{"id":2866,"date":"2019-08-04T15:27:47","date_gmt":"2019-08-04T13:27:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=2866"},"modified":"2019-08-04T15:44:30","modified_gmt":"2019-08-04T13:44:30","slug":"fuer-hassfreie-vernuenftige-debatten-auch-ueber-kriminalitaet-bei-migranten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2019\/08\/04\/fuer-hassfreie-vernuenftige-debatten-auch-ueber-kriminalitaet-bei-migranten\/","title":{"rendered":"F\u00fcr hassfreie, vern\u00fcnftige Debatten &#8211; auch \u00fcber Kriminalit\u00e4t bei Migranten"},"content":{"rendered":"<p>Verschiedene Twitter-Gewitter und Blogartikel rund um die verst\u00f6renden Straftaten der letzten Wochen (#Frankfurt #Voerde, #Stuttgart) inspirieren mich zu diesem Artikel, den ich aber auch zu fast jeder Zeit in den letzten Jahren h\u00e4tte schreiben k\u00f6nnen, leider.<\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig sind die Abl\u00e4ufe \u00e4hnlich: Ein Verbrechen geschieht, das aus dem &#8222;\u00fcblichen&#8220; Rahmen f\u00e4llt und von Fl\u00fcchtlingen und\/oder Migranten begangen wird. Die Medien melden das Schreckensereignis gro\u00dffl\u00e4chig, updaten ihre &#8222;Ticker&#8220; in kurzen Abst\u00e4nden, auch wenn es noch kaum Genaues zu wissen gibt. Emp\u00f6rungswellen rollen durch die sozialen Medien, wobei sich sofort die Kreise spalten: <!--more--><\/p>\n<ol>\n<li>Die einen sehen sich in ihrer Skepsis gegen\u00fcber Migration und Fl\u00fcchtlingspolitik best\u00e4tigt und fordern Konsequenzen, prangern Politikversagen an und vieles mehr.<\/li>\n<li>Andere tun das ganz ebenso, nutzen die Tat aber auch, um ihre spezifische Rechtsau\u00dfen-Agenda (alle raus, Grenzen dicht, #dankeMerkel etc.) zu promoten und explizit Hass zu verbreiten.<\/li>\n<li>Dar\u00fcber regen sich wiederum breite Kreise auf, prangern Instumentalisierung an, verweisen auf urdeutsche T\u00e4ter \u00e4hnlicher Schreckenstaten und werfen gern mal alle in denselben Nazi\/Rassistentopf, die sich zu den Taten UND der Herkunft der T\u00e4ter \u00e4u\u00dfern.<\/li>\n<li>Was wiederum Emp\u00f6rungswellen hervorruft, weil die schrecklichen Taten durch solche &#8222;Ablenkungen&#8220; \u00fanzul\u00e4ssig relativiert w\u00fcrden, blo\u00df weil sie von Migranten bzw. Fl\u00fcchtlingen begangen wurden&#8230;<\/li>\n<\/ol>\n<p>Diese Spiralen kommunikativer Emp\u00f6rung wiederholen sich, es wird kaum mehr diskutiert, der Schlagabtausch dominiert und erstickt jeden Ansatz zu einem vern\u00fcnftigem Gespr\u00e4ch. Nicht wenige ziehen sich zur\u00fcck, \u00e4u\u00dfern sich nicht mehr \u00f6ffentlich zu brisanten Themen und \u00fcberlassen das Feld den &#8222;Radikalen&#8220;, die dann &#8211; mehr noch als bisher &#8211; den Eindruck einer Mehrheit vermitteln.<\/p>\n<h2>Was sind vern\u00fcnftige Debatten?<\/h2>\n<p>&#8222;Vern\u00fcnftig&#8220; nenne ich eine Debatte, in der rational diskutiert und argumentiert wird. In der Probleme benannt werden d\u00fcrfen, ohne dass man bereits in eine Schublade gesteckt wird, f\u00fcr die man sich durch nichts sonst qualifiziert hat.<\/p>\n<p>Das muss auch f\u00fcr Themen gelten, \u00fcber deren Problemhaftigkeit Uneinigkeit besteht, denn auch \u00fcber ein &#8222;von vielen als Problem wahrgenommenes&#8220; Ph\u00e4nomen muss man sprechen k\u00f6nnen, ohne zur Zielscheibe von Hass und Hetze zu werden. <\/p>\n<p>Klar liegt es nahe, vor allem &#8222;Front gegen Rechts&#8220; zu machen, aber wenn dabei regelm\u00e4\u00dfig Leute mit unter die R\u00e4der kommen, die definitiv keine Rechtsradikalen, sondern eher links, gr\u00fcn, ehrlich liberal oder gutb\u00fcrgerlich-konservativ sind, dann wird mehr Schaden angerichtet als Nutzen gestiftet.<\/p>\n<p>Der Dissenz, das Bashen und Shitstormen geht oft schon bei der Benennung los. Um ein Thema sinnvoll diskutieren zu k\u00f6nnen, muss man es benennen. Wie aber soll man die Gruppen benennen, um die es\u00a0 geht, ohne gleich massiven \u00c4rger auf sich zu ziehen?<\/p>\n<ul>\n<li>F\u00fcr Zugewanderte hat sich unter Vern\u00fcnftigen (=den nicht von Gruppen-bezogenem Menschenhass Motivierten) der Begriff &#8222;Migranten&#8220; bzw. &#8222;Menschen mit Migrationshintergrund&#8220; eingeb\u00fcrgert, der dann allgemein wurde.<\/li>\n<li>F\u00fcr andere, also die einst monokulturellere Bev\u00f6lkerung von Deutschland wird derzeit oft der Begriff &#8222;Bio-Deutsche&#8220; verwendet. Das finde ich wenig passend, denn mit &#8222;bio&#8220; hat das Gemeinte nichts zu tun. Besser w\u00e4re &#8222;Ureinwohner&#8220;. Darunter kann dann eine Bandbreite von 10plus Generationen bis hin zu den Kindern und Enkeln der Gastarbeiter verstanden werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Soweit vermutlich noch halbwegs konsensf\u00e4hig. Aber wann ist es \u00fcberhaupt legitim, die Herkunft eines T\u00e4ters zu nennen? In der Diskussion eines gesellschaftlich wahrgenommenen Problems darf es aus meiner Sicht keine politische Tods\u00fcnde sein, auf die Herkunft hinzuweisen, wenn es <em>im Kontext der jeweiligen Rede (!)<\/em> Sinn macht.<\/p>\n<p>Man kann dem ja dann entgegen stellen, dass die Herkunft im jeweiligen Einzelfall keinerlei Bedeutung hatte und das argumentativ untermauern. Dennoch bleibt jegliche H\u00e4ufung von Delikten, die \u00fcber den entsprechenden Straftaten-Anteil der Ureinwohner hinaus geht, ein legitimer Grund, dar\u00fcber zu sprechen.<\/p>\n<p>\u00c4hnliche Konfliktfronten gibt es nicht nur bei diesem, sondern auch bei etlichen anderen Themen.<\/p>\n<ul>\n<li>Etwa, wenn der Versuch von Frauen, Probleme mit Transfrauen zu debattieren, als &#8222;transphob&#8220; abgeb\u00fcgelt wird, weil Transfrauen nun mal einfach &#8222;Frauen&#8220; seien.<\/li>\n<li>Oder wenn jegliche\u00a0 Diskussionsversuche \u00fcber problematische Inhalte des Islams als &#8222;islamophob&#8220; gegeiselt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine weitere, massiv Streit-sch\u00fcrende Strategie ist die mittlerweile unfassbar weite Ausweitung von Begriffen wie &#8222;Rassismus&#8220; oder &#8222;Sexismus&#8220;, worunter heute schon das Nicht-Einhalten von Quoten f\u00e4llt, wo sie weder vorgeschrieben noch sinnvoll sind. (F\u00fcr manche sogar schon das blo\u00dfe Widersprechen, wenn das Gegen\u00fcber ein Mensch mit Migrationshintergrund oder &#8222;POC&#8220; ist). Aber das ist ein weites Feld und braucht extra Artikel. <\/p>\n<p>Gemeinsam ist diesen Streitigkeiten, dass ernsthafte Debatten \u00fcber real existierende (oder meinetwegen auch &#8222;von vielen so wahrgenommene&#8220;) Probleme gar nicht erst stattfinden bzw. gleich abgew\u00fcrgt werden.<br \/>\nDas schadet ernsthaft der Demokratie, die ohne die M\u00f6glichkeit der freien Debatte (nicht: Hass und Hetze) nicht auskommt, sondern wegen der immer tiefer gespaltenen Gesellschaft dann irgendwann ins Autorit\u00e4re abgleitet.<br \/>\n<strong><br \/>\nMehr zum Thema:<\/strong><\/p>\n<p>Zur Sache empfehle ich folgende Blogposts &#8211; was nicht hei\u00dft, dass ich mit allem, was da geschrieben wird, einverstanden bin. Die ersten beiden hab ich ausf\u00fchrlich kommentiert:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/horstschulte.com\/2019\/schmerzhafte-annaeherung-an-die-wirklichkeit\/\">Schmerzhafte Ann\u00e4herung an die Wirklichkeit &#8211; Horst Schulte<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/fliegende-bretter.blogspot.com\/2019\/08\/allwissend-im-alter.html\">Allwissend im Alter &#8211; Fliegende Bretter<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.henning-uhle.eu\/allgemein\/schweigen-wieso-tut-man-es-nicht-oefter\">Schweigen: Wieso tut man es nicht \u00f6fter? &#8211; Henning Uhle<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.deliberationdaily.de\/2019\/07\/der-mord-an-einem-kind\/\">Der Mord an einem Kind &#8211; Stephan Pietsch<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/man-tau.com\/2019\/08\/03\/toxische-maennlichkeit-frankfurt\/\">Die toxische Rede von toxischen Menschen &#8211; Man Tau<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>***<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verschiedene Twitter-Gewitter und Blogartikel rund um die verst\u00f6renden Straftaten der letzten Wochen (#Frankfurt #Voerde, #Stuttgart) inspirieren mich zu diesem Artikel, den ich aber auch zu fast jeder Zeit in den letzten Jahren h\u00e4tte schreiben k\u00f6nnen, leider. 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