{"id":2757,"date":"2002-01-15T14:58:11","date_gmt":"2002-01-15T13:58:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=2757"},"modified":"2019-01-20T14:59:41","modified_gmt":"2019-01-20T13:59:41","slug":"langeweile","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2002\/01\/15\/langeweile\/","title":{"rendered":"Langeweile"},"content":{"rendered":"<p>Fast eine Woche ohne Diary &#8211; warum? Da mittlerweile ein paar liebe Leute anfragen, was aus mir geworden ist, melde ich mich hiermit zur Stelle: Still alive and clicking! :-) Es gibt einfach Zeiten, in denen mich die Muse nicht k\u00fc\u00dft, mir f\u00e4llt definitiv nichts ein, was &#8222;raus&#8220; will, oder ich zensiere es schon gleich im Kopf weg: zu langweilig, v\u00f6llig unbedeutend, besser nichts als nur ein paar Worte machen um der Worte willen.<\/p>\n<p>Es ist ja kein Problem, IRGENDWAS hinzuschreiben! Derzeit bekomm&#8216; ich zum Beispiel immer wieder mal Werbung von www.satt.org, die da stolz vermelden:<\/p>\n<blockquote><p>\n&#8222;Jeweils einen Monat lang ver\u00f6ffentlichen von nun an handverlesene Autoren auf daily satt ihre tagesaktuellen Aufzeichnungen. Los geht es im Dezember mit daily willmann: den Notizen des Berliner Lyrikers und Schriftstellers Frank Willmann, im Januar 2002 folgt daily stahl (Enno Stahl, K\u00f6ln) und im Februar 2002 daily wagner (Achim Wagner, K\u00f6ln\/M\u00fclheim a. d. R.). Lesenswerte und kurzweilige Internettageb\u00fccher sind Nadeln in Heuhaufen. daily satt ist weder Meinungsportal, noch Nabelschau, weder wahl- noch uferlos. Die Beschr\u00e4nkung auf einen Autor gew\u00e4hrt Einheitlichkeit, der monatliche Turnus Abwechslung.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Naja, und nun guckt mal, was da so steht! Macht euch das &#8222;satt&#8220;? Braucht das die Welt? Lohnt es den Klick??? Wenn das die &#8222;Nadel im Heuhaufen&#8220; ist, frag&#8216; ich mich, in welches Heu die zwecks Orientierung geguckt haben. Mir kommt fast jedes Gelegenheits-Blog spannender vor als solche leeren Minimal-Erg\u00fcsse, die offensichtlich nur da stehen d\u00fcrfen, weil der Verfasser sich anderweitig einen Namen gemacht hat. Schon jeder Kreativ-Writing-Kurs bringt weit lesenswertere Ergebnisse!<\/p>\n<p>L\u00e4stern ist ja immer ein guter Ausweg, wenn man an existenzieller Langeweile krankt. Mal eben einen kleinen &#8222;Krieg&#8220; vom Zaun brechen, zum Beispiel gegen die Telekom: seit Mai warte ich auf einen ISDN-Anschlu\u00df, hier, inmitten von Berlin, im &#8222;In-Viertel&#8220; von Friedrichshain. Als ich hergezogen bin, sah noch alles ganz normal aus: Antrag gestellt, telefonisch einen Termin ausgemacht &#8211; tja, aber der Monteur kam nicht! Auch sonst keine Nachricht, ich war wochenlang ohne Anschlu\u00df und beim telefonischen Nachhaken traf ich auf Leute, die jetzt Stein und Bein schworen, die Telekom h\u00e4tte ganz gewi\u00df NIE einen Termin mit mir ausgemacht, sowas gehe ja nur schriftlich! Endloses Herumtelefonieren, schlie\u00dflich kam heraus, dass die Bauabteilung die Sache ad acta gelegt hatte, weil ISDN hier noch nicht m\u00f6glich sei. Dass der Mensch vielleicht trotzdem irgend einen Anschlu\u00df m\u00f6chte, ist ihnen nicht eingefallen. Nochmal Wartezeit, und seither h\u00e4nge ich &#8222;analog&#8220; im Netz, so richtig steinzeitm\u00e4\u00dfig. Dann im Dezember nochmal nachgefragt: WANN bitte bekomme ich ISDN??? Drei Wochen sp\u00e4ter ein schriftlicher Bescheid: Wir PR\u00dcFEN dass, wenn die Pr\u00fcfung abgeschlossen ist, geben wir Ihnen Nachricht. Wie sch\u00f6n!<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnte ich tun? Ich k\u00f6nnte jede Menge Wirbel machen, eine BI der Betroffenen gr\u00fcnden, vielleicht allerlei Funktionstr\u00e4ger aus Politik und Wirtschaft motivieren, bei der Telekom anzufragen, wann endlich die Versorgung dieses Innenstadtbezirks gew\u00e4hrleistet ist. Immerhin zieht demn\u00e4chst Emi-Music hierher, eine der wenigen gro\u00dfen Firmen, die sich entschlossen haben, in die Hauptstadt zu kommen. 500 Leute, von denen etliche hier in FH wohnen wollen. Die werden sich freuen, wenn sie auch gleich &#8222;analogisiert&#8220; werden!<\/p>\n<p>Naja, und dann l\u00e4\u00dft der Anfall von Aktivismus gleich wieder nach. Vielleicht liegts am Alter, da\u00df mich die Vorstellung derartiger &#8222;Protest-Arbeit&#8220; nicht mehr richtig motiviert. Vielleicht ist es auch nur eine Phase, der Januar ist nicht gerade ein Super-Monat. Ja, ich langweile mich! Nicht etwa, dass ich nichts zu tun h\u00e4tte, die Liste &#8222;To do&#8220; liegt neben mir und macht mir st\u00e4ndige Vorw\u00fcrfe &#8211; aber irgendwie bekomm&#8216; ich die Kurve nicht, es mangelt an Begeisterung, an konkreten W\u00fcnschen und Zielen, die mich in Bewegung setzen. Und ich vermute, das bleibt auch so, ich hege den Verdacht, dass die Zeiten vorbei sind, in denen ich &#8222;von au\u00dfen&#8220; motiviert werden kann.<\/p>\n<p>Heidegger beschreibt die existenzielle Langeweile als das &#8222;Leiden, vom Dasein als Ganzem nicht angesprochen zu sein&#8220;. Gute Formulierung, trifft genau den Punkt. Wer sich z.B. verliebt, pl\u00f6tzlich die K\u00fcndigung bekommt oder Opfer einer Katastrophe wird, ist auf einmal vom Dasein als Ganzem unausweichlich angesprochen. Dieses &#8222;Angesprochen-Sein&#8220; allein aus mir heraus zu erzeugen, ist mir bisher nicht gelungen. Aber ich sehe immer besser, dass genau das die Aufgabe ist. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fast eine Woche ohne Diary &#8211; warum? 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