{"id":278,"date":"2009-03-17T10:20:44","date_gmt":"2009-03-17T08:20:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=278"},"modified":"2009-03-19T14:33:19","modified_gmt":"2009-03-19T12:33:19","slug":"finanzkrise-muessen-wir-uns-fuerchten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2009\/03\/17\/finanzkrise-muessen-wir-uns-fuerchten\/","title":{"rendered":"Finanzkrise &#8211; m\u00fcssen wir uns f\u00fcrchten?"},"content":{"rendered":"<p>Da man im Internet \u00e4u\u00dferst unterschiedliche Einsch\u00e4tzungen zur weiteren Entwicklung lesen kann (bis hin zu Untergangspropheten, die allen Ernstes zur Bewaffnung raten), frage ich immer mal wieder mir pers\u00f6nlich bekannte Menschen aus anderen Ecken der Welt nach ihrer Sicht der Dinge. <\/p>\n<p>Zum Beispiel Peer, meinen lieben Freund in Phnom Penh, der in Kambodscha an der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes mitarbeitet. Ich wollte wissen, ob er vielleicht Gr\u00fcnde sieht, meinen n\u00e4chsten Besuch bei ihm vorsichtigerweise ausfallen zu lassen. Mit seinem Einverst\u00e4ndnis zeige ich hier seine Antwort auf meine Mail, in der ich ihm auch allerlei besonders &#8222;katastrophische&#8220; Webseiten, die sich fast gen\u00fcsslich dem Ausmalen zivilisatorischer Zusammenbr\u00fcche widmen, zeigte.<!--more--><\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Es ist ja wirklich grauenhaft, welche Mengen dummes Geschw\u00e4tz durch den offenen Zugang zu den Medien entstehen. Fr\u00fcher kannte man den Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Zeitung, heute glaubt die Mehrheit jeden Unsinn, nur weil er im Internet steht. Die Panikmache und das Jammern sind zwei Leidenschaften der reicheren Nationen geworden und verinnerlichen sich dort immer mehr. <\/p>\n<p>Darf ich dich an letzten Sommer erinnern, als ein Barrel \u00d6l \u00fcber 100 US$ kostete? Da wurden monatelang die finstersten Gespenster an die Wand gemalt und bereits mit konkreten Zahlen hochgerechnet, wie viele Menschen im Winter in Deutschland erfrieren werden. Und dann? Wer spricht heute vom Erd\u00f6lpreis? Wo sind all diese hochkar\u00e4tigen &#8222;Fachleute&#8220; und &#8222;Experten&#8220; vom letzten Sommer? Hast Du schon mal jemanden geh\u00f6rt, der seine Fehleinsch\u00e4tzung zugegeben h\u00e4tte?<\/p>\n<p>Was ist denn eigentlich passiert, wie sieht ein solcher &#8222;Zusammenbruch&#8220; aus und wen betrifft er? Unsere Finanzm\u00e4rkte, wie sie so sch\u00f6n hei\u00dfen, haben ein System kreiert, wie man ohne zu arbeiten reich werden kann, indem man Geld permanent verschiebt (verleiht). Erstens ist Gewinn ohne Arbeit gegen jede Lebensregel, weil die schlicht besagt, dass man f\u00fcr sein \u00dcberleben was tun muss. Schau ins Tierreich! Zweitens sind durch mangelnde Aufmerksamkeit und geringe moralische Grunds\u00e4tze Schneeball-Systeme im Finanzwesen entstanden. Du kennst das: ich werbe 10 Leute, die 100 Euro in die Kasse zahlen und 1000 Euro kriegen, wenn sie jeweils 10 neue geworben haben, die dann wieder 1000 Euro kriegen, wenn sie 10 neue geworben haben &#8211; und so weiter. Jeder wei\u00df, dass dieses Spiel einmal krachend und mit Verlust f\u00fcr die meisten Beteiligten endet. Und solche Systeme hatten sich mehr und mehr in die internationale Finanzwelt eingeschlichen. Einige haben auch bombig daran verdient: der aufgebl\u00e4hte Aktienmarkt und die Menge der riskanten Hedge Fonds sprachen eigentlich eine deutliche Sprache. Aber in dieser Situation, wo alles zwar h\u00f6chst riskant, aber doch noch gut l\u00e4uft, sind die Warner oder gar die Panikmacher eher stumm. Die kommen erst, wenn&#8217;s zu sp\u00e4t ist. Und Gambling macht ja vielen auch Spass, die Hoffnung auf (unverdienten) Gewinn und dann das gro\u00dfe Jammern, wenn man alles verloren hat.<\/p>\n<p>Aber wen betrifft es letztendlich? In erster Linie die, die aktiv gegambelt haben. In zweiter Linie aber auch Wirtschaftskreisl\u00e4ufe, die sehr stark (und manchmal bis zu unseri\u00f6s) von Krediten abh\u00e4ngig sind, wie etwa die Bauwirtschaft. Und nat\u00fcrlich haben aufgebl\u00e4hte Finanzm\u00e4rkte auch einen erh\u00f6hten Konsum und dadurch ein entsprechendes Wirtschaftswachstum zur Folge. Denn die Individuen, die daran teilhaben, investieren haupts\u00e4chlich in drei Bereiche: man kauft sich ein Haus, ein neues Auto oder macht eine tolle Reise. Und genau diese Branchen brechen jetzt konsequenterweise ein, mit Wirtschaftswachstum ist es erstmal vorbei. Ist ja auch klar, weil vieles davon gar kein richtiges, sondern aufgebl\u00e4htes Wachstum war! Die Blase ist nun leider geplatzt. Musste sie aber sowieso irgendwann.<\/p>\n<p>Trotz der vielen Horrormeldungen, Claudia: kein Grund zur Panik! Wir werden nicht verhungern, wir werden lediglich unseren Konsum etwas einschr\u00e4nken m\u00fcssen und das war ja schon lange f\u00e4llig. Wird aber vermutlich noch nicht einmal lange dauern. Verglichen mit den Armen hier in Kambodscha werden wir weiter im Luxus leben.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>****<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Da man im Internet \u00e4u\u00dferst unterschiedliche Einsch\u00e4tzungen zur weiteren Entwicklung lesen kann (bis hin zu Untergangspropheten, die allen Ernstes zur Bewaffnung raten), frage ich immer mal wieder mir pers\u00f6nlich bekannte Menschen aus anderen Ecken der Welt nach ihrer Sicht der Dinge. 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