{"id":2182,"date":"2016-11-11T14:10:07","date_gmt":"2016-11-11T13:10:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=2182"},"modified":"2016-11-11T18:21:38","modified_gmt":"2016-11-11T17:21:38","slug":"in-memoriam-leonard-cohen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2016\/11\/11\/in-memoriam-leonard-cohen\/","title":{"rendered":"In Memoriam Leonard Cohen"},"content":{"rendered":"<p>Selten f\u00fchl&#8216; ich mich dem Heulen nahe, wenn ein gro\u00dfer K\u00fcnstler stirbt. Aber Leonard Cohen begleitete meine jungen Jahre, ich intonierte seine fr\u00fchen Songs auf der Gitarre und war fasziniert &#8211; sowohl von seinen lyrischen Texten als auch von seiner gro\u00dfartigen Stimme, von diesem speziellen unverwechselbaren Cohen-Sound.<!--more--><br \/>\nSeine Lieder \u00fcber Liebe, Sex, Begehren, Beziehung ber\u00fchrten meine romantische Seele und setzten einen Kontrapunkt zur oft konfliktreichen, aber auch banalen Realit\u00e4t meiner fr\u00fchen Liebesaff\u00e4ren und erotischen Begegnungen.<\/p>\n<p class=\"center\"><strong>I cannot follow you, my love,<br \/>\nyou cannot follow me.<br \/>\nI am the distance you put between<br \/>\nall of the moments that we will be.<br \/>\nYou know who I am,<br \/>\nyou&#8217;ve stared at the sun,<br \/>\nwell I am the one who loves<br \/>\nchanging from nothing to one.<\/strong><\/p>\n<p>Das ist die erste Strophe aus <a href=\"https:\/\/youtu.be\/vSk4XrhW8rM\">&#8222;You know who I am&#8220;<\/a> &#8211; der Text sprach mir &#8222;irgendwie&#8220; aus der Seele, ich identifizierte mich damit, obwohl Cohen hier als Mann zu einer Frau spricht. Hat mich nicht gest\u00f6rt, ich war es, die &#8222;from nothing to one&#8220; werden wollte, dringend! Der Trend zum allzu symbiotischen Miteinander, den heftige Jugendlieben mit sich bringen, behinderte mich in diesem Verlangen &#8211; ich konnte es selbst noch kaum in Worte fassen, Leonard Cohen konnte es!<\/p>\n<p>Aus dem gleichen Gef\u00fchl heraus hat mir auch <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=u5J2RgdZUPk\">&#8222;Tonight Will Be Fine&#8220;<\/a> gefallen, ich hab es dem einen oder anderen Beziehung-auf-ewig-Aspiranten vorgesungen, aber sie haben das &#8222;for a while&#8220; nicht als Botschaft verstanden. <\/p>\n<p class=\"center\"><strong>Sometimes I find I get to thinking of the past.<br \/>\nWe swore to each other that our love would surely last.<br \/>\nYou kept right on loving, I went on a fast,<br \/>\nnow I am too thin and your love is too vast.<br \/>\nBut I know from your eyes<br \/>\nand I know from your pretty little smile<br \/>\nthat tonight, tonight will be fine,<br \/>\nwill be fine, will be fine, will be fine<br \/>\nfor a while.<\/strong><\/p>\n<p>Zu meinem Cohen-Repertoire geh\u00f6rte auch der eindr\u00fcckliche Song <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8a7-DOyDtrw\">&#8222;Story of Isaac&#8220;<\/a>, in der er die Bibel-Geschichte vom Vater erz\u00e4hlt, der seinen Sohn opfern will und von Gott gestoppt wird. Obwohl ich mit Religion nichts mehr am Hut hatte, ber\u00fchrte mich der Song sehr. Wie so oft in Cohen-Texten vermittelt die letzte Strophe eine Zerrissenheit und Verzweiflung, die meiner Seelenlage in dunklen Momenten entsprach. <\/p>\n<p class=\"center\"><strong>And if you call me brother now,<br \/>\nforgive me but I must inquire,<br \/>\n&#8222;Just according to whose plan?&#8220;<br \/>\nWhen it all comes down to dust<br \/>\nI will kill you if I must,<br \/>\nI will help you if I can.<br \/>\nWhen it all comes down to dust<br \/>\nI will help you if I must,<br \/>\nI&#8217;ll kill you if I can.<br \/>\nAnd mercy, mercy on our uniform,<br \/>\nman of peace, man of war,<br \/>\nthe peacock spreads his deadly fan.<\/strong><\/p>\n<p>Ich ahnte, dass es im Leben nicht immer m\u00f6glich ist, &#8222;immer bei den Guten&#8220; zu sein, dass das manchmal von \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nden abh\u00e4ngt, \u00fcber die wir keine Macht haben. So h\u00e4tte ich es damals aber noch gar nicht formulieren k\u00f6nnen &#8211; Cohen konnte!<\/p>\n<h2>Manna f\u00fcr die Seele &#8211; ohne den Kopf zu beleidigen<\/h2>\n<p>Obwohl ich sonst mit Lyrik nicht viel anfangen kann: als Song von Leonhard Cohen konnte ich mich darauf einlassen, stie\u00df mich nicht an &#8222;unverst\u00e4ndlichen Formulierungen&#8220; (wie etwa im <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7A6iRGq24xQ\">&#8222;Master Song&#8220;<\/a> oder <a href=\"http:\/\/www.golyr.de\/leonard-cohen\/songtext-stranger-song-664269.html\">&#8222;Stranger Song&#8220;<\/a> ), sondern wurde eher von einer Art mystischem Schauder ergriffen. Ja, ERGRIFFENHEIT ist definitiv ein passender Begriff f\u00fcr die Wirkung seiner Lieder auf meine jugendliche Seele. Ganz verblasst ist das nie, immer wenn ich die alten Songs wieder mal h\u00f6re (was nicht oft der Fall ist, ich lebe eher Musik-frei), erfasst mich diese spezielle Melancholie aufs Neue. Was bei Anderen Kitsch und \u00fcbertriebener Pathos w\u00e4re, kommt von Cohen als Manna f\u00fcr die Seele r\u00fcber &#8211; seltsam, aber wahr!<\/p>\n<p>Leonhard Cohen besingt die \u00dcbel der Welt beeindruckend &#8222;beil\u00e4ufig&#8220;, so als melancholischer Beobachter, der weder in Zorn noch Angst verf\u00e4llt, h\u00f6chstens mal eine Frage stellt, wie in <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=H63dZKnlu_I\">&#8222;Stories of the Street&#8220;<\/a>: <\/p>\n<p class=\"center\"><strong>I know you&#8217;ve heard it&#8217;s over now<br \/>\nAnd war must surely come,<br \/>\nThe cities they are broke in half<br \/>\nAnd the middle men are gone.<br \/>\nBut let me ask you one more time<br \/>\nO children of the dust,<br \/>\nThese hunters who are shrieking now<br \/>\nDo they speak for us?<\/strong><\/p>\n<p>Cohens Sp\u00e4t- und Alterswerk ist dann weitgehend an mir vorbei gegangen. Als pl\u00f6tzlich Orchester und Synthesizer, aber kaum mehr seine Stimme dominierte, war mir das ein zu gro\u00dfer Bruch mit dem, was ich von Cohen h\u00f6ren wollte. Das Album &#8222;Death of a Ladies Man&#8220; hatte daf\u00fcr immerhin den perfekten Titel!<br \/>\nJetzt erst h\u00f6re ich hier und da mal rein in das, was er in den 90gern und nach der Jahrtausendwende gesungen, bzw. mehr und mehr gefl\u00fcstert hat &#8211; und finde darunter manche Perle und zur Zeit passende apokalyptische D\u00fcsternis wie in <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=v0nmHymgM7Y&#038;list=RDv0nmHymgM7Y#t=0\">You want it Darker<\/a>, seinem letzten Song.<\/p>\n<p>Leonhard Cohen ist gestern gestorben, eingegangen in den Olymp der ganz gro\u00dfen K\u00fcnstler, die so schnell nicht vergessen werden. <\/p>\n<p>Ich bin traurig &#8211; und dankbar, dass er gelebt, gedichtet und gesungen hat!<\/p>\n<h2>Noch mehr Lieblingssongs von Leonhard Cohen<\/h2>\n<p>Wer noch ein wenig in Erinnerungen schwelgen will: hier noch ein paar meiner Cohen-Lieblingssongs. Die Mega-Hits wie &#8222;Suzanne&#8220;, &#8222;So long Marianne&#8220; und &#8222;Bird on the Wire&#8220; lass&#8216; ich weg, an denen hab&#8216; ich mich irgendwann \u00fcberh\u00f6rt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=SQe88ybEIe8&#038;list=RDSQe88ybEIe8#t=0\">Avalanche<\/a> &#8211; aus &#8222;Songs of Love and Hate&#8220;;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7pXBisteRms\">Famous blue Raincoat<\/a> &#8211; dito;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/youtu.be\/Dx11oNHPDrA\">Chelsea Hotel#2<\/a> &#8211; inspiriert durch seine Aff\u00e4re mit Janis Joplin;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/youtu.be\/oBFQg7P5YKw\">Sisters of Mercy<\/a>  &#8211; aus &#8222;Songs of Leonard Cohen&#8220;;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/youtu.be\/XzotawVmmVc?list=RDXzotawVmmVc\">Teachers<\/a> &#8211; dito;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/youtu.be\/hs5hOhI4pEE\">The Partisan<\/a> &#8211; aus &#8222;Songs from a Room&#8220;;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ncdY2nGKzBs&#038;list=RDncdY2nGKzBs#t=0\">There is a war<\/a> &#8211; aus &#8222;New Skin for an old Ceremony&#8220;.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=tNp8dkXzIF4\">I tried to leave you<\/a> &#8211; dito.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Andere zum Thema:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/zum-tod-von-leonard-cohen-abschied-von-einem-schmerzensmann-1.3244948\">Abschied von einem Schmerzensmann<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/kultur\/popco\/5102536\/Leonard-Cohen_Letzte-Lieder-eines-Suchenden\">Letzte Lieder eines Suchenden<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/musik\/leonard-cohen-ist-tot-singer-songwriter-stirbt-im-alter-von-82-a-1120779.html\">Leonard Cohen ist tot<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.rollingstone.de\/nachruf-auf-leonard-cohen-ein-leben-in-der-einsamkeit-1154789\/\">Nachruf auf Leonard Cohen: Ein Leben in der Einsamkeit<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.morgenpost.de\/kultur\/berlin-kultur\/article118158251\/So-war-das-letzte-Berlin-Konzert-von-Leonard-Cohen.html\">So war das letzte Berlin-Konzert von Leonard Cohen<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Selten f\u00fchl&#8216; ich mich dem Heulen nahe, wenn ein gro\u00dfer K\u00fcnstler stirbt. 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