{"id":24,"date":"2006-06-12T11:10:44","date_gmt":"2006-06-12T09:10:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2006\/06\/12\/schreiben-und-verstummen-selbstmanagement\/"},"modified":"2006-09-25T20:45:48","modified_gmt":"2006-09-25T18:45:48","slug":"schreiben-und-verstummen-selbstmanagement","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2006\/06\/12\/schreiben-und-verstummen-selbstmanagement\/","title":{"rendered":"Schreiben und Verstummen:  Selbstmanagement"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Oh entschuldige, ich versacke zur Zeit wieder mal in den 10.000 Dingen&#8220;, schreibe ich an eine Freundin, deren Mail ich lange lange liegen lie\u00df. Seit dem letzten Diary-Artikel ist auch wieder unziemlich viel Zeit verstrichen, das &#8222;Lustgespinst-Blog&#8220; hat noch immer kein Design und wartet <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.lustgespinst.de\/index.php\">im Verborgenen<\/a> auf Befassung. Das <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.modersohn-magazin.de\/\">&#8222;Modersohn-Magazin -ein Blog aus der Hauptstadt&#8220;<\/a>, besteht bisher aus Bildern und Ideen, die leider das Licht des Netzes noch nicht erblickt haben und wenn ich z.B. ans <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.webwriting-magazin.de\/\">Webwriting-Magazin<\/a> denke, das seit Jahren als Webleiche dahin d\u00fcmpelt, wird mir ganz schlecht! Das hat es bisher n\u00e4mlich nicht mal auf die ToDo-Liste geschafft und f\u00e4llt mir jetzt nur ein, weil ich mal wieder \u00fcber Webdesign schreiben will, f\u00fcr Diary-Leser eher ein \u00f6des Thema. Daf\u00fcr aber m\u00fcsste ich es erst &#8222;runderneuern&#8220;, und dazu komm&#8216; ich einfach nicht, wie ich auch zu vielem anderen nicht komme, was ich als &#8222;Vorhaben&#8220; vor mir her schiebe.<!--more--><\/p>\n<p>Ein Elend! Wo kein Kunde ruft, kein Termindruck besteht, kommt nur wenig zustande. Mal werkle ich an diesem, mal an jenem, dann packt mich der Gedanke, dass auch Freiberufler einen Feierabend haben sollten und ich viel zu viel vor dem Monitor sitze &#8211; von sinnvollem Selbstmanagement bin ich so weit entfernt wie der Pinguin vom Nordpol.<\/p>\n<h2>Gepflegtes Chaos<\/h2>\n<p>Immer schon bewundere ich Menschen, die kein Problem damit haben, ihre Zeit sinnvoll zu strukturieren. Da gibt es Ziele und Pl\u00e4ne, ein Wochen- und ein Tagwerk, sie wissen, wann sie fertig sind und bringen jede Menge zustande. Ich dagegen arbeite mit meiner niemals endenden To-Do-List: auf der steht immer alles oben, was ein Kunde oder Schreibkursteilnehmer braucht. Dann folgen die wichtigen organisatorisch-b\u00fcrokratischen Arbeiten, und unter &#8222;Sonstiges&#8220; stehen dann die Vorhaben: eigene Projekte, Artikel, die ich schreiben will, private Korrespondenz.  Versteht sich, dass ich zum &#8222;Sonstigen&#8220; selten komme, denn in den oberen Kategorien, die ich als wichtiger einstufe, weil da zeitnah Geld flie\u00dft und Verbindlichkeiten bestehen, kommt st\u00e4ndig Neues nach. Nicht genug allerdings, um mich auf den sprichw\u00f6rtlichen &#8222;gr\u00fcnen Zweig&#8220; zu bringen. Viel zu oft lebe ich vom Dispo-Kredit, an Urlaub, Kulturkonsum und dergleichen sch\u00f6ne Dinge ist nicht zu denken! Das ist direkte Folge dessen, dass ich zu allem, was &#8222;zukunftstr\u00e4chtig&#8220; ist, kaum komme: wer ernten will, muss auch s\u00e4en und kontinuierlich pflegen, nicht nur vielerlei Saatgut im Schrank haben, hier mal ein angefangenes Feld d\u00fcngen und dort ein Gew\u00e4chshaus beginnen &#8211; und dann wieder &#8222;Wichtigeres&#8220; tun.<\/p>\n<p>Ein alter Bekannter warf mir neulich vor, meine &#8222;Webstimme&#8220; sei weitgehend verstummt &#8211; und er hat recht! Selber schreiben ist so ungef\u00e4hr das Luxuri\u00f6seste, was ich mir im Rahmen meiner zersplitterten Aktivit\u00e4ten leiste und entsprechend selten traue ich mich, mir die Zeit daf\u00fcr zu nehmen. Zwar fallen mir st\u00e4ndig Themen ein, doch meist gibt es hohe H\u00fcrden, die mich abhalten: Passt nicht ins Diary, da muss ich erst das Lustgespinst fertig machen &#8211; aber leider ist das auf der ToDo-List recht weit hinten, erst muss ich dies und das und jenes fertig haben, dann vielleicht&#8230;. \u00e4tzend!<\/p>\n<p>Vor drei Jahren hat sich mal ein f\u00e4higer Freund meiner erbarmt und mich ein paar Tage &#8222;gecoacht&#8220;. Ihm verdanke ich, dass <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schreibimpulse.de\/\">Schreibimpulse.de<\/a> verwirklicht wurde, ohne ihn h\u00e4tte ich es nicht geschafft, diesem Eigenprojekt wirklich Platz in meiner t\u00e4glichen Arbeitszeit einzur\u00e4umen. Es war ja nur Idee, Plan, Zukunftsmusik &#8211; und alles andere, was bereits Geld brachte, war viel wichtiger. Nat\u00fcrlich wollte er mir auch beibringen, meine Arbeit grunds\u00e4tzlich sinnvoller zu strukturieren: ich erinnere mich noch, wie schwer es mir fiel, meine Aktivit\u00e4ten auf eine Woche im voraus zu planen und ihnen Arbeitszeit zuzuordnen. Mit h\u00e4ngen und w\u00fcrgen schaffte ich es &#8211; aber eben nur EINE Woche lang!  Ok, an Schreibimpulse arbeitete ich jetzt mit hoher Priorit\u00e4t  &#8211; aber st\u00e4ndig nach Uhrzeit arbeiten, jetzt zwei Stunden dies und dann zwei Stunden das, das schaffte ich nicht. Es erschien mir abwegig, etwas zu unterbrechen, was gerade &#8222;im Fluss&#8220; war und so landete ich schnell wieder bei der ToDo-Liste, die mir niemals das Gef\u00fchl gibt, FERTIG zu sein.<\/p>\n<p>Was auch gern hinten runter f\u00e4llt dank meiner chaotischen Art, durch den Arbeitstag zu wuseln, ist die pers\u00f6nliche Weiterbildung und die Pflege der verschiedenen Netzwerke, in denen ich meist nur Karteileiche bin. Auch das Ordnen all der 10.000 Dinge, mit denen ich sporadisch befasst bin, findet kaum statt &#8211; die Gr\u00f6\u00dfe der Festplatten w\u00e4chst ja im Lauf der Zeit quasi automatisch ins Gigantische, so dass hier zumindest kein Leidensdruck entsteht. Noch finde ich im &#8222;historisch Gewachsenen&#8220; immer das, was ich suche &#8211; wenn nicht, wird es eben neu aus dem Netz besorgt. Wenn ich aber an die Welt diesseits des Monitors denke &#8211; meine Wohnung zum Beispiel, die auch mal einer Renovierung und gewisser Investitionen bed\u00fcrfte &#8211; komm&#8216; ich mir vor wie ein Astronaut in der Raumstation: immer im Dienst, die heimische Erde ist weit entfernt &#8211; wenn ich mal wieder lande, k\u00fcmmer ich mich drum!<\/p>\n<h2>Die neue Idee:  Inhalt zuerst<\/h2>\n<p>Mit dem Errichten diverser WordPress-Blogs hier im Diary und bei Kunden bekam ich jetzt immerhin den dringlich n\u00f6tigen &#8222;Weiterbildungsschub&#8220;, der mich erleben l\u00e4sst, wie einfach und schnell das Publizieren im Web heute sein kann. Ich denke nicht mehr dar\u00fcber nach, wie ein eigenes Projekt &#8222;aus dem Nichts&#8220; zu strukturieren und zu designen w\u00e4re, sondern werde \u00fcberall  Blogs installieren, deren Oberfl\u00e4chen ich unterschiedlich gestalte. Ein WordPress-Blog &#8222;aufzusetzen&#8220; dauert f\u00fcnf Minuten &#8211; dann kann ich bereits rein schreiben und meine st\u00e4ndigen Artikel-Ideen verwirklichen, anstatt mich von aufw\u00e4ndigen Projektplanungen verst\u00f6ren und ausbremsen zu lassen. Es gen\u00fcgt, die Eitelkeit beiseite zu lassen, dass bereits zu Beginn jeder Pixel stimmen muss, das kann ich &#8222;nach und nach&#8220; machen, wenn ich daf\u00fcr Zeit habe. Denn tats\u00e4chlich ist der INHALT das Wichtigste: ohne Output, ohne neue Texte interessiert auch das sch\u00f6nste Design, die durchdachteste Navigation, die h\u00fcbscheste Linkliste kein Schwein! Ich werde mein Webdesigner-Herz zur\u00fcck stellen und der Text-Produktion wieder Priorit\u00e4t einr\u00e4umen &#8211; schlie\u00dflich ist alles, was ich jemals mittels des Internets  an Geld verdiente, dadurch zustande gekommen, dass Leute auf meine Texte stie\u00dfen, da h\u00e4ngen blieben und irgendwann zu Kunden wurden, wenn sie mal eine Website brauchten oder Lust auf einen Schreibkurs hatten.<\/p>\n<h2>Morgens schreiben, t\u00e4glich schreiben<\/h2>\n<p>In den Kreativ-Schreiben-Kursen, die ich vor zehn Jahren besuchte, waren immer mal Leute, die der Empfehlung einer ber\u00fchmten Lehrerin folgten und t\u00e4glich vier &#8222;Morgenseiten&#8220; verfassten, um in den Schreibfluss zu kommen. Da ich noch nie ein Problem damit hatte, drauf los zu schreiben, wenn ich mir daf\u00fcr Zeit nehme, hab&#8216; ich das nie praktiziert. Zielloses Vor-sich-hin-schreiben f\u00fcr die Schublade ist mir zuwenig n\u00fctzlich.  Meinen Gedankenfluss, wie er formlos dahin pl\u00e4tschert, kann ich auch ohne das gut beobachten &#8211; ihm eine sinnvolle Form zu geben, von dem auch Andere etwas haben, macht mir viel mehr Freude. Das aber t\u00e4glich, immer morgens, zu tun, w\u00e4re ein gro\u00dfer Fortschritt! Meist tu ich bis 10 Uhr ja doch nichts wirklich &#8222;N\u00fctzliches&#8220;, sondern maile, surfe im Web, stimme mich auf die Arbeit ein &#8211; warum nicht die stillen Stunden zum Schreiben nutzen &#8211; und zwar so, dass dabei auch was heraus kommt??<\/p>\n<p>Dieser Gedanke fasziniert mich, denn ausgehend von dieser minimalen Strukturierung des Tages k\u00f6nnte sich alles andere zu einer neuen Ordnung f\u00fcgen. Nicht das Einzelprojekt (Digital Diary, Lustgespinst, Modersohn-Magazin, Schreibimpulse&#8230;) w\u00e4re das &#8222;Arbeitskonvolut&#8220;, an dessen Perfektion ich quer durch mein Netz-KnowHow bossele, als w\u00e4r&#8216; es ein eigenst\u00e4ndiges &#8222;Unternehmen&#8220;, sondern der t\u00e4gliche Text, der in einem der Projekte platziert wird &#8211; da, wo er passt, egal, wie FERTIG das Projekt ansonsten schon ist. Und wenn tats\u00e4chlich fortlaufend Texte entstehen, bin ich auch motiviert, das Design und den Rest des Webwerks zu bearbeiten, denn es sind ja bereits Leser da, die die Seiten benutzen.<\/p>\n<p>Wenn das klappt, w\u00e4re es die Emanzipation von der ToDo-List in Sachen &#8222;eigene Projekte&#8220; &#8211; drei bis vier Texte die Woche w\u00e4ren schon ausreichend, um &#8222;zu neuen Ufern&#8220; aufzubrechen! Den Mut zum Unfertigen, zum Work in Progress, werde ich hoffentlich aufbringen &#8211; immerhin sag ich auch meinen Kunden seit zehn Jahren: auf den INHALT kommt es an!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Oh entschuldige, ich versacke zur Zeit wieder mal in den 10.000 Dingen&#8220;, schreibe ich an eine Freundin, deren Mail ich lange lange liegen lie\u00df. Seit dem letzten Diary-Artikel ist auch wieder unziemlich viel Zeit verstrichen, das &#8222;Lustgespinst-Blog&#8220; hat noch immer kein Design und wartet im Verborgenen auf Befassung. 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