{"id":243,"date":"2008-12-29T13:48:18","date_gmt":"2008-12-29T11:48:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=243"},"modified":"2016-02-09T13:32:55","modified_gmt":"2016-02-09T12:32:55","slug":"vom-altern-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2008\/12\/29\/vom-altern-2\/","title":{"rendered":"Vom Altern"},"content":{"rendered":"<p>Alt werden verbinden die meisten Menschen mit dem k\u00f6rperlichen Verfall: allerlei Zipperlein stellen sich ein, die Figur ver\u00e4ndert sich (noch weiter) weg vom jugendlichen Ideal, das Gesicht wird faltiger und die Kr\u00e4fte lassen nach. Ein paar chronische Krankheiten kommen hinzu und am Ende vegetiert man als Pflegefall im Heim &#8211; wenn man nicht grade Helmut Schmidt hei\u00dft und als Hoffnungstr\u00e4ger der rauchenden Klasse fr\u00f6hlich die n\u00e4chste Zigarette in die Kamera h\u00e4lt. <!--more--><\/p>\n<p>Da es der Zeitgeist erfordert, &#8222;for ever young&#8220; zu bleiben, ist niemals die Rede davon, dass sogar der so sehr gef\u00fcrchtete physische Abbau seine zwei Seiten hat: wo die Wachstumskr\u00e4fte nicht mehr nach au\u00dfen dr\u00e4ngen, wo jede kleine Wunde l\u00e4nger zum heilen braucht und blaue Flecken langsamer schwinden, da wird auch deutlich mehr gesp\u00fcrt. Unsere Umwelt \u00fcbersch\u00fcttet uns fortw\u00e4hrend mit weit mehr &#8222;Daten&#8220;, als wir bewusst wahrnehmen, doch weitet sich das Feld des Wahrnehmbaren deutlich aus, wenn man anf\u00e4ngt, ein bisschen zu &#8222;schw\u00e4cheln&#8220;. Dass jemand laute Musik nicht mehr toll findet, hei\u00dft auch, dass er f\u00fcr leise T\u00f6ne empf\u00e4nglicher geworden ist &#8211; komisch eigentlich, dass solche Benefits sp\u00e4terer Jahre nicht gesch\u00e4tzt werden. <\/p>\n<p>Die geweitete Wahrnehmung ist allerdings nur nutzbar, wenn man sie nicht selber mutwillig verengt, also nur immer panisch auf irgendwelche negativen Sensationen schaut: hier eine Verspannung, da eine neue Falte, dort eine bisher ungekannte St\u00f6rung &#8211; oh Himmel, es geht bergab mit mir! Menschen um die 40 realisieren mit Grauen, dass auch das EIGENE Leben endlich ist, beobachten besorgt die ersten Anzeichen am eigenen Leib und arbeiten verst\u00e4rkt dagegen an. Lieber gar nicht dran denken, dass der Kampf letztlich doch verloren geht, egal, wie viel Energie man in Fitness und den Erhalt \u00e4u\u00dferer Attraktivit\u00e4t investiert. Jung bleiben, dran bleiben, blo\u00df nicht den Kontakt zum &#8222;Angesagten&#8220; verlieren, wird gesellschaftlich als oberster Wert der &#8222;neuen, jungen Alten&#8220; kolportiert &#8211; die nat\u00fcrlich auch nicht mehr &#8222;alt&#8220; sind, sondern &#8222;Senioren&#8220; oder &#8222;BestAger&#8220; hei\u00dfen. <\/p>\n<p>Genau dieses gegen das Altern Anstrampeln ist es aber, das die Sicht auf die Fr\u00fcchte verstellt, die man im Alter ernten k\u00f6nnte. N\u00e4mlich die Freiheit, nicht mehr \u00fcberall &#8222;dabei sein&#8220; zu m\u00fcssen, die wachsende Unabh\u00e4ngigkeit vom Urteil anderer, das sich abzeichnende Austreten aus dem &#8222;Stress des Werdens&#8220; &#8211; und vor allem die Gelassenheit, von sich absehen und den Blick auf Andere richten zu k\u00f6nnen: nicht mehr als Objekte des Begehrens, deren Begehren man begehrt, sondern als Suchende, die noch angestrengt nach Dingen streben, die man selber gar nicht mehr braucht.<\/p>\n<p>So w\u00fcnsche ich mir f\u00fcrs neue Jahr, immer mehr von mir absehen zu k\u00f6nnen. Und wenn ich den Jungen etwas raten sollte, was sie &#8222;zur Altersvorsorge&#8220; jenseits des Materiellen tun k\u00f6nnen, w\u00e4re es immer derselbe Rat: Tut, wonach Euer Herz sich sehnt und verschiebt es nicht auf &#8222;irgendwann sp\u00e4ter&#8220;! Dann habt Ihr &#8222;sp\u00e4ter&#8220; den Kopf frei und m\u00fcsst nicht f\u00fcrchten, Euer EIGENES Leben vers\u00e4umt zu haben.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alt werden verbinden die meisten Menschen mit dem k\u00f6rperlichen Verfall: allerlei Zipperlein stellen sich ein, die Figur ver\u00e4ndert sich (noch weiter) weg vom jugendlichen Ideal, das Gesicht wird faltiger und die Kr\u00e4fte lassen nach. 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