{"id":2921,"date":"2001-02-02T13:00:16","date_gmt":"2001-02-02T12:00:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=2921"},"modified":"2022-12-29T19:26:02","modified_gmt":"2022-12-29T18:26:02","slug":"schluss-mit-dem-schweinefrass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2001\/02\/02\/schluss-mit-dem-schweinefrass\/","title":{"rendered":"Schluss mit dem Schweinefra\u00df!"},"content":{"rendered":"<p>Gestern haben mein Lebensgef\u00e4hrte und ich beschlossen, Ern\u00e4hrung und Einkaufsverhalten konsequent umzustellen. Ein Artikel in der Berliner Zeitung (&#8222;Kippen Sie Mayonnaise dr\u00fcber!&#8220; &#8211; ich werde ihn hier verlinken, sobald er im Online-Archiv auftaucht) hat das Fa\u00df zum \u00dcberlaufen gebracht. Es ging nicht um Rindfleisch, sondern um alles andere, um die ganz normalen und legalen Sauereien der Nahrungsmittelindustrie. Gezwungen durch die \u00fcberm\u00e4chtigen Handelskonzerne, die hohe &#8222;Eintrittspreise&#8220; f\u00fcr die gn\u00e4dige Aufnahme in die Superm\u00e4rkte kassieren und den Produzenten die Preise vorschreiben, ist das, was dort dann im Regal steht, in vielen F\u00e4llen zusammenger\u00fchrter Dreck. Nicht die Qualit\u00e4t oder Originalit\u00e4t eines Produkts steht im Mittelpunkt der Anstrengungen, sondern die Bem\u00fchung, es &#8222;analysefest&#8220; zu machen: es so zu designen, dass die staatliche Lebensmittel\u00fcberwachung mit den analytischen Methoden ihrer Kontrollabors nichts mehr finden kann: tausend Tricks bis hin zum Betrug.<!--more--><br \/>\nNeben den &#8222;Designern&#8220; sind bei diesen Machenschafften soganannte &#8222;Psychophysiker&#8220; unverzichtbar: Fachleute, die herausfinden, was im Mund ablaufen mu\u00df, damit im Gehirn der Proze\u00df stattfindet, der zum Weiteressen und Weiterkaufen f\u00fchrt. Im Ergebnis k\u00f6nnen mittels dieser Erkenntnisse dann teure Rohstoffe durch billigere ersetzt werden, durch irgendwelche aufwendig gestylten Abf\u00e4lle, Hauptsache, das Geschmackserlebnis stimmt. Wer glaubt, er k\u00f6nne ja per Etikett kontrollieren, was drin ist, irrt. Unser Gesetzgeber hat zwar allerlei Deklarierungspflichten f\u00fcr Zutaten erlassen, aber gleichzeitig festgelegt, dass die meisten Stoffe nicht mehr als Zutaten gelten, sondern nur als &#8222;Zusatzstoffe&#8220; die nicht deklariert werden m\u00fcssen: also z.B. alle Stoffe, die die Lebensmittel maschinenfreundlich machen, bis hin zu Bestandteilen aus asiatischen Menschenhaaren (l\u00e4\u00dft die Br\u00f6tchen beim &#8222;Backen vor den Augen des Kunden&#8220; richtig duften, was sie von selber nicht mehr t\u00e4ten, da es sich um vorher tiefgefrorene &#8222;Backlinge&#8220; handelt.).<\/p>\n<h2>Der mentale Ekel<\/h2>\n<p>Seit Wochen lese ich nun diese Artikel und mittlerweile baut sich ein gewisser Ekel auf. Eigentlich mag ich z.B. die Joghurts von Almighurt, hab&#8216; sie regelmm\u00e4\u00dfig gekauft und abends als leichten Nachtisch gegessen. Seit ich wei\u00df, dass die Fruchtst\u00fcckchen keine Fruchtst\u00fccke sind, sondern in vielf\u00e4ltigen Verarbeitungsschritten erst hergestellte &#8222;Fruchtzubereitungen&#8220; aus Wasser, St\u00e4rke und Aromastoffen (getrocknet, gemahlen, gepresst, gekocht, gefroren, geformt, gew\u00fcrzt&#8230;), habe ich das seltsame Erlebnis, dass es einerseits auf der Zunge immer noch schmeckt, andrerseits ein hintergr\u00fcndiger Ekel aufkommt, wenn ich auf diese &#8222;Fruchtzubereitungen&#8220; beisse. Und lange schon hab&#8216; ich dar\u00fcber nachgedacht, was eigentlich die \u00d6tker-Pizza soviel besser schmecken l\u00e4\u00dft als alle anderen Pizzas: \u00e4hnlich wie Whiskas, das Katzen weit mehr sch\u00e4tzen als Kitekat et al, muss da was drin sein, was geradezu s\u00fcchtig macht, vermutlich das Ergebnis einer kreativen Sternstunde der Psychophysiker.<\/p>\n<p>Doch damit ist jetzt Schlu\u00df. Ab jetzt sind s\u00e4mtliche Fertiggerichte und Halbfertigprodukte gestrichen, von der Pizza \u00fcber die Leberwurst und die Salatgew\u00fcrzmischung bis hin zu Fleischsalat und Dosenfisch. Grundnahrungsmittel und Gem\u00fcse werde ich im Bioladen kaufen, ansonsten nur noch Dinge, denen ich ganz genau ansehe, WAS es ist: frischer Fisch statt Krabbensalat, Schinken aus dem Hofladen statt &#8222;Du-darfst-Leberpastete&#8220;. Ja, ich darf, aber ich will nicht mehr!<\/p>\n<p>Bin ich zu pingelig? L\u00e4cherlich empfindlich in Gesundheistfragen? Schlie\u00dflich rauche ich doch auch wieder (nach fast 3 Monaten ohne), und das ist bei weitem sch\u00e4dlicher als der Industriefra\u00df. Aber mir geht es gar nicht zuerst um die Gesundheit, sondern diese Nahrungsmittelmafia kotzt mich einfach an! Keine Mark will ich diesem System mehr in den uners\u00e4ttlichen Rachen schmeissen, soweit ich es vermeiden kann. Es ist menschenverachtend, wie diese Leute uns mit ihren Hightechtricks dazu bewegen, die widerlichsten Dinge noch als wohlschmeckend zu empfinden und teuer zu bezahlen. Wenn ich &#8222;von der Ladentheke her&#8220; Politik machen soll, dann heisst das f\u00fcr mich jetzt einfach: Wegbleiben, Superm\u00e4rkte weitr\u00e4umig umfahren. Und: einfacher essen, das ist tats\u00e4chlich auch gesund und wird mich von meinem \u00dcbergewicht befreien, das ich nicht unwesentlich den &#8222;Psychophysikern&#8220; der Konzerne verdanke.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern haben mein Lebensgef\u00e4hrte und ich beschlossen, Ern\u00e4hrung und Einkaufsverhalten konsequent umzustellen. Ein Artikel in der Berliner Zeitung (&#8222;Kippen Sie Mayonnaise dr\u00fcber!&#8220; &#8211; ich werde ihn hier verlinken, sobald er im Online-Archiv auftaucht) hat das Fa\u00df zum \u00dcberlaufen gebracht. 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