{"id":2917,"date":"2019-10-30T11:51:12","date_gmt":"2019-10-30T10:51:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=2917"},"modified":"2019-10-30T11:52:36","modified_gmt":"2019-10-30T10:52:36","slug":"die-masse-macht-nix-und-ueberlaesst-den-rechtsradikalen-das-feld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2019\/10\/30\/die-masse-macht-nix-und-ueberlaesst-den-rechtsradikalen-das-feld\/","title":{"rendered":"&#8222;Die Masse macht nix&#8220; und \u00fcberl\u00e4sst den Rechtsradikalen das Feld"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>&#8222;Man glaubt immer, das die Masse der Nutzer eher gut ist und folglich die Minderheit in die Schranken weist. Aber wie \u00fcberall: die Masse macht nix, sie geht einfach woanders hin. Die Minderheit, die laut schreit \u00fcbernimmt das Ruder. Die welche nicht schreien sind auch eher Menschen, die nicht auf Krawall, Konfrontation, Gewalt aus sind. Und sich deswegen zur\u00fcck ziehen, wenns stressig wird.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/forum.golem.de\/kommentare\/internet\/fredrick-brennan-ich-bereue-es-8chan-gegruendet-zu-haben\/schon-klar\/130095,5504554,5504554,read.html\">schrieb &#8222;Chefin&#8220;<\/a> im Golem-Forum als Kommentar zu einem <a href=\"https:\/\/www.golem.de\/news\/fredrick-brennan-ich-bereue-es-8chan-gegruendet-zu-haben-1910-144475.html\">Interview<\/a> mit dem Gr\u00fcnder des Imageboards 8Chan. Brennan hatte das Board als Feld &#8222;absoluter Meinungsfreiheit&#8220; gegr\u00fcndet, es aber aufgrund der extremen Radikalisierung (Gewaltaufrufe, Nazi-ideologie, Postings von Attent\u00e4tern) wieder abgegeben. Derzeit ist das Board offline, was hoffentlich so bleibt. <\/p>\n<p>Die S\u00e4tze zur unt\u00e4tigen Masse sind mir einen eigenen Beitrag wert, weil sie nicht nur f\u00fcr die Entwicklungen auf 8chan gelten, sondern leider auch ganz allgemein. Zum Beispiel in Th\u00fcringen: Dort haben zwar 76 Prozent NICHT die H\u00f6cke-AFD gew\u00e4hlt, doch gegen die Allgegenw\u00e4rtigkeit rechtsextremistischen Denkens, gegen die Pr\u00e4senz und sogar Dominanz jugendlicher Nazis hilft das grade gar nichts.<\/p>\n<p>Ein guter Augen\u00f6ffner zur Umwandlung Th\u00fcringens in ein &#8222;braunes Nest&#8220; ist dieser Artikel:<br \/>\n<strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.bento.de\/politik\/thueringen-rechtes-denken-war-schon-immer-da-bericht-aus-meiner-jugend-a-745a3085-44bb-4cf8-b477-8c7f61b77ab3\">Meine Jugend in Th\u00fcringen: Er war schon immer da<\/a><br \/>\nAuch wenn H\u00f6cke erst 2014 nach Th\u00fcringen zog \u2013 sein Denken begegnete mir hier von klein auf. <\/strong><\/p>\n<p>Zitat:<\/p>\n<blockquote><p>Wer als junger Mensch nicht dauernd verpr\u00fcgelt werden wollte, musste lernen, neben den Glatzen zu existieren. In Th\u00fcringen gibt es, mit wenigen Ausnahmen wie Jena oder Weimar, keine vielf\u00e4ltige Jugendkultur. Wer tanzen gehen wollte, musste damit leben, dass die Glatzen beim Pogo dabei sind. Wer trinken gehen wollte, musste damit leben, dass sie zuerst am Billardtisch stehen. F\u00fcr meine Jugend in Th\u00fcringen galt: mitmachen, ignorieren, oder sich ins Private zur\u00fcckziehen. <\/p>\n<p>Die meisten aus meiner Clique w\u00e4hlten das Ignorieren oder den R\u00fcckzug. Und sobald die Ausbildung in der Tasche war, w\u00e4hlten viele \u2013 auch ich \u2013 dann den Wegzug. <\/p><\/blockquote>\n<p>So waren also die 90ger f\u00fcr Jugendliche. Und so dachte man in Th\u00fcringen 2001:<\/p>\n<blockquote><p>\n&#8222;Bereits vor 18 Jahren stimmten mehr als 35 Prozent der Aussage zu, es g\u00e4be &#8222;wertvolles und unwertes Leben&#8220;, knapp 49 Prozent stimmten zu, dass Deutschland durch die &#8222;vielen Ausl\u00e4nder&#8220; in &#8222;gef\u00e4hrlichem Ma\u00dfe \u00fcberfremdet&#8220; sei (<a href=\"https:\/\/www.landesregierung-thueringen.de\/fileadmin\/user_upload\/Landesregierung\/Landesregierung\/Thueringenmonitor\/thuringen-monitor_2018_zusammenfassung.pdf\">Th\u00fcringen-Monitor 2001<\/a>). Es sind auch die Aussagen meiner Generation, es sind Aussagen, denen ich nichts entgegengesetzt hatte. Die Verschw\u00f6rungstheorien von rechts, von der &#8222;\u00dcberfremdung&#8220; bis zur &#8222;Umvolkung&#8220;, sickerten so in die Mitte der Gesellschaft. <\/p>\n<p>Wenn ich heute auf Heimatbesuch bin, begegnen mir diese Ansichten \u00fcberall. Als Aussagen am Esstisch oder in der Kneipe, als Sticker oder Graffiti an H\u00e4userw\u00e4nden und Laternenmasten.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>***<\/p>\n<p>Dass sich ausgerechnet L\u00e4nder der Ex-DDR als besonders &#8222;fruchtbarer Scho\u00df&#8220; erweisen, aus dem das neue Nazitum kriecht, hat mich gewundert. Die NeoNazi-Jugendkultur entwickelt sich doch nicht im luftleeren Raum, es bedarf eines zumindest ignoranten, wenn nicht in Teilen zustimmenden Umfelds. Wie kann das sein in einem Land, dessen offizielle Doktrin sozialistisch war?<\/p>\n<p>Mit einem &#8222;Wossi&#8220; (Mitte der 80ger als Jugendlicher in den Westen geflohen) besprach ich die unterschiedlichen Formen der &#8222;Aufarbeitung&#8220; des 3.Reichs in Ost und West, die dabei eine durchaus prominante Rolle spielen. Anders als im Westen behandelte man die Untaten der Nazis als Verbrechen der Anderen, der Kapitalisten, die sich jetzt als Klassenfeind in Form der BRD ihre neue Heimat geschaffen hatten. Die DDR war der Gegenentwurf, die L\u00f6sung der Klassenfrage und somit der Ort der guten, neuen sozialistischen Menschen. Die sich nat\u00fcrlich selbst nichts vorzuwerfen hatten &#8211; und wenn doch, verschwand das tunlichst unter dem Mantel des Schweigens, denn offiziell verfolgte die Stasi publik gewordene Nazis durchaus.<\/p>\n<p>So kommt nat\u00fcrlich keine problematisierende Sensibilit\u00e4t f\u00fcr die verschiedenen Denkweisen zustande, die bei Tolerierung recht z\u00fcgig ins rechtsradikale Spektrum f\u00fchren. Auch im Westen gab und gibt es Neonazis, doch konnten sie noch nie so breitfl\u00e4chig und zahlreich Erfolge feiern wie derzeit in einigen &#8222;neuen Bundesl\u00e4ndern&#8220;. <\/p>\n<p>Aber egal ob im Osten oder Westen, offline oder online: die zun\u00e4chst gro\u00dfe Mehrheit derjenigen, die diese Umtriebe zum Kotzen findet, macht sich durch Nichtstun, durch Vermeiden und Ausweichen zweifellos mitschuldig. <\/p>\n<p>Verst\u00e4ndlich, aber hoch gef\u00e4hrlich.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Man glaubt immer, das die Masse der Nutzer eher gut ist und folglich die Minderheit in die Schranken weist. Aber wie \u00fcberall: die Masse macht nix, sie geht einfach woanders hin. Die Minderheit, die laut schreit \u00fcbernimmt das Ruder. Die welche nicht schreien sind auch eher Menschen, die nicht auf Krawall, Konfrontation, Gewalt aus sind. 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