{"id":2168,"date":"2016-11-01T15:54:44","date_gmt":"2016-11-01T14:54:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=2168"},"modified":"2016-11-01T16:39:44","modified_gmt":"2016-11-01T15:39:44","slug":"wehmut-zum-blog-jubilaeum-erinnerungen-an-ein-paradies","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2016\/11\/01\/wehmut-zum-blog-jubilaeum-erinnerungen-an-ein-paradies\/","title":{"rendered":"Wehmut zum Blog-Jubil\u00e4um:  Erinnerungen an ein Paradies"},"content":{"rendered":"<p>Gestern hab&#8216; ich im &#8222;wilden Gartenblog&#8220; grade noch rechtzeitig einen <a href=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\/2016\/10\/31\/fast-verpasst-10-jahre-wildes-gartenblog\/\">Artikel zur Feier des Zehnj\u00e4hrigen<\/a> raus gehauen. Da die Geschichte dieses Blogs unaufl\u00f6slich mit meiner eigenen Gartengeschichte verbunden ist, gab&#8216; es auch davon eine Kurzfassung mitsamt dem R\u00fcckblick auf meinen ersten &#8222;wilden Garten&#8220;. An dessen ehemaliger Stelle wird gerade ein H\u00e4userblock errichtet, nachdem das Grundst\u00fcck mehrere Jahre als Parkplatz gedient hat, f\u00fcr den man 2008 die gr\u00fcne Idylle mitten in der Stadt zugesch\u00fcttet hat. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/wildergarten.jpg\" alt=\"wilder garten\" width=\"450\" height=\"230\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2169\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/wildergarten.jpg 450w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/wildergarten-300x153.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/p>\n<p>Zur Bebilderung des Artikels st\u00f6berte ich durch tausende alte Fotos aus den knapp zwei Jahren mit diesem wirklich &#8222;wilden&#8220; Garten. Wir hatten ihn quasi geschenkt bekommen vom &#8222;Gartenpeter&#8220;, wie wir (= mein Liebster \/ Gartenpartner und ich) diesen freundlichen Menschen nannten. <!--more--><\/p>\n<p>Peter hatte das brach liegende Grundst\u00fcck mitten in Friedrichshain zusammen mit anderen in den 90gern besetzt, war dann alleine \u00fcbrig geblieben und hatte einen Duldungsvertrag bekommen. Nach insgesamt 13 Jahren wollte er weg. Es gab auch wirklich nichts mehr zu tun, der Garten war als &#8222;wilder Garten&#8220; perfekt: eine sanft gestaltete Wildnis mit allem, was faule Gartenfreunde lieben. Zu jeder Jahreszeit bl\u00fchende Pflanzen ohne aufdringliche &#8222;Ordnung&#8220;, Schatten spendendes Geb\u00fcsch, eine blickdichte Hecke zur Stra\u00dfe hin, Obstb\u00e4ume, Wildkr\u00e4uter, ein wundervoller Aprikosenbaum nahe dem malerischen Schuppen an der Wand zum n\u00e4chsten Grundst\u00fcck,  das ebenfalls lange brach lag.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/wildergarten-schuppen.jpg\" alt=\"Wilde Garten \" width=\"600\" height=\"450\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2170\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/wildergarten-schuppen.jpg 600w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/wildergarten-schuppen-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/wildergarten-schuppen-500x375.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>Der Garten lag in einer Senke und hatte fruchtbare humose Erde, ganz ohne unser Zutun. Dabei ein so warmes Klima, wie es inmitten der Stadt nur sein kann. Noch im Dezember bl\u00fchten Rosen und man konnte drau\u00dfen vor dem Schuppen sitzen. Ich lernte Pflanzen kennen, von deren Existenz ich nicht mal gewusst hatte &#8211; zum Beispiel die im zeitigen Fr\u00fchjahr bl\u00fchenden Kaiserkronen:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/kaiserkronen.jpg\" alt=\"Kaiserkronen\" width=\"600\" height=\"441\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2171\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/kaiserkronen.jpg 600w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/kaiserkronen-300x221.jpg 300w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/kaiserkronen-500x368.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>G\u00e4rtnerisch hatte ich keinerlei Erfahrung, mal von den Erbsen und G\u00e4nsebl\u00fcmchen abgesehen, die ich als Siebenj\u00e4hrige im Hof angepflanzt hatte. Gro\u00dfartige Kenntnisse waren aber auch nicht wirklich n\u00f6tig, der Garten war ja wundersch\u00f6n, genau so, wie wir ihn \u00fcbernommen hatten. Trotzdem wollten wir gelegentlich &#8222;was machen&#8220;, nat\u00fcrlich m\u00f6glichst \u00f6kologisch, naturnah, bio, mindestens! <\/p>\n<h2>Der Natur helfen? Ja mach nur einen Plan!<\/h2>\n<p>Wir machten uns also daran, was f\u00fcr die Artenvielfalt zu tun, wie es \u00fcberall empfohlen wird. Ein <strong>selbst gebautes Insektenhotel<\/strong> zum Beispiel, schlie\u00dflich lagen im Schuppen Materialien und Werkzeuge herum und Hummeln flogen tats\u00e4chlich irgendwie &#8222;suchend&#8220; durch den Garten.  <\/p>\n<p>Gedacht, getan: Ein ganzer Schwung nicht gebrauchter Fackeln musste dran glauben &#8211; jede Einzelne haben wir m\u00fchsam demontiert, um am Ende die so gewonnenen hohlen Bambusst\u00e4be zu einem Hummel-Hotel zusammen zu binden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/insektenhotel-making-of.jpg\" alt=\"Insektenhotel Making of\" width=\"600\" height=\"421\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2172\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/insektenhotel-making-of.jpg 600w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/insektenhotel-making-of-300x211.jpg 300w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/insektenhotel-making-of-500x351.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>Als wir endlich fertig waren, platzierten wir zwei dieser Rohrb\u00fcndel an geeigneter Stelle, wo sie allerdings von allem, was da fleucht und kreucht, schn\u00f6de ignoriert wurden. Frustrierend!<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter fiel mir auf, dass uns au\u00dfergew\u00f6hnlich viele Hummeln umschw\u00e4rmten, wenn wir vor dem offenen Schuppen sa\u00dfen und plauderten. Ich hatte immer schon eine leicht phobische Angst vor allem, was laut brummt und fliegt, war mir aber bewusst, dass Hummeln die Harmlosesten unter den potenziell stechenden Brummern sind. Dennoch: Warum auf einmal so viele?<\/p>\n<p>Und: SIE KAMEN VON INNEN!!!<\/p>\n<p>Genaues Nachschauen ergab: W\u00e4hrend wir uns mit dem aufw\u00e4ndigen Bau der am Ende nutzlosen Insektenhotels besch\u00e4ftigt hatten, hatten sich die Hummeln einen Nistort eigener Wahl gesucht &#8211; und zwar in <em>unserem<\/em> &#8222;Wohnzimmer&#8220;, da irgendwo oben unter den Dachbalken. <\/p>\n<p>Wir haben sie nat\u00fcrlich in Ruhe gelassen, schlie\u00dflich wollten wir doch <em>der Artenvielfalt dienen<\/em>! :-) Unsere &#8211; weitgehend insektenfreien &#8211; Wohnungen lagen sowieso nur f\u00fcnf Fu\u00dfminuten entfernt. Es gab nicht wirklich einen Grund, uns in dem skurril eingerichteten Schuppen aufzuhalten, der im Wesentlichen als Stauraum diente. <\/p>\n<p>So \u00fcberwand ich meine Angst vor den Brummern, sp\u00e4ter sogar den gr\u00f6\u00dften Teil der weit heftigeren Angst vor Hornissen, die ebenfalls den wilden Garten besuchten, um Totholz f\u00fcr ihr Nest zu besorgen. Das Erlebnis mit den eigenwilligen Hummeln hat mich jedenfalls erfolgreich belehrt: Erstmal beobachten, anstatt in Aktionismuss &#8222;nach Vorschrift&#8220; zu verfallen &#8211; es k\u00f6nnte g\u00e4nzlich sinnlos sein!<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/imgarten.jpg\" alt=\"im Garten\" width=\"600\" height=\"402\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2173\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/imgarten.jpg 600w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/imgarten-300x201.jpg 300w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/imgarten-500x335.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<h2>Keine Vorschriften, niemand redet rein<\/h2>\n<p>Zur Idylle des &#8222;wilden Gartens&#8220; trug nicht unwesentlich bei, dass uns niemand etwas zu sagen hatte. Rundum von dichten Hecken gesch\u00fctzt, wurden wir nicht einmal bemerkt! Wir konnten sogar <a href=\"http:\/\/www.das-wilde-gartenblog.de\/2007\/09\/17\/herbstabend-mit-feuerchen-und-digicam-probleme\/\">Feuer machen<\/a> und niemand scherte sich darum. Allenfalls mussten wir immer mal wieder Flaschen entsorgen, die nachts irgendwelche Besoffenen \u00fcber die Hecke in den Garten warfen. Ungef\u00e4hrlich, selbst wenn es am Tag passiert w\u00e4re, denn da standen genug B\u00fcsche und B\u00e4ume, die uns sch\u00fctzten. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/gartenszene.jpg\" alt=\"gartenszene\" width=\"600\" height=\"467\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2176\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/gartenszene.jpg 600w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/gartenszene-300x234.jpg 300w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/gartenszene-500x389.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><br \/>\nEine Pflicht zum Gem\u00fcseanbau &#8211; wie jetzt in der Kleingartenanlage &#8211; gab&#8216; es nat\u00fcrlich auch nicht. Wir pflanzten trotzdem allerlei an, zumeist in gro\u00dfen Bautuppen, die eine Art Hochbeet im hinteren Teil des Gartens bildeten. Es war insgesamt ein recht gro\u00dfes Gel\u00e4nde, mehrere Schuppen, eine ehemalige Werkstatt, in der noch alte Maschinen standen. Man konnte da auch aufs Dach steigen und die Sonne dort noch sp\u00e4t am Abend genie\u00dfen. All das &#8211; heute undenkbar! &#8211; sehr zentral inmitten des zunehmend beliebter werdenden Friedrichshain, schr\u00e4g gegen\u00fcber vom n\u00e4chsten Supermarkt. <\/p>\n<p>Das war dann aber auch der Grund, dass das Paradies nur noch knapp zwei Jahre bestand. Am Ende h\u00e4tten wir den Garten sogar kaufen k\u00f6nnen, zumindest wurde er uns angeboten. Aber mal abgesehen davon, dass ich das Geld nicht hatte: wir w\u00e4ren dabei vielleicht reich, aber nicht gl\u00fccklich geworden. Es h\u00e4tte sich nur gelohnt, um das Grundst\u00fcck alsbald zum vervielfachten Preis wieder zu verkaufen &#8211; an jene, die gerade den H\u00e4userblock errichten. Der Verst\u00e4dterung kann man nicht lange widerstehen, es wird ungem\u00fctlich, dreckiger, lauter &#8211; und wenn man erstmal zum Ziel von Verdr\u00e4ngungskampfma\u00dfnahmen wird, ist es sowieso vorbei mit der Idylle.<\/p>\n<p>Zwei Jahre in einem kleinen verborgenen Paradies &#8211; es war wundersch\u00f6n! Sogar die Stockrosen im wilden Garten waren was Besonderes:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/stockrosen.jpg\" alt=\"geb\u00e4nderte Stockrosen\" width=\"600\" height=\"420\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2174\" srcset=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/stockrosen.jpg 600w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/stockrosen-300x210.jpg 300w, https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/stockrosen-500x350.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>Aber es tat weh, zu sehen, wie der Garten dann platt gemacht wurde. In unseren Herzen lebt er immerhin weiter, solange es uns gibt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern hab&#8216; ich im &#8222;wilden Gartenblog&#8220; grade noch rechtzeitig einen Artikel zur Feier des Zehnj\u00e4hrigen raus gehauen. Da die Geschichte dieses Blogs unaufl\u00f6slich mit meiner eigenen Gartengeschichte verbunden ist, gab&#8216; es auch davon eine Kurzfassung mitsamt dem R\u00fcckblick auf meinen ersten &#8222;wilden Garten&#8220;. 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