{"id":3058,"date":"2020-04-16T23:03:46","date_gmt":"2020-04-16T21:03:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3058"},"modified":"2020-04-28T07:35:15","modified_gmt":"2020-04-28T05:35:15","slug":"vom-bogenschiessen-mal-was-anderes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2020\/04\/16\/vom-bogenschiessen-mal-was-anderes\/","title":{"rendered":"Vom Bogenschie\u00dfen (mal was Anderes!)"},"content":{"rendered":"<p>Mit zunehmendem Alter denke ich \u00f6fter dar\u00fcber nach: Was w\u00fcrde ich bedauern, wenn ich jetzt sterben w\u00fcrde? Was habe ich in diesem Leben vers\u00e4umt, das ich gerne noch getan h\u00e4tte? Lange ist mir nichts eingefallen, doch k\u00fcrzlich &#8211; ein paar Wochen vor Corona &#8211; dann doch etwas: Ich m\u00f6chte unbedingt mal Bogenschie\u00dfen ausprobieren!<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3059\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bogenschiessen.jpg\" alt=\"Bogenschie\u00dfen\" width=\"650\" height=\"438\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bogenschiessen.jpg 650w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bogenschiessen-300x202.jpg 300w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bogenschiessen-500x337.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><!--more--><\/p>\n<p>Wohl gemerkt: Ausprobieren. Ich habe nicht vor, mir ein neues Hobby zuzulegen und das Bogenschie\u00dfen dauerhaft als Freizeitsport zu etablieren. Ich will es einfach mal erleben, jetzt im vorger\u00fcckten Alter, bevor es physisch nicht mehr geht.<\/p>\n<p><strong>Warum? Es ist ein unerf\u00fcllter Kindheitswunsch<\/strong>. In meiner Kinderbande spielten wir oft &#8222;Cowboy und Indianer&#8220;. Als Cowboy hatte man eine Pistole, bestehend aus einem Stock, an dessen einem Ende mehrere h\u00f6lzerne W\u00e4scheklammern als Griff dienten. Irgendwann waren es dann auch mal &#8222;richtige&#8220; Spielzeugpistolen, die man mit &#8222;Z\u00fcndpl\u00e4ttchen&#8220; laden konnte, so dass es auch richtig knallte. Als Indianer hatten wir Pfeil und Bogen, nat\u00fcrlich selbst gemacht: aus St\u00f6cken und einem so labbrigen Gummiband, dass die Pfeile nie gerade und auch nicht weit flogen. Wir konnten uns damit gegenseitig beschie\u00dfen, ohne dass es auch nur weh tat.<\/p>\n<p>Irgendwie unbefriedigend! Als dann der Neckermannkatalog kam und wir Kinder Weihnachtsw\u00fcnsche \u00e4u\u00dfern durften, versteifte ich mich auf einen Kinderbogen &#8211; ein Ger\u00e4t mit Pfeilen, an deren Ende Gummistopfen angebracht waren, die beim Schie\u00dfen auf eine glatte Fl\u00e4che dort kleben bleiben sollten. Wow, war ich begeistert, war hingerissen von der Perfektion des Bogens, so im Vergleich zu den miesen B\u00f6gen aus irgendwelchen Stecken. Dazu die Aussicht, ein Ziel wirklich zu treffen, an dem der Pfeil kleben bleiben w\u00fcrde!<\/p>\n<p>Tja, W\u00fcnschen ist das eine, Bekommen das andere. Meine Eltern waren von meinem Wunsch nicht \u00fcberzeugt. Nicht &#8222;wegen b\u00f6sem Kriegsspielzeug&#8220;, sondern aus Angst, ich w\u00fcrde damit \u00fcberall in der Wohnung unkontrolliert herum schie\u00dfen. Ich war todungl\u00fccklich! Eine lange und intensive Sehnsucht wurde nicht erf\u00fcllt. Frust hoch zehn!<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter dachte ich nicht mehr ans Bogenschie\u00dfen. Meine Interessen gingen in v\u00f6llig andere Richtungen &#8211; und Sport war eher Mord, wobei ich Bogenschie\u00dfen gar nicht &#8222;unter Sport&#8220; eingeordnet h\u00e4tte. Es war einfach raus aus meiner Welt.<\/p>\n<h2>Zen und Bogenschie\u00dfen<\/h2>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3061\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bogenschiessen3.jpg\" alt=\"Bogensch\u00fctze\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bogenschiessen3.jpg 650w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bogenschiessen3-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bogenschiessen3-500x333.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p>\n<p>Mit einer Ausnahme: als ich begann, mich f\u00fcr Weisheitsb\u00fccher aller Traditionen zu interessieren, ist mir auch Herrigels &#8222;<a href=\"https:\/\/www.univie.ac.at\/rel_jap\/an\/Grundbegriffe\/Stereotype\/Herrigels_Zen\">Zen in der Kunst des Bogenschie\u00dfens<\/a>&#8220; aufgefallen. Vermutlich habe ich das Buch nie gelesen, jedenfalls erinnere ich mich nicht daran. Es geh\u00f6rte jedoch zu den &#8222;angesehenen B\u00fcchern&#8220;, ebenso wie &#8222;Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten&#8220;. Als junge &#8222;Suchende&#8220; fand ich die Idee, das Bogenschie\u00dfen als meditative Praxis auszu\u00fcben, zwar toll, aber doch sehr entlegen. Ich las viel \u00fcber Zen, hatte aber schon M\u00fche genug, eine normale Sitzmeditation durchzustehen, geschweige denn, dass ich dabei noch einen Bogen halten wollte! :-)<\/p>\n<p>Vom Verst\u00e4ndnis war ich weit entfernt, obwohl ich schrecklich gerne &#8222;dem Weg des Zen&#8220; oder irgend einem anderen, viel versprechenden Lebensweg abseits vom \u00dcblichen gefolgt w\u00e4re. Erst mit 37 traf ich meinen Yoga-Lehrer, der meditativen Yoga im Geist des Zen lehrte. Und ich begann, zu verstehen. Eine Sache, die eben nicht mit dem Kopf alleine gelingt, so sehr man sich auch denkerisch engagiert.<\/p>\n<p>Ohne je einen richtigen Bogen in der Hand gehabt zu haben, meine ich heute zu wissen, was dieser Stil ist:\u00a0 eine \u00dcbung, bei der die Konzentration nicht auf dem Ziel, auf Wettbewerb und Besser-werden-wollen ruht, sondern auf dem Gewahrsein dessen, was ist: Die genaue Bewegung und Haltung, die Empfindungen im K\u00f6rper, Spannung, wo sie sein muss, loslassen, wo sie \u00fcberfl\u00fcssig ist. Das Atmen in \u00dcbereinstimmung mit der Bewegung, die Konzentration, die die Gef\u00fchle verebben l\u00e4sst &#8211; wie sich die Wellen beruhigen, nachdem man einen Stein ins Wasser geworfen hat. Und die Leere, die sich einstellt, wenn der Gedankenstrom zur Ruhe kommt &#8211; und im Moment der totalen Stille geht der Pfeil ab.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3060\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bogenschiessen2.jpg\" alt=\"Bogensch\u00fctze\" width=\"650\" height=\"373\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bogenschiessen2.jpg 650w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bogenschiessen2-300x172.jpg 300w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/bogenschiessen2-500x287.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p>\n<h2>Einfach mal ausprobieren<\/h2>\n<p>Wenn ich heute daran denke, das Bogenschie\u00dfen auszuprobieren, bin ich nicht auf einen bestimmten Stil festgelegt. Ich m\u00f6chte gerne &#8222;einmal quer durch&#8220; ausprobieren, es gibt ja <a href=\"https:\/\/northseaarchery.wordpress.com\/2017\/09\/08\/von-bogenarten-und-ihrer-geschichte\/\">ganz verschiedene Bogenarten<\/a> mit unterschiedlicher Technik. Gerne versuche ich den meditativen Stil, w\u00fcrde aber auch effektivere Recurveb\u00f6gen ausprobieren wollen &#8211;\u00a0 und ja: mal ein Ziel treffen!<\/p>\n<p>Ich hatte schon nach Schnupperworkshops gesucht, vielleicht an einem Samstag in kleiner Gruppe f\u00fcr nicht allzu viel Geld. Doch dann kam Corona und wirklich nah war ich an der Umsetzung der Idee noch nicht gewesen.<\/p>\n<p>Heute mittag schrieb dann <a href=\"https:\/\/twitter.com\/robin_urban\/status\/1250703451996200960\">Robin auf Twitter<\/a> &#8211; den Bezug hab&#8216; ich nicht mitbekommen:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: left;\">&#8222;<span class=\"css-901oao css-16my406 r-1qd0xha r-ad9z0x r-bcqeeo r-qvutc0\">Bitte bezeichnet Bogenschie\u00dfen nicht als Reichensport, das mag anderswo so sein, aber in Deutschland sind da nur Nerds und Waldschrate vertreten, bleibt doch mal realistisch ey .<br \/>\nIst \u00fcbrigens auch nicht wirklich teuer, wenn man das Equipement mal hat, wobei es dort nat\u00fcrlich nach oben hin keine Grenzen gibt, aber man MUSS nicht viele hundert Euro daf\u00fcr ausgeben (hab ich auch nicht). Ist auch ein riesiger Unterschied, ob man Blank, Recurve oder Compound schie\u00dft, aber wem erz\u00e4hl ich das -.-<\/span>&#8222;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Ich fragte sie, ob sie nicht mal dr\u00fcber bloggen k\u00f6nnte, darauf sie:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Das hab&#8216; ich seit acht Jahren vor!&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Vielleicht mag sie ja jetzt? Ich w\u00fcrde gerne von den Erfahrungen anderer lesen, die mit dieser Idee Ernst gemacht haben. (Nerds und Waldschrate klingt schon mal sympathisch)<\/p>\n<p>Vielleicht schaffe ich es in diesem Leben ja noch, einen Bogen in die Hand zu bekommen. Corona zeigt, dass nicht &#8222;immer alles&#8220; zur Verf\u00fcgung steht, um einen altem Kinderwunsch zu erf\u00fcllen. Erinnert mich daran, dass ich die sch\u00f6nen Dinge besser nicht auf den St.Nimmerleinstag verschiebe, ich k\u00f6nnte sie sonst ganz verpassen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit zunehmendem Alter denke ich \u00f6fter dar\u00fcber nach: Was w\u00fcrde ich bedauern, wenn ich jetzt sterben w\u00fcrde? Was habe ich in diesem Leben vers\u00e4umt, das ich gerne noch getan h\u00e4tte? 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