{"id":251,"date":"2009-01-27T12:21:36","date_gmt":"2009-01-27T10:21:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=251"},"modified":"2009-01-29T17:16:01","modified_gmt":"2009-01-29T15:16:01","slug":"finanzkrise-krise-eines-lebensstils","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2009\/01\/27\/finanzkrise-krise-eines-lebensstils\/","title":{"rendered":"Finanzkrise: Krise eines Lebensstils"},"content":{"rendered":"<p><em>&#8222;Normalerweise w\u00e4r hier eine Riesenhektik, der Laden w\u00fcrde brummen!&#8220;<\/em>, sagte der Chef einer Spedition, die sonst in einem Containerhafen ankommende G\u00fcter weiter transportiert. Das tut sie jetzt immer noch, allerdings wegen der verminderten Warenstr\u00f6me bei weitem nicht mehr so viel. Entsprechend gem\u00fctlich geht es im B\u00fcro zu und ich denke mir: eigentlich ist das Arbeiten ohne diese extreme Hetze doch viel angenehmer &#8211; oder nicht?<!--more--><\/p>\n<p>SPIEGEL TV zeigte gestern Abend die Auswirkungen der Wirtschaftskrise anhand konkreter Beispiele einzelner Branchen. Darunter der Forstangestellte, der n\u00e4chste Woche seinen Arbeitsplatz verliert, weil das Holz, dass er ansonsten aus den W\u00e4ldern holt, nicht mehr gekauft wird. Bisher lieferte man vor allem in die USA. Nun sei dieser Rohstoff nichts mehr wert, hie\u00df es. Kurz zuvor hatte ich allerdings eine andere Sendung gesehen, in der eine Gemeinde gezeigt wurde, die voll auf erneuerbare Energien setzt: in \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden heizen sie mit Hackschnitzeln aus den W\u00e4ldern der Umgebung. Hier ist Holz schon noch etwas wert, auch mitten in der Krise.<\/p>\n<p>Altpapier und sortierter Plastikm\u00fcll l\u00e4sst sich nicht mehr absetzen, denn China kauft nichts mehr.  Die Neuwagen stehen auf Halde und ob die &#8222;Abwrackpr\u00e4mie&#8220; viele dazu bewegt, die gro\u00dfen, teuren Fahrzeuge der deutschen Autoindustrie zu erwerben, ist fraglich. Menschen mit genug Geld kaufen verst\u00e4rkt Schmuck und Edelsteine &#8211; so als &#8222;give away&#8220; im Fall des Falles, sagen sie. Und dass der Wert einer guten mechanischen Uhr nicht etwa verf\u00e4llt, im Gegenteil. Zudem k\u00f6nne man sich an solchen Dingen mehr freuen als an einem Kontoauszug &#8211; recht haben sie. <\/p>\n<h2>Die Erde atmet auf<\/h2>\n<p>Der Strom der Waren und Abf\u00e4lle hat all\u00fcberall abgenommen. Jedes Beispiel, das vorgef\u00fchrt wird, zeigt einerseits das Problem derjenigen, die damit Geld verdienten &#8211; andrerseits f\u00e4llt immer wieder auf, dass es sich oft um Dinge handelt, auf die ganz offensichtlich gut verzichtet werden kann. Ein Neuwagenkauf ist nicht wirklich wichtig, solange das alte Auto noch f\u00e4hrt. Man braucht nicht fortw\u00e4hrend neue M\u00f6bel und neuen Schnickschnack aller Art. Besonders beeindruckte mich die Rede des Forst-Angestellten, der seine Arbeit verliert und nun mit zwei Dritteln seines bisherigen Einkommens auskommen muss. <em>&#8222;Ich will meinem Sohn doch etwas bieten, damit er sp\u00e4ter mal alles machen kann&#8220;,<\/em> sagte er und die Kamera schwenkte auf das etwa dreij\u00e4hrige Kind, das nun auf zus\u00e4tzliche F\u00f6rderkurse verzichten muss. Dass sein Vater jetzt Zeit hat, Zeit, die er mit seinem Sohn verbringen k\u00f6nnte, wurde nicht erw\u00e4hnt &#8211; offensichtlich ist das kein &#8222;Wert&#8220;, auf den es ankommt. <\/p>\n<p>Weniger Warenproduktion, weniger Transporte, weniger Rohstoffverbrauch, weniger CO\u00b2 &#8211; die Erde atmet auf. Die ganze Absurdit\u00e4t unseres Lebensstils im \u00dcberfluss wird deutlich: aus Angst vor einer schwierigen Zukunft besinnt man sich aufs Wesentliche und spart Unn\u00f6tiges ein &#8211; tut also das, was aus Gr\u00fcnden des Umweltschutzes die EIGENTLICH lange schon sinnvolle Verhaltensweise gewesen w\u00e4re. LEIDEN ist mit dem Verzichten, wie es im Moment statt findet, hierzulande noch gar nicht so h\u00e4ufig verbunden &#8211; und doch erleben wir die Auswirkungen des gebremsten Umsatzes als Katastrophe. Gut geht&#8217;s uns offenbar nur, wenn alle vor \u00dcberlastung am Rande des Nervenzusammenbruchs arbeiten &#8211; da verdient dann auch der Gesundheits- und Wellnessbetrieb mit, der die Wirkungen des Raubbaus an der eigenen Arbeitskraft auszugleichen sucht. <\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist das keine reine &#8222;Finanzkrise&#8220;, die zwangsl\u00e4ufig die Wirtschaftskrise nach sich zieht. Es ist eine Krise unseres ganzen Lebensstils, der darauf aufbaut, s\u00e4mtliche Ressourcen &#8222;f\u00fcr nichts&#8220; schnellstm\u00f6glich auf den Kopf zu hauen: f\u00fcr \u00f6fter mal was Neues, f\u00fcr Moden, Statussymbole und jede Menge Unterhaltung. Eben Dinge, auf die man leicht verzichtet, wenn auch nur ein klein wenig Angst aufkommt, dass morgen das Geld f\u00fcrs wirklich N\u00f6tige nicht mehr reichen k\u00f6nnte. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Normalerweise w\u00e4r hier eine Riesenhektik, der Laden w\u00fcrde brummen!&#8220;, sagte der Chef einer Spedition, die sonst in einem Containerhafen ankommende G\u00fcter weiter transportiert. Das tut sie jetzt immer noch, allerdings wegen der verminderten Warenstr\u00f6me bei weitem nicht mehr so viel. 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