{"id":236,"date":"2008-12-19T11:45:37","date_gmt":"2008-12-19T09:45:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=236"},"modified":"2009-01-06T19:13:51","modified_gmt":"2009-01-06T17:13:51","slug":"zur-besinnung-kommen-in-der-epochenwende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2008\/12\/19\/zur-besinnung-kommen-in-der-epochenwende\/","title":{"rendered":"Zur Besinnung kommen in der Epochenwende"},"content":{"rendered":"<p>Alles, was anliegt, noch zum Ende bringen, zumindest soweit, dass ich es aus dem Kopf bekomme und in Ruhe ins n\u00e4chste Jahr vertagen kann. Freitag, Samstag-Vormittag, Montag, Dienstag: vor mir liegt eine endliche, \u00fcberschaubare Arbeitszeit, in der das zu schaffen sein m\u00fcsste.  Einen Jahreswechselkurs hab&#8216; ich dieses Jahr nicht angesetzt: so sch\u00f6n das besinnliche Schreiben mit einer Gruppe auch ist &#8211; in diesem Jahr brauch&#8216; ich sie f\u00fcr mich, diese Zeit der Besinnung.  <!--more--><\/p>\n<p>Wie ich mir Freizeit erschleiche, hab&#8216; ich in den letzten Wochen bemerkt: herum tr\u00f6deln und die Dinge verschieben, dann alles auf den letzten Dr\u00fccker erledigen. Die gewonnene Tr\u00f6del-Zeit ist allerdings nicht wirklich &#8222;frei&#8220;, sondern mit schlechtem Gewissen behaftet: Ich sollte jetzt aber&#8230;.<\/p>\n<p>Es wird immer dunkler, die kurzen Tage scheinen kaum das Aufstehen zu lohnen, doch ist es nicht so, dass ich gerne im Bett liegen bleiben w\u00fcrde. Ich mag einfach nicht mehr arbeiten, sondern in mich  hinein lauschen und schauen, was mich so bewegt, wenn die Aktivit\u00e4ten der Oberfl\u00e4che wegfallen. Zum Gl\u00fcck muss ich keine Weihnachtsfeste feiern, keine letzten Geschenke kaufen und nirgendwohin fahren: wenn alle Welt feiert, tritt endlich Ruhe ein, niemand will was von mir und ich kann schreiben, an meinen Webseiten &#8218;rumbauen, zur\u00fcck und voraus schauen &#8211; und ein bisschen Wellness werd&#8216; ich mir g\u00f6nnen, in einer sch\u00f6nen Saunalandschaft abh\u00e4ngen zum Beispiel. <\/p>\n<h2>Epochenwende<\/h2>\n<p><em>&#8222;Alles scheint wie immer, doch nichts ist wie sonst&#8220;<\/em>, schreibt Thomas Assheuer in der ZEIT. <em>&#8222;\u00dcberall in der Gesellschaft herrscht informierte Apathie und unheimliche Gelassenheit, und der Gl\u00fchweinverkauf auf den Weihnachtsm\u00e4rkten zeigt eine erfreuliche Tendenz: Es geht aufw\u00e4rts.&#8220;<\/em>  Der Autor sieht uns inmitten einer Epochenwende, nachdem die neoliberale Verhei\u00dfung vom segensreichen Wirken staatsfreier M\u00e4rkte an der Wallstreet untergegangen ist.  Und auch eine zweite Utopie der Moderne sieht er auf dem M\u00fcllhaufen der Geschichte: die Idee einer immer wohlwollenden Natur, die unsere Zivilisation geduldig umschlie\u00dft und tr\u00e4gt. Die beiden Entt\u00e4uschungserfahrungen zusammen erg\u00e4ben ein unheimliches, apokalyptisches Epochengef\u00fchl, doch ohne die Vorstellung eines &#8222;Endes mit Schrecken&#8220;, wie es noch in den 80gern gef\u00fcrchtet wurde. Die Zukunft gleiche <em>&#8222;einem schwarzen Loch, einem gedehnten Ungef\u00e4hr, in dem die Zeit konturlos zerflie\u00dft, getaktet allein vom Stakkato der Krisenticker. Das Grundpathos der Moderne, die Rede von der &#8222;besseren Zukunft&#8220;, wechselt die Vorzeichen: die bessere Zukunft ist diejenige, die uns erspart bleibt.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Zwei Haltungen seien angesichts der Lage m\u00f6glich, hei\u00dft es in diesem denkw\u00fcrdigen Artikel &#8222;Alltag in der Krise&#8220;. Zum einen die \u00e4sthetisierende Betrachtung des Schauspiels in all seiner Buntheit: Da ein Happy End sowieso nicht vorgesehen sei, k\u00f6nne man die H\u00e4nde in den Scho\u00df legen und hoffen, dass es zumindest nicht langweilig wird. Zum zweiten der unbequeme, schier aussichtslos erscheinende Weg, den Regierenden beizubringen, dass sie nicht den Klimaschutz vernachl\u00e4ssigen k\u00f6nnen, um auf den Wachstumspfad zur\u00fcck zu kriechen. Dass man morgen mehr verbrauchen muss als heute, damit es uns allen nicht schlechter geht als gestern sei der wahre Gordische Knoten, den es zu zerschlagen gelte. Denn nichts sei unheimlicher als dieses Paradox.<\/p>\n<p>Ob ich das noch erleben werde? Ich frage mich oft, wie es m\u00f6glich ist, dass genau DIESER Kernpunkt der Probleme so selten im Bewusstsein steht und kaum angesprochen wird, wenn es um all die Herausforderungen geht, die &#8222;die Krise&#8220; uns noch bescheren wird. <\/p>\n<p>Vorl\u00e4ufig genie\u00dfe ich selber noch meine &#8222;informierte Gelassenheit&#8220;, trinke Milchkaffee statt Gl\u00fchwein und freue mich \u00fcber die Spenden, die etliche Leserinnen und Leser f\u00fcr meine Aktion <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2008\/12\/02\/mach-mit-spende-einen-brunnen-fuer-kambodscha-2\/\">&#8222;Brunnen f\u00fcr Kambodscha&#8220;<\/a> tats\u00e4chlich locker machen!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles, was anliegt, noch zum Ende bringen, zumindest soweit, dass ich es aus dem Kopf bekomme und in Ruhe ins n\u00e4chste Jahr vertagen kann. 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