{"id":2777,"date":"2019-02-24T13:12:35","date_gmt":"2019-02-24T12:12:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=2777"},"modified":"2019-11-10T12:59:12","modified_gmt":"2019-11-10T11:59:12","slug":"damals-1981-meine-begegnung-mit-baghwans-sannyasins","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2019\/02\/24\/damals-1981-meine-begegnung-mit-baghwans-sannyasins\/","title":{"rendered":"Damals 1981: Meine Begegnung mit Baghwans Sannyasins"},"content":{"rendered":"<p>Auf Connection.de hat Wolf Schneider (Sugata) im Januar den Artikel <a href=\"https:\/\/connection.de\/osho\/\">&#8222;Osho&#8220;<\/a> ver\u00f6ffentlicht. Er erz\u00e4hlt seine pers\u00f6nlichen Erfahrungen in und mit der Bewegung des Baghwan Sree Rainesh, die in den 70gern in Poona begann und weltweit Aufsehen erregte, bevor sie in Oregon \/ USA katastrophal scheiterte (hier eine <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ErWc2jXfdt4\">8-min\u00fctige Kurz-Doku<\/a> auf Youtube).<\/p>\n<p>Mich hat das angeregt, per Kommentar von meiner Begegnung mit Sannyasins Anfang der 80ger zu berichten. Wie in vielen Blog gang und g\u00e4be, gab es nach &#8222;Absenden&#8220; keinerlei Systembotschaft, was mit meinem Kommentar passiert. Bevor er also wom\u00f6glich f\u00fcr immer verschwindet, hab ich ihn kopiert und poste ihn auch hier. Immerhin lesen hier manche Altersgenossen mit, die vielleicht auch den einen oder anderen Kontakt mit den rot gekleideten Spiris der Sannyas-Bewegung hatten. <!--more--><\/p>\n<p>***<\/p>\n<h2>Schatten trifft Licht<\/h2>\n<p>Was ich in den Anf\u00e4ngen der Bewegung \u00fcber Poona las und sah (z.B. den Film &#8222;Baghwan in Poona&#8220;) fand ich unglaublich faszinierend. Dass meine Lebenssituation es nicht zulie\u00df, einfach abzuhauen und dorthin zu gehen, hab ich bedauert. Es erschien sooooo abenteuerlich und verlockend!<\/p>\n<p>Ein wirklich dringendes Verlangen sp\u00fcrte ich allerdings nicht, denn mein eigener Lebensweg und mein Umfeld war mir wichtig und in hohem Ma\u00dfe selbstbestimmt. Dennoch war das Ganze Geschwurbel rund um Baghwan und die rot gewandeten Mala-Tr\u00e4ger\/innen f\u00fcr mich lange ein Faszinosum. Gelegentlich hatte ich auch \u00fcber Workshops Erlebnisse mit Methoden und Praktiken, die aus dieser Richtung stammten &#8211; fand ich alles sehr toll.<\/p>\n<p>Bis ich 1981 den Interessenskonflikt mit einer Sannyasin-Gruppe erlebte &#8211; im Kontext der Hausbesetzungen in Berlin (hoch spannend!!! Sehr erf\u00fcllend &#8211; quasi mein pers\u00f6nliches &#8222;Poona&#8220;, jedoch nicht im spirituellen, sondern im politischen Sektor, verwoben mit dem Ausprobieren &#8222;alternativer Wohnformen&#8220;).<\/p>\n<p>Es war das aufregndste Jahr, \u00fcber 300 H\u00e4user waren besetzt, 50.000 aktive Sympatisanten unterst\u00fctzten die Szene, die \u00f6ffentliche Meinung war weitgehend auf unserer Seite, der Senat trat \u00fcber den offen gewordenen Bauskandalen zur\u00fcck, es gab Neuwahlen, erstmalig kam die &#8222;Alternative Liste&#8220;(Vorl\u00e4ufer der Gr\u00fcnen) in ein Abgeordnetenhaus&#8230;. eine wilde Zeit, in der viele Menschen aktiv politisch handelten und sich pers\u00f6nlich in eine Bewegung einbrachten.<\/p>\n<p>Nicht so diese Gruppe Sannyasins, die von alledem unber\u00fchrt in einem gro\u00dfen Hinterhaus im Kiez ein &#8222;Zentrum&#8220; errichten wollte. Niemand hatte sie bisher gro\u00df bemerkt, erst als eine Wohnungsbaugesellschaft im Zuge von Verhandlungen \u00fcber ein bestimmtes, vollst\u00e4ndig besetztes Haus deren drei Etagen Hinterhaus als &#8222;Umsetzwohnraum&#8220; anbot &#8211; die Drohung, ansonsten werde halt ohne Alternativangebot ger\u00e4umt, immer in der Hinterhand.<\/p>\n<p>Ich lebte nicht selbst in diesem Haus, war aber aktiver Teil der Verhandlergruppe, die sich f\u00fcr den Erhalt der H\u00e4user und um friedliche Beilegung des Konflikst bem\u00fchte. Dabei war klar, dass nicht ALLE besetzten H\u00e4user gehalten \/ in Mietvertr\u00e4ge oder Bauprojekte gewandelt werden konnten &#8211; sondern man hier und da auch Umsetzwohnraum w\u00fcrde akzeptieren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>In jenem Haus, um das es ging, lebten sehr punkige Jugendliche, die nur sehr schwer davon zu \u00fcberzeugen waren, dass es jetzt besser w\u00e4re, Umsetzwohnraum zu akzeptieren (N\u00e4he zu &#8222;schwarzer Block&#8220;). Dass es uns doch gelungen war, war ein Erfolg und machte Hoffnung, R\u00e4umungen grunds\u00e4tzlich vermeiden zu k\u00f6nnen, zumindest in unserem Kiez.<\/p>\n<p>Dann aber tauchten die Sannyasins auf, die bis dato keinen Mietvertrag hatten, sondern sich noch in der Phase der Verhandlungen und Planungen befanden, ihr Projekt aber bereits als &#8222;in trockenen T\u00fcchern&#8220; w\u00e4hnten. Nat\u00fcrlich waren die pl\u00f6tzlich konkurrierenden Hausbesetzer f\u00fcr sie ein Schock &#8211; ein Realit\u00e4tsschock gewisserma\u00dfen, sie schienen wenig von den mitbekommen zu haben, was um sie herum vorging!<\/p>\n<p>Sie tauchten also im Mieterladen auf (Teil unsere organisatorische Basis und Ort jeglicher Verhandlungen) und forderten, dass wir das Umsetzangebot ABLEHNEN sollten. Schlie\u00dflich seien sie als Erste dran gewesen an den drei Etagen&#8230;<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst fanden wir es auch selbst schlimm, dass nun so ein Konflikt mit offener Konkurrenz bestand. Das Verhalten und die Argumente der Mala-Tr\u00e4ger war allerdings so, dass ich es zunehmend weniger problematisch fand, sie in diesem Streit &#8222;zu besiegen&#8220;.<\/p>\n<p>Nicht nur, dass sie l\u00e4nger schon dran waren, f\u00fchrten sie an. Sondern auch, dass ihr geplantes Zentrum f\u00fcr dynamische Medietation (u.a.) wahnsinng wichtig w\u00e4re, wichtiger jedenfalls als Wohnraum f\u00fcr ein paar Hausbesetzer, denen doch egal sein k\u00f6nne, wohin sie ziehen.<\/p>\n<p>Dass es f\u00fcr die Hausgemeinschaft im besetzten Haus wichtig war, zusammen UND im Stadtteil zu bleiben, war f\u00fcr sie (verst\u00e4ndlicherweise) kein Wert, der ihr Vorhaben toppen k\u00f6nnen sollte. Ebensowenig wie der Erhalt des Kiezfriedens, indem R\u00e4umungen verhindert und somit weitere Eskalationen vermieden werden sollten.<\/p>\n<p>Sie waren &#8222;am Kiez&#8220; eben gar nicht interessiert, hatten nur auf der Suche nach R\u00e4umen hier zusammen gefunden. F\u00fcr damalige Berliner Verh\u00e4ltnisse (als sogar die Abendschau berichtete, was &#8222;der Besetzerrat&#8220; jewelis verk\u00fcndete) waren sie ausgesprochen realit\u00e4gsfremd drauf &#8211; und dabei auch noch arrogant im Auftreten uns &#8222;unerleuchteten&#8220; Hausbesetzern gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Das ist ihnen schlecht bekommen. Je mehr ich von ihnen mitbekam, desto mehr schwand meine Faszination, die diese &#8222;Bewegung&#8220; urspr\u00fcnglich bei mir ausgel\u00f6st hatte.<\/p>\n<p>Als sie schlie\u00dflich als finales Argument uns gegen\u00fcber ernsthaft verlautbarten:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Ihr seid der Schatten &#8211; wir sind das Licht&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>war es bei mir mit der urspr\u00fcnglich vorhandenen Sympathie vorbei. Ich pl\u00e4dierte daf\u00fcr, das Umsetzungsangebot trotz ihrer voran geschrittenen Planungen anzunehmen und die Dinge nahmen ihren Lauf. Sie hatten keine Chance und mussten abziehen.<\/p>\n<p>Ich gebe zu, dass ich es damals befriedigend fand, dass sie auf diese Weise doch zur Kenntnis nehmen mussten, dass auch &#8222;der Schatten&#8220; legitime Interessen hat. Und dass Stadt- und Kiezpolitik nicht etwas ist, das man einfach ignorieren kann, weil &#8222;Erleuchtung&#8220; ja etwas so viel Relevanteres ist!<\/p>\n<p>B\u00fccher und Kassetten von Osho hab ich sp\u00e4ter dennoch gerne gelesen und geh\u00f6rt. Was er lehrte, war eben auch intellektuell ziemlich weit \u00dcBER dem, was besagte Sannyasins uns zur Erkl\u00e4rung ihres Anh\u00e4ngertums erz\u00e4hlten:<\/p>\n<p>&#8222;Wei\u00dft du, wenn du nur einmal in seine Augen geschaut h\u00e4ttest&#8230;&#8220; (schaut verz\u00fcckt)<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p><strong>Ein paar Links:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Eine 6-teilige Doku ist auf Netflix zu sehen (&#8222;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/dokuserie-wild-wild-country-eine-geschichte-die-in-den-schulbuechern-stehen-sollte-1.3934015\">Wild wild Country<\/a>&#8222;), die die Geschichte der Sannyas-Bewegung und insbesondere die Phase in Oregon zeigt.<\/li>\n<li>Die aktive &#8222;Kundalini-Meditation&#8220; hab ich ein paar Mal praktiziert &#8211; und war schwer beeindruckt &#8211; hier eine <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=bp1Cdnjx7HU\">Erkl\u00e4rung<\/a> und hier Links zur speziellen <a href=\"http:\/\/kuyome.com\/kundalini-meditation-zum-loslassen-und-entspannen\/\">Musik dazu<\/a>. <\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/gesellschaft\/kultur\/jugendkulturen-in-deutschland\/36244\/hausbesetzer-ii\">Hausbesetzer II<\/a> &#8211; ein kurzer, zusammenfassender Artikel \u00fcber den H\u00e4userkampf Anfang der 80ger.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Connection.de hat Wolf Schneider (Sugata) im Januar den Artikel &#8222;Osho&#8220; ver\u00f6ffentlicht. 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