im Marketing-Jargon nennt man es &#8222;Optimierung&#8220;, wenn es gelingt, mit immer weniger und schlechteren Materialien noch mehr Profit aus Dingen zu ziehen, die m\u00f6glichst bald in den Zustand &#8222;M\u00fcll&#8220; \u00fcbergehen. 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