{"id":280,"date":"2009-03-21T11:50:00","date_gmt":"2009-03-21T09:50:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=280"},"modified":"2009-03-28T13:03:06","modified_gmt":"2009-03-28T11:03:06","slug":"die-wirtschaft-ankurbeln-warum-eigentlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2009\/03\/21\/die-wirtschaft-ankurbeln-warum-eigentlich\/","title":{"rendered":"Die Wirtschaft ankurbeln: warum eigentlich?"},"content":{"rendered":"<p>Nicht kleckern, sondern klotzen: die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fed\">FED<\/a> pumpt Unmengen &#8222;neu geschaffenes&#8220; Geld in den Kreislauf, um Investitionen und Konsum wieder anzukurbeln. Dabei horten Banken und Unternehmen derzeit das Geld, um f\u00fcr eine unsichere Zukunft &#8222;fl\u00fcssig&#8220; zu sein &#8211; eine geradezu normalmenschliche Reaktion, die ja auch viele &#8222;Verbraucher&#8220;  davon abh\u00e4lt, Dinge zu konsumieren, die man nicht wirklich braucht. <\/p>\n<p>Es fehlt das Vertrauen, hei\u00dft es &#8211; und das wird durch MEHR billigen Kredit wohl kaum wieder hergestellt. &#8222;Yes, we can&#8220; ist das Motto des neuen Pr\u00e4sidenten, der grade Anstalten macht, die USA auf allen Problemfeldern gleichzeitig umzukrempeln (ich bewundere diesen Mut, das Unm\u00f6gliche zu versuchen!). H\u00e4tten die USA ein besseres soziales Netz und eine weniger katastrophale Krankenversicherung f\u00fcr alle, w\u00fcrde sie das wirtschaftliche Downsizing weniger treffen &#8211; dem ist aber (noch) nicht so, also M\u00dcSSEN sie erstmal die Wirtschaft ankurbeln, koste es, was es wolle.<!--more--><\/p>\n<p>Und doch schreiben viele kundige Experten, dass es gewiss nie wieder werden wird, wie es war: die USA werden nicht mehr die \u00fcber beide Ohren verschuldeten Konsumenten f\u00fcr die ganze Welt sein &#8211; und das ist gut so! Ein funktionierendes Banken- und Finanzsystem ist wichtig, doch wichtiger noch ist der Erhalt eines funktionierenden Planeten Erde. Und dem tut die \u00dcberproduktion all der vielen Dinge, die man nicht wirklich braucht, nicht gut &#8211; wir WISSEN es alle, k\u00f6nnen aber offensichtlich aus der Einsicht heraus keine Ver\u00e4nderungen bewirken. <\/p>\n<p>Oder k\u00f6nnen wir doch? Vielleicht JETZT, unterst\u00fctzt durch die Zwangsbremse der Krise? Anpassungsf\u00e4higkeit ist DIE menschliche Eigenschaft, die unseren Erfolg als Gattung ausmacht. Fortw\u00e4hrend wachsen Kinder in Zust\u00e4nde hinein, die die jeweils Alten als &#8222;schlimm verkommen&#8220; ansehen &#8211; und finden alles ganz normal. Der menschliche Drang, dazu zu geh\u00f6ren, den die sch\u00f6ne bunte Warenwelt in &#8222;must have&#8220;-Konsum leitet, kann auch in ganz andere Bahnen flie\u00dfen &#8211; es muss lediglich eine gen\u00fcgend gro\u00dfe bzw. beeindruckende Gruppe neue Losungen ausgeben. &#8222;Yes, we can&#8220; ist ja schon mal ganz gut, aber WAS wollen wir eigentlich k\u00f6nnen? <\/p>\n<p>Selbst im Innersten des \u00f6konomischen Denkens liegt ein &#8222;alter Wert&#8220;: ein Ergebnis mit dem Einsatz geringstm\u00f6glicher Mittel erreichen. Also Sparsamkeit, kein nutzloses Verschleudern von Ressourcen &#8211; man nennt es &#8222;Effizienz&#8220;. Leider kennen wir das fast nur als <a href=\"http:\/\/die.hor.de\/all\/krisenblues\/\">&#8222;Produkt-Optimierung&#8220;,<\/a> was in der Regel bedeutet, dass das Produkt schlechter und der Weg in den M\u00fclleimer k\u00fcrzer wird. <\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnten das &#8222;Effizienzdenken&#8220; aber auch auf das pers\u00f6nliche Lebensgl\u00fcck anwenden: Was bringt mehr &#8211; ein neuer guter Freund oder ein Neuwagen? Ein weiterer Karrieresprung oder mehr Zeit und Mu\u00dfe, um pers\u00f6nliche Beziehungen zu pflegen? Was spricht dagegen, weniger zu arbeiten, weniger zu verdienen, weniger einzukaufen &#8211; und daf\u00fcr MEHR ZEIT zu haben? Sind die Dinge, die nachhaltig gl\u00fccklich machen, denn wirklich mit Geld zu kaufen? Wieviel Paare kranken daran, keine Zeit f\u00fcr sich und die Beziehung zu haben, weil beide so im Stress sind, dass an Erotik kaum mehr zu denken ist? Wie viele Kinder w\u00e4ren gl\u00fccklicher, wenn ihre Eltern mehr Zeit mit ihnen verbr\u00e4chten, anstatt sie in Zimmern voller Spielzeug und Medien sich selbst zu \u00fcberlassen? Wieviele Alte, Einsame, Kranke br\u00e4uchten vor allem mehr menschlichen Kontakt?<\/p>\n<p>Ein Segen f\u00fcr die \u00f6konomisierte Gesellschaft sind die wenigen gl\u00fccklichen Arbeitslosen, die weder depressiv noch verr\u00fcckt werden, sondern einfach da sind, wenn man sie braucht. Jemand, der zuh\u00f6rt, wenn man sich mal aussprechen will, jemand, der hilft, wenn ein Umzug ansteht oder der Kindergarten dicht macht &#8211; und jemand, der all die P\u00e4ckchen annimmt, die noch immer per DHL und Hermes in die H\u00e4user geliefert werden. <\/p>\n<p>Da bricht also der Neuwagenverkauf um 40% ein. Gut f\u00fcrs Klima! Warum nicht kleinere, sparsamere Autos l\u00e4nger nutzen, anstatt fortw\u00e4hrend &#8222;Jahreswagen-Hopping&#8220; zu betreiben? Warum nicht die Arbeit an der abgespekten Auto-Flotte auf mehr Leute verteilen, die weniger arbeiten und weniger verdienen? Ein Opel-Arbeitnehmer geh\u00f6rte bisher sicher nicht zu den Geringverdienern, da m\u00fcsste ein &#8222;Downsizing&#8220; drin sein, nat\u00fcrlich gestreckt \u00fcber eine l\u00e4ngere Anpassungszeit.<\/p>\n<p>Im Luxus-Warensegment findet ja so etwas schon statt. Der gro\u00dfe Erfolg von Unternehmen wie <a href=\"http:\/\/www.webwriting-magazin.de\/shop-erfolg-so-schoen-kann-krise-sein\/\">brands4friends<\/a> bedeutet nichts anderes als dass die Hersteller dieser &#8222;Marken f\u00fcr Besserverdiener&#8220; nun WENIGER verdienen, wenn sie ihren Kram noch unters (krisensparsame) Volk bringen wollen. Und da die Arbeiter in der dritten Welt, die die Shirts und Taschen tats\u00e4chlich herstellen, eh bereits am untersten Limit arbeiten, wird jetzt bei denen gespart, die bisher die gro\u00dfen Handelsspannen einsteckten. <\/p>\n<p>Es gab Zeiten mit lang anhaltender und deutlich h\u00f6herer Arbeitslosigkeit als jetzt. Da sprach man schon von der &#8222;Hinwendung zu postmateriellen Werten&#8220; und so richtig schlecht ging es kaum jemandem. Der neoliberale Zeitgeist machte dieser Entwicklungstendenz dann ein Ende, doch nun sieht man ja, dass das mit allen Mitteln aufgebl\u00e4hte Wirtschaftswachstum auf t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen stand. Was bringt es, immer mehr vermeintliches Verm\u00f6gen zu produzieren, dass dann doch nur als &#8222;notleidendes Kapital&#8220; durch die Welt vagabundiert und Luftnummern erzeugt? <\/p>\n<p>Genug rumphilosophiert f\u00fcr heute. Gewiss werden &#8222;geht nicht, weil&#8230;&#8220;-Kommentare nicht ausbleiben (nur zu!). Mir geht zur Zeit das viele Jammern, Schimpfen, Entlarven, Anklagen und Untergang-an-die-Wand malen einfach ziemlich auf den Senkel. Drau\u00dfen wirds Fr\u00fchling, der ist unbezahlbar, ganz umsonst und macht richtig gl\u00fccklich!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht kleckern, sondern klotzen: die FED pumpt Unmengen &#8222;neu geschaffenes&#8220; Geld in den Kreislauf, um Investitionen und Konsum wieder anzukurbeln. 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