{"id":2288,"date":"2017-01-17T23:39:35","date_gmt":"2017-01-17T22:39:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=2288"},"modified":"2017-01-17T23:48:31","modified_gmt":"2017-01-17T22:48:31","slug":"gibt-es-das-wahre-selbst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2017\/01\/17\/gibt-es-das-wahre-selbst\/","title":{"rendered":"Gibt es das &#8222;wahre Selbst&#8220;?"},"content":{"rendered":"<p>Die Frage bewegt nicht wirklich die Welt, dort geht es eher um Trump, Terrorismus, Handel, Brexit und sowas. All das wird jedoch von Menschen ins Werk gesetzt, die auch ganz normale Individuen sind wie Du und ich: letztlich mit sich allein, weil wir alle notgedrungen f\u00fcr uns &#8222;selbst&#8220; der Mittelpunkt der Welt sind. Nicht aus Gr\u00f6\u00dfenwahn, sondern weil wir intelligent gewordene Tiere sind, die wie alles, was lebt, das eigene \u00dcberleben und &#8211; wenn das nicht mehr in Gefahr zu sein scheint &#8211; das &#8222;gute Leben&#8220; ganz oben auf der ToDo-Liste stehen haben. Wir alle, ohne Ausnahme.<!--more--><\/p>\n<p>Das <a href=\"http:\/\/angelikawende.blogspot.de\/\">Blog von Angelika Wende<\/a> handelt vom individuellen Dasein. Mit all den Tiefen und H\u00f6hen, dem Scheitern, der Angst, der Verletztheit, der Verzweiflung, und was die &#8222;Condition humaine&#8220; nun mal so alles mit sich bringt. Was ich an ihr so sch\u00e4tze, dass ich alles mitlese und in <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/meine-blog-bibliothek\/\">meine Blogroll<\/a> aufgenommen habe, ist, dass sie sich nicht zum Ich-wei\u00df-bescheid-Guru aufschwingt, der st\u00e4ndig &#8222;10 Tipps, die dich gl\u00fccklicher machen&#8220; raushaut, sondern sp\u00fcrbar entlang an ihren eigenen Leiderfahrungen schreibt. Suchend, tastend, durch Ber\u00fchrung der eigenen Abgr\u00fcnde wahrhaft weise.<\/p>\n<p>Ihr letzter Blogpost tr\u00e4gt den Titel &#8222;<a href=\"http:\/\/angelikawende.blogspot.de\/2017\/01\/wer-vor-sich-selbst-flieht-kann-sich.html\">Wer vor sich flieht, kann sich nicht ber\u00fchren<\/a>&#8222;. Ich hoffe mal, sie ist mir nicht b\u00f6se, wenn ich das als &#8222;Gro\u00dfzitat&#8220; hier wiedergebe:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Viele denken, dass das Drama des Narziss die Selbstverliebtheit ist.<br \/>\nDas ist aber nicht richtig. Das Drama des Narziss, damals und heute, ist die \u00dcberzeugung: In dem Moment, in dem ich mit mir selbst in Ber\u00fchrung komme, zerfalle ich und bin nichts. Wer das Gef\u00fchl hat, im Inneren nichts zu sein, der muss im Au\u00dfen alles sein.<br \/>\nIst es nicht immer schwieriger, der zu sein, der man ist?<br \/>\nIn einer Welt, die immer gr\u00f6\u00dferen Wert auf das Unwesentliche legt, die den Superlativ f\u00f6rdert und in der Authentizit\u00e4t zunehmend verloren geht, wird es f\u00fcr jeden Einzelnen zum Kampf bei sich selbst anzukommen. Nicht wenige ergreifen die Flucht vor sich selbst und verbringen ihr Leben im Au\u00dfen. Dieses Au\u00dfen wird immer schneller, will immer mehr, immer h\u00f6her, immer perfekter sein, es fordert laut ein \u201edu musst dich optimieren\u201cum mithalten zu k\u00f6nnen und nicht herauszufallen aus der Welt, sprich dem Bild von Welt, das man uns Tag f\u00fcr Tag in der multimedialen Welt als Wirklichkeit malt.&#8220; <\/p><\/blockquote>\n<p>Ich verstehe sehr wohl, was sie hier anprangert. Das unterschreibe ich, auch weil ich wei\u00df, wie leicht und lockend es immer wieder sein kann, sich &#8222;im au\u00dfen zu verlieren&#8220;. Und wie sehr unsere aktuelle Gesellschaft mit ihrem jeweils angesagten Lifestyle das uns allen vorgeben will: Vogel, friss oder finde dich bei den Loosern wieder&#8230; <\/p>\n<p>Dennoch hab ich mir f\u00fcrs Kommentieren einen weniger pr\u00e4gnanten Aspekt rausgesucht. Auch deshalb, weil ich ein paar vorherige Artikel gesichtet hatte, in denen auch dieser Bezug zum &#8222;eigentlichen Ich&#8220;, zum &#8222;wahren Selbst&#8220; etc. immer wieder durchscheint. Nat\u00fcrlich ist es &#8211; auch f\u00fcr mich &#8211; wichtig, &#8222;zu sich zu kommen&#8220;, aber ZU WEM KOMME ICH DA?<\/p>\n<p>Hier meine Einlassung dazu:<\/p>\n<blockquote><p>Gibt es denn \u00fcberhaupt JEMANDEN? Im Sinne von &#8222;der, der man ist&#8220;? <\/p>\n<p>Mein langj\u00e4hriger Yogalehrer hat gerne das Beispiel von der Zwiebel verwendet:  Yoga (inkl. andere spirituelle Wege) ist die Methode, die verschiedenen Schichten des falschen Selbsts zu entlarven. Wir sch\u00e4len sie ab wie die Schalen und Schichten einer Zwiebel. Darunter kommt immer eine neue Schicht, die es wieder abzusch\u00e4len gilt&#8230; und am Ende? Was bleibt? Nichts!<\/p>\n<p>Ich verstehe, dass diese Sicht der Dinge f\u00fcr viele recht negativ klingt, die bisher mit der Vorstellung eines &#8222;wahren Selbst&#8220; umgehen, zu dem man zur\u00fcck finden, &#8222;zu sich kommen&#8220; m\u00fcsste.<\/p>\n<p>M.E. ist das zwar eine sch\u00f6ne Vorstellung, doch meine Erfahrung entspricht eher dem Zwiebelbeispiel. Was man findet, ist nie das wahre letzte eigentliche Selbst, sondern einfach die n\u00e4chste, frischere Version, entlastet vom Ballast nicht mehr funktionierender Vorstellungen, Haltungen und Handlungsgewohnheiten. <\/p>\n<p>Man f\u00fchlt sich zwar wie &#8222;neu geboren&#8220;, aber f\u00fcnf, sieben oder 10 Jahre sp\u00e4ter ist auch dieses Ich 2.0 wieder zu einseitig, zu etabliert, zu eingeschliffen und unflexibel &#8211; eine weitere H\u00e4utung steht an, wobei es wenns gut l\u00e4uft nicht wieder ein totales Tief sein muss, das dazu zwingt. Wir lernen ja durchaus aus gemachten Erfahrungen und k\u00f6nnen nun besser sehen, wenn \u00c4nderungsbedarf und Loslassen angesagt ist. <\/p>\n<p>Ich finde die Vorstellung, dass da NICHTS, bzw. &#8222;im Grunde nichts Festes&#8220; ist,  sch\u00f6n und befreiend. Denn das bedeutet ja auch: ich kann &#8222;im Prinzip&#8220; ALLES sein. Das Nichts schl\u00e4gt nahtlos ins Potenzial von Allem um, was menschenm\u00f6glich ist. <\/p>\n<p>Diese Vorstellung hat auch den Vorteil, nichts Trennendes zwischen den Menschen anzunehmen: Dein wahres Selbst ist anders als meins&#8230; etc. usw.<\/p><\/blockquote>\n<p>Es geht mir nicht ums Herumrechten, was nun &#8222;die Wahrheit&#8220; sei. Es gibt auf diesen Ebenen der Selbsterfahrung keine allgemeing\u00fcltige Wahrheit. Sondern immer nur individuelle Vorstellungen, die wir dann in gr\u00f6\u00dferen Kollektiven teilen, die sich im schlechten Fall miteinander streiten bis hin zu Religionskriegen und Ketzerverbrennung. Wie \u00fcberfl\u00fcssig! Wir sollten lieber dar\u00fcber reden, welche Variante der Interpretation uns f\u00f6rderlicher erscheint, jeweils f\u00fcrs individuelle Gl\u00fcck, aber auch f\u00fcrs friedliche Zusammenleben. Nicht mit dem Ziel, die Anderen zu bekehren, sondern einfach so: um die Basis der eigenen Befindlichkeit in diesem krassen Universum allen anderen zu zeigen.<\/p>\n<p>Mir pers\u00f6nlich &#8211; ich hab das echt nicht selbst erdacht! &#8211; erschien die \u00fcber Jahre in tausend Varianten vorgetragenen Geschichte von der Zwiebel, in deren Innerem NICHTS ist, als die letztlich befriedigendste Variante. Weil sie mir alle Optionen offen l\u00e4sst und alle Ideen im Sinne einer grunds\u00e4tzlichen zwingenden Verschiedenheit der Menschen nimmt. <\/p>\n<p>Wie seht Ihr das &#8211; so ganz pers\u00f6nlich?<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frage bewegt nicht wirklich die Welt, dort geht es eher um Trump, Terrorismus, Handel, Brexit und sowas. 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