{"id":306,"date":"2009-06-27T11:37:55","date_gmt":"2009-06-27T09:37:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=306"},"modified":"2009-12-28T14:45:20","modified_gmt":"2009-12-28T12:45:20","slug":"der-koerper-als-produkt-michael-jackson","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2009\/06\/27\/der-koerper-als-produkt-michael-jackson\/","title":{"rendered":"Der K\u00f6rper als Produkt: Michael Jackson"},"content":{"rendered":"<p>Was gerade rund um den Tod von Michael Jackson abgeht, erinnert mich an den Tod von Lady Di: Gestern abend lie\u00df ich den Fernseher im Hintergrund laufen und h\u00f6rte \u00fcber Stunden immer wieder und wieder diesselben Berichte rund um &#8222;Jacko&#8220;: die m\u00f6glichen Ursachen seines Todes, sein Leben, seine Werke, seine geplante Mega-Tournee und vieles mehr. Offenbar ist ein Gott gestorben, doch war es nicht der meine, so dass ich mit der allgemeinen Erregungswelle nicht mitschwimmen kann.<\/p>\n<p>Und doch ist mir Jackson immer mal wieder aufgefallen: nicht mit seiner Musik, sondern mit seinen exzessiven Schnippeleien am eigenen Gesicht, die letztlich zur Optik einer Art alters- und geschlechtslosen &#8222;Barbie-Puppe&#8220; f\u00fchrten, die in Nichts mehr der Person \u00e4hnelte, die er zu Beginn seiner Laufbahn gewesen war. <!--more--><\/p>\n<p>All die Fans schien das nicht die Bohne zu st\u00f6ren, was mich wunderte! Klar, die Musik ist das Entscheidende, k\u00f6nnte man sagen, nicht das Aussehen &#8211; aber so sachlich sind Fans im Allgemeinen nicht gestrickt. In jungen Jahren h\u00e4tte es mich schon ziemlich angenervt, h\u00e4tte sich z.B. Bob Marley auf &#8222;wei\u00df&#8220; trimmen oder Mick Jagger seine Lippen &#8222;harmonischer&#8220; gestalten lassen.<\/p>\n<p>Und Jacko belie\u00df es ja nicht bei der Korrektur des einen oder anderen vermeintlichen &#8222;Fehlers&#8220;: die Metamorphosen seines Gesichts umfassten wahrlich erschreckende Stadien, in denen er aussah wie eine \u00e4gyptische Mumie, jedoch etwas &#8222;verschnittener&#8220;.  Alles in allem machte er durch sein Beispiel mal wieder schlagend klar, dass Geld und Erfolg alleine nicht ausreichen, um ein in sich ruhendes Selbstbewusstsein zu gewinnen. Er fand sich offenbar nicht sch\u00f6n genug, auch wenn Hunderttausende ihm wieder und wieder zujubelten. <\/p>\n<h2>Forever young!<\/h2>\n<p>Er war gerade 50, als er starb. Und mal ehrlich: schon &#8222;50&#8220; passte ja so gar nicht zu ihm, wenn man ihn so ansah. Er wollte wohl dem Mythos des Pop entsprechend, &#8222;forever young&#8220; bleiben &#8211; es wundert mich nicht wirklich, dass er nicht NOCH \u00e4lter wurde. <\/p>\n<p>Neben seinem musikalischen Werk hat er wesentlich daran mitgewirkt, dass es heute schon als normal gilt, das eigene Aussehen nicht mehr als Schicksal anzusehen, mit dem man sich bestm\u00f6glich zu arrangieren hat. Der K\u00f6rper ist zum Produkt geworden, dessen Gestaltung wir mehr und mehr selbst bestimmen, ja zunehmend bestimmen M\u00dcSSEN, um im allgemeinen Trend zu gleichf\u00f6rmiger &#8222;Sch\u00f6nheit&#8220; mithalten zu k\u00f6nnen. Aufgespritzte Lippen, weggesaugtes Fett, korrigierte Augenlider, gebotoxte Falten, k\u00fcnstliche Br\u00fcste und all die anderen Dienste der Sch\u00f6nheitschirurgen werden so normal wie der Gang zum Fris\u00f6r. <\/p>\n<p>Ich bin froh, dass mich dieser Trend nicht mehr erfasst! Zwar ist meine Generation durchaus Zielgruppe der Sch\u00f6nheitschirurgie, die mit dem Versprechen lockt, die Zeichen des Alterns zu entfernen und so zumindest die Optik &#8222;ewiger Jugend&#8220; zu erhalten. Das aber will ich gar nicht, denn ich habe meine Jugend gelebt, genossen, erlitten und sogar manchmal zu ausschweifend zelebriert &#8211; und das hei\u00dft auch: es reicht! Es ist jetzt spannender, das Altern zu erleben und andere Qualit\u00e4ten zu genie\u00dfen als die, die ein glatter, straffer, junger K\u00f6rper vermitteln kann. Ist ein solcher gar nur &#8222;zusammen geschnippelt&#8220;, ist das Ergebnis nichts als eine schwer wartungsbed\u00fcrftige Illusion, mit der man sich zudem alle Chancen nimmt, Gelassenheit gegen\u00fcber dem Altern zu erlangen. <\/p>\n<p>Michael Jackson hatte keinen Bock aufs Altern. Er starb also mit 50, fast schon ein wenig sp\u00e4t f\u00fcr einen &#8222;King of Pop&#8220;. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was gerade rund um den Tod von Michael Jackson abgeht, erinnert mich an den Tod von Lady Di: Gestern abend lie\u00df ich den Fernseher im Hintergrund laufen und h\u00f6rte \u00fcber Stunden immer wieder und wieder diesselben Berichte rund um &#8222;Jacko&#8220;: die m\u00f6glichen Ursachen seines Todes, sein Leben, seine Werke, seine geplante Mega-Tournee und vieles mehr. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/306"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=306"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/306\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=306"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=306"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=306"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}