{"id":271,"date":"2009-03-03T12:31:24","date_gmt":"2009-03-03T11:31:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=271"},"modified":"2015-12-12T15:50:14","modified_gmt":"2015-12-12T14:50:14","slug":"10-jahre-digital-diary-was-hat-sich-veraendert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2009\/03\/03\/10-jahre-digital-diary-was-hat-sich-veraendert\/","title":{"rendered":"10 Jahre Digital Diary: Was hat sich ver\u00e4ndert?"},"content":{"rendered":"<p>So eine R\u00fcckschau darf nat\u00fcrlich nicht fehlen: Was hat sich ver\u00e4ndert seit M\u00e4rz 1999, als ich den ersten Beitrag ins Digital Diary schrieb? In der Netzwelt und in mir?  <\/p>\n<div id=\"retreat\">\n<p><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2009\/02\/24\/krise-alltag-und-froehliches-getwitter\/\"><strong>Blog-Retreat zum Zehnj\u00e4hrigen des Digital Diary<\/strong><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"http:\/\/www.lustgespinst.de\/2009\/03\/02\/zuviel-naehe-toetet-die-erotik\/\" title=\"Zuviel N\u00e4he t\u00f6tet die Erotik\">\u00ab Text 15<\/a> | Text 16 | Ende<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/blog-retreat-zum-10-jaehrigen-alle-artikel\/\">\u00dcbersicht<\/a><\/p>\n<\/div>\n<p>Ich hab&#8216; mal ein bisschen gest\u00f6bert: Der dritte Eintrag vom 5.M\u00e4rz hie\u00df <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/diary.htm#05_03\">&#8222;Ein Loblied aufs Webben&#8220;<\/a> und enth\u00e4lt folgende begeisterte Passage:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Leute, die das Netz nicht aus eigener Erfahrung (nutzen, nicht nur surfen!) kennen, glauben daran, da\u00df es beim Ver\u00f6ffentlichen im Web darauf ank\u00e4me, eine potentiell weltweite &#8211; zumindest aber erw\u00e4hnenswert gro\u00dfe Leserschaft anzuziehen. Unterstellt wird der Wunsch nach einem Verlag, der so gn\u00e4dig sein m\u00f6ge, den AUTOR zu entdecken! Sie k\u00f6nnen sich nicht vorstellen, da\u00df neben dem Buchmarkt mit seinem Hungerlohn, seinen Orden und Ehren, seinen Miniauflagen, die in den Lagern verfaulen, weil man daf\u00fcr ja nicht noch Werbung machen kann &#8211; das neben dieser langweiligen Veranstaltung zur Aufrechterhaltung des Wirtschaftslebens das ECHTE LEBEN stattfindet. Das echte Leben der Schreibenden, f\u00fcr die es unwichtig ist, ob man sie &#8222;Autor&#8220; nennt oder suchtkrank. Denen es jedoch ungeheuer wichtig geworden ist, ohne Aufwand, Vorschriften und Umwege ver\u00f6ffentlichen zu k\u00f6nnen, was immer gerade kommt. Und nicht f\u00fcr einen Markt, nicht f\u00fcr einen B\u00fccherschrank, sondern mitten im richtigen Leben, f\u00fcr alle, die vorbeikommen. <!--more--><\/p>\n<p>Mit DIESEN Vorteilen des Online-Publishing kann kein anderes Medium konkurrieren. Alle, denen es darauf ankommt, sich anderen mitzuteilen, ihren eigenen Blick auf die Welt als Facette aktueller Existenz neben andere zu stellen &#8211; die das Schreiben nutzen, um sich zu besinnen, um zu experimentieren, um das Spiel, das Leben und Leiden zwischen Form und Inhalt weiterzuspinnen &#8211; was kann uns die Printwelt denn noch bieten?&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<h2>Damals&#8230;<\/h2>\n<p>Man schrieb noch &#8222;da\u00df&#8220; und nicht &#8222;dass&#8220;, man sprach von &#8222;online-publishing&#8220; und gerade bl\u00e4hte sich die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dotcom-Blase\">Dotcom-Blase<\/a> gewaltig auf. Ich hatte den bestbezahlten Auftrag meines Lebens und begann, mich zu informieren, in welches Tech-Unternehmen ich investieren sollte, um auch ein paar &#8222;Gewinne mitzunehmen&#8220;. Zum Gl\u00fcck bin ich ein vorsichtiger Mensch und so dauerte meine Informationsphase bis zum Platzen der Blase im Jahr 2000. Gl\u00fcck gehabt! :-) <\/p>\n<p>Danach gab&#8216; es dann nicht mehr so viel Geld f\u00fcrs Webdesign, doch f\u00fcr mich hat es immer gereicht: wollte ich doch nicht mehr als halbwegs komfortabel vor dem PC sitzen. Die Konsumw\u00fcnsche, die sich daraus ergeben, sind dann eher bescheiden. Damals lebte ich als <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/diary2.htm#29_04\">&#8222;Stadtfl\u00fcchtling&#8220;<\/a>  auf einem alten, jedoch top modernisierten Gutshof in Mecklenburg, konnte vom Computer aufstehen und auf die Wiese treten, ein bisschen g\u00e4rtnern, den H\u00fchnern zuschauen &#8211; und wieder zur\u00fcckkehren in die Netzwelten hinter dem Monitor, die ich als meine wahre Heimat empfand. <\/p>\n<p>Seitdem hat der Nerd-Faktor deutlich nachgelassen: Die <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/diary15.htm#26_05\">Begeisterung f\u00fcrs &#8222;drin sein und dabei sein&#8220;<\/a>, die mich damals noch zu Marathon-Sitzungen anspornte, lie\u00df in den Folgejahren deutlich nach. Das Netz selbst wurde uninteressanter, die Inhalte r\u00fcckten in den Vordergrund. Man f\u00fcrchtete sich kollektiv vor dem &#8222;Millenium-Bug&#8220; (Y2K), <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/diary9.htm#24_12\">erwartete gar den Zusammenbruch der technischen Zivilisation<\/a> (&#8222;Life as we know it&#8220;) &#8211; und fast war es ein wenig entt\u00e4uschend, als dann gar nichts passierte!<\/p>\n<h2>Entwertung und Normalisierung<\/h2>\n<p>Mit der Weiterentwicklung zu einer ganz neuen Art, Webseiten zu codieren (CSS-Design), erlebte ich zum ersten Mal, wie es ist, wenn eigenes, in Jahren perfektioniertes Wissen und K\u00f6nnen vollst\u00e4ndig entwertet wird. Die &#8222;alte Art&#8220; zu webben wurde zum Hindernis beim Lernen der neuen Methoden. Ich \u00fcberlegte ernsthaft, mir einen anderen Broterwerb zu suchen und startete 2003 meinen ersten themenzentrierten Schreibkurs auf <strong>Schreibimpulse.de<\/strong> <a href=\"http:\/\/www.schreibimpulse.de\/kurs03a\/webskulptur_kurs1.html\">(Mal besichtigen?)<\/a>. Dann packte ich es aber doch noch, mir die neuen Kompetenzen anzueignen. Ein Spa\u00df war es allerdings nicht mehr und \u00f6fter f\u00fchlte ich eine seltsame Leere: Meine Begeisterung f\u00fcrs Netz war weg &#8211; es war alles so stinknormal geworden!<\/p>\n<h2>Deja Vu: Web 2.0<\/h2>\n<p>Mit dem Erscheinen der Blogs bewegte sich wieder etwas und ich staunte nicht schlecht: die Jungs und M\u00e4dels taten, als w\u00e4ren sie gerade erst dabei, das Web zu erfinden! Alles, was am Bloggen und den entstehenden neuen Communitys so begeistert ger\u00fchmt wurde, kannte ich ja schon: es waren dieselben kommunikativen Nutzungen, die uns 1996 bis 1998 so mitgerissen hatten &#8211; nur alles ein wenig langsamer, weil man h\u00e4ndisch webben musste. Ein Deja Vu reihte sich ans andere, w\u00e4hrend &#8222;Web 2.0&#8220; seinen Hype erlebte: dieselben Inhalte, dieselben Auseinandersetzungen (Werbung auf Blogs?? Tststs&#8230;) und dann auch wieder dasselbe Jargon-ges\u00e4ttigte Marketing-Blabla, das den Unternehmen bl\u00fchende Landschaften versprach, wenn sie die neuen M\u00f6glichkeiten nutzten. Und ja, auch wieder Venture Capital, eine StartUp-Szene, die auf &#8222;Exit&#8220; spekuliert &#8211; <em>es gibt nichts Neues unter der Sonne<\/em>, dachte ich mir, <em>und ich werde langsam alt!<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/23_05_05.shtml\">Alt werden:<\/a> im f\u00fcnften Jahrzehnt des Lebens kann man nicht mehr so tun, als sei das nur etwas f\u00fcr Andere &#8211; bzw. wenn man es doch versucht, wirkt es ein wenig l\u00e4cherlich. Ich betrachtete relativ n\u00fcchtern die Tatsachen: Ich hatte mich ver\u00e4ndert und wurde nicht mehr automatisch von Begeisterungswellen ergriffen, die mal eben durchs Netz schwappten und mich motivierten, bis tief in die Nacht zu arbeiten. Geld verdienen als Selbstzweck hatte mich noch nie gereizt &#8211; was also jetzt? <\/p>\n<p>Ich beschloss, nicht zur verkn\u00f6cherten Alten zu werden, die fortan alles Neue mit einem gelangweilten &#8222;hatten wir schon!&#8220; kommentiert und nach und nach zum mentalen und \u00f6konomischen Pflegefall mutiert.  Dass ich nicht mehr so bewusstlos &#8222;mitgerissen&#8220; werde, kann ja ein Vorteil sein, wenn es darum geht, zu erkennen und zu vermitteln, was f\u00fcr einen bestimmten Zweck wichtig ist und was nicht. Damit kann ich weiter n\u00fctzlich sein, was allerdings voraussetzt, &#8222;dran und drin&#8220; zu bleiben. Also \u00f6ffnete ich mich 2005\/2006 der mittlerweile weit entwickelten Blogosph\u00e4re, baute meine Projekte entsprechend um und erschaffe seitdem Blogs f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/webwork\/kundenprojekte.html\">meine Webdesignkunden<\/a>. Mal sind es &#8222;echte&#8220; Blogs, wenn jemand publizieren will, mal nutze ich nur die Technik, um die Seiten &#8222;selber pflegbar&#8220; zu machen. <\/p>\n<p>Erstaunlicherweise ist im Zuge des mich Einlassens dann auch ein St\u00fcck der alten Begeisterung wieder gekehrt, sonst h\u00e4tte ich auch nie ein &#8222;Blog-Retreat zum Zehnj\u00e4hrigen&#8220; angesetzt. Dass das nicht zum Marathonbloggen ausgeartet ist, zeigt die Ver\u00e4nderung: ich folge mehr meinem Gef\u00fchl, was gut ist, was &#8222;von selber&#8220; funktioniert &#8211; und versuche weniger, auf Teufel komm raus etwas zu erzwingen, weil ich vielleicht andere, extremere Erwartungen geweckt habe, bzw. selber solche hatte. <\/p>\n<h2>Real Life<\/h2>\n<p>Es gibt ein Leben neben dem Netz, das mir immer wichtiger wird, schon allein deshalb, weil so ein &#8222;Sitzleben&#8220; seine k\u00f6rperlichen Folgen hat, die nach Ausgleich und Befassung schreien. Ganz OHNE Netz kann und mag ich aber auch nicht sein: Das &#8222;faule G\u00e4rtnern&#8220; ist auch f\u00fcr sich genommen sch\u00f6n &#8211; so richtig rund wird es f\u00fcr mich aber erst, wenn es auch <a href=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\">ein Blog dazu<\/a> gibt!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So eine R\u00fcckschau darf nat\u00fcrlich nicht fehlen: Was hat sich ver\u00e4ndert seit M\u00e4rz 1999, als ich den ersten Beitrag ins Digital Diary schrieb? In der Netzwelt und in mir? 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