{"id":2282,"date":"2017-01-05T23:45:16","date_gmt":"2017-01-05T22:45:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=2282"},"modified":"2017-01-07T12:34:41","modified_gmt":"2017-01-07T11:34:41","slug":"schwangerschaft-auf-probe-weil-praenataldiagnostik-zu-teuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2017\/01\/05\/schwangerschaft-auf-probe-weil-praenataldiagnostik-zu-teuer\/","title":{"rendered":"Schwangerschaft auf Probe, weil Pr\u00e4nataldiagnostik zu teuer"},"content":{"rendered":"<p>Es passiert selten, dass ich mal den TV-Nachrichten hinterher schreibe. Was dort gerade vermeldet wurde, erscheint mir jedoch als berichtenswertes Beispiel f\u00fcr die Verlogenheit und Widerspr\u00fcchlichkeit unserer Gesellschaft. Und nein, es sind mal nicht &#8222;die Politiker&#8220;, die alleine schuld w\u00e4ren. Die absurde Rechtslage in Sachen Pr\u00e4implantationsgnostik (PID) verdankt sich dem Volkswillen, der partout nicht geneigt ist, mehrere Sachverhalte logisch zusammen zu denken.<!--more--><\/p>\n<p>Alsdenn: ein Paar w\u00fcnscht sich ein Kind, doch der Vater in spe hat <a href=\"http:\/\/Chorea Huntingtoon\">Chorea Huntington<\/a>, eine unheilbare schwere Erbkrankeit, die das Gehirn zerst\u00f6rt und zu Demenz und Tod f\u00fchrt. Nun ist es in diesen F\u00e4llen heute m\u00f6glich, unter vielen Auflagen eine Pr\u00e4nataldiagnostik bei k\u00fcnstlicher Befruchtung durchzuf\u00fchren. Da die Betroffenen die Krankheit nur zu 50% weiter vererben, lassen sich auf diesem Weg die Embryonen testen. Man pflanzt dann nur Embryonen ohne das Huntington-Gen ein &#8211; eine Selektion, ja genau. Wie HEUTE berichtete, ist dieses Verfahren <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/pdf\/113\/33\/a1480.pdf?ts=17.08.2016+07%3A56%3A38\">im Einzelfall mittlerweile zul\u00e4ssig<\/a>, doch extrem teuer. Das Paar muss mehrfach beraten werden, eine Ethik-Kommission muss dar\u00fcber befinden, und schlussendlich braucht es vielleicht mehrere Versuche.<\/p>\n<p>Auch wenn es beim ersten Mal klappt, kostet das Verfahren schlappe 20.000 Euro, die das Paar selbst bezahlen muss. Wer das Geld nicht hat und dennoch kein Kind mit Chorea Huntingtoon in die Welt setzen will, entscheidet sich eben f\u00fcr die &#8222;Schwangerschaft auf Probe&#8220;: nat\u00fcrliche Empf\u00e4ngnis, aber anschlie\u00dfend ein Test w\u00e4hrend der Schwangerschaft mit anschlie\u00dfender Abtreibung, sofern der F\u00f6tus Tr\u00e4ger der Krankheit ist. Daf\u00fcr braucht es keine Ethikommission, die Kosten halten sich im Rahmen oder werden sogar von der Kasse \u00fcbernommen.  <\/p>\n<p>Ist das nicht absurd? Auch ich bin immer schon F\u00dcR die freie Entscheidung der Frau, ob sie eine Schwangerschaft abbrechen will oder nicht. Aber ebenso sollte es Paaren dann auch erm\u00f6glicht werden, das medizinisch M\u00f6gliche in Anspruch zu nehmen, um schwere Erbkrankheiten zu vermeiden &#8211; und zwar OHNE immense Kosten. Da hierzulande doch st\u00e4ndig \u00fcber zu wenig Kinder geklagt wird, sollte es doch eigentlich im Interesse der Allgemeinheit sein, die Kosten zu \u00fcbernehmen, die zu einem Staatsb\u00fcrger mehr f\u00fchren.<\/p>\n<h2>G\u00e4ngelung nur f\u00fcr Arme<\/h2>\n<p>Gutverdiener und Reiche sind von alledem kaum tangiert. Sie zahlen locker hohe Rechnungen oder besorgen sich im Ausland, was sie w\u00fcnschen und hierzulande vielleicht verboten ist. Mittellose Rentner mit Grundsicherung <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2017\/01\/03\/grundsicherung-lasst-die-alten-ziehen\/\">werden gezwungen, im kalten Deutschland auszuharren<\/a>, wenn sie ihren Lebensunterhalt nicht verlieren wollen, w\u00e4hrend man es nicht im Ansatz schafft, Steuervermeidungen im gro\u00dfen Stil zu verhindern. Jeder Taxifahrer muss neuerdings einen Fiskaltaxameter haben, damit das Finanzamt auch ja jede Einnahme auf den Cent genau \u00fcberwachen kann. Die Justiz kann man mit Fug und Recht als &#8222;Klassenjustiz&#8220; bezeichnen, wenn schon ein Rechtsstreit um ein Online-Foto mit \u00fcber 6000 Euro Streitwert veranschlagt wird, mit entsprechend hohen Kosten f\u00fcr Anw\u00e4lte und Gerichte. Ich k\u00f6nnte die Aufz\u00e4hlung lange fortsetzen, von den Schikanen gegen Arbeitslose brauch ich wohl gar nicht erst anfangen.<\/p>\n<p>Kurzum: schade, dass es keine Partei gibt, die gegen extreme Verregelung, G\u00e4ngelung, \u00dcberwachung und Entm\u00fcndigung der B\u00fcrger\/innen eintritt. Dazu sind wohl allesamt zu deutsch! Und sage jetzt niemand, es g\u00e4be doch die FDP! Die hat sich in der Vergangenheit immer nur um die Freiheiten und Vorteile der Besserverdiener gek\u00fcmmert, um Zahn\u00e4rzte und Hoteliers. <\/p>\n<p>Mist, mir f\u00e4llt kein spritziger Schluss ein! Sei&#8217;s drum.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es passiert selten, dass ich mal den TV-Nachrichten hinterher schreibe. Was dort gerade vermeldet wurde, erscheint mir jedoch als berichtenswertes Beispiel f\u00fcr die Verlogenheit und Widerspr\u00fcchlichkeit unserer Gesellschaft. Und nein, es sind mal nicht &#8222;die Politiker&#8220;, die alleine schuld w\u00e4ren. 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