{"id":2061,"date":"2016-05-24T11:47:18","date_gmt":"2016-05-24T09:47:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=2061"},"modified":"2016-05-25T17:08:43","modified_gmt":"2016-05-25T15:08:43","slug":"duestere-perspektiven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2016\/05\/24\/duestere-perspektiven\/","title":{"rendered":"D\u00fcstere Perspektiven"},"content":{"rendered":"<p>Jeden Tag gibt es  &#8211; eigentlich &#8211; unz\u00e4hlige Themen, \u00fcber die ich etwas schreiben k\u00f6nnte, sollte, wollte. Aber angesichts der F\u00fclle schlechter Nachrichten f\u00fchl&#8216; ich mich irgendwie paralysiert. Das Erstarken der Rechten in vielen L\u00e4ndern und auch hierzulande macht mir Angst. Dass sich so viele in die Arme jener werfen, die &#8222;einfache L\u00f6sungen&#8220; f\u00fcr komplizierte Probleme versprechen, untergr\u00e4bt meinen Glauben an die Menschen, an den Sinn rationaler Argumente und die Machbarkeit guter Gespr\u00e4che. <!--more--><\/p>\n<p>Die Verrohung \u00f6ffentlicher Verlautbarungen tut ein \u00dcbriges, um mir die Hoffnung auf intellektuell redliche Debatten zu nehmen. Fassungslos h\u00f6re und lese ich immer wieder Berichte \u00fcber Mail-Fluten voller Hass und sogar Morddrohungen gegen Menschen, die sich der Entsolidarisierung entgegen stellen, die den &#8222;Wutb\u00fcrgern&#8220; in der jeweiligen Sache widersprechen und den Weg in die Ausgrenzungsgesellschaft nicht mitgehen. <\/p>\n<p>Ja, es gibt massenhaft Gr\u00fcnde, aktuelle Zust\u00e4nde zu kritisieren und all jene, die sie politisch zu verantworten haben. Allerdings ist der Glaube, irgendwelche Funktion\u00e4re &#8222;da oben&#8220; k\u00f6nnten, wenn sie denn nur wollten, alle erdenklichen Missst\u00e4nde in Wirtschaft und Gesellschaft mal eben zum Besseren wenden, extrem naiv. Das konnte fr\u00fcher nicht mal der Kaiser! <\/p>\n<p>Und so kehrt die Klage immer wieder, dass einstmals engagierte Leute &#8222;korrumpiert&#8220; w\u00fcrden, sobald sie in Machtpositionen angekommen sind. Das mag manchmal so sein, doch viel wesentlicher ist etwas anderes: Wer Verantwortung \u00fcbernimmt, lernt ganz schnell zwei Dinge: Dass man das n\u00f6tige Geld nicht drucken kann und dass das Kapital fl\u00fcchtig ist. Wenn wir ihm nicht genug dienen, haut es einfach ab und sucht anderswo seine Profite. Allein mit gutem Willen \u00e4ndert man daran nichts. <\/p>\n<h2>Nach unten treten, nach oben buckeln<\/h2>\n<p>Dass ich die Politik vor der Wutb\u00fcrger-typischen Vermutung absoluter Macht in Schutz nehme, hei\u00dft nun nicht, dass es nichts vorzuwerfen g\u00e4be. Es findet ein Verteilungskampf statt, in dem sich die immer schon Privilegierten zu Lasten &#8222;derer da unten&#8220; vornehmlich drum k\u00fcmmern, selber nichts abgeben zu m\u00fcssen, sondern sich weiter wie gewohnt zu bereichern. Die Lasten der Globalisierung sollen bittsch\u00f6n andere ausbaden.<\/p>\n<p>Katarina Nocun hat es gut <a href=\"http:\/\/kattascha.de\/?p=2400\">in Worte gefasst<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Wir sind Exportweltmeister. Uns geht es so gut wie nie zuvor. Wir sind die Champions Europas. Aber wer ist eigentlich wir? Der Durchschnittsverdiener, der mitgeteilt bekommt, dass seine Rente f\u00fcr nichts reichen wird? Die Alleinerziehende, die sich von Monat zu Monat durchschl\u00e4gt und abends auf der Couch ersch\u00f6pft und traumlos einschl\u00e4ft? Die Pflegerin, die insgeheim hofft niemals bei ihrem Arbeitgeber in Pflege gegeben zu werden, weil l\u00e4ngst nach Minuten und nicht nach Bed\u00fcrfnissen abgerechnet wird? Die Wahrheit ist doch die: Deutschland sagt nicht Sorry f\u00fcr die Agenda 2010. F\u00fcr Rentenk\u00fcrzungen. F\u00fcr Riester-Disaster. Denn Deutschland geht es doch so gut. Nur wird f\u00fcr viele immer klarer: Wir sind nicht dieses Deutschland. Und werden es auch nie sein.<\/p>\n<p>Ein Gespenst geht um in Europa. Es ist die nackte Angst. Die Angst vor sozialem Abstieg. Die Angst vor Konzernen, die sich wie Staatschefs aufspielen. Die Angst vor Globalisierung. Diese vermeintlich h\u00f6here Naturgewalt muss als universelle Rechtfertigungs-Strategie herhalten. Und es wird kalt in Europa. Denn aus Angst treten wir nach unten. Gegen \u201eWirtschaftsfl\u00fcchtlinge\u201c. Gegen \u201esp\u00e4tr\u00f6mische Dekadenz von Sozialempf\u00e4ngern\u201c. Gegen \u201egierige Rentner\u201c. Und \u201efaule Studenten\u201c. Und lassen mal so richtig Dampf ab. Ohne zu merken, dass wir dadurch nach oben buckeln. Und das Hamsterrad sich immer schneller dreht. Am Ende kann man sich nicht einmal mehr beklagen. Denn den Sozialstaat tragen wir mit diesen Scheuklappen selbst zu Grabe. Dabei sind wir sehr produktiv. Sehr gr\u00fcndlich. Sehr deutsch.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie  wahr! Nur dem &#8222;wir&#8220; am Ende widerspreche ich.  <\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Update:  bei CARTA grade <a href=\"http:\/\/www.carta.info\/82086\/keine-sorge-der-welt\/\">gute Tipps gegen Rechtspopulisten<\/a> gelesen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeden Tag gibt es &#8211; eigentlich &#8211; unz\u00e4hlige Themen, \u00fcber die ich etwas schreiben k\u00f6nnte, sollte, wollte. 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