{"id":2703,"date":"2018-12-21T15:13:16","date_gmt":"2018-12-21T14:13:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=2703"},"modified":"2018-12-22T13:13:06","modified_gmt":"2018-12-22T12:13:06","slug":"luegenpresse-nein-maerchenpresse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2018\/12\/21\/luegenpresse-nein-maerchenpresse\/","title":{"rendered":"L\u00fcgenpresse? Nein, M\u00e4rchenpresse!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eine kleine Sammlung wichtiger Texte \u00fcber das &#8222;Geschichten erz\u00e4hlen&#8220; im Journalismus. Plus weiteres Material rund um den M\u00e4rchenerz\u00e4hler #Relotius, der zuverl\u00e4ssig geliefert hat, was heute als preisw\u00fcrdiger Journalismus gilt.<\/strong><\/p>\n<p>Mich ber\u00fchrt dieses Journalismus-Gate sehr, weil ich mir ernsthaft Sorgen mache, wem man eigentlich noch irgend etwas glauben kann. Allerdings: jenen, die st\u00e4ndig so lautstark &#8222;L\u00fcgenpresse&#8220; rufen, trete ich nicht bei. Denn ihnen geht es auch nicht um Fakten oder gar Wahrheit, denn ihre radikal daher schimpfenden Bubble-Medien verletzen die Grundwerte korrekter Pressearbeit oft weit mehr als die gescholtenen &#8222;MSM&#8220;. Zudem kann man auch in der aktuellen Debatte erkennen, dass es noch viele engagierte Journalistinnen und Journalisten gibt, die beim #Journalismuserneuern gerne dabei w\u00e4ren. Ihre Namen wird man sich in Zukunft merken m\u00fcssen, wogegen die Namen der Medien, die &#8222;Marken&#8220;, zunehmend irrelevant werden, wenn es um Vertrauen geht. <\/p>\n<p>Und nun zu den Texten:<!--more--><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.t-online.de\/blog\/id_84976882\/der-fall-relotius-vom-unbehagen-eine-geschichte-zu-erzaehlen.html\">Vom Unbehagen, eine Geschichte zu erz\u00e4hlen<\/a> &#8211; von Jonas Schaible \/ T-Online<\/p>\n<blockquote><p>\n&#8222;Wenn Journalisten \u00fcber die Arbeit sprechen, dann sagen sie manchmal, sie machten da ein \u201cSt\u00fcck\u201d. Aber meistens sagen sie: \u201cIch mache da eine Geschichte.\u201d Auch im Hauptstadtjournalismus, nicht nur in der Reporterpreiswelt. Ich sage das auch. Ich habe das so gelernt an der Journalistenschule und in Redaktionen. Je renommierter das Blatt, desto mehr dominieren \u201cGeschichten\u201c. Keine Geschichte, kein Platz in der Zeitung.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Eine tief gehende Analyse des &#8222;Geschichten erz\u00e4hlens&#8220; im Journalismus, und was es bedeutet, wenn nicht mehr berichtet wird, sondern &#8222;erz\u00e4hlt&#8220; werden muss, um als Journalist Erfolg zu haben. Sehr lesenswert!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.indiskretionehrensache.de\/2018\/12\/relotius-spiegel\/\">Die Causa Relotius: Der Journalismus hat ein systemisches Problem und muss es endlich angehen <\/a>&#8211; Thomas Kn\u00fcwer \/ Indiskretion Ehrensache<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;W\u00e4re der Berufsstand selbstkritisch, m\u00fcsst er sich eingestehen, dass er ein schmutziges Geheimnis besitzt: Seine Vertreter f\u00e4lschen st\u00e4ndig, sie erfinden, tricksen und halbwahrheiten vor sich in \u2013 und man muss nur ein wenig die Augen aufmachen, um das zu erkennen.&#8220; <\/p><\/blockquote>\n<p>(mit vielen Beispielen im Artikel, sehr erhellend &#8211; und die Einleitung ist auch schon super!) <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/elsa-koester\/sagen-was-ist\">Sagen, was ist<\/a> &#8211; Elsa Koester \/ Der Freitag<br \/>\n#spiegelgate Was wir aus dem Fall Relotius lernen: Journalismus, der nur nach der gro\u00dfen Erz\u00e4hlung sucht, wird blind f\u00fcr eine komplexe und widerspr\u00fcchliche Wirklichkeit <\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Nehmen wir die Story aus Fergus Falls in Minnesota. Relotius fuhr also hin, um Trumps erste Monate \u201eaus der Perspektive derer anzuschauen, die den gro\u00dfen Donald mutma\u00dflich gew\u00e4hlt hatten: Amerikaner vom Land.\u201c Der Plan war, schreibt Fichtner, \u201edass sich Relotius in Fergus Falls einmietet, Leute kennenlernt, zuh\u00f6rt, und ein kleines Zeitbild aufnimmt, das einen die Amerikaner ein wenig besser verstehen l\u00e4sst.\u201c Und dann schreibt er: \u201eDer Plan geht schief.\u201c Moment mal. Was genau an diesem Plan ging denn schief? Relotius hat es nicht geschafft, sich einzumieten? Er schaffte es nicht, Leute kennen zu lernen, zuzuh\u00f6ren? Wohl kaum.<\/p>\n<p>Was schief gegangen ist: Relotius wollte nicht \u201eeine Story\u201c \u00fcber Fergus Falls schreiben, sondern \u201edie Story von Fergus Falls\u201c, die in seinem Kopf schon l\u00e4ngst geschrieben war. Die Geschichte \u00fcber \u201edie Amerikaner in der Kleinstadt\u201c, und \u201edie Amerikaner in der Kleinstadt\u201c, die stellte sich Relotius offenbar als Leute vor, die haupts\u00e4chlich mit ihrem Rassismus gegen\u00fcber Mexikanern besch\u00e4ftigt sind. \u201eDie\u201c hat er also nicht gefunden.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p><a href=\"http:\/\/www.reporter-forum.de\/fileadmin\/pdf\/Diverse_andere_Texte\/Die_Verniedlichung_der_Welt.pdf\">Die Verniedlichung der Welt<\/a> (pdf) &#8211; Claudius Seidl, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 09.05.2010 (!)<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Toll   geschrieben,   denkt   man   sich,   wenn   man   das   Kanzlerinnenportr\u00e4t   aus   dem &#8222;Spiegel&#8220; liest, das am Freitagabend f\u00fcr den Kisch-Preis nominiert war, und es liest sich ja sehr fl\u00fcssig bis zu dem Moment, in dem es dem Leser auff\u00e4llt, dass der Autor sich die Freiheit nimmt, in nahezu jeden Kopf, der im Weg herumsteht, hineinzukriechen und von dort drinnen zu berichten, wie es sich so denkt und f\u00fchlt in diesem Kopf. Das, ein \u00e4u\u00dferst popul\u00e4res Verfahren in der Preistr\u00e4ger- und Nominiertenprosa der vergangenen f\u00fcnf, sechs Jahre, sieht auf den ersten Blick so aus wie echte Literatur. Und ist noch nicht   einmal   seri\u00f6ser   Journalismus.!&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>***<br \/>\nMehr so als Leserservice: <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/media\/media-43950.pdf\">Sagen, was ist<\/a> &#8211; SPIEGEL Nr. 52 \/ 22.12.2018: <\/p>\n<blockquote><p>In eigener Sache: Wie einer unserer Reporter seine Geschichten f\u00e4lschte und warum er damit durchkam<\/p><\/blockquote>\n<p>Das sind die 27 Seiten zum Thema Relotius aus dem aktuellen SPIEGEL, ausnahmsweise frei zug\u00e4nglich als PDF: Die Ereignisse, die Aufdeckung durch Juan Morena, Kritiken von diversen Seiten, inkl. Leserbriefe.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Update 23.12.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2018-12\/medienjournalismus-story-bias-betrug-claas-relotius-transparenz\">Die Sch\u00f6nheit einer L\u00fcge<\/a> &#8211; Bernhard P\u00f6rksen, Professor f\u00fcr Medienwissenschaft, Gastbeitrag auf ZEIT-online<br \/>\nDer Fall Claas Relotius zeigt die offene Flanke des Edelfederjournalismus: Die Medienbranche muss sich der Macht der narrativen Verf\u00fchrung bewusst werden. <\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Man hat die Geschichte im Kopf, man wei\u00df, welchen Sound Leser oder Kolleginnen gerne h\u00f6ren wollen. Und man liefert, was funktioniert.&#8220;<\/p><\/blockquote>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine kleine Sammlung wichtiger Texte \u00fcber das &#8222;Geschichten erz\u00e4hlen&#8220; im Journalismus. Plus weiteres Material rund um den M\u00e4rchenerz\u00e4hler #Relotius, der zuverl\u00e4ssig geliefert hat, was heute als preisw\u00fcrdiger Journalismus gilt. 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