{"id":2392,"date":"2017-04-16T14:20:58","date_gmt":"2017-04-16T12:20:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=2392"},"modified":"2017-04-17T08:42:00","modified_gmt":"2017-04-17T06:42:00","slug":"ostern-braucht-es-die-auferstehung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2017\/04\/16\/ostern-braucht-es-die-auferstehung\/","title":{"rendered":"Ostern &#8211;  braucht es die Auferstehung?"},"content":{"rendered":"<p>Niemand schreibt \u00fcber Ostern. So jedenfalls mein Eindruck beim Blick auf die vielen Quellen und Agreggatoren, die ich zum Einstieg in den Tag kurz scanne. Niemand au\u00dfer Christian St\u00f6cker, der in einer SPIEGEL-Kolumne der <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/mensch\/ostern-die-wahrheit-ueber-den-osterhasen-kolumne-a-1143304.html\">&#8222;Wahrheit \u00fcber den Osterhasen&#8220;<\/a> nachsp\u00fcrt. Ergebnis: Nichts Genaues wei\u00df man nicht! Er schlie\u00df seine Betrachtungen mit einer eigenen These zum weltweiten Erfolg des Hasen, der die Ostereier bringt: <!--more--><\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Woher die Geschichte vom Osterhasen wirklich kommt, kann ich nicht abschlie\u00dfend kl\u00e4ren, siehe oben. Warum er aber so popul\u00e4r ist, rund um die Welt, bis nach Indonesien und auf die Philippinen, daf\u00fcr habe ich eine einfache Erkl\u00e4rung, auch ohne jede Empirie: Wenn sie als Elternteil vor der Wahl stehen, ihren Kindern Geschichten \u00fcber ein lustiges H\u00e4schen zu erz\u00e4hlen, das einmal im Jahr Eier und Schokolade zwischen den Blumen versteckt, oder aber \u00fcber einen jungen Mann, der mit expliziter Billigung seines eigenen Vaters zu Tode gefoltert wurde, um irgendein h\u00f6heres Prinzip zu illustrieren &#8211; dann f\u00e4llt die Entscheidung nicht allzu schwer.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Klingt plausibel, ja. Ist aber auch ein Schlag ins Gesicht gl\u00e4ubiger Christen, die Ostern als ihren h\u00f6chsten Feiertag ansehen: <strong>Es geht doch um die Auferstehung, nicht um den Kreuzestod<\/strong>, w\u00fcrden sie einwenden, sofern sie mit dem schnoddrigen Kolumnisten diskutieren wollten.<\/p>\n<p>Wer wissen will, wieviele eigentlich noch an diese wundersame Auferstehung glauben, wird von Google mit Suchvorschl\u00e4gen unterst\u00fctzt:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2394\" title=\"Google Suchvorschl\u00e4ge, letzter Satz: Wer an die Auferstehung glaubt, kann nicht verzweifeln\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/wer-glaubt-an-die-auferstehung.jpg\" alt=\"Google Suchvorschl\u00e4ge, letzter Satz: Wer an die Auferstehung glaubt, kann nicht verzweifeln\" width=\"450\" height=\"170\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/wer-glaubt-an-die-auferstehung.jpg 450w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/wer-glaubt-an-die-auferstehung-300x113.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/p>\n<p>Der letzte Vorschlag verweist auf den psychisch wirksamen Sinn des Glaubens als Trostsystem: Dass der Tod nicht das letzte Wort sein soll, dass wir &#8222;auferstehen&#8220;, weil Jesus uns das vorgemacht und versprochen hat &#8211; wer daran wirklich glauben kann, muss angesichts des sicheren Endes eines jeden Lebens nicht verzweifeln. Es kommt ja noch etwas nach, &#8222;bei guter F\u00fchrung&#8220; sogar ein Aufenthalt im Himmel!<\/p>\n<p>Aber halt: Nur &#8222;bei guter F\u00fchrung&#8220;? Rund um Ostern wird doch auch verk\u00fcndet, durch den Kreuzestod h\u00e4tte Jesus alle Schuld der Menschen auf sich genommen und ges\u00fchnt. Kommen also alle in den Himmel, S\u00fcnder oder nicht? Und wenn ja, gilt das nur f\u00fcr Christen? <em>&#8222;Niemand kommt zum Vater au\u00dfer durch mich!&#8220;<\/em> hat Jesus verk\u00fcndet. Ein Satz, der viele Jahrhunderte als Erm\u00e4chtigung galt, Menschen anderen Glaubens zu verurteilen und zu verfolgen. Ein Satz, der immerhin heutzutage <a href=\"http:\/\/www.kath.de\/predigt\/jk\/wohnung.htm\">neu interpretiert<\/a> wird, um der <a href=\"http:\/\/www.christ-in-der-gegenwart.de\/aktuell\/artikel_angebote_detail?k_beitrag=549524\">Verlegenheit<\/a>, die er in einer multireligi\u00f6sen Welt schafft, gerecht zu werden.<\/p>\n<h2>Ein gutes Drittel glaubt an die Auferstehung<\/h2>\n<p>Ich schweife ab! Meine Frage, wieviele heute an die Auferstehung glauben, hat BILD am Karfreitag <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/politik\/inland\/umfrage\/nur-noch-die-haelfte-der-christen-glaubt-an-die-auferstehung-jesu-51296836.bild.html\">beantwortet<\/a>. Nach einer aktuellen repr\u00e4sentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA glaubt jeder dritte Deutsche (35,3 Prozent), dass Jesus am Kreuz gestorben und von den Toten auferstanden ist. Drei von zehn (29,1 Prozent) lehnen diese Aussage ab, der Rest macht keine Angaben. Bei den Katholiken sind es 52,5 Prozent, bei den landeskirchlichen Evangelen 48%, bei den Freikirchen glauben es sechs von zehn Befragten.<\/p>\n<p>Soviel Unglaube in der Christenheit wundert mich: Streng genommen sind doch alle, die nicht an die Auferstehung glauben, keine Christen. Vorhin hab&#8216; ich mal ein paar Minuten einer Predigt zugeh\u00f6rt, kurz verweilend bei einer im TV \u00fcbertragenen Messe aus dem K\u00f6lner Dom:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Ohne die Auferstehung k\u00f6nnten wir doch einpacken! Der christliche Glaube w\u00e4re hohl und leer!&#8220;<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>verk\u00fcndete der Pfarrer. Was all jene, die nicht daran glauben, sich aber dennoch als Christen verstehen, wohl bei solchen Worten denken und f\u00fchlen? Alles, was sie sonst noch aus den Jesus-Geschichten sch\u00f6pfen, alle Ethik, alles Streben nach einem &#8222;s\u00fcndenarmen&#8220; Leben f\u00fcr die Katz?<\/p>\n<h2>Braucht es die Auferstehung, um nicht zu verzweifeln?<\/h2>\n<p>Eigentlich k\u00f6nnte man neidisch sein auf jene, die es schaffen, in einer wissenschaftlich dominierten Welt an die Auferstehung zu glauben! Wie aber geht es dem gro\u00dfen Rest, zum dem ich auch geh\u00f6re, die derlei beim besten Willen nicht glauben k\u00f6nnen? F\u00fcr die der Tod das Ende ist und nichts sonst?<\/p>\n<p>Einen Grund zu verzweifeln bedeutet das nur, wenn und solange man die eigene Existenz als obersten Wert ansieht: ICH, ICH, ICH will ewig leben, oder wenigstens immer wieder leben, wenn das schon nicht geht. ICH bin das Ma\u00df aller Dinge, ohne mich ist alles nichts!<\/p>\n<p>Was so f\u00fchlt und denkt ist der \u00dcberlebenstrieb, der allen lebenden Wesen eigen ist &#8211; reine Natur. Als Menschen unterliegen wir fraglos auch dieser Natur, m\u00fcssen uns also nicht sch\u00e4men, so zu f\u00fchlen. Und doch: wir sind auch in der Lage zu reflektieren, zu abstrahieren, von uns abzusehen. Das Leben l\u00e4sst sich auch als Entwicklung begreifen, in deren Lauf wir &#8222;sterben lernen&#8220;, allm\u00e4hlich in Distanz zu diesem macht- und lebensgeilen Ich gehen. Und je mehr das gelingt, desto liebenswerter werden wir, denn umso weniger reizt es uns, anderen auf die F\u00fc\u00dfe zu treten, warum auch immer. Umso mehr achten und lieben wir die Menschen und Dinge um ihrer selbst willen, nicht mehr nur als Zubringer und Diener unseres h\u00f6chstpers\u00f6nlichen Gl\u00fccks.<\/p>\n<p>Das geht ganz ohne Auferstehung.<\/p>\n<p>Und sonst? Es ist Fr\u00fchling! Die Zeit, in der man <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2015\/04\/05\/ostern-eier-hasen-fruehling\/\">beim Laufen \u00fcber eine Wiese<\/a> manchmal noch Hasen wegspringen sieht. Und auf dem Boden die Eier der Bodenbr\u00fcter findet, die fr\u00fcher bis zu diesem Zeitpunkt noch gesammelt werden durften. Schade, dass es <a href=\"https:\/\/www.sz-online.de\/nachrichten\/wissen\/ostersymbol-mit-wohnungsnot-als-feldhase-hat-man-es-schwer-3658729.html\">immer weniger Hasen<\/a> gibt, au\u00dfer denen aus Schokolade.<\/p>\n<p>Trotzdem: Frohe Ostern!<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Mehr zum Thema aus anderen Jahren:<\/p>\n<ul>\n<li>2016: <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2016\/03\/25\/karfreitag\/\">Karfreitag \u2013 von Twitter inspiriert<\/a><\/li>\n<li>2013: <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2013\/03\/29\/karfreitag-als-feiertag-noch-zeitgemas\/\">Karfreitag als Feiertag \u2013 noch zeitgem\u00e4\u00df?<\/a><\/li>\n<li>2012: <a href=\"http:\/\/Zu Ostern: Stirb und werde!\">Zu Ostern: Stirb und werde!<\/a><\/li>\n<li>2011: <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2011\/04\/23\/osterbotschaften-droht-etwa-der-verlust-des-leidens\/\">Droht etwa der Verlust des Leidens?<\/a><\/li>\n<li>2007: <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2007\/04\/07\/ostern\/\">Ostern?<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Andere:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/fingerphilosoph.net\/2017\/04\/10\/der-etwas-andere-text-zu-ostern\/\">Der etwas andere Text zu Ostern<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Niemand schreibt \u00fcber Ostern. 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