{"id":2560,"date":"2018-01-29T02:52:21","date_gmt":"2018-01-29T01:52:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=2560"},"modified":"2018-01-29T13:01:26","modified_gmt":"2018-01-29T12:01:26","slug":"da-haut-mich-einer-einfach-um","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2018\/01\/29\/da-haut-mich-einer-einfach-um\/","title":{"rendered":"Da haut mich einer einfach um!"},"content":{"rendered":"<p>H\u00e4tte nicht gedacht, dass mir mal sowas zust\u00f6\u00dft! Ich bin die Unauff\u00e4lligkeit selbst, wenn ich so an einem Winternachmittag unter tr\u00fcbem Himmel gedankenversunken meiner Wege gehe. Heute f\u00fchrte mich dieser Weg &#8211; wie jeden Sonntagnachmittag &#8211; ins Kreuzberger Bergmannkiez. Gedankenverloren bog ich in eine Nebenstra\u00dfe der Bergmannstra\u00dfe ein. Die Gegend kenne ich in- und auswendig, denn 20 Jahre war das meine Berliner Heimat. Vielleicht ein Grund mehr, nicht besonders aufmerksam auf irgendwelche Mitmenschen zu achten. Bei diesem miesen Wetter ist sowieso kaum jemand unterwegs.<\/p>\n<p><strong>Pl\u00f6tzlich trifft mich ein heftiger Schlag von rechts<\/strong>, der mich sofort zu Fall bringt. Ich knalle aufs Pflaster, kann mich aber mit den H\u00e4nden abfangen. Schlage zum Gl\u00fcck nicht mit dem Kopf an die Hauswand, doch meine Knie sch\u00fcrfen \u00fcbers harte Pflaster. Das merke ich allerdings erst sp\u00e4ter, denn noch bin ich v\u00f6llig perplex. Ja Himmel, was ist denn hier los?<\/p>\n<p>Ich rapple mich auf und sehe: ein offensichtlich w\u00fctender Um-die-30, der mich auch noch anp\u00f6belt, w\u00e4hrend ich noch immer mehr erstaunt bin als erz\u00fcrnt. Im vollen Bewusstsein, selbst keinen Anlass zu dieser Gewaltt\u00e4tigkeit gegeben zu haben, erlebe ich das ganze eher wie einen Film: betrifft mich nicht pers\u00f6nlich, bin nur zuf\u00e4llig Opfer dieses Zorns, der vermutlich ganz andere Gr\u00fcnde hat. Und passiert ist mir ja auch nicht viel&#8230;<\/p>\n<p> <q>&#8222;Spinnst du?&#8220;<\/q> sag ich dann doch noch.<br \/>\n <q>&#8222;Was torkelst du hier auch so besoffen daher&#8230;!&#8220; <\/q><br \/>\n<q>&#8222;Ich bin v\u00f6llig n\u00fcchtern&#8220;<\/q>, sag ich, anstatt mich endlich in eine korrekte Gegenaggression reinzusteigern. Langsam wundere ich mich selbst, warum das nicht passiert. Der Typ wirkt weiterhin, nun ja, &#8222;gewaltbereit&#8220;, ich hab&#8216; aber mit sowas keine Erfahrung. Daf\u00fcr auch null Angst. Was ist nur mit meinem Gef\u00fchlsleben los?<\/p>\n<p><q>WAS F\u00c4LLT IHNEN EIN? DAS GEHT GAR NICHT! WIR HOLEN DIE POLIZEI!<\/q><\/p>\n<p><strong>Das bin nicht ich<\/strong>, die ich noch ganz damit besch\u00e4ftigt bin, zu realisieren, dass mich ein XY &#8222;einfach so&#8220; auf der Stra\u00dfe nieder schl\u00e4gt. Vielleicht weil ich ihm nicht rechtzeitig ausgewichen bin? Sehr nah kann er nicht gewesen sein, denn auch wenn ich mit den Gedanken ganz woanders bin (und nicht etwa aufs Smartphone starre!), laufe ich normalerweise nicht in Leute rein. Die Stra\u00dfe bzw. der Gehsteig ist doch auch wirklich breit genug: <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/gehsteig.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/gehsteig-500x282.jpg\" alt=\"in Kreuzberg\" width=\"500\" height=\"282\" class=\"aligncenter size-large wp-image-2561\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/gehsteig-500x282.jpg 500w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/gehsteig-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/gehsteig-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/gehsteig.jpg 1000w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p><q>WIE GEHT ES IHNEN? SIND SIE OK?<\/q><\/p>\n<p>Ein Paar, auch so um die 30, hatte alles mitbekommen, da sie ein paar Meter hinter mir gelaufen waren. <\/p>\n<p>Ich stand nun wieder aufrecht, klopfte mir den Staub von den Knien und murmelte: &#8222;Danke, alles ok! Keine Umst\u00e4nde bitte&#8230;&#8220; &#8211; <\/p>\n<p><q>ICH HOL JETZT DIE POLIZEI, DAS GEHT JA GAR NICHT<\/q><br \/>\n<q>DASS DER EINFACH EINE FRAU UMHAUT&#8230;<\/q><br \/>\n<q>SOWAS KANN MAN NICHT EINFACH HINNEHMEN..!<\/q><\/p>\n<p>Die beiden steigern sich da richtig rein, jedenfalls ist das mein Eindruck. Inhaltlich muss ich ihnen allerdings recht geben. Es stimmt ja: Wir k\u00f6nnen und sollen es  nicht einfach hinnehmen, dass Leute &#8222;einfach so&#8220; im \u00f6ffentlichen Stra\u00dfenland \u00fcbergriffig und sogar gewaltt\u00e4tig werden. Und jetzt bin halt zuf\u00e4llig ich das Opfer und kann die beiden doch nicht einfach stehen lassen mit ihrem beispielhaften Engagement!<\/p>\n<p>Ich, das Opfer! Und als solches gleich mit Pflichten. Beides ist mir verdammt neu und gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, deshalb reagiere ich insgesamt eher schleppend.  Merkt zum Gl\u00fcck niemand, die kennen mich ja nicht. <\/p>\n<p>Der Aggressor steht noch immer aufgeblasen da und p\u00f6belt &#8211; jetzt im Streit mit dem Mann, der die Polizei holen will &#8211; weiter. Es geht alles so schnell, dass ich die laufenden Wortwechsel nicht referieren kann. \u00dcbrigens ist er blond und blau\u00e4ugig, spricht Deutsch wie du und ich &#8211;  kein Fitzelchen Migrationshintergrund! <\/p>\n<p><q>Entschuldigen Sie bitte<\/q> &#8211; offensichtlich hat er geschnallt, dass die beiden ihm tats\u00e4chlich Schwierigkeiten machen k\u00f6nnten und will die Kuh vom Eis haben. Dabei schaut er mich immer noch aus hoch rotem Kopf an, als sei ich schuld an seinen Ausrastern. Ist mir egal, ich winke beschwichtigend mit der Hand, wegen mir k\u00f6nnte mit alledem jetzt gerne Schluss sein. Schlie\u00dflich bin ich auf dem Weg zu einem guten Freund, um mit ihm in bew\u00e4hrter Manier einen sch\u00f6nen Sonntag mit Yoga, gutem Essen und Tatort zu verbringen. <\/p>\n<p>Der Rabauke macht nun Anstalten, abzuhauen. Das will der K\u00e4mpfer gegen unzivilisiertes Verhalten allerdings nicht zulassen und folgt ihm. Die beiden tanzen umeinander, geraten ein wenig aneinander und wieder auseinander &#8211; es ist (noch?) kein echtes K\u00e4mpfen, nur ein Verfolgen, bei dem auch der Verfolgte, ehemals Agressor, immer noch so tut, als h\u00e4tte er die Macht und m\u00fcsse nicht rennen. <\/p>\n<p>Mit dem weiblichen Teil des engagierten Paars bleibe ich zur\u00fcck. Wir warten f\u00fcnf Minuten, w\u00e4hrend deren Verlauf ich nachfrage, ob ich irgendwie auff\u00e4llig gelaufen w\u00e4re &#8211; man wei\u00df ja nie! Sie versichert mir, dass ich weder torkelte noch Schlangenlinien zog, sondern ganz normal gelaufen sei.<\/p>\n<p>Das ist auch mein Gef\u00fchl. Aber hey: Shit happens &#8211; auch wenn du nix dazu tust!<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Wir tauschten dann noch Telefonnummern aus f\u00fcr den Fall, dass meine weitere Mitwirkung als Opfer gebraucht w\u00fcrde. Meine Sorge, der Gewaltt\u00e4ter k\u00f6nne ihrem Mann eventuell gef\u00e4hrlich werden, konnte sie beruhigen: <\/p>\n<p><q>20 Jahre Kampfsport. Da mache ich mir keine Sorgen!<\/q><\/p>\n<p>Bei meinem Freund angekommen und nurmehr in Leggins checkte ich noch meine schwarze Jeans: Links ein Loch im Knie, die Hose ist hin. Hat 30 Euro gekostet, nicht die Welt, aber es \u00e4rgert mich trotzdem. Dreissig Euro Sachschaden wegen dieses Spinners!<\/p>\n<p>Aber NOCH MEHR kann ich mich dr\u00fcber \u00e4rgern, dass solche Hosen vor 30 Jahren wegen eines einzigen Sturzes aufs Plaster nicht gleich kaputt waren.<br \/>\nWas f\u00fcr eine versch(r)obene Emotionalit\u00e4t!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00e4tte nicht gedacht, dass mir mal sowas zust\u00f6\u00dft! 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