{"id":2542,"date":"2018-01-04T12:43:03","date_gmt":"2018-01-04T11:43:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=2542"},"modified":"2018-01-04T13:45:27","modified_gmt":"2018-01-04T12:45:27","slug":"blogsterben-4-aktuelle-beispiele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2018\/01\/04\/blogsterben-4-aktuelle-beispiele\/","title":{"rendered":"Blogsterben: 4 aktuelle Beispiele"},"content":{"rendered":"<p>Es tut mir in der Seele wie, zu sehen, wie Blogs so langsam wegsterben. Mal zur G\u00e4nze, ganz pl\u00f6tzlich, oder langsam, gelegentlich st\u00fcckweise, indem sie sich in reine Verlautbarungsmedien verwandeln. Da ich umfangreiche Blogrolls f\u00fchre, bekomme ich es vermutlich leichter mit als andere, die erst Monate sp\u00e4ter merken: da war doch was? Wo ist das hin?<\/p>\n<p>Aber genug der Vorrede, hier die vier Beispiele: <!--more--><\/p>\n<h2>1. Der Fingerphilosoph<\/h2>\n<p>Hier schrieb Marian, der sehr interessante Thesen \u00fcber das Wesen der Menschheit aufstellte. Auch zu vielen politischen Themen unserer Zeit bezog er Stellung, nahm kein Blatt vor den Mund, und reizte gerade deshalb zum Widerspruch. Dabei war er nie zu faul oder zu vergr\u00e4tzt, auf Widerspruch ausf\u00fchrlich einzugehen &#8211; die Kommentargespr\u00e4che waren toll, denn es wurde ausf\u00fchrlich Tacheles geredet. Besonders angenehm: man konnte streiten und gegenteiliger Meinung sein, ohne dass jemals der Rahmen intellektueller Redlichkeit verlassen wurde. Oder gar gep\u00f6belt! Ein gro\u00dfer Verlust, dass es das Blog nicht mehr gibt. Die neuen AGB der Plattform wollte der Fingerphilosoph nicht mittragen, also hat er sich gar nicht mehr eingeloggt. (Ein bisschen Hoffnung auf eine &#8222;Neuerfindung&#8220; scheint es zu geben!).<\/p>\n<h2>2. JAWL &#8211; das Blog von Christian Fischer<\/h2>\n<p>Ganz besonders schlimm finde ich es, wenn ein Blog, das zum &#8222;Urgestein&#8220; der Bloglandschaft geh\u00f6rte, auf einmal aufh\u00f6rt. Christian, ein Webworker aus Menden, hat das  JAWL (<strong>j<\/strong>ust <strong>a<\/strong>nother <strong>w<\/strong>eb<strong>l<\/strong>og&#8220;) am  6.4.2001 gestartet. Es war ein umfangreiches Mischthemenblog, in dem Christian aus seinem vielf\u00e4ltigen Alltag als Webworker und Fotograf schrieb, aber auch \u00fcber &#8222;Musik, Kino, das Internet und den allt\u00e4glichen kleinen Wahnsinn&#8220;. Klar, es war nie ein kommerzielles Erfolgsrezept, ein &#8222;Mischthemenblog&#8220; zu f\u00fchren (wie auch dieses hier), aber deshalb bloggt man als bloggendes Urgestein ja auch nicht. 17 Jahre JAWL-Blog &#8211; warum gibt man so etwas auf? <a href=\"https:\/\/www.jawl.net\/\">Christian schreibt<\/a> ein wenig kryptisch: <\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Als ich vor fast 17 Jahren hier ein kleines Weblog er\u00f6ffnete, war das Internet f\u00fcr Menschen wie mich ein safe space&#8230;.. Als ich vor fast 17 Jahren hier ein kleines Weblog er\u00f6ffnete, da hatte ich nicht den Hauch einer Ahnung, dass irgendwann einmal nicht mehr das Web, sondern das real life der safe space sein w\u00fcrde. Ihr, ich m\u00f6chte Euch lieber im safe space treffen und nicht hier, wo all die Menschen sind.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Hach, traurig!<\/p>\n<h2>3. E13 &#8211; nicht wirklich tot, aber&#8230;<\/h2>\n<p>Ist ein Blog ohne Kommentierm\u00f6glichkeit noch ein Blog? F\u00fcr mich machen die Kommentare den Blogcharakter aus, die M\u00f6glichkeit, seinen Senf dazu zu geben, und zwar direkt unter dem Artikel. Auf Kiki Thaerigens Blogpost mit dem vielversprechenden Titel &#8222;<a href=\"https:\/\/e13.de\/blog\/der-ganze-rest\/die-rueckeroberung-des-bloggens\/\">Die R\u00fcckeroberung des Bloggens<\/a>&#8220; bin ich \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.rivva.de\">Rivva<\/a> aufmerksam geworden. Nach dem Lesen erscheint mir der Text jedoch eher als ein Abgesang aufs Bloggen, denn Kiki verk\u00fcndet <em>ganz beil\u00e4ufig<\/em> das Ende der Kommentare:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Nach dem Relaunch werde ich die Kommentare gr\u00f6nern bzw. die Funktionalit\u00e4t komplett abschalten.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Warum? Weil heute haupts\u00e4chlich auf Facebook et al diskutiert wird, eine Entwicklung, die Kiki allerdings selber nicht sch\u00e4tzt. Ihre ausgiebige Kritik am Facebook-Algorithmus, der den Usern jegliche Selbstbestimmung \u00fcber das zu Lesende nimmt, beendet sie mit den Worten: <\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Diese Algorithmen sind also so schlecht, dass ein Besuch bei Facebook oder Instagram inzwischen eher dem Weg zum Zahnarzt gleicht: Muss ja, aber halt nur widerwillig.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>In den Kommentaren, die sich durchweg F\u00dcR die Beibehaltung der Kommentarfunktion aussprechen, findet sich noch <a href=\"https:\/\/e13.de\/blog\/der-ganze-rest\/die-rueckeroberung-des-bloggens\/#comment-4552\">eine ausf\u00fchrlichere Begr\u00fcndung<\/a>, in der sie beklagt, dass die Kommentarkultur &#8222;den Bach runter&#8220; gehe. Ok, aber ist es da die richtige Gegenstrategie, jegliche selbstbestimmte Diskussionsm\u00f6glichkeit abzuschaffen und den ungeliebten Giganten zu \u00fcberlassen? Jede wie sie mag, klar, aber schade finde ich das doch!  Nun ist Kikki allerdings Zeichnerin und Illustratorin &#8211; mag sein, dass sich auf so einem Blog die Kommentarfrage anders stellt. <\/p>\n<h2>4. Peters Blog<\/h2>\n<p>Auch Peters Blog ist nicht wirklich tot. Es war lange schon in meiner Blogroll, ich hab&#8216; gerne ab und an hingeschaut und mitgelesen: Berichte aus dem Alltag, dazu Bilder und Rezepte von den Gerichten, die Peter alleine oder in Kochgruppen kocht. Man bekam sofort einen Eindruck von den Inhalten des Blogs, sah verschiedenste \u00dcberschriften und Anreissertexte, h\u00fcbsch bebildert, die Fotos nicht so unangenehm formatf\u00fcllend, wie das heute viele machen. <\/p>\n<p>Neulich dann traf mich aber fast der Schlag, als ich auf Peters Blog surfte, denn mir bot sich nurmehr dieser Anblick:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/petersblog.jpg\" alt=\"Peters Blog\" width=\"600\" height=\"314\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2543\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/petersblog.jpg 600w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/petersblog-300x157.jpg 300w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/petersblog-500x262.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>Seht Ihr da noch irgend einen Anreiz, sich in dieses Blog zu vertiefen? Wie schade, dass nun auch Peters Blog vom <strong>Mobil-First-Virus<\/strong> befallen ist und somit f\u00fcr alle, die per PC, Notebook oder Tablet unterwegs sind (=immerhin alle, die online ARBEITEN, also nicht ganz wenige!) nur noch eine optische W\u00fcste bieten. Ohne individualisierte Atmosph\u00e4re mit Wiedererkennungswert, ohne irgendwelche Inhalte, die zum weiter Lesen verlocken.<\/p>\n<p>Weil ich Peters Blog kenne (bzw. kannte) scrollte ich noch ein wenig runter, da folgt der n\u00e4chste Hammer: <a href=\"https:\/\/p-adler.de\/in-eigener-sache-kommentare-nun-abgestellt\/\">&#8222;In eigener Sache: Kommentare nun abgestellt&#8220;<\/a>.  Warum? Zuwenig Kommentare, sind ja alle auf FB und Twitter, zuviel SPAM &#8211; und ein Plugin konnte er so auch einsparen, na wunderbar! Beil\u00e4ufig hei\u00dft es dann noch: <\/p>\n<blockquote><p>Damit verbunden, habe ich auch meine Sidebar \u201egekillt\u201c.<\/p><\/blockquote>\n<p>Na Gl\u00fcckwunsch! Mir fehlen echt die Worte angesichts dieser Metamorphose eines sehr pers\u00f6nlichen Blogs mit individueller Ausstrahlung zu einem nichtssagenden Smartphone-Design, das alle ignoriert, die mit vern\u00fcnftigen Bildschirmen unterwegs sind. Ja, das ist Trend &#8211; und trotzdem \u00e4tzend! Denn es geht auch anders, indem man ein &#8222;responsives&#8220; Design w\u00e4hlt, das sich der jeweiligen Bildschirmgr\u00f6\u00dfe anpasst (wie dieses hier) &#8211; mit MEHR angezeigten Inhalten f\u00fcr gro\u00dfe Screens und abgespeckter Optik f\u00fcr die Minis. Aber hey, das wei\u00df Peter und das wissen auch all die anderen, die ihre Blogs freiwillig so gestalten, als g\u00e4be es auf der Welt nurmehr Minibildschirme. <\/p>\n<p>Warum sie das tun? Keine Ahnung! <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es tut mir in der Seele wie, zu sehen, wie Blogs so langsam wegsterben. 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