{"id":282,"date":"2009-03-28T12:48:12","date_gmt":"2009-03-28T10:48:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=282"},"modified":"2009-04-03T09:41:59","modified_gmt":"2009-04-03T07:41:59","slug":"vom-guten-leben-und-der-moeglichkeit-gluecklich-zu-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2009\/03\/28\/vom-guten-leben-und-der-moeglichkeit-gluecklich-zu-sein\/","title":{"rendered":"Vom guten Leben und der M\u00f6glichkeit, gl\u00fccklich zu sein"},"content":{"rendered":"<p>So ein Titel in diesen Krisenzeiten? W\u00e4hrend die <a href=\"http:\/\/www.radio-reschke.de\/krisenvorsorge\/\">Untergangspropheten<\/a> verschiedenster Coleur mit zunehmendem Erfolg um Aufmerksamkeit buhlen und viele Menschen f\u00fcrchten, arbeitslos zu werden oder es bereits sind?<\/p>\n<p>Ja, gerade dann gibt es mehr Grund als sonst, sich zu besinnen und darauf zu schauen, was &#8222;ein gutes Leben&#8220; eigentlich ist und was es braucht, um gl\u00fccklich zu sein.<\/p>\n<p>Angesichts der ungl\u00fccklichen, deprimierten, frustrierten und verzweifelten Menschen, die wohl jeder von uns im Laufe seines Lebens schon kennen gelernt hat, sollte eigentlich bekannt sein, dass man auch inmitten \u00e4u\u00dferer Fettlebe und gesicherter Rahmenbedingungen sehr viel Leid empfinden kann. Warum sonst bringen sich Menschen um, die weder arbeitslos noch arm sind? Warum verfallen viele dem Suff, wenn doch von au\u00dfen gesehen alles Paletti ist: Job, Besitz, Status, Familie &#8211; alles ok? <!--more--><\/p>\n<p>Ich wei\u00df, wovon ich rede, denn ich war selber schon in Situationen, in denen ich keine Perspektiven mehr sah und vollkommen verzweifelt daran dachte, aus dem Leben zu scheiden &#8211; oder wahlweise einen kleinen Amok-Lauf hinzulegen. Und das ohne echte Sorgen um mein Auskommen, meine Bleibe, meine konkreten Umst\u00e4nde.<\/p>\n<p>Warum zum Teufel gehen also so viele davon aus, dass es einen Automatismus g\u00e4be zwischen vorhandenen Sicherheiten und Besitzst\u00e4nden bzw. deren Verlust und dem Grad des Leidens oder Nichtleidens, der damit einher geht? <em>Geld macht nicht gl\u00fccklich, aber es beruhigt<\/em>, sagt der Volksmund &#8211; und das stimmt, doch hat diese &#8222;Beruhigung&#8220; wie alles auf der Welt zwei Seiten: einerseits die angenehme, sorgenfrei leben zu k\u00f6nnen, andrerseits den einschl\u00e4fernden Aspekt, der dazu dr\u00e4ngt, in Gewohnheiten und Routinen zu erstarren, nichts mehr zu wagen, was den Bestand gef\u00e4hrden k\u00f6nnte und so letztlich viel Lebendigkeit zu verlieren.<\/p>\n<h2>Der Mythos &#8222;Realit\u00e4t&#8220;<\/h2>\n<p>Da gibt es die Augen\u00f6ffner, die dem ver\u00e4ngstigten Volk jetzt deutlich sagen wollen, wie die &#8222;wahre Wirklichkeit&#8220; aussieht (und dabei doch nur IHREN subjektiven, meist extrem schwarzmalerischen Blickwinkel verbreiten). Was ist denn &#8222;die Wahrheit&#8220;? Verr\u00fcckterweise verweisen auch Menschen, die ansonsten dem Bewusstsein alle Priorit\u00e4ten einr\u00e4umen, nun auf die &#8222;objektiven&#8220; Horror-Szenarien und deren Allgemeinverbindlichkeit. Als g\u00e4be es eine allen gemeinsame Bewertung \u00e4u\u00dferer Bedingungen und ein darauf basierendes allgemein &#8222;angesagtes&#8220; Befinden &#8211; so nach dem Motto: wer noch nicht in Angst und Verzweiflung ger\u00e4t, verdr\u00e4ngt die Wirklichkeit und ist blind f\u00fcr das, was stattfindet.<\/p>\n<h2>WELCHE Wirklichkeit?<\/h2>\n<p>Wirklich wahr ist f\u00fcr mich das, was in den Fokus meiner Aufmerksamkeit gelangt. Mit diesem Fokus verh\u00e4lt es sich aber wie mit einem Fernrohr, das den n\u00e4chtlichen Himmel abtastet: der Himmel ist unendlich viel gr\u00f6\u00dfer als der Ausschnitt, den ich zuf\u00e4llig oder absichtlich in den Blick nehme!<\/p>\n<p>Jetzt sitze ich &#8211; wie so oft &#8211; vor meinem Monitor in Berlin-Friedrichshain und habe die Wahl, welchen Aspekt meiner multidimensionalen Wirklichkeit ich anschaue. Als da ist:<\/p>\n<ul>\n<li>die allgemeine Wirtschaftslage \/ Finanzkrise etc.,<\/li>\n<li>die vielen anderen Interessen-Szenen, in die ich schauen kann,<\/li>\n<li>mein konkretes Leben in dieser Wohnung und in Friedrichshain,<\/li>\n<li>meine liebevollen und freundschaftlichen Beziehungen zu Mitmenschen,<\/li>\n<li>all meine k\u00f6rperlichen Verfallserscheinungen und Zipperlein, die verschiedene &#8222;Krankheiten zum Tode&#8220; wahrscheinlich machen,<\/li>\n<li>mein k\u00f6rperliches Wohlbefinden, die Freude weitgehender Schmerzfreiheit und problemlosen Atmens, die noch vorhandene Bewegungsf\u00e4higkeit,<\/li>\n<li> der unausweichliche Tod, den ich ab ca. 40 als pers\u00f6nlichen Tod erkannte,<\/li>\n<li> der blaue Himmel drau\u00dfen, die Sonne, die Erde, der Garten, den ich mit dem Fahrrad binnen 20 Minuten anfahren kann,<\/li>\n<li> die Schw\u00e4rze und unendliche Weite des Universum, in dem wir NICHTS sind und aus dem jederzeit ein Brocken auf uns fallen kann, der allem ein Ende macht,<\/li>\n<li> die Klimakatastrophe mit ihren m\u00f6glichen Entwicklungen, das Ende der Menschheit, die sowieso keine Ewigkeitsperspektive hat,<\/li>\n<li> allerlei Kriegs-Szenarien, die sich aus dem, was bereits ist, alsbald entwickeln k\u00f6nnten,<\/li>\n<\/ul>\n<p>und, und, und: mein aufger\u00e4umtes Zimmer, der Netzanschluss, das Konto, derzeit gl\u00fccklicherweise im Plus. Und schlie\u00dflich DAS GROSSE WUNDER, dass alles so ist, wie es gerade ist.<\/p>\n<p>Ein Verharren in Angst und Verzweiflung, Depression und Frustration sind nur im Festhalten an EINEM dieser Aspekte m\u00f6glich: Wenn mein Konto ins Minus driftet und ich nur noch daran denke, welche Gefahr das bedeutet und gar kein Bewusstsein mehr daf\u00fcr habe, wie sch\u00f6n es ist, dass gleich ein lieber Freund vorbei kommt, mit dem ich ein paar sch\u00f6ne Stunden verbringen werde.<\/p>\n<p>Oder ich k\u00f6nnte das Gef\u00fchl im linken Vorderzahn w\u00e4hlen und nur noch an die Schrecklichkeiten der Bauarbeiten denken, die hier bald f\u00e4llig sind. Vielleicht auch daran, dass es unm\u00f6glich werden k\u00f6nnte, mir noch teuren Zahnersatz zu leisten, wenn es mit der Krise so weiter geht. Ich k\u00f6nnte auch \u00fcber die seit Jahren sp\u00fcrbaren Defizite am Bewegungsapparat und den Nervenbahnen klagen, die es mir mittlerweile unm\u00f6glich machen, noch l\u00e4nger als 20 Minuten schmerzfrei zu gehen. Oder ich mache ein paar Yoga-\u00dcbungen und freue mich \u00fcber das tolle Gef\u00fchl und die noch vorhandene Flexibilit\u00e4t, \u00fcber den trotz Rauchen noch recht frei flie\u00dfenden Atem&#8230;.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche mir, im Stande zu sein, noch w\u00e4hrend des Sterbens das Wechselspiel zwischen Licht und Schatten und eine Ber\u00fchrung zu genie\u00dfen &#8211; und nach allem, was ich bisher vom Leben wei\u00df, ist das durchaus m\u00f6glich!<\/p>\n<p>Krise? Na klar ist die real, aber eben nur eine Realit\u00e4t unter so vielen, zwischen denen ich w\u00e4hlen kann. Und wer jetzt meint, das sei blo\u00dfe &#8222;Verdr\u00e4ngung&#8220;, dem antworte ich, dass es nur zwei M\u00f6glichkeiten gibt, wie etwas in den Fokus der Aufmerksamkeit gelangt: unbewusst und von au\u00dfen angesto\u00dfen &#8211; oder bewusst und selbst gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Letzteres ist f\u00fcr mein Empfinden die einzige &#8222;Befreiung&#8220;, die man in diesem Leben erringen kann. Ich gebe nicht vor, darin perfekt zu sein, aber ich arbeite dran! :-)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So ein Titel in diesen Krisenzeiten? W\u00e4hrend die Untergangspropheten verschiedenster Coleur mit zunehmendem Erfolg um Aufmerksamkeit buhlen und viele Menschen f\u00fcrchten, arbeitslos zu werden oder es bereits sind? 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