{"id":286,"date":"2009-04-27T10:49:36","date_gmt":"2009-04-27T08:49:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=286"},"modified":"2009-05-02T09:13:49","modified_gmt":"2009-05-02T07:13:49","slug":"krise-leben-auf-kredit-braucht-wachstum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2009\/04\/27\/krise-leben-auf-kredit-braucht-wachstum\/","title":{"rendered":"Krise:  Leben auf Kredit braucht Wachstum"},"content":{"rendered":"<p>Die Ursachen f\u00fcr die Finanz- und jetzt Wirtschaftskrise sehen viele Autoren recht unterschiedlich: gierige Banker, Deregulierung, neoliberaler Geist, Virtualit\u00e4t des Geldes (FiatMoney) &#8211; und nat\u00fcrlich die  &#8222;Zinsknechtschaft&#8220;, das Geldsystem, das aufgrund des Zinsenszins alles zwangsl\u00e4ufig in den Untergang rei\u00dfe.<\/p>\n<p>Je \u00f6fter ich \u00fcber all das nachdenke, desto eher komme ich auf vergleichsweise einfache Ideen: n\u00e4mlich das <strong>Leben auf Kredit<\/strong> in Gesellschaften, deren Wirtschaft mit ihren schnellen Produktzyklen einen \u00dcberfluss erzeugt, den eigentlich niemand wirklich braucht. Weil die Produzenten ja nicht einfach aufh\u00f6ren k\u00f6nnen, wenn ihr Produkt &#8222;ok so&#8220; ist, muss die n\u00e4chste Version entwickelt und irgendwie in den Markt gedr\u00fcckt werden, auch wenn es das &#8222;alte Ding&#8220; noch immer gut tut. (Absurder Gipfel: z.B. Windows Vista, das nur mit der &#8222;Downgrade-Option&#8220; auf XP verk\u00e4uflich ist).<!--more--><\/p>\n<p>Neue Autos, neue K\u00fcchenger\u00e4te, neue M\u00f6bel, der Zweit- und Dritt-Urlaub: &#8222;Kaufe jetzt, zahle sp\u00e4ter&#8220; ist die erfolgreiche Methode, mit der ein \u00dcberkonsum erm\u00f6glicht wird, der gar nicht zustande k\u00e4me, w\u00fcrden alle nur dann etwas kaufen, wenn sie genug daf\u00fcr angespart h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Wie wir wissen, haben die Amerikaner das Leben mit Schulden in ungeahnte H\u00f6hen getrieben, doch auch hierzulande wird all\u00fcberall &#8222;Finanzierung&#8220; angeboten: in ganz normalen Prospekten fallen schon nur noch die Ratenzahlungspreise ins Auge, den Gesamtpreis muss man mit der Lupe suchen. Mit allen Mitteln soll die sch\u00f6ne bunte Produktwelt unters Volk gebracht werden, damit die \u00dcberproduktion weiter gehen kann.<\/p>\n<p>Was aber bedeutet Kauf per KREDIT? Es ist eine Spekulation auf die Zukunft, die damit rechnen muss, \u00fcber den gesamten Zeitraum der Abzahlung ein Einkommen zu erzielen, dass es auch erm\u00f6glicht, den Schuldendienst zu leisten. Einige Zeit klappt das auch bei einer Mehrheit der Kreditnehmer, so dass sich das Ganze trotz einiger Ausf\u00e4lle f\u00fcr die Kreditgeber rechnet, schlie\u00dflich werden ja enorme Zinsen eingenommen. Allerdings gibt es in diesem System keine Stopp-Marke: ein voll ausgestatteter Kreditnehmer darf nicht einfach AUFH\u00d6REN, zu konsumieren,  denn dann f\u00e4nden die n\u00e4chsten Produkte, die die Unternehmen ausspucken, keinen Absatz mehr. Es muss also immer MEHR Kredit unters Volk, das bereits den Konsum von vorgestern und gestern abzahlt (plus Zinsen!),  was logischerweise nur mit einem fortw\u00e4hrend deutlich steigenden Einkommen m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Da es aber kein linear ungest\u00f6rt verlaufendes Wachstum gibt, droht irgendwann der &#8222;Vertrauensverlust&#8220;: es wird auch dem eifrigsten Kaufe-jetzt-zahle-sp\u00e4ter-Menschen klar, dass all die Kredite niemals zur\u00fcck bezahlt werden k\u00f6nnen, die an immer mehr Menschen ausgegeben wurden &#8211; auch an immer mehr solche, bei denen die &#8222;Spekulation auf k\u00fcnftige Einkommen&#8220; vom Start weg eine Illusion war. Und wie wir wissen, gilt:  wenig Schulden sind das Problem der Schuldner, VIELE Schulden ein Problem der Bank! Bzw. im noch gr\u00f6\u00dferen Ma\u00dfstab dann eines der Wirtschaft im Ganzen.<\/p>\n<p>Das &#8222;virtuelle Spielkasino&#8220; der Finanzm\u00e4rkte, das mittels &#8222;Verbriefungen&#8220; und Weiterverkauf von Schulden alles dazu tat, die &#8222;R\u00fcckzahlungsillusion&#8220; m\u00f6glichst lange aufrecht zu erhalten, ist im Grunde eine Sumpfbl\u00fcte auf den faulenden Gew\u00e4ssern der \u00dcberproduktion.  Damit korrespondiert eine Kultur des &#8222;Hard Working&#8220;, die nichts anderes mehr als WERT anerkennt als den Status des Einzelnen im Getriebe von Produktion und Konsum.<\/p>\n<p>Die Einsicht, dass solches <a href=\"http:\/\/www.google.de\/url?sa=U&amp;start=2&amp;q=http:\/\/die.hor.de\/122\/krisenblues\/&amp;ei=B3D1Sbu5McqEsAaZ-8TWAg&amp;usg=AFQjCNGjl0hs6OuOhmedFk3mbh7yPceLLg\">Produzieren und Verbrauchen auf Teufel komm raus<\/a> den Planeten pl\u00fcndert, wertvolle Ressourcen verschwendet und die Klimakatastrophe versch\u00e4rft, hat kaum jemanden zu anderem Verhalten motiviert. Denn dieses &#8222;andere Verhalten&#8220; f\u00fchrt ja erstmal nicht zu wirtschaftlichen Verbesserungen, sondern hat im Gegenteil die Tendenz, das Ganze erst richtig zum Krachen zu bringen: weniger Konsum, weniger Arbeit\/Produktion, sparen anstatt Schulden aufnehmen ist das Ende einer auf Kredit basierenden Wirtschaft &#8211; und was dann bzw. statt dessen kommen soll, wissen wir einfach nicht.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ursachen f\u00fcr die Finanz- und jetzt Wirtschaftskrise sehen viele Autoren recht unterschiedlich: gierige Banker, Deregulierung, neoliberaler Geist, Virtualit\u00e4t des Geldes (FiatMoney) &#8211; und nat\u00fcrlich die &#8222;Zinsknechtschaft&#8220;, das Geldsystem, das aufgrund des Zinsenszins alles zwangsl\u00e4ufig in den Untergang rei\u00dfe. 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