{"id":3031,"date":"2020-03-26T16:12:38","date_gmt":"2020-03-26T15:12:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=3031"},"modified":"2020-03-27T14:51:13","modified_gmt":"2020-03-27T13:51:13","slug":"raus-zum-arbeitseinsatz-auf-den-feldern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2020\/03\/26\/raus-zum-arbeitseinsatz-auf-den-feldern\/","title":{"rendered":"Raus zum Arbeitseinsatz auf den Feldern!"},"content":{"rendered":"<p>Die Corona-Krise hat nun doch Folgen f\u00fcr die Versorgung mit Lebensmitteln. Insbesondere bei Obst und Gem\u00fcse gibt es Probleme, da aufgrund der Ein- und Ausreiseverbote viele Tausend Erntehelfer aus Osteuropa fehlen. Dabei geht es nicht nur um den Spargel, der jetzt gestochen werden muss: Die Erdbeerernte danach ben\u00f6tigt noch viel mehr Helfer, zudem muss ges\u00e4\u00e4t und gepflanzt werden, sonst f\u00e4llt die Ernte auch bei Gem\u00fcse und Salaten aus.<!--more--><\/p>\n<p>So wird endlich mal richtig deutlich, wem wir es verdanken, dass unser Obst- und Gem\u00fcseangebot &#8211; normalerweise &#8211; so vielf\u00e4ltig und verl\u00e4sslich zur Verf\u00fcgung steht. Dabei ist die heimische Landwirtschaft nicht mal der Hauptzulieferer: nur 40% des Angebots werden von Betrieben in Deutschland angebaut, der Rest kommt aus der EU und dem Ausland.<\/p>\n<p>Ein ganz erheblicher Teil wird in &#8222;Europas G\u00e4rten&#8220; Almeria und Huelva (Spanien) erzeugt. Dort <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/375187.not-in-europas-speisekammer.html\">fehlen wiederum die Arbeiter\/innen<\/a> aus Marokko, das am 13.M\u00e4rz seine Grenzen geschlossen hat. Selbst die Helfer, die noch kommen k\u00f6nnen, haben kaum M\u00f6glichkeiten, die Felder zu erreichen, da Autofahrten mit mehr als einer Person verboten sind. Und das sind nur Beispiele, viel Obst kommt normalerweise auch aus <a href=\"https:\/\/www.agrarheute.com\/markt\/coronavirus-schwere-krise-fuer-italiens-bauern-agrarwirtschaft-565825\">Italien<\/a>, Griechenland, T\u00fcrkei &#8211; ob und wie da noch genug geliefert werden wird, steht in den Sternen.<\/p>\n<h2>Studierende, Kurzarbeiter, Rentner und &#8222;Personalverschiebungen&#8220; sollen helfen<\/h2>\n<p>Um zumindest die heimische Produktion zu retten, <a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/nachrichten\/deutschland\/id_87591662\/julia-kloeckner-mit-11-punkte-plan-um-lebensmittelengpaesse-zu-verhindern-.html\">verk\u00fcndete Bundesagrarministerin Julia Kl\u00f6ckner<\/a> ungew\u00f6hnliche Ma\u00dfnahmen:<\/p>\n<ul>\n<li>Studierende bekommen Zuverdienste auf dem Acker nicht aufs Baf\u00f6g angerechnet<\/li>\n<li>Bezieher von Kurzarbeitergeld d\u00fcrfen bis zur H\u00f6he ihres bisherigen Lohns ohne Abz\u00fcge hinzu verdienen.<\/li>\n<li>Die Zuverdienstgrenze f\u00fcr Vorruhest\u00e4ndler ist aufgehoben.<\/li>\n<li>Arbeitnehmer\u00fcberlassungen (z.B. von der Autoindustrie in die Landwirtschaft) sind erlaubnisfrei m\u00f6glich.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zu alledem wird die gesamte Lebensmittelbranche als &#8222;systemrelevante Infrastruktur&#8220; anerkannt, sprich: Betriebsschlie\u00dfungen durch Quarant\u00e4nema\u00dfnahmen werden so verhindert.<\/p>\n<p>Einiges davon klingt schon fast nach Zwangsarbeit! Ich wei\u00df ja nicht, was die kurz bzw. gar nicht arbeitenden Autobauer dazu sagen, wenn sie nun einfach einem Landwirt als Arbeitskr\u00e4fte &#8222;\u00fcberlassen&#8220; werden sollen. Sofern es noch mit vor-corona rechten Dingen zugeht, <a href=\"https:\/\/www.hensche.de\/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Handbuch_Leiharbeit.html#tocitem5\">darf man das verweigern<\/a>. Aber wer wei\u00df, wie lange noch?<\/p>\n<h2>Freiwillige vor!<\/h2>\n<p>F\u00fcr alle, die jetzt in der Landwirtschaft helfen wollen, gibt es die neue Plattform <a href=\"https:\/\/www.daslandhilft.de\/\">daslandhilft.de<\/a> f\u00fcr Angebote und Gesuche (seltsamer Name, das Land <em>braucht<\/em> doch Hilfe!). Schon \u00fcber 20000 Hilfswillige sollen sich gemeldet haben, einige arbeiten bereits bei den Bauern. Reichen wird das allerdings nicht, denn die Bauern besch\u00e4ftigen \u00fcbers Jahr normalerweise ca. 300.000 Saisonarbeiter.<\/p>\n<p>Ob die Freiwilligen die Arbeit \u00fcberhaupt schaffen, die da gefordert ist, ist noch eine andere Frage. Versuche, Arbeitslose einzusetzen, waren bisher nicht erfolgreich. Bauern berichten, das von zehn deutschen Helfern neun gleich wieder weg waren &#8211; zu anstrengend!\u00a0 Da die vermutlich nicht ganz freiwillig zum Arbeitseinsatz auf dem Feld angetreten sind, wird es jetzt mit Freiwilligen sicher etwas besser laufen &#8211; aber nat\u00fcrlich nicht so gut, wie mit Menschen, die k\u00f6rperliche Arbeit gewohnt sind.<\/p>\n<p>Den Landwirten w\u00e4re zu raten, ebenfalls flexibel zu sein, auch was die Arbeitsabl\u00e4ufe angeht. Mehr Pausen, vielleicht sogar ein 2-Schichtbetrieb w\u00e4ren sicher hilfreich, um die Freiwilligen nicht gleich wieder zu verlieren.<\/p>\n<h2>Selbstversorgung aus dem Garten?<\/h2>\n<p>&#8222;100 kg Obst auf 100 m\u00b2 Kleingartenland!&#8220; &#8211; das ist eine alte Parole aus der DDR, die aufgrund wachsender Versorgungschwierigkeiten ab den 70gern die Kleing\u00e4rten gef\u00f6rdert hat. Noch heute haben Kleing\u00e4rtner in den neuen Bundesl\u00e4ndern dadurch Vorteile, denn die G\u00e4rten sind \u00fcblicherweise ans Stromnetz angeschlossen, haben individuelle Wasseranschl\u00fcsse und sind besser ausgestattet. Vorteile, die in vielen westlichen Kleing\u00e4rten nicht selbstverst\u00e4ndlich sind, da das Bundeskleingartengesetz eine eher spartanische Ausstattung vorschreibt.<\/p>\n<p>Zur Begr\u00fc\u00dfung im vereinigten Deutschland allen Kleing\u00e4rtnern erstmal den Stromanschluss wegzunehmen und die Wasserleitungen aus den Datschen zu reissen, h\u00e4tte viel \u00c4rger gegeben. Also hat man darauf verzichtet, was eine weise Entscheidung war! Gleichwohl gilt bundesweit die Pflicht zur &#8222;kleing\u00e4rtnerischen Nutzung&#8220;, insbesondere zum Obst-\u00a0 und Gem\u00fcseanbau. Viele empfinden das heute nurmehr als nervige Last, da sie lieber einen reinen Erholungs- oder Ziergarten h\u00e4tten. (Schlie\u00dflich kann man doch alles im Supermarkt g\u00fcnstig kaufen und hat keine Arbeit damit!) Weil aber die Privilegierung der Kleing\u00e4rten (geringe Pacht, K\u00fcndigungsschutz) an die kleing\u00e4rtnerische Nutzung gebunden ist, M\u00dcSSEN sich alle mit Gem\u00fcseanbau befassen.<\/p>\n<p>J\u00fcngere Kleing\u00e4rtner, die in letzter Zeit wieder verst\u00e4rkt G\u00e4rten nachfragen, befassen sich gerne mit dem Bio-Anbau im Garten. Die Kinder sehen, wie das Gem\u00fcse w\u00e4chst und man kann Sorten anbauen, die im Supermarkt nicht zu haben sind.<\/p>\n<p>Vielleicht gewinnt im Zuge der Corona-Krise der selbstversorgerische Anteil im Kleingarten wieder an Bedeutung? Dieser Tage haben mein Liebster und ich wieder mit der Anzucht angefangen: 10 Sorten Tomaten, Mangold, Schwarzkohl, Salat, demn\u00e4chst kommen Zucchini dazu. Auch Kartoffeln (besondere Sorten) werden wir anpflanzen und Amaranth, den man auch als spinatartiges Gem\u00fcse essen kann. Wurzelgem\u00fcse kommt im sandigen Boden nicht so gut, auf K\u00fcrbisse haben wir dieses Jahr keine Lust.<\/p>\n<p>Ich rechne damit, dass es in den Superm\u00e4rkten \u00fcber den Sommer Teurungen und L\u00fccken im Supermarktangebot geben wird. Und f\u00fcrchte keinesfalls mehr, im Garten ZUVIEL ernten zu m\u00fcssen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Corona-Krise hat nun doch Folgen f\u00fcr die Versorgung mit Lebensmitteln. Insbesondere bei Obst und Gem\u00fcse gibt es Probleme, da aufgrund der Ein- und Ausreiseverbote viele Tausend Erntehelfer aus Osteuropa fehlen. 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