{"id":2930,"date":"2001-02-28T13:53:31","date_gmt":"2001-02-28T12:53:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=2930"},"modified":"2019-11-03T14:07:00","modified_gmt":"2019-11-03T13:07:00","slug":"suche-nach-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2001\/02\/28\/suche-nach-mehr\/","title":{"rendered":"Suche nach MEHR"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: Arial,futura,helvetica; font-size: small;\"> Der PC funktioniert wieder. Es ist tats\u00e4chlich der gr\u00f6\u00dfte anzunehmende Unfall gewesen: Motherboard kaputt! Gestern morgen nach Berlin gefahren, Ger\u00e4t bei <a href=\"http:\/\/www.indat.de\/\" target=\"_top\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/goto.gif\" alt=\"\" width=\"10\" height=\"10\" border=\"0\" \/>INDAT<\/a> in der Brandenburgischen Stra\u00dfe abgegeben, vier Stunden sp\u00e4ter wieder abgeholt. Kosten: schlappe 270 Mark und nur 27,- f\u00fcr die Arbeit! Ich wei\u00df schon, warum ich extra so weit fahre&#8230;<!--more--><\/p>\n<p>In den letzten Tagen erreichten mich ein paar Leserbriefe von der Art, die mich besonders zum Weiterschreiben motivieren. Offensichtlich sind &#8222;da drau\u00dfen&#8220; Menschen, die mein Geplauder nicht langweilt &#8211; schon ein Wunder, wenn man bedenkt, dass es hier keine &#8222;Linie&#8220; gibt, kein festes Thema, keine intimen Enth\u00fcllungen und nur selten eine richtig agressive Hetzrede auf die \u00dcbel der Welt. Wenn ich von den Mails ausgehe, lesen hier gerne Menschen, die nach einem Sinn suchen, die MEHR erwarten, als nur die Chance, bzw. die Last, in dieser Welt ein n\u00fctzliches R\u00e4dchen sein zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Diesen Impuls teile ich, mein ganzes Leben lang schon. Allerdings bin ich im Lauf der Zeit von allen &#8211; einfachen und schwierigen &#8211; Rezepten abgekommen. Vom &#8222;Dagegen sein&#8220; auf Teufel komm raus genauso, wie vom besser, anders, oder auch all-ein-sein wollen. Selbst das Drin-sein hat mich entt\u00e4uscht :-) Versuchsweise hab&#8216; ich die verschiedensten Weltanschauungen ausprobiert, einschlie\u00dflich kurzfristiger Ausfl\u00fcge in die jeweiligen Welt- und Selbstverbesserungssysteme. Werde gl\u00fccklicher Vegetarier, meditier dich zur Erleuchtung, faste dich fit &amp; gesund, denk&#8216; dich positiv zum Erfolg, sei hier &amp; jetzt, sprich mit deinem inneren Kind, achte auf die Tr\u00e4ume, sieh&#8216; zu, da\u00df du dein Ego los wirst, schau auf deinen maschinenhaften Verstand, befrei&#8216; dich aus der &#8222;Blase der Wahrnehmung&#8220; und folge den Worten des Lehrers, denn alleine bist du nur eines: falsch!<\/p>\n<p>Trotz dieser eher zum Schmunzeln anregenden Aufz\u00e4hlung bin ich allen Einfl\u00fcssen und allen lebenden und nicht-mehr-lebenden Menschen dankbar, denen es gelungen ist, mich f\u00fcr kurz oder l\u00e4nger von den eingefahrenen Pfaden der Gewohnheit abzulenken. Immer habe ich etwas gelernt, wenn auch oft nicht das, was ich &#8222;nach Voschrift&#8220; h\u00e4tte lernen sollen. Macht aber nichts, im Gegenteil, das ist der Kern der Sache: Endlich einmal bemerken, dass man sich das Leben nicht abnehmen lassen kann! Es ist zwar richtig, da\u00df wir zun\u00e4chst in \u00fcbernommenen Konditionierungen mehr oder weniger fest stecken. WOHIN wir aber, ihre Umklammerung lockernd, aufbrechen sollen, kann uns niemand sagen. <\/span><\/p>\n<h2>Himmel, Hier &amp; Jetzt<\/h2>\n<p>Wer als Kleinkind noch in die christliche Kirche eingef\u00fchrt wurde, wird sich erinnern: Das vorgegebene Ziel war DER HIMMEL. Hatten wir aber je Gelegenheit, selbst zu entscheiden, ob wir dahin wollen? Auch sp\u00e4ter ist man dann aus purer Frustration, aus Verzweiflung oder Langeweile heraus allzu bereit, fremde Erl\u00f6sungs- und Paradiesvorstellungen anzunehmen, seien sie nun in einem Jenseits, im Absoluten, oder etwas new-age-gem\u00e4\u00dfer im &#8222;hierjetzt&#8220; angesiedelt. Die Suche nach dem &#8222;mehr&#8220; verbindet sich allzu schnell mit dem Streben nach Anerkennung bei Anderen (wir sind halt Primaten!), das je Eigene gilt als nichts, als das Falsche &#8211; und der Markt hat das gut erkannt. Die Buchl\u00e4den sind voll von Ratgebern, wie man besser, tiefer, gl\u00fccklicher, sch\u00f6ner, zufriedener und faltenfreier leben kann. Bis vor einigen Jahren hab&#8216; ich ganze Regalmeter von Erbaulichem verschlungen, viel gesammelte Weisheit und Wirrniss aus 2500 Jahren. Geholfen hat es nichts, wirklich belehrt und ver\u00e4ndert hat mich immer nur das Leben selbst. Nat\u00fcrlich ist es gut, zu lesen und dadurch den Raum der M\u00f6glichkeiten, den man sich vorstellen kann, zu erweitern. Den Schritt von der M\u00f6glichkeit zur Wirklichkeit macht man aber selbst &#8211; oder eben nicht.<\/p>\n<p>Es wird gerade soviel geredet und geschrieben \u00fcber das Zeitalter des Individuums. Das Individuelle scheint sich jedoch darin zu ersch\u00f6pfen, da\u00df f\u00fcr jeden eine gro\u00dfe Auswahl an Lehren &amp; Lehrer zur Verf\u00fcgung steht, die allesamt eines nicht unbedingt erleichtern: Sich auf sich selbst zu besinnen. Was bleibt denn \u00fcbrig, wenn ich mal alles beiseite lasse, was ich als Anzustrebendes geh\u00f6rt, gelesen, eingebl\u00e4ut bekommen und freiwillig geglaubt habe?<\/p>\n<p>Und wenn da nichts ist? Schlimmer noch, irgend ein sch\u00e4dlicher, spirituell unkorrekter ungesunder Schrott? Vielleicht so etwas Furchtbares wie &#8222;die Sehnsucht nach der n\u00e4chsten Currywurst mit Pommes und Mayo&#8220; ?<\/p>\n<p>Daf\u00fcr hab&#8216; ich ein Rezept! Ehrlich, du kannst es ausprobieren, es wird funktionieren: Gehe tief in die Currywurst hinein! I\u00df erst eine, dann noch eine, und NOCH eine&#8230;.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der PC funktioniert wieder. Es ist tats\u00e4chlich der gr\u00f6\u00dfte anzunehmende Unfall gewesen: Motherboard kaputt! Gestern morgen nach Berlin gefahren, Ger\u00e4t bei INDAT in der Brandenburgischen Stra\u00dfe abgegeben, vier Stunden sp\u00e4ter wieder abgeholt. Kosten: schlappe 270 Mark und nur 27,- f\u00fcr die Arbeit! 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