{"id":3080,"date":"2020-05-19T13:08:44","date_gmt":"2020-05-19T11:08:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3080"},"modified":"2020-05-19T13:12:09","modified_gmt":"2020-05-19T11:12:09","slug":"corona-detox-konsum-ist-wie-zucker-salz-und-fett-zusammen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2020\/05\/19\/corona-detox-konsum-ist-wie-zucker-salz-und-fett-zusammen\/","title":{"rendered":"Corona-Detox: Konsum ist wie Zucker, Salz und Fett zusammen"},"content":{"rendered":"<p>Der Aufbruch ins &#8222;neue Normal&#8220; hat noch nicht viel \u00c4hnlichkeit mit der Vor-Corona-Zeit. Dass die Restaurants bis 22 Uhr \u00f6ffnen d\u00fcrfen, hat ihnen keinen Ansturm beschert, Berlin ohne Touristen f\u00fcllt nicht einmal die Au\u00dfengastronomie, die derzeit &#8211; mit Abstandsregel &#8211; wieder offen hat.Noch immer kein Kino, keine Kneipen und Clubs, keine Stra\u00dfenfeste, keine Konzerte und Gro\u00dfveranstaltungen. Es fehlt so vieles, das f\u00fcr Unterhaltung sorgte, auch das &#8222;Shopping&#8220;, das manche als &#8222;Hobby&#8220; angeben, f\u00fchlt sich mit Maske und Abstand bei weitem nicht so gut an wie fr\u00fcher. <!--more--><\/p>\n<p>Statt dessen treibt viele die nackte Existenzangst um, auch Menschen, die es bisher ganz gut durch die Krise geschafft haben. Die wirtschaftlichen Prognosen k\u00f6nnten schlechter nicht sein und alle Routinen, die einst f\u00fcr Entlastung sorgten, sind so nicht mehr m\u00f6glich. Was es f\u00fcr manche bedeutet, sich Monate lang nicht mehr in der Kneipe treffen zu k\u00f6nnen, um unter Einnahme geistiger Getr\u00e4nke \u00fcber die Zumutungen der Welt im kleinen Kreis ordentlich abzul\u00e4stern, stellt sich wohl niemand so richtig vor!<\/p>\n<p>Abgesehen von Schulen, Kitas und anderen Bildungseinrichtungen ist es vor allem der Konsum, der wegen Corona weggefallen bzw. in reduzierte, weniger befriedigende Online-Alternativen verdr\u00e4ngt worden ist. Wenn wir ausgehen und verreisen, konsumieren wir Unterhaltung, Entspannung und Ablenkung von allerlei kleinen und gr\u00f6\u00dferen Problemen des Alltags. Mit dem Einkaufen \u00fcber den Grundbedarf hinaus verschaffen wir uns gute Gef\u00fchle, Belohnungen, M\u00f6glichkeiten &#8211; die Nutzung der gekauften Dinge ist oft zweitrangig. Wer hat nicht schon mal Ausstattung gekauft f\u00fcr Aktivit\u00e4ten, die dann doch nur ein- zweimal stattgefunden haben? Wieviele Klamotten und Schuhe stehen in Schr\u00e4nken und werden nie getragen? Wie viele K\u00fcchenger\u00e4te, Werkzeugmaschinen und Gadjets nie genutzt?<\/p>\n<p>Der <a href=\"https:\/\/ichtuwasichkann.de\/routine-verlust\/\">Wegfall der gewohnten Routinen<\/a> schmerzt, macht ungeduldig und unleidlich. Die gewonnene Zeit nutzen nicht wenige, um im Netz nach Linderungen und Ventilen f\u00fcr den angestauten Frust zu suchen. Und sie werden f\u00fcndig, es gibt genug &#8222;alternative Medien&#8220;, die auf sie warten, sie best\u00e4tigen, und auf 1001 Weise den &#8222;Widerstand&#8220; zu organisieren trachten. Widerstand gegen alles, was nervt, zuvorderst die Corona-Ma\u00dfnahmen, dann die Politik, den Staat, die Demokratie, die es angeblich nicht mehr gibt, den &#8222;Mainstream&#8220;, die &#8222;L\u00fcgenpresse&#8220;, die &#8222;Schlafschafe&#8220; und vieles mehr. B\u00f6sewichte werden gefunden und angeprangert, Weltverschw\u00f6rungen aufgedeckt, s\u00edmple Erkl\u00e4rungen vertreiben das Unbehagen an Unsicherheit und Komplexit\u00e4t.<\/p>\n<p>Eine Gesellschaft im Konsum-Detox ist kein Spa\u00df!\u00a0 Konsum ist f\u00fcr das Leben im Kapitalismus so wichtig wie Zucker, Salz und Fett in der Ern\u00e4hrung. F\u00e4llt er weg, fehlt das Hauptschmiermittel unserer friedlichen Verbrauchergesellschaft &#8211; f\u00fcr manche jetzt Anlass, den Frieden aufzuk\u00fcndigen.<\/p>\n<p>Seltsamerweise findet das umso mehr statt, je mehr &#8222;Lockerungen&#8220; auf den Weg gebracht werden. Vielleicht, weil sich nun auch jene zu den Unzufriedenen gesellen, die ihre letzte, gef\u00fchlte Sicherheit durch die Lockerungen in Gefahr sehen. Menschen, die wirklich Angst vor Ansteckung haben. Die gehen zwar nicht zu Hygiene-Demos, tragen aber in den sozialen Medien zur Versch\u00e4rfung der sowieso schon unterirdischen Debattenkultur bei.<\/p>\n<p>Leider wei\u00df ich nicht mehr, wer gesagt hat: \u201eDer Kapitalismus lebt von Best\u00e4nden, die er selbst nicht schafft\u201c. Vielleicht ist das die gro\u00dfe gemeinsame Ursache der Genervtheit von dem, was ist: das Sinndefizit, das eine blo\u00df Konsum-orientierte Wirtschaft und Gesellschaft erzeugt. Deshalb auch der gr\u00f6\u00dfere Protest in den \u201eneuen\u201c Bundesl\u00e4ndern: da wirkt noch eine andere Gesellschaftsordnung nach, in der das \u201eKollektiv\u201c gro\u00dfe Bedeutung hatte und die Einzelnen nicht so sehr zu Wettbewerb und Konkurrenz erzogen wurden. Was immer bedeutet, dass es viele Verlierer gibt und Abstiegs\u00e4ngste bei vielen, denen es gar nicht so schlecht geht.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Aufbruch ins &#8222;neue Normal&#8220; hat noch nicht viel \u00c4hnlichkeit mit der Vor-Corona-Zeit. 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