{"id":2564,"date":"2018-02-03T13:43:32","date_gmt":"2018-02-03T12:43:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=2564"},"modified":"2022-12-29T19:15:19","modified_gmt":"2022-12-29T18:15:19","slug":"wuerziger-kaese-deutsche-moegen-das-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2018\/02\/03\/wuerziger-kaese-deutsche-moegen-das-nicht\/","title":{"rendered":"W\u00fcrziger K\u00e4se? Deutsche m\u00f6gen das nicht!"},"content":{"rendered":"<p>Gestern an einem kleinen Stand mit tiroler Spezialit\u00e4ten: ich will den &#8222;w\u00fcrzigen Bergk\u00e4se&#8220; probieren, als mich der sympathische Verk\u00e4ufer mit dem Genuss-vor-Reue-K\u00f6rper anspricht. <q>Lieber so ein bisschen w\u00fcrzig oder richtig w\u00fcrzig?<\/q> fragt er mich sicherheitshalber. Nat\u00fcrlich will ich RICHTIG W\u00dcRZIG &#8211; und der K\u00e4se ist dann auch ganz grandios! Endlich ein K\u00e4se, bei dem man schmeckt, dass er lange lange gereift ist und mit Sorgfalt und Liebe produziert wurde.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/tiroler-kaese.jpg\" alt=\"Tiroler Bergk\u00e4se\" width=\"640\" height=\"387\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2566\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/tiroler-kaese.jpg 640w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/tiroler-kaese-300x181.jpg 300w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/tiroler-kaese-500x302.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p>Wir plaudern noch ein bisschen \u00fcber den K\u00e4segeschmack der Deutschen, der &#8222;w\u00fcrzig&#8220; nur in einer so milden Version sch\u00e4tzt, dass man es auch gleich anders nennen k\u00f6nnte. <q>Isso!<\/q> sagt er, und zuckt bedauernd mit den Schultern. <!--more--><\/p>\n<p>Warum blo\u00df ist das so? Mir war immer schon aufgefallen, dass eigentlich jede Art K\u00e4se in Frankreich besser schmeckt als in Deutschland. Hierzulande einen Camembert zu finden, der auch nach Camembert schmeckt, ist wirklich Gl\u00fccksache. Sogar optisch aufgemotzte und &#8222;franz\u00f6sisch&#8220; versprechende Verpackungen enthalten oft nur dieses &#8211; mal weiche, mal leicht gummihafte &#8211; geschmacksneutrale Irgendwas, das von einem echten Camembert meilenweit entfernt ist.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/kaese-camembert.jpg\" alt=\"Camembert\" width=\"640\" height=\"426\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2565\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/kaese-camembert.jpg 640w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/kaese-camembert-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/kaese-camembert-500x333.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<h2>Extra K\u00e4se f\u00fcr den deutschen Markt<\/h2>\n<p>In der ZDF-Reportage &#8222;<a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/dokumentation\/zdfzeit\/zdfzeit-nelson-muellers-kaese-check-100.html\">Nelson M\u00fcllers K\u00e4se-Check<\/a>&#8220; (noch bis 1.2.2019 in der Mediathek) ist der Part ab Minute 34 dazu sehr sehenswert. Da l\u00e4sst Nelson auf der Stra\u00dfe einen franz\u00f6sischen und einen deutschen Camembert erst von franz\u00f6sischen und dann von deutschen Passanten verkosten. Und wie erwartet sagen die Deutschen zur geschmackvollen franz\u00f6sischen Variante: &#8222;bisschen zu kr\u00e4ftig&#8220;, &#8222;w\u00fcrde ich zum Fr\u00fchst\u00fcck nicht haben wollen&#8220; &#8211; wogegen die Franzosen den deutschen K\u00e4se als &#8222;charakterlos&#8220; brandmarken.<\/p>\n<p>Im weiteren wird dann noch das K\u00e4sewerk von Geramont in den Vogesen gezeigt, wo speziell f\u00fcr den deutschen Markt eine entsprechend geschmacklose Geramontversion hergestellt wird: schnittfest, mit makellos wei\u00dfer Rinde, ein milder K\u00e4se, der &#8222;nicht zu sehr nach K\u00e4se riecht&#8220; und schon binnen 8 Tagen Reifezeit fertig ist. Danach ver\u00e4ndert er weder Aussehen noch Aroma. Toll, oder? <\/p>\n<h2>Erwachsene, die beim Kindergeschmack stehen bleiben<\/h2>\n<p>Nicht nur beim K\u00e4se dominiert die deutsche Empfindlichkeit gegen deutlichen Geschmack: F\u00fcr viele soll ein Fisch bittsch\u00f6n nicht nach Fisch schmecken, und schon gar nicht danach aussehen. Vom Huhn isst man hierzulande am Liebsten nur die Brust, wenns nicht grad der  (selten gewordene) Gummiadler vom Grill ist, der immerhin noch nach Huhn aussieht. Innereien wie Herz, Leber, Niere, die noch in meinen Kindertagen auf dem Speiseplan standen, kommen gar nicht mehr vor. Ihr spezieller Geschmack st\u00f6\u00dft wohl ab, auch erkennt man an diesen Dingen  allzu gut, dass sie mal Organe eines Tiers waren. <\/p>\n<p>Ein Geschmack, der dagegen einen waren Siegeszug quer durch viele Lebensmittel angetreten hat, ist Vanille! Nicht nur Pudding, auch Joghurts, Kuchen, S\u00fc\u00dfspeisen aller Art, sogar Marmelade und Fruchtaufstrich gibts immer \u00f6fter mit vanilliger Zutat. In meiner veganen Phase ist mir erstmalig aufgefallen, wie extrem viel Platz milde Milchprodukte aller Art im Supermarkt einnehmen. Neuerdings kamen Smoothie-Fl\u00e4schchen dazu und sogar Apfelmus gibts jetzt in kleinen weichen Fl\u00e4schchen zum aufsaugen!<\/p>\n<p><strong>Weich, wei\u00df, mild, gern vanillig<\/strong> &#8211; man kommt kaum an der Erkenntnis vorbei: es ist ein Kindergeschmack, der den Lebensmittelmarkt in Deutschland dominiert. Warum ist das so bzw. warum hat es sich so entwickelt?<\/p>\n<p>Geschmack wird in der Kindheit gepr\u00e4gt. Ich merke das z.B. daran, dass bestimmte Ern\u00e4hrungsweisen, die ich zeitweise zwecks Abnehmen pflegte, irgendwann scheitern: Bei Low Carb vermisse ich auf Dauer die Nudeln allzu sehr, die h\u00e4ufiger Bestandteil der Ern\u00e4hrung im elterlichen Haushalt Ende der 50ger, 60ger und Anfang 70ger waren. Ganz ohne Nudeln f\u00fchl&#8216; ich mich esstechnisch ungl\u00fccklich. Isso! :-)<\/p>\n<p>Andrerseits gab es zuhause keine Fertiggerichte und es bestand kein Zweifel daran, dass &#8222;gegessen wird, was auf den Tisch kommt&#8220;. Das klingt harsch, aber schlimme Erlebnisse mit irgendwelchen Schrecklichkeiten, zu denen ich gezwungen worden w\u00e4re, erinnere ich nicht. Meine Mutter verstand es, mir Ungeliebtes wie etwa gr\u00fcnen Salat am Anfang schmackhaft zu machen: Sie produzierte einen &#8222;Kindersalat&#8220;, den sie einfach mehr zuckerte. Klappte gut und schon bald a\u00df ich den normalen gr\u00fcnen Salat ohne Leidensgef\u00fchle mit. Das war allerdigs die Ausnahme, normalerweise gab es dasselbe Essen f\u00fcr alle &#8211; egal, was es war. Ich mochte sogar das &#8222;Herz-Lungen-Gulasch&#8220; und fand es spannend, als &#8211; einmalig! &#8211; ein ganzer Schweinekopf verkocht wurde. Was f\u00fcr ein Event! Wirklich gut schmeckten uns nur die Backen, weshalb der Versuch auch nicht wiederholt wurde. (Jahre sp\u00e4ter sah ich in Frankreich in einer Auslage die vordere Scheibe einer Schweineschnautze als eine Art S\u00fclze &#8211; gibts!)<\/p>\n<p>Die drastischen Beispiele sollen zeigen: Wir drei Kinder haben nach und nach alles mitgegessen, was die Erwachsenen a\u00dfen. Nicht alles fanden wir toll, aber es gab keine Dramen rund ums Essen, weil es so normal war, dass wir alle dasselbe a\u00dfen. <\/p>\n<p>Als ich dann mit 19 mein Elternhaus verlie\u00df, gab es nur wenige Dinge, die ich nicht mochte: Oliven, Fenchel, Sardellen &#8211; alles Sachen, die es zuhause niemals gegeben hatte. Im Lauf der Jahrzehnte lernte ich dann, auch diese Lebensmittel in bestimmten Zusammenstellungen zu m\u00f6gen (es hat aber gedauert!). Irgendwelche Unvertr\u00e4glichkeiten plagen mich nicht und heute gibt es nichts (au\u00dfer Original Kambodschanischer Fischso\u00dfe), das ich nicht nochmal essen w\u00fcrde. <\/p>\n<h2>Verhindert freie Wahl die Geschmacksentwicklung?<\/h2>\n<p>Wenn ich jetzt mal wild spekuliere, woher diese Pr\u00e4ferenzen f\u00fcr milden K\u00e4se, nicht fischigen Fisch und dergleichen wohl herkommen: Vielleicht, weil viele Kinder der 80ger, 90ger und Nuller-Jahre viel mehr Freiheit hatten, nur das zu essen, was ihnen bereits schmeckt? So entwickelte sich ihr Geschmack kaum weiter. Sie blieben l\u00e4nger bei dem, was schon gut mundet und wurden kaum mehr motiviert, auch Dinge zu essen, die nicht gleich Begeisterung hervor rufen. <\/p>\n<p>Weil aber der Geschmack f\u00fcrs ganze Leben erheblich durch die Ern\u00e4hrung in Kinder- und Teenyjahren gepr\u00e4gt wird, schl\u00e4gt das dann auch durch auf den &#8222;Geschmack der Deutschen&#8220;, wie er heute nun mal ist: Mild, weich, sahnig, wenn s\u00fc\u00df gern vanillig &#8211; und bei Tieren lieber wenig Eigengeschmack. <\/p>\n<p>Schade eigentlich, denn so werden viele Gen\u00fcsse und leicht zu habende Gl\u00fccksmomente einfach vers\u00e4umt.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Mal geschaut: der &#8222;Tiroler Bauernstandl&#8220; ist eine Marke und hat auch einen Shop &#8211; hier mein <a href=\"https:\/\/www.shop.dertiroler.com\/product\/bergkaese-wuerzig.350.html?property_id=173\">&#8222;w\u00fcrziger Bergk\u00e4se&#8220;<\/a>, der Preis bezieht sich 400 Gramm.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern an einem kleinen Stand mit tiroler Spezialit\u00e4ten: ich will den &#8222;w\u00fcrzigen Bergk\u00e4se&#8220; probieren, als mich der sympathische Verk\u00e4ufer mit dem Genuss-vor-Reue-K\u00f6rper anspricht. 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