{"id":226,"date":"2008-10-30T10:52:43","date_gmt":"2008-10-30T08:52:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=226"},"modified":"2008-11-01T10:48:30","modified_gmt":"2008-11-01T08:48:30","slug":"schamlose-gier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2008\/10\/30\/schamlose-gier\/","title":{"rendered":"Schamlose Gier"},"content":{"rendered":"<p>In seinem appellatorisch \u00fcberschriebenen Artikel <a href=\"http:\/\/thinkabout.ch\/article\/gemeinsam-agieren-statt-allein-reagieren\">Gemeinsam agieren statt allein reagieren<\/a> reflektiert &#8222;Thinkabout&#8220; \u00fcber die <strong>Gier nach MEHR<\/strong> als Ph\u00e4nomen in jedem Einzelnen, die sich in den letzten 15 Jahren zum beherrschenden gesellschaftlichen Trend etabliert hat: weniger Solidarit\u00e4t, weniger Gemeinschaft, daf\u00fcr mehr individuelle Freiheit und Selbstverwirklichung &#8211; und alle (bzw. die allermeisten) waren damit einverstanden. Denn der Ma\u00dflosigkeit der M\u00e4chtigen, sagt Thinkabout, entspr\u00e4che im Gef\u00fchl der Individuen &#8222;dass es auch f\u00fcr einen selbst ein bisschen mehr sein darf\u201d, und f\u00fchrt dann eine Reihe von Beispielen an, denen kaum zu widersprechen ist.<!--more--><\/p>\n<p>Das Motiv solcher Reflexionen stellt der Autor dem Artikel gleich voran: <em>&#8222;Vielleicht komme ich ja auch nur darauf, weil mir alles zutiefst zuwider ist, was mir das Gef\u00fchl gibt, bloss Spielball fremder M\u00e4chte und Interessen zu sein. Da frage ich lieber danach, was scheinbare Automatismen, denen ich mich pl\u00f6tzlich ausgesetzt sehe, eben doch auch mit mir zu tun haben.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Ja, das verstehe ich gut, allermeist geht es mir genauso und in diesem Diary gibt es viele Artikel, die solche Reflexionen der eigenen dunklen Seiten enthalten. Zu &#8222;schlichten Feindbildern&#8220; sei ich nicht mehr f\u00e4hig, schrieb ich noch letztens im Beitrag <a href=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2008\/10\/22\/annaeherungen-an-persoenliche-verantwortung\/\">&#8222;Ann\u00e4herung an pers\u00f6nliche Verantwortung&#8220;<\/a>, doch was ich in diesen Tagen so alles mitbekomme, stellt diese Selbstbescheidung tats\u00e4chlich wieder in Frage. <\/p>\n<p>Denn auch im Bewusstsein der eigenen &#8222;Gier nach mehr&#8220;, die ja auch weniger auff\u00e4llige, immaterielle Formen annehmen kann, war und ist diese Wahrnehmung f\u00fcr mich immer auch mit einem Gef\u00fchl der Scham verkn\u00fcpft. Eine Scham, die dazu f\u00fchrt, es &#8222;nicht zu doll zu treiben&#8220; und diese Seite im Ausleben weitestm\u00f6glich zu begrenzen &#8211; und nat\u00fcrlich w\u00fcnsche ich mir, dass meine Mitmenschen m\u00f6glichst gar nichts davon mitbekommen! Wer will schon als egoistische, vordringlich dem eigenen Wohlleben und Fortkommen verpflichtete Person wahrgenommen werden?<\/p>\n<h2>Hauptsache, die Kohle stimmt<\/h2>\n<p>Umso mehr staune ich, dass es solche Menschen tats\u00e4chlich gibt! Gestern zappte ich kurz mitten in eine Rede des Finanzministers, der sich dar\u00fcber emp\u00f6rte, dass <strong>die Banker<\/strong> von ihm nun auch noch &#8222;Anreizsysteme&#8220; verlangten, die es f\u00fcr sie lukrativ machen sollen, den &#8222;Rettungsfond&#8220; f\u00fcr ihre Banken in Anspruch zu nehmen. Tja, wer will schon eine Rettung, die derart drastisch die pers\u00f6nlichen Bez\u00fcge k\u00fcrzt? Statt Millionen nur noch 500.000 &#8211; das ist ja Zwangsverarmung! Da l\u00e4sst man doch lieber die Wirtschaft den Bach runter gehen und die Banken in die Insolvenz &#8211; Hauptsache bis zum Schluss stimmt die Kohle!<\/p>\n<p>Keinerlei Scham scheinen auch <strong>die Autobauer<\/strong> zu empfinden, wenn sie sich nun staatlich finanzieren lassen wollen, was sei seit Jahren mutwillig und entgegen dem allgemeinen Trend verweigert haben: die Entwicklung umweltfreundlicherer Autos. Statt dessen vermarkteten sie mit allen Mitteln ihre Protzkarossen, dr\u00fcckten sie mit billigen Leasingvertr\u00e4gen in den Markt und schmissen mit Vollfinanzierungen und Rabatten nur so um sich, um nur ja nicht von ihrem Kurs ablassen zu m\u00fcssen, der da hie\u00df: gr\u00f6\u00dfer, schneller, teurer, mehr! <\/p>\n<p>Dass der in seinem Job gewiss nicht schlecht bezahlte <strong>Bahn-Chef Mehdorn<\/strong> sich und seinen Co-Managern f\u00fcr den B\u00f6rsengang (=Verschleuderung) der Bahn mal eben noch <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/deutschland\/Bahn-Bonus;art122,2648697\">&#8222;Boni&#8220; in Millionenh\u00f6he genehmigen<\/a> lie\u00df, hat jetzt einen Staatsekret\u00e4r die Stellung gekostet &#8211; zu verhindern ist es offenbar nicht. <\/p>\n<p>Ein lieber Freund, mit dem ich gestern \u00fcber all diese Vorkommnisse sprach, meinte recht treffend, diese Leute seien wie s\u00fcchtige, oft jugendliche Online-Spieler, die nicht mehr vom Monitor loskommen, weil sie ja immer &#8222;noch einen Feind besiegen&#8220; m\u00fcssen. Da helfe letztlich nur, ihnen den Stecker zu ziehen. <\/p>\n<p>Tja, aber WER sollte das machen und WIE? Wohl kaum diejenigen, die mit einer &#8222;Altersversorgung&#8220; durch ein Aufsichtsratmandat bei einer Bank, einer Versicherung oder bei der Bahn rechnen. <\/p>\n<p>***<br \/>\nSiehe auch:<br \/>\n* <a href=\"http:\/\/www.duckhome.de\/tb\/archives\/3859-Protestkundgebung-vor-dem-Finanzministerium-30.Oktober,-um-1700-Uhr.html\">Protestkundgebung vor dem Finanzministerium<\/a><br \/>\n* <a href=\"http:\/\/www.deimeke.net\/dirk\/blog\/index.php?\/archives\/1391-Gedicht-zur-aktuellen-Lage-....html\">Gedicht zur Lage<\/a> (nicht von Tucholsky, aber trotzdem gut)<br \/>\n* <a href=\"http:\/\/www.michael-michaelis.de\/htdocs\/comment\/0810141847_krit\">\u20ac 500.000.000.000 (2)<\/a> ( = warum es doch am System liegt&#8230;)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In seinem appellatorisch \u00fcberschriebenen Artikel Gemeinsam agieren statt allein reagieren reflektiert &#8222;Thinkabout&#8220; \u00fcber die Gier nach MEHR als Ph\u00e4nomen in jedem Einzelnen, die sich in den letzten 15 Jahren zum beherrschenden gesellschaftlichen Trend etabliert hat: weniger Solidarit\u00e4t, weniger Gemeinschaft, daf\u00fcr mehr individuelle Freiheit und Selbstverwirklichung &#8211; und alle (bzw. die allermeisten) waren damit einverstanden. 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