{"id":298,"date":"2009-05-24T12:12:40","date_gmt":"2009-05-24T10:12:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=298"},"modified":"2009-06-16T09:05:23","modified_gmt":"2009-06-16T07:05:23","slug":"von-jetzt-auf-gleich-behindert-und-pflegebeduerftig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2009\/05\/24\/von-jetzt-auf-gleich-behindert-und-pflegebeduerftig\/","title":{"rendered":"Von jetzt auf gleich: Behindert und pflegebed\u00fcrftig"},"content":{"rendered":"<p>Dass es unter Umst\u00e4nden sehr schnell gehen kann, zu einer weitgehend hilflosen, pflegebed\u00fcrftigen Person zu werden, musste ich gestern schmerzlich erleben. Auf dem Weg vom Garten nach hause, den ich wie immer mit dem Fahrrad zur\u00fcck legte, rutschte ich auf einer Stra\u00dfenbahnschiene aus und landete wuchtig auf dem Pflaster.<\/p>\n<p>Ein paar Momente lang war ich von Schmerzen wie benebelt, registrierte nur am Rande die hilfreich herbei geeilten Friedrichshainer, die mir wieder auf halfen. &#8222;Geht schon wieder, alles ok!&#8220;, konnte ich noch murmeln, nachdem ich mich wieder aufgerappelt hatte und sp\u00fcrte, dass mir zwar alles weh tat, aber offenbar nichts gebrochen war. Noch w\u00e4hrend ich auf den Boden lag, realisierte ich mit Schrecken, dass hinter mir ja eigentlich das n\u00e4chste Auto sein k\u00f6nnte &#8211; doch dem war nicht so, welch ein Gl\u00fcck!<!--more--><\/p>\n<p>Oberfl\u00e4chlich hatte ich nur eine &#8222;Kinderwunde&#8220; davon getragen: aufgesch\u00fcrfte Knie, durch die Klamotten hindurch. Doch das Laufen geriet \u00e4u\u00dferst schmerzhaft, ich bestieg also das Rad wieder und schaffte es, bis nach Hause zu fahren, dort die Treppen hoch zu kommen und dann humpelnd das Essen zu bereiten, wobei mein Liebster mir half.<\/p>\n<h2>Momentaufnahme: Ans Bett gefesselt<\/h2>\n<p>Heute morgen jedoch erwachte ich und meinte, mich gar nicht mehr r\u00fchren zu k\u00f6nnen. Das linke Knie angeschwollen, jede Bewegung der reinste Horror. Was jetzt? Vorausschauend hatte ich mir abends das Handy neben das Bett gelegt, um im Fall des Falles nicht ganz aufgeschmissen zu sein. Erstmal blieb ich jedoch einfach liegen und lie\u00df die Situation auf mich wirken: ich bin allein, liege im Bett und kann mich nicht aus eigener Kraft erheben. SO ist es also, behindert und pflegebed\u00fcrftig zu sein, angewiesen auf andere, die vielleicht kommen, mir einen Kaffee machen, mich waschen, mir aufs Klo helfen.<\/p>\n<p>Es ist ja nicht ganz unwahrscheinlich, die letzte Zeit des Lebens so zubringen zu m\u00fcssen. Wie w\u00fcrde ich das verkraften? Wie lebt man &#8222;vom Bett aus&#8220;?\u00a0 Im Grunde m\u00fcsste &#8211; um mal das Optimum zu benennen &#8211; dauernd jemand da sein, der Hilfe leistet, wenn ich irgend etwas brauche.\u00a0 Was w\u00fcrde das kosten?<\/p>\n<p>Meine Gedanken wanderten g\u00e4nzlich ungewohnte Pfade, ich dachte meinen aktuellen Zustand weiter, scherte mich nicht um Institutionen und Gesetze, sondern setzte locker einen Mindestlohn von zehn Euro\/Stunde (auf die Hand) an: 16 Stunden in zwei Schichten sind 160 Euro\/Tag x 30 = 4800 Euro. Also unfinanzierbar, selbst ohne Nachtwache! Mit einem Mal war mir das Pflegedilemma hautnah pr\u00e4sent:\u00a0 Na klar, sowas ist nur in den viel gef\u00fcrchteten Pflegeheimen halbwegs organisierbar. Und dass bei der zunehmend gew\u00fcnschten ambulanten Pflege die Leute viele Stunden in Windeln zubringen, ist auch nicht verwunderlich. Wir sind nun mal stoffwechselnde Wesen&#8230;<\/p>\n<h2>Internet im Bett?<\/h2>\n<p>Gruslig, das alles! Ich tr\u00f6stete mich damit, dass es ja noch nicht wirklich soweit ist. Ein geschwollenes Knie bessert sich auch wieder, ein paar Prellungen und Zerrungen machen noch keine Pflegebed\u00fcrftigkeit. Sehr, sehr langsam schaffte ich es, mich aus dem Bett zu w\u00e4lzen, zun\u00e4chst auf allen Vieren die Beweglichkeit zu testen, um dann langsam und auf ein Schr\u00e4nkchen abgest\u00fctzt, die Vertikale wieder zu gewinnen. Warum hab&#8216; ich keine Kr\u00fccken f\u00fcr den Notfall, verdammt! Das w\u00e4r jetzt das Richtige zur Entlastung des l\u00e4dierten Knies. Vorsichtig humpelnd bewegte ich mich dann doch erfolgreich ins Bad, packte das Kaffee-Kochen in der K\u00fcche und sitze nun vor dem PC, meinem &#8222;Fenster zur Welt&#8220;.<\/p>\n<p>Zumindest DAS muss in Zukunft zur Not auch vom Bett aus funktionieren &#8211; man wei\u00df ja nie!\u00a0 Ein Netbook oder kleiner Notebook, dazu das passende Beistellm\u00f6bel mit Schwenkarm und kippbarem Tablett, so dass ich das Ger\u00e4t immer in der richtigen Position halten kann, egal, wie ich gerade liege. Dann kann ich surfen, schreiben, kommunizieren, Webseiten bauen &#8211; und nicht mal Windeln w\u00fcrden mich dabei behindern!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass es unter Umst\u00e4nden sehr schnell gehen kann, zu einer weitgehend hilflosen, pflegebed\u00fcrftigen Person zu werden, musste ich gestern schmerzlich erleben. 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