{"id":2613,"date":"2018-04-18T21:42:07","date_gmt":"2018-04-18T19:42:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=2613"},"modified":"2018-04-18T22:43:09","modified_gmt":"2018-04-18T20:43:09","slug":"wo-bin-ich-lost-in-cyberspace","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2018\/04\/18\/wo-bin-ich-lost-in-cyberspace\/","title":{"rendered":"Wo bin ich? Lost in Cyberspace?"},"content":{"rendered":"<p>Erst seit wenigen Tagen bin ich in der Lage, meine &#8222;Verfallenheit&#8220; ans Online-Sein staunend zu beobachten. &#8222;Staunend&#8220; ist das richtige Wort, denn erst, wenn man aufh\u00f6rt, sich in irgend einer Weise zu disziplinieren, die Dinge moralisch, politisch, also kritisch zu reflektieren (W\u00c4HREND sie stattfinden!), zeigt sich das Beobachtete unverstellt in all seinen Aspekten. <!--more--><\/p>\n<p>&#8222;Nicht disziplinieren&#8220; ist nicht ganz richtig: Nach wie vor schaffe ich das N\u00f6tige, halte meine Termine, bearbeite die Beh\u00f6rdenfront erfolgreich, wo sie etwas von mir will, habe keine Schulden, bin gef\u00fchlt nicht &#8222;im Stress&#8220;. Soviel Disziplin muss sein! Um das zu wissen und zu bringen bin ich alt genug. <\/p>\n<p>Aber der gro\u00dfe Rest! Die viele Zeit, die ich am PC verbringe, ohne dass ich m\u00fcsste &#8211; <a href=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\">trotz Garten<\/a>. Ohne dass ich da irgend etwas mit Bezug zu meinen Brotjobs unternehme, aber eben auch ohne irgendwelche kreativen Eigenprojekte und Vorhaben voran zu treiben. Mir fehlt dazu die Konzentration, bzw. der Wille zur Konzentration. Wenn es sein muss, KANN ich mich konzentrieren &#8211; aber abseits des Not-Wendigen sehe ich offenbar keinen Grund, mich darum zu bem\u00fchen. <\/p>\n<p>Die gew\u00f6hnlichen Assoziationen, die vermutlich kommen, wenn jemand das liest, treffen nicht zu. Ich bin kein &#8222;Facebook-Opfer&#8220; (ich nutze das kaum) und auch nicht mehr jugendlich ehrgeizig genug, um auf Instagramm, Youtube oder sonstwo partout JEMAND sein zu wollen, &#8222;jemand Gro\u00dfartiges&#8220;, der durch irgendwelche tollen Leistungen und Errungenschaften auff\u00e4llt und versucht, m\u00f6glichst viel Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Been there, done that! (damals, in den 90gern, als das Internet noch <a href=\"http:\/\/claudia-klinger.de\/archiv\/MissingLinkAusstell\/\">richtig kuschelig<\/a> war). <\/p>\n<p>N\u00f6, ich spreche vom ganz normalen Online-Alltag, der mir jetzt, nach 22 Jahren so langsam komisch vorkommt &#8211; eine hilfsweise Formulierung, weil ich noch keine Bewertung f\u00fcr meine derzeitigen Beobachtungen habe. Wie gesagt: ich staune! <\/p>\n<p>Schon vor vielen Jahren hab&#8216; ich dar\u00fcber gewitzelt, dass meine &#8222;Default-Einstellung&#8220; das Sitzen vor dem PC-Monitor ist. Viele J\u00fcngere erleben das heute als Gefesselt-Sein ans Smartphone, wo sich dieselbe Problematik etwas anders darstellt (stressiger, weniger komfortabel, entm\u00fcndigter). Selbst f\u00fchle ich mich &#8211; oberfl\u00e4chlich betrachtet &#8211; als Herrin meiner Zeit, fast t\u00e4glich etliche Stunden frei, zu tun, was mir grade einf\u00e4llt, manchmal ganze Tage lang. Weder ist da ein Chef noch eine Peergroup, von der ich mich gestresst f\u00fchlen k\u00f6nnte. Ich f\u00fchle mich nahezu nie gestresst!<\/p>\n<p>Und aus eben dieser Freiheit mache ich nichts, sondern versenke mich (sobald die Pflicht getan ist) in &#8222;mein Internet&#8220;. Da hat sich eine Routine eingestellt, die in etwa so aussieht: <a href=\"https:\/\/news.google.com\/news\/?ned=de&#038;gl=DE&#038;hl=de\">Google News<\/a>, <a href=\"http:\/\/rivva.de\/\">Rivva<\/a>, meine <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/meine-blog-bibliothek\/\">Blogrolls<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.net-news-express.de\/\">NetNewsExpress<\/a> &#8211; und was mich aus den News dieser Aggregatoren innerlich anspricht, das <a href=\"https:\/\/twitter.com\/HumanVoice\">tweete ich auf Twitter<\/a>. Bzw. nicht GANZ alles, denn nicht allem, was ich so lese, w\u00fcnsche ich gr\u00f6\u00dfere Verbreitung!<\/p>\n<p>In aller Regel begegne ich auf diesen routinierten Wegen durch das mediale Geschehen alsbald Themen, die mich ber\u00fchren, erregen, zu Widerspruch reizen &#8211; oder auch dazu, eine Erg\u00e4nzung in den Strom zu senden, die mir n\u00fctzlich zu sein scheint. Sobald das der Fall ist, erlebe ich mich im Modus des Dienens: ich retweete, melde weiter, kommentiere, um dem aus meiner Lebenserfahrung SINNVOLLEN mehr Kraft zu verleihen, mehr Reichweite, mehr Chance auf Bemerktwerden. <\/p>\n<p>Sch\u00f6nes Narrativ, nicht wahr? Doch neuerdings f\u00e4llt mir zwischendurch immer \u00f6fter auf: Hey, ist das nicht ein ziemlich entlegenes Thema, in das du dich da grade vertiefst? Oder: was bringt es jetzt, dieser oder jener Person zu widersprechen? Sie wird ihre Meinung sowieso nicht \u00e4ndern, ich werde sie nie kennenlernen, wir interessieren uns beide nicht f\u00fcreinander &#8211; also was soll das? <\/p>\n<p>Nach und nach erkenne ich, dass ich per Internet letztlich nur den kurzen Weg zu wohlfeilen Erregungszust\u00e4nden suche &#8211; und ihn immer auch schnell finde! Nur bringt mich das nirgendwohin, sondern vor allem weg von einem sinnvollen, konzentrierten Schaffen. Dieses Verhalten, diese &#8222;Default-Einstellung&#8220;, diese Routine ist FAST eine Sucht. Aber nicht wirklich so stark und fesselnd wie eine richtige Drogensucht. <\/p>\n<p>Eher so schleichend normal, ein \u00fcbliches Verhalten in Zeiten der Alternativlosigkeit. <\/p>\n<p>Und Ihr so?<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erst seit wenigen Tagen bin ich in der Lage, meine &#8222;Verfallenheit&#8220; ans Online-Sein staunend zu beobachten. &#8222;Staunend&#8220; ist das richtige Wort, denn erst, wenn man aufh\u00f6rt, sich in irgend einer Weise zu disziplinieren, die Dinge moralisch, politisch, also kritisch zu reflektieren (W\u00c4HREND sie stattfinden!), zeigt sich das Beobachtete unverstellt in all seinen Aspekten.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[9,11],"tags":[],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2613"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2613"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2613\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2613"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2613"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2613"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}