{"id":30,"date":"2006-07-28T11:26:07","date_gmt":"2006-07-28T09:26:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2006\/07\/28\/kraft-zur-veraenderung-ii\/"},"modified":"2008-01-21T18:18:59","modified_gmt":"2008-01-21T16:18:59","slug":"kraft-zur-veraenderung-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2006\/07\/28\/kraft-zur-veraenderung-ii\/","title":{"rendered":"Kraft zur Ver\u00e4nderung II"},"content":{"rendered":"<p>Mir kommt es vor, als h\u00e4tten wir noch NIE so eine heftige Hitzeperiode gehabt!  Nur morgens erlebe ich ein zwei drei Stunden, in denen ich mich halbwegs aktionsf\u00e4hig f\u00fchle, dann bin ich  geradezu \u00fcberfallen von allem, was ich tun wollte, sollte, m\u00fcsste, aber derzeit wegen der Hitze aufschiebe. Ich springe also von diesem zu jenem, um wenigstens ein St\u00fcckchen weiter zu kommen in alledem, was nicht unbedingt die beste Methode ist, denn Ergebnisse produziert man anders. Na, es wird wieder k\u00fchler werden, der Himmel ist heute morgen verhangen und der Wetterbericht verspricht Abk\u00fchlungen f\u00fcr die n\u00e4chste Woche.<!--more--><\/p>\n<p>Die Frage nach der &#8222;Kraft zur Ver\u00e4nderung&#8220; treibt mich weiter um. <em>Beharrlichkeit bringt Gelingen<\/em>, hei\u00dft es im IGING, und das ist im Moment der Aspekt, an dem ich mich festhalte: Dran bleiben, auch unter widrigen Umst\u00e4nden, auch wenn meine Selbstdisziplin immer wieder zu w\u00fcnschen \u00fcbrig l\u00e4sst.<\/p>\n<h2>Mehr als Disziplin<\/h2>\n<p>Selbstdisziplin &#8211; immer schon bewundere ich Menschen, die davon so viel mehr haben als ich. Lange schon bringe ich immerhin genug davon auf, um meine Kunden und Kursteilnehmer termingerecht zu bedienen (im Moment bitte ich zum ersten Mal eine Auftraggeberin um Gnade wegen der Hitze!), doch alles, was dar\u00fcber hinaus geht, ist oft ein m\u00fchsames Gesch\u00e4ft: diese langweiligen &#8222;Rahmenarbeiten&#8220; wie Steuer und Papierkram aller Art, das Pflegen und Sichern der Daten, alles, was &#8222;wichtig aber nicht dringend&#8220; ist, verschiebe ich allzu gerne. Auch wenn es finanziell mal eng wird, gerate ich lange nicht in diese sch\u00f6ne &#8222;Schaffenspanik&#8220;, die ich bei manchem Freiberufler sehe, sondern gehe es eher geruhsam an: die Welt wird nicht einfallen, das Hier &#038; Jetzt tut nicht wirklich weh, irgendwie ist es doch immer weiter gegangen, es wird sich gewiss etwas ergeben &#8211; und bisher hatte ich Recht damit.<\/p>\n<p>Im Moment ist es kein Defizit, das mich vor allem antreibt, etwas ver\u00e4ndern zu wollen, sondern das Gef\u00fchl, Potenziale brach liegen zu lassen: meine Ergebnisse stehen in keinem akzeptablen Verh\u00e4ltnis zu den Ideen und M\u00f6glichkeiten, den schon zum &#8222;Halbfertig-Stadium&#8220; gediehenen Vorhaben, zu der gro\u00dfen Liste, die entsteht, wenn ich all das einfach mal aufschreibe. Und es ist NICHT der Mangel an Selbstdisziplin, denn bringe ich letztlich ja immer auf, wenn etwas &#8222;wirklich wichtig&#8220; ist &#8211; die Frage ist, wie und wann wird etwas f\u00fcr mich &#8222;wirklich wichtig&#8220;??<\/p>\n<h2>Selbstwert und Geldwert<\/h2>\n<p>Gelassenheit, genie\u00dfen, was ist, Beobachterin sein, JA sagen zu dem, was von selber kommt &#8211; Seit 15 Jahren ist das meine Grundhaltung und sie ist tats\u00e4chlich in jeder Hinsicht viel erfolgreicher als das von Angst und Ehrgeiz getriebene k\u00e4mpferische In-der-Welt-Sein meines ersten Lebensentwurfs.  Und doch hab&#8216; ich zunehmend das Gef\u00fchl: das ist nicht genug, dabei kann es nicht bleiben! Es muss eine (nachhaltige!) Motivation zum &#8222;mehr&#8220; geben, die nicht auf Gier und Angst fu\u00dft, sondern aus der F\u00fclle kommt, aus der Freude, zu geben und zu n\u00fctzen.<\/p>\n<p>Dazu ist es erforderlich &#8211; so empfinde ich es jedenfalls im Moment &#8211; einen Blick auf den Unterschied zu werfen, den ich im Umgang mit mir selbst im Vergleich zum Umgang mit der Welt, den Anderen, den Partnern, Auftraggebern und Kunden immer noch mache. Hier liegt ein Hase im Pfeffer, das sagt mir meine Intuition! Wenn ich zum Beispiel einen Auftrag verhandle, den mir jemand geben will, neige ich grunds\u00e4tzlich dazu, die eigene Arbeit zu niedrig zu bewerten. Zwar k\u00e4mpfe ich dagegen an, indem ich gegen\u00fcber meiner ersten Idee einen &#8222;Psychomacke-Aufschlag&#8220; einrechne, denn ich bin mir dieser ver-r\u00fcckten Haltung lange schon bewusst. Aber wirklich RAUS gekommen aus dem Grundgef\u00fchl, mich nur schlecht bezahlt oder kostenlos arbeitend wirklich wohl (=bei den Guten) zu f\u00fchlen, bin ich bisher nicht. Meistens mache ich mir die vermeintlichen &#8222;Zw\u00e4nge&#8220; des Kunden, der so wenig wie m\u00f6glich ausgeben will, zu eigen, anstatt bei mir zu bleiben, meine eigene Arbeit angemessen wert zu sch\u00e4tzen und auch entsprechende Preise zu machen.<\/p>\n<p>Oberfl\u00e4chlich betrachtet k\u00f6nnte man meinen, das l\u00e4ge am Wunsch, den Auftrag auf jeden Fall zu bekommen &#8211; schlie\u00dflich lebe ich mehr oder weniger von der Hand in den Mund, habe also kein &#8222;Polster zum Nein-Sagen&#8220; bzw. immer nur ein paar Wochen finanziellen Spielraum. Das ist es aber nicht, im Gegenteil, dieser Zustand ist bereits Wirkung einer Fehlhaltung &#8211; eine Wirkung, auf die ich im 52.Jahr so langsam keine Lust mehr habe.<\/p>\n<h2>Formende Altlasten<\/h2>\n<p>Und nicht nur das: ich sehe mehr und mehr den &#8222;Psychomacke-Aspekt&#8220; dieser Haltung dem eigenen Schaffen gegen\u00fcber: es ist einfach nur eine uralte Formung, die ich erfahren habe: durch die wirtschaftsfeindlichen kollektiven \u00dcberzeugungen der 70ger Jahre (konnte man sich damals gut leisten, denn die Wirtschaft brummte) und durch die Bestechungsversuche meines Vaters, der mir als Kind allen Ernstes immer wieder gro\u00dfe Scheine anbot, um mich in den famili\u00e4ren Dramen, die er saufend herauf beschwor, auf seine Seite zu ziehen.  <em>Wer mir mehr als Peanuts gibt, will mich einkaufen,<\/em> lernte ich da, <em>der will, dass ich meine innere Wahrheit des schn\u00f6den Geldes wegen ignoriere<\/em> &#8211; nie, nie, niemals!! Meine Verachtung war tief, so tief wie der Schrecken und das Leiden an der katastrophalen famili\u00e4ren Situation.<\/p>\n<p>All das ist lange klar und sogar lange verziehen! Und dennoch wirkt es fort, ist geradezu k\u00f6rperlich sp\u00fcrbar, wenn ich gefragt werde, &#8222;was ich koste&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Kraft zur Ver\u00e4nderung&#8220; braucht die Bewusstwerdung dieser Zusammenh\u00e4nge, doch genau wie eine Psychoanalyse jahrelang ohne &#8222;Erfolg&#8220; bleiben kann, reicht das alleine nicht aus. Was es NOCH ist, das mich letztlich in Bewegung versetzt, ist &#8211; so denke ich im Moment &#8211; etwas rational-logisch nicht Fassbares. Diese Erkenntnis ist neben der Beharrlichkeit mein bisher einziger Anhaltspunkt &#8211; wenn die Dinge sich \u00fcberlebt haben, fallen sie irgendwann einfach ab wie eine alte Haut, die nicht mehr gebraucht wird. Wann, wenn nicht jetzt in meiner zunehmend deutlichen Wechselzeit w\u00e4re ein besserer Zeitpunkt, alles hinter sich zu lassen, was behindert? Jedoch nicht im Sinne eines neuen &#8222;Plans&#8220;, sondern in Gestalt wachsenden Vertrauens, dass geschehen wird, was stimmig ist. Schlie\u00dflich hat mich das bisher getragen, warum nicht auch weiter, auf die n\u00e4chste Stufe des Wirkens und Werkens?<\/p>\n<h2>Innere Stille<\/h2>\n<p>Beharrlichkeit, Vertrauen &#8211; und innere Stille, damit sich das entfalten kann. Das ist der dritte Punkt, der mir einf\u00e4llt, wenn ich \u00fcber &#8222;Ver\u00e4nderung&#8220; nachsinne: So, wie ich derzeit meinen Geist mit st\u00e4ndigem Input und Output fordere, wie ich die &#8222;freie Zeit&#8220; damit verbringe, auch wieder Eindr\u00fccke aufzunehmen, zu interagieren und zu kommunizieren, fehlt mir die &#8222;rechte Sammlung&#8220;, die es braucht, damit sich die Dinge &#8222;von selber&#8220; sortieren. Was wirklich wichtig ist, erfahre ich nicht, indem ich immer neue Todo-Listen erstelle und versuche, aus dem Kopf Priorit\u00e4ten zu setzen, sondern indem ich mir Zeiten der Stille g\u00f6nne, in denen es allein darum geht, dem rei\u00dfenden Strom der Gedanken, die dieser oder jener Vorstellung von Zukunft nachjagen wollen, zu entsagen.<\/p>\n<p>Neulich ist mir das mal ganz spontan gelungen: Ich lag auf dem Bett, wollte ein kurzes Nickerchen machen, f\u00fchlte mich m\u00fcde aber insgesamt sehr wohl. Schnell bemerkte ich, wie die Gedanken nichts anderes zu tun hatten, als mich von diesem Wohlgef\u00fchl abzulenken:  rein in ein Problem, rein in diesen oder jenen Verstrickungszusammenhang, rein in das n\u00e4chste &#8222;erw\u00fcnschte Vorhaben&#8220;, Modalit\u00e4ten und Bedingungen bedenken, n\u00e4chste Schritte planen &#8211; ich stoppte das und konzentrierte mich auf den Atem, wie er durch die Nasenfl\u00fcgel streicht.<\/p>\n<p>Oh, welch ein Wohlbefinden &#8211; bis mich der n\u00e4chste Gedankenstrom mitnehmen wollte, den ich wiederum stoppte, denn es war allzu offensichtlich, dass jedes &#8222;mitgehen&#8220; meinen Zustand verschlechtern, das Gewahrsein des grundlosen Wohlbefindens &#8222;mit Inhalten \u00fcberschreiben&#8220; w\u00fcrde.  Wow, das ging so ca. 20 Minuten, dann sp\u00fcrte ich, wie meine Lebensgeister wieder erwachten als h\u00e4tte ich mehrere Stunden gut und erholsam geschlafen!<\/p>\n<p>Viele Jahre war ich nicht mehr willens, &#8222;Meditation zu \u00fcben&#8220;. Mich formell hinzusetzen und krampfhaft um irgend etwas zu bem\u00fchen, wom\u00f6glich um  &#8222;erleuchtet&#8220; zu werden, war nicht mein Ding &#8211; trotz einiger Erlebnisse w\u00e4hrend der Meditation nach den Yogastunden, die mir gezeigt hatten, dass es da etwas gibt, was des &#8222;Erringens&#8220; durchaus wert w\u00e4re. Allerdings waren das momenthafte ekstatische Zust\u00e4nde, die wenig mit dem &#8222;ganz normalen Leben&#8220; zu tun hatten. Ihnen nachzujagen erschien mir \u00fcberfl\u00fcssig, erlebte ich doch genug Freude und Begl\u00fcckung in meiner Arbeit und in den Beziehungen zu meinen Liebsten.  Mein Empfinden war \u00e4hnlich wie gegen\u00fcber diesen seltsamen Erlebnissen vor 20 Jahren, als ich mich in eigenartigen Zust\u00e4nden zwischen Schlafen und Wachen au\u00dferhalb meines K\u00f6rpers befunden hatte, den ich schlafend auf dem Bett liegen sah. Tagelang, ja wochenlang hatte mich die &#8222;Out-of-Body-Experience&#8220; (OOBE) damals begl\u00fcckt und inspiriert, das Ph\u00e4nomen zu beforschen, zu versuchen, &#8222;es in den Griff zu kriegen&#8220;. Doch f\u00fchrte dieser Greifversuch dazu, dass ich bald auch &#8222;schreckliche&#8220; Eindr\u00fccke aus der Anderwelt bekam &#8211; ich lie\u00df es bleiben und sagte mir: Ich bin in diesem Leben, um IN diesem K\u00f6rper zu sein, nicht etwa, um ihn krampfhaft verlassen zu wollen, um ein bisschen an der Decke zu schweben!<\/p>\n<p>Nun, es scheint, als erfordere auf einmal mein &#8222;ganz normales Leben&#8220;, dass ich mich mehr um innere Stille bem\u00fche: Eintauchen in den ungeformten Geisteszustand, der noch nichts will und nach nichts strebt, auf dass sich &#8222;im Hintergrund&#8220; die Dinge von selber sortieren und ich dann ohne Gr\u00fcbeln wei\u00df, was wichtig ist. Und es muss nicht &#8222;sitzend&#8220; geschehen, wie es \u00fcberall empfohlen wird, damit die Meditierenden nicht einschlafen: besser, man pennt mal ein dabei anstatt es ganz zu lassen, weil das viele Sitzen am PC schon genug k\u00f6rperliches Leiden mit sich bringt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mir kommt es vor, als h\u00e4tten wir noch NIE so eine heftige Hitzeperiode gehabt! Nur morgens erlebe ich ein zwei drei Stunden, in denen ich mich halbwegs aktionsf\u00e4hig f\u00fchle, dann bin ich geradezu \u00fcberfallen von allem, was ich tun wollte, sollte, m\u00fcsste, aber derzeit wegen der Hitze aufschiebe. 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