{"id":302,"date":"2009-06-10T10:46:47","date_gmt":"2009-06-10T08:46:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=302"},"modified":"2009-06-10T12:54:19","modified_gmt":"2009-06-10T10:54:19","slug":"arbeitsplaetze-erhalten-warum-eigentlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2009\/06\/10\/arbeitsplaetze-erhalten-warum-eigentlich\/","title":{"rendered":"Arbeitspl\u00e4tze erhalten &#8211; warum eigentlich?"},"content":{"rendered":"<p>Warum gilt es als so selbstverst\u00e4ndlich, dass Regierungen sich darum zu bem\u00fchen haben, Arbeitspl\u00e4tze zu erhalten? Krassestes Beispiel war die Jahrzehnte lange Kohle-Subventionierung, heute wird der Autoindustrie mit Abwrackpr\u00e4mien und Kurzarbeit dabei geholfen, ihre \u00dcberkapazit\u00e4ten nicht abbauen zu m\u00fcssen. Und Karstadt \/ Arcandor h\u00e4tte zumindest die SPD auch lieber an den Steuertropf geh\u00e4ngt, anstatt den Konzern mit den veralteten Gesch\u00e4ftsmodellen in die Insolvenz gehen zu lassen. <\/p>\n<p>Was ist so toll daran, Menschen in einer Arbeit zu halten, die offensichtlich im Wirtschaftsprozess nicht mehr genug nachgefragt wird? Es gibt heute jede Menge Fachm\u00e4rkte f\u00fcr Elektronik, Bauen&#038;Basteln, Gartenbedarf &#8211; und Kettenl\u00e4den f\u00fcr Mode, die die Leute weit attraktiver finden als ein Kaufhaus. Hinzu kommt der wachsende Internet-Handel, mit dem ein traditionelles Kaufhaus, das einst durch die Breite seines Sortiments gl\u00e4nzte, einfach nicht mithalten kann. <!--more--><\/p>\n<p>Verdr\u00e4ngen das all diejenigen einfach, die sich f\u00fcr Staatshilfen einsetzen und das SOZIAL finden? Ich kann nichts besonders Soziales darin erkennen, mittels Steuergeldern ins Wirtschaftsgeschehen einzugreifen, um krepelnde Unternehmen zu retten, deren Zeit gekommen ist. Die Aufgabe des Staates sehe ich darin, ein <strong>ordentliches soziales Netz<\/strong> aufzuspannen f\u00fcr alle, die immer mal wieder aus dem Arbeitsprozess heraus fallen, weil sich Wirtschaft nun mal ver\u00e4ndert. Um den einzelnen Arbeitslosen k\u00f6nnte man sich ganz anders bem\u00fchen, als das derzeit mittels mehr Schikane statt F\u00f6rderung geschieht. Zum Beispiel ist der <a href=\"http:\/\/www.destatis.de\/jetspeed\/portal\/cms\/Sites\/destatis\/Internet\/DE\/Content\/Statistiken\/Arbeitsmarkt\/ILOArbeitsmarktstatistik\/Tabellen\/Content50\/EinwohnerErwerbsbeteiligung.psml\">Anteil der Selbstst\u00e4ndigen<\/a> hierzulande noch immer niedriger als im europ\u00e4ischen Durchschnitt. Das lie\u00dfe sich vielleicht noch steigern, w\u00fcrde man die Fixierung auf Angestelltenarbeit bei Gro\u00dfkonzernen aufgeben und die Rahmenbedingungen f\u00fcr die Selbst\u00e4ndigkeit verbessern. <\/p>\n<p>Ebenso k\u00f6nnte man aus der stetigen Verbesserung wirtschaftlicher Produktivit\u00e4t durch Technik endlich den Schluss ziehen, dass nicht alle einer Erwerbsarbeit nachgehen M\u00dcSSEN, sondern sich z.B. ehrenamtlich engagieren k\u00f6nnten, auf einem Sektor ihrer Wahl. Der Reichtum einer Gesellschaft sollte sich nicht in marmor-gepflasterten Shopping-Malls und im Sammeln materieller G\u00fcter und Status-Symbole zeigen, sondern darin, wie viele Menschen von der Arbeit befreit leben k\u00f6nnen. Die sind ja nicht etwa nutzlos, sondern im Gegenteil oft genug wichtige Hilfe und flexible &#8222;Einspringer&#8220; f\u00fcr diejenigen, die es vor lauter Stress kaum mehr schaffen, sich selbst zu organisieren &#8211; und geistig manchmal die reine Erholung, verglichen mit der gestressten Psyche vieler, die sich im Arbeitsprozess und Karriere-Streben aufreiben.<\/p>\n<p><em>&#8222;Der sch\u00f6nste Platz ist der Arbeitsplatz&#8220;<\/em> &#8211; ich hab&#8216; vergessen, welcher SPD-Politiker diesen abgr\u00fcndigen Spruch verzapft hat, doch steht er aus meiner Sicht f\u00fcr eine leider sehr verbreitete Geisteskrankheit, die den Menschen allein nach seiner Produktivit\u00e4t im kommerziellen Erwerbsleben bewertet. Und dabei machen (fast) alle mit, speziell auch alle, die sich das &#8222;Soziale&#8220; auf die Fahnen schreiben. Wie um Himmels Willen soll da das n\u00f6tige <strong>Downsizing<\/strong> in Sachen Energie und Ressourcenverbrauch geschehen, wenn alle so furchtbar gerne arbeiten  &#8211; und sei es als der sprichw\u00f6rtliche Heizer auf der E-Lok?<\/p>\n<p>Andere Kulturen erhalten mittels Spenden einen hohen Anteil an M\u00f6nchen, Wander-Yogis und Asketen &#8211; niemand diskriminiert diese Menschen als arbeitsscheu, im Gegenteil: ihr anderes Bewusstsein dient der Bev\u00f6lkerung zur Erbauung und Erh\u00f6hung, als fortw\u00e4hrende Mahnung, dass das Seelenheil nicht durch Materielles zu gewinnen ist. B\u00f6te man ihnen einen Arbeitsplatz bei einem multinationalen Konzern an, w\u00fcrden sie wohl milde l\u00e4cheln \u00fcber soviel Unverst\u00e4ndnis!<\/p>\n<p>Schon in den 70gern, als ich als Gymnasiastin und dann als Studentin meine Job-Erfahrungen in der Arbeitswelt machte, wusste ich: DAS will ich nicht! Fast \u00fcberall traf ich auf Menschen, die sich f\u00fcr ihre Arbeit kaum bis gar nicht interessierten, die da ihre Stunden m\u00f6glichst fr\u00fch am Tag hinter sich brachten und in deren t\u00e4glichem Smalltalk vor allem vom Urlaub, vom baldigen Wochenende und von dem, was man sich alles kaufen wird, die Rede war. Es herrschte eine Langeweile in diesen Beh\u00f6rden und Gro\u00dfunternehmen, dass ich fast Ausschlag vor innerer Ablehnung bekam und mich immer wieder fragte: Warum machen die das so mit, noch dazu &#8222;lebensl\u00e4nglich&#8220;? <\/p>\n<p>Mittlerweile hat der Stress die Langeweile in der Arbeitswelt abgel\u00f6st, es gibt eine Menge &#8222;Arbeitspl\u00e4tze&#8220;, von denen man nicht mal mehr leben kann &#8211; aber die Grundhaltung hat sich nicht etwa ver\u00e4ndert: Nur ein Arbeitnehmer gilt als n\u00fctzliches Mitglied der Gesellschaft. Und wer da raus zu fallen droht, f\u00fcrchtet quasi den Abstieg in die H\u00f6lle.  Kein Wunder, wenn alle so denken! <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum gilt es als so selbstverst\u00e4ndlich, dass Regierungen sich darum zu bem\u00fchen haben, Arbeitspl\u00e4tze zu erhalten? Krassestes Beispiel war die Jahrzehnte lange Kohle-Subventionierung, heute wird der Autoindustrie mit Abwrackpr\u00e4mien und Kurzarbeit dabei geholfen, ihre \u00dcberkapazit\u00e4ten nicht abbauen zu m\u00fcssen. 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