{"id":2488,"date":"2017-08-30T19:12:42","date_gmt":"2017-08-30T17:12:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=2488"},"modified":"2017-08-30T20:18:35","modified_gmt":"2017-08-30T18:18:35","slug":"familiennachzug-organisieren-und-integrieren-statt-dramatisieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2017\/08\/30\/familiennachzug-organisieren-und-integrieren-statt-dramatisieren\/","title":{"rendered":"Familiennachzug: Organisieren und integrieren statt dramatisieren!"},"content":{"rendered":"<p>Zugegeben, ich war auch erst erschrocken angesichts der Schlagzeilen, z.B. <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/politik\/deutschland\/antragsflut-fuer-familien-visa-fluechtlinge-ab-2018-koennen-390-000-syrer-ihre-familien-nach-deutschland-holen_id_7525769.html\">bei Focus<\/a>: &#8222;Ab 2018 k\u00f6nnen 390.000 Syrer ihre Familien nach Deutschland holen&#8220; &#8211; und unter dem Artikel gleich Kommentare, die den Untergang des Landes an die Wand malen und davon ausgehen, dass gleich jeder Syrer 4 bis 6 Angeh\u00f6rige nachholt, bzw. &#8222;seine ganze Sippe&#8220;, wie ein rechtes Hetzblatt schreibt. Als w\u00fcrden die alle auf einmal im Fr\u00fchjahr 2018 auf der Matte stehen! <!--more--><\/p>\n<h2>Sch\u00e4tzungen und &#8222;Potenziale&#8220;&#8230;<\/h2>\n<p>Die Daten stammen <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/migrationspolitik\/merkel-beim-fluechtlingsgipfel-in-paris-53023774.bild.html\">von BILD<\/a>, die aus einem nicht n\u00e4her bezeichneten &#8222;internen Papier&#8220; der Bundesregierung berichtet. Das w\u00fcrde ich doch gerne einmal selbst lesen und bewerten! Es kursieren in Beh\u00f6rden viele Texte, bevor offizielle Zahlen zu irgend etwas genannt werden. Aber sei&#8217;s drum, selbst aus dem BILD-Artikel geht hervor, dass man keinesfalls wei\u00df, wie viele Familienangeh\u00f6rige tats\u00e4chlich kommen werden. Es handelt sich um Sch\u00e4tzungen und blo\u00dfe &#8222;Potenziale&#8220;!<\/p>\n<p>Der Direktor des Bayerischen Gemeindetags, Franz Dirnberger, relativiert die Zahlen: Man d\u00fcrfe nicht den Fehler machen, die 390\u2005000 mit vier oder f\u00fcnf potenziellen Familienangeh\u00f6rigen zu multiplizieren. Viele Antragsberechtigte seien schon mit ihren Frauen und Kindern gekommen, andere seien Minderj\u00e4hrige, die noch keine Familien haben. Sch\u00e4tzungen gehen von 1,3 nachkommenden Angeh\u00f6rigen pro Antragsberechtigtem aus (<a href=\"https:\/\/www.merkur.de\/politik\/immer-mehr-fluechtlinge-in-deutschland-holen-ihre-familien-aus-heimatland-nach-8639641.html\">Merkur<\/a>).<\/p>\n<p>Selbst wenn es noch ein paar mehr werden, wie Dirnberger vermutet: Sie kommen nicht alle auf einmal, denn die Wartezeiten bis zur Genehmigung der Antr\u00e4ge sind lang. Es bleibt also Zeit, sich organisatorisch auf den Zuzug einzustellen, umso besser, da sich die Lage in den Aufnahmeeinrichtungen und Heimen ja bereits deutlich ENTSPANNT hat. Es gibt vielerorts sogar wieder Leerstand, wo 2015 noch Fl\u00fcchtlinge beherbergt wurden.<\/p>\n<h2>Lasst die Kinder zu uns kommen!<\/h2>\n<p>Wer nun mit den Kosten argumentiert, die zweifellos in der ersten Zeit anfallen, dem halte ich entgegen: Lesen und h\u00f6ren wir nicht t\u00e4glich, wie GUT es dem deutschen Staat geht? Noch nie sprudelten so viele Steuereinnahmen, die auch jetzt wieder die Erwartungen \u00fcbertreffen. DIE WELT titelt <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/article168011412\/Jetzt-aber-endlich-runter-mit-den-Steuern.html\">&#8222;Die Regierung schwimmt im Geld&#8220;<\/a>\u00a0 und allein im ersten Halbjahr erzielte der Fiskus <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2017-08\/statistisches-bundesamt-deutschland-rekordueberschuss-erstes-halbjahr-2017\">18,3 Milliarden \u00dcberschuss<\/a>.<\/p>\n<p>Selten war die Lage wirtschaftlich so g\u00fcnstig, also sollte niemand glauben, wegen noch einer halben Million Angeh\u00f6riger zu verarmen bzw. nichts mehr vom Kuchen abzubekommen.<\/p>\n<p>Vor allem: Familiennachzug ist f\u00fcr eine gelingende Integration unverzichtbar! Wer st\u00e4ndig daran denkt, was wohl zuhause mit der Familie passiert, kann sich hier kaum voll engagiert um Spracherwerb, Ausbildung und andere &#8222;Anpassungsleistungen&#8220; k\u00fcmmern. Und wer meint, das k\u00f6nne uns doch egal sein, k\u00f6nnte ja mal \u00fcberlegen: <strong>Es sind die Kinder der Fl\u00fcchtlinge, die leicht integrierbar sein werden<\/strong>. Sie haben die besten Chancen, zu &#8222;ganz normalen Deutschen&#8220; mit Migrationshintergrund heran zu wachsen, je fr\u00fcher sie kommen, umso besser!<\/p>\n<p>Auf die Kinder lassen sich die \u00fcblichen Vorbehalte nicht beziehen, ganz im Gegenteil kann man aus den Fehlern der Vergangenheit lernen, sie nicht diskriminieren und ihnen gute Ausbildungen erm\u00f6glichen. Sp\u00e4ter kann man dann froh sein, dass sie mitarbeiten, denn die Erwerbsbev\u00f6lkerung schrumpft bekanntlich und das <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/wirtschaftswachstum-bundesbank-warnt-wegen-ueberalterung-vor-schwaechung-a-1144567.html\">gef\u00e4hrdet mittelfristig unsere heilige Kuh, das Wirtschaftswachstum. <\/a><\/p>\n<h2>Warum so unkreativ?<\/h2>\n<p>Nun wird dar\u00fcber gestritten, ob man den 120.000 nur &#8222;subsidi\u00e4r&#8220; gesch\u00fctzten Personen den bereits um zwei Jahre ausgesetzten Famliennachzug noch l\u00e4nger oder ganz verweigern sollte. Asylberechtigte haben sowieso einen unabweisbaren Anspruch (auf Nachzug des Ehepartners und unverheirateter minderj\u00e4hriger Kinder, nicht etwa der &#8222;ganzen Sippe&#8220;), denn der Schutz von Ehe und Familie steht im Grundgesetz.<\/p>\n<p>Wenn immer wieder das Wohnraumproblem als Grund genannt wird, warum man nicht &#8222;noch mehr aufnehmen&#8220; k\u00f6nne, stellt sich die Frage, warum eigentlich alle auf die gleiche Weise dasselbe System durchlaufen m\u00fcssen (Erstaufnahme -&gt; Fl\u00fcchtlingsunterkunft -&gt; Wohnung, falls sich jemals was findet). Man h\u00e4tte doch auch mal Experimente machen k\u00f6nnen, z.B. in Gegenden, die unter der Landflucht leiden. <strong>Eine neue Stadt gr\u00fcnden<\/strong> f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge, Migranten und Menschen, die gerne etwas Neues wagen und auf vielerlei Weise an so einem Vorhaben mitwirken wollen. Nat\u00fcrlich nicht als Form des &#8222;Abschiebens ins Nirgendwo&#8220;, sondern als Leuchtturmprojekt, um das sich Bund, Land und Gemeinde k\u00fcmmern. Neue Infrastruktur, Biolandwirtschaft, Kleinunternehmen, Tourismus, eine &#8222;Volks-Uni f\u00fcr den internationalen Frieden&#8220; &#8211; ja, ja, das w\u00e4re nat\u00fcrlich nicht unproblematisch, klingt nach naiver Tr\u00e4umerei &#8211; aber mich wundert schon, dass so gar nichts Neues versucht wird, wenn es um den Umgang mit Migration geht.<\/p>\n<p><strong>Und jetzt noch was:<\/strong><\/p>\n<p>Solange es ist, wie es nun mal ist, muss man halt klein klein voran kommen und helfen, wo es geht. Das von mir 2013 mitgegr\u00fcndete Projekt &#8222;Formulare verstehbar machen&#8220; hilft Fl\u00fcchtlingen und Migranten, besser mit dem deutschen Amtsdschungel zurecht zu kommen. Damit es \u00fcber den Jahreswechsel hinaus weiter l\u00e4uft, brauchen wir dringend Spenden &#8211; lies doch mal die letzte News, <a href=\"https:\/\/www.betterplace.org\/de\/projects\/16145-formulare-verstehbar-machen-ein-ubersetzungsprojekt\/news\/162708\">den aktuellen Spendenaufruf mit Infos zur Lage. <\/a> Seit ich den verfasst habe, ist ein wichtiger Dauerspender abgesprungen, dessen Haus von einem Orkan massiv betroffen wurde. Ein schlimmes Drama f\u00fcr ihn &#8211; und richtig Pech f\u00fcr unser Projekt!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zugegeben, ich war auch erst erschrocken angesichts der Schlagzeilen, z.B. bei Focus: &#8222;Ab 2018 k\u00f6nnen 390.000 Syrer ihre Familien nach Deutschland holen&#8220; &#8211; und unter dem Artikel gleich Kommentare, die den Untergang des Landes an die Wand malen und davon ausgehen, dass gleich jeder Syrer 4 bis 6 Angeh\u00f6rige nachholt, bzw. &#8222;seine ganze Sippe&#8220;, wie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8],"tags":[],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2488"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2488"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2488\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2488"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2488"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2488"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}