{"id":218,"date":"2008-10-10T09:27:38","date_gmt":"2008-10-10T07:27:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=218"},"modified":"2008-10-12T14:53:53","modified_gmt":"2008-10-12T12:53:53","slug":"finanzkrise-klimakatastrophe-vogelgrippe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2008\/10\/10\/finanzkrise-klimakatastrophe-vogelgrippe\/","title":{"rendered":"Finanzkrise, Klimakatastrophe, Vogelgrippe&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>&#8230;fehlt noch was?? Ja, mich beutelt eine heftige Erk\u00e4ltung, die mir den krassen Unterschied zwischen wirklich fiesem Befinden und diffusen mentalen \u00c4ngsten deutlich macht. Zum Gl\u00fcck sp\u00fcre ich schon am dritten Tag den Weg der Besserung, wogegen die Welt der Wirtschaft &#038; Finanzen sich in Erwartungen des Niedergangs suhlt: da werden 30% weniger Autos gekauft und schon herrscht Untergangsstimmung. <!--more--><\/p>\n<p>Keine \u00dcberstunden mehr, keine Wochenendarbeit, die Produktion wird herunter gefahren &#8211; und irgendwie finde ich das gar nicht so schlecht!  Denn wie sch\u00fctzenswert ist eigentlich eine Arbeitswelt, die das Aussaugen der Mitarbeiter bis an die Grenze des M\u00f6glichen als Normalzustand etabliert hat? Das Malochen bis zum Umfallen f\u00fcr den Sharholder Value, die extreme Verdichtung der Arbeit, dazu eine Flexibilit\u00e4t, die individuelle Lebensplanungen verunm\u00f6glicht &#8211; ist es nicht toll, dass da mal die Bremse rein gehauen wird??<\/p>\n<p>Der Volksmund sagt: <em>Der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht.<\/em> So ein Brechen erleben wir wohl derzeit, denn das Spielkasino B\u00f6rse ist an seine &#8222;systemischen Grenzen&#8220; geraten. Etwas, das Kundige seit Jahren voraus sagten, sogar so glaubhafte Gestalten wie der Spekulant <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/geld\/artikel\/0,2828,547347,00.html\">Sorros<\/a> und der Ex-Manager <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Daniel_Goeudevert\">Goeudevert.<\/a> Alles virtuelle Geld, das da als reine <strong>Wette auf MEHR<\/strong> auf trickreiche Art und Weise erzeugt wurde, ist nur zu zehn Prozent mit realen Werten aus der Wirtschaft unterlegt, las ich in diesen Tagen. Und pl\u00f6tzlich gehen allen die Augen auf und siehe da: <strong>der Kaiser ist ja nackt!<\/strong><\/p>\n<p>Die Ursache aller aktueller Verwerfungen ist die schrankenlose Vergottung des Geldes: die klassische S\u00fcnde von Babylon, mythisch visualisiert durch den Turmbau des &#8222;h\u00f6her-schneller-weiter&#8220;. Wenn es (selten genug) um Ethikfragen rund um den Menschen geht, gilt als unverhandelbarer Grundpfeiler der Menschenw\u00fcrde, dass Menschen niemals Mittel zum Zweck sein d\u00fcrfen. Gerade das aber ist in der neoliberalen, vom Finanzkapital getriebenen Wirtschaft Alltag: Es geht nicht um gute Produkte, um Innovation, um bessere Befriedigung der Kundenw\u00fcnsche, gar um Selbstverwirklichung in der Arbeit, sondern einzig um die Profitmaximierung bezogen auf den n\u00e4chsten dreimonatigen Berichtszeitraum. Wobei die Gewinnerwartungen ins Astronomische stiegen und Wachstumsraten um die 20 Prozent und mehr auf einmal als untere Messlatte galten. <\/p>\n<p>Damit bekam Geld genau die Eigenschaft zugeschrieben, die man eigentlich dem Menschen und seiner W\u00fcrde vorbehalten wollte: Geld ist letzter Zweck, eine abstrakte Gottheit, der man dient und alles andere unterordnet. Nicht das, was man damit machen kann (z.B. eine florierende Wirtschaft und bessere Lebensstandards weltweit) ist Sinn allen Strebens, sondern einzig die Anh\u00e4ufung von immer mehr Profiten. <\/p>\n<p>Und dieser &#8222;Gottesdienst&#8220; frisst die Seelen der Menschen, denn es ist unter den Bedingungen der sch\u00f6nen neuen Wirtschaftswelt nur noch sehr beschr\u00e4nkt m\u00f6glich, sich durch eigenes Handeln &#8222;bei den Guten&#8220; zu verorten. Geh&#8216; in einen Supermarkt, kaufe ein und du wirst zum T\u00e4ter: zum Ausbeuter von Menschen, die weltweit wie Sklaven malochen, um unsere Konsumbed\u00fcrfnisse zu bedienen. Denn weltweit konkurrieren die Konzerne um maximale Profite und scheren sich einen Dreck um die sozialen Verh\u00e4ltnisse. Geht ja auch nicht, denn es w\u00fcrde die Gewinnerwartungen senken!<\/p>\n<p>All dieses &#8222;systemisch B\u00f6se&#8220; ist jedoch nicht beschr\u00e4nkt auf Spekulanten, Banker, Aktion\u00e4re und Manager: die &#8222;Geiz-ist-geil&#8220;-Mentalit\u00e4t der breiten Masse der Verbraucher geh\u00f6rt ganz ebenso auf die Anklagebank. Alles immer noch ein wenig billiger haben wollen bedeutet, die Arbeitsbedingungen der Produzenten noch ein wenig weiter zu verschlechtern. &#8222;Optimierung der Produktionsprozesse&#8220; hei\u00dft das dann &#8211; und die Produkte, die heraus kommen, werden im Lauf der Jahre ebenfalls schlechter, da alles vermeintlich \u00dcberfl\u00fcssige eingespart wird. <\/p>\n<p>Ich glaube nicht, dass die menschliche Gier durch Wirtschaftskrisen grunds\u00e4tzlich ver\u00e4ndert wird, jedoch steigt im &#8222;Tal der Tr\u00e4nen&#8220; die Bereitschaft, sich Regeln zu unterwerfen, die die schlimmsten Ausw\u00fcchse verhindern. Und das ist es, was ich von &#8222;der Politik&#8220; egal welcher Partei zur Zeit erwarte: Weltweite Vereinbarungen, die das B\u00f6rsengeschehen auf den Boden der Tatsachen zur\u00fcck f\u00fchren. Wenn das gelingt, wird auch das im Wirtschaftskreislauf kostbarste aller G\u00fcter wieder zur Verf\u00fcgung stehen &#8211; das VERTRAUEN. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230;fehlt noch was?? Ja, mich beutelt eine heftige Erk\u00e4ltung, die mir den krassen Unterschied zwischen wirklich fiesem Befinden und diffusen mentalen \u00c4ngsten deutlich macht. 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