{"id":1983,"date":"2016-03-05T15:17:45","date_gmt":"2016-03-05T14:17:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1983"},"modified":"2016-03-06T11:42:24","modified_gmt":"2016-03-06T10:42:24","slug":"vorschlag-die-opt-in-elternschaft-fuer-alle-geschlechter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2016\/03\/05\/vorschlag-die-opt-in-elternschaft-fuer-alle-geschlechter\/","title":{"rendered":"Vorschlag: die Opt-In-Elternschaft &#8211; f\u00fcr alle Geschlechter"},"content":{"rendered":"<p>Bei Onyx l\u00e4uft eine <a href=\"https:\/\/onyxgedankensalat.wordpress.com\/2016\/02\/26\/abtreibungsrecht-fuer-maenner\/\">unglaublich umfangreiche Diskussion<\/a> \u00fcber die Forderung eines Bloggers, der unter dem missverst\u00e4ndlichen Titel <a href=\"https:\/\/www.fischundfleisch.com\/thomas-friedrichs\/ich-fordere-abtreibungsrecht-fuer-maenner-16604\">&#8222;Abtreibungsrecht f\u00fcr M\u00e4nner&#8220;<\/a> die Herstellung der Gleichberechtigung in Bezug auf ein gemeinsam gezeugtes Kind fordert: Auch M\u00e4nner sollten ein Recht haben, sich vom Kind loszusagen, da die Frau sich ja autonom auch f\u00fcr eine Abtreibung entscheiden kann &#8211; mit der Folge, weder F\u00fcrsorge noch Unterhaltszahlungen leisten zu m\u00fcssen. Eine Option, die M\u00e4nnern nicht offen steht: entscheidet sich die Frau F\u00dcR das Kind, haben sie keine M\u00f6glichkeit, sich selbst GEGEN das Kind zu entscheiden. <!--more--><\/p>\n<p>F\u00fcr alle, die im Detail nicht \u00fcber die rechtliche Faktenlage informiert sind: <\/p>\n<p>Nicht nur kann ein Mann nicht \u00fcber Abtreibung entscheiden (was ich richtig finde, denn das Kind w\u00e4chst im Bauch der Frau), er muss nicht einmal informiert werden, dass er Vater wird bzw. geworden ist. Frau kann nicht nur abtreiben, wenn das Kind nicht in ihr Leben passt, sondern das Neugeborene auch an der Babyklappe abgeben, anonym geb\u00e4ren und das Kind zur Adoption frei geben &#8211; alles ohne jedes Mitbestimmungsrecht des biologischen Vaters. Eine verheiratete Frau kann das Kind auch einfach bekommen, dann gilt der Ehemann rechtlich als Vater, der biologische Vater hat keinerlei Rechte am Kind. <\/p>\n<h2>Verantwortungslos und egoistisch &#8211; mit unterschiedlichen Folgen<\/h2>\n<p>Die Argumente, die in den Diskussionen kommen, finde ich zu gro\u00dfen Teilen intellektuell unredlich: <\/p>\n<ul>\n<li>N\u00e4mlich alle Einw\u00e4nde, die darauf verweisen, dass der Mann ja h\u00e4tte besser verh\u00fcten sollen, wenn es ihm so wichtig ist, nicht Vater zu werden.<\/li>\n<li>Oder all die Verweise darauf, wie egoistisch es doch sei, sich einfach aus der Verantwortung ziehen zu wollen. <\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese \u00dcberlegungen haben alle ihre Berechtigung, nur nicht in einer Debatte \u00fcber Gerechtigkeit und Gleichberechtigung. Denn um letztere zu diskutieren, muss man selbstverst\u00e4ndlich davon ausgehen, dass beide Geschlechter im Einzelfall verdammt leichtsinnig, verantwortungslos und egoistisch handeln &#8211; das ist vielfach bewiesener Fakt. Man stelle sich einfach <strong>spontanen Hochrisiko-Sex<\/strong> am Ende einer Party vor, beide besoffen, beide Lichtjahre vom Gedanken an ein eigenes Kind entfernt. Ich hab&#8216; diese Situation in meiner wilden Jugendzeit nicht nur einmal erlebt und einfach nur Gl\u00fcck gehabt, nicht schwanger geworden zu sein <em>(und ja, ich h\u00e4tte abgetrieben!).<\/em> <\/p>\n<p>Hier stellt sich f\u00fcr mich durchaus die Frage, warum sich nur die Frau per Abtreibungsentscheidung von den lebensl\u00e4nglichen (!) Folgen dieses Fehltritts sch\u00fctzen k\u00f6nnen soll, nicht aber der Mann. Der Tatsache, dass die Frau biologisch &#8222;betroffener&#8220; ist, weil ja sie es ist, die schwanger wurde, wird bereits jetzt rechtlich umfangreich Rechnung getragen, indem sie straflos abtreiben darf. Argumente, die darauf verweisen, dass Frau am schlechten Gewissen vielleicht ewig leidet oder auch mal gesundheitliche Folgen gew\u00e4rtigen muss, treffen zum einen nicht auf alle Frauen zu und haben andrerseits doch nichts damit zu tun, wie die sozialen Folgen rechtlich gestaltet werden: sowohl im Fall der Abtreibung als auch bei der Entscheidung f\u00fcr das Kind entscheidet Frau alleine f\u00fcr beide. Und eben NICHT nur \u00fcber das Leben des Kindes, sondern auch \u00fcber die sozialen Folgen. Ist das wirklich in Ordnung so? Ich meine nicht!<\/p>\n<h2>Opt-In-Elternschaft<\/h2>\n<p>Zwar hab ich die Unmengen an Kommentaren in beiden Blogs nicht alle gelesen, doch scheint weitgehend Konsens zu herrschen, am Abtreibungsrecht nichts \u00e4ndern zu wollen. Das finde ich schon mal gut!<br \/>\nUm nun den rechtlich-sozialen Aspekt gerechter zu gestalten (und damit gleich noch ein paar andere Ungerechtigkeiten abzuschaffen) h\u00e4tte ich einen Vorschlag: die Opt-In-Elternschaft. <\/p>\n<p>Die <strong>Opt-In-Elternschaft<\/strong> bezieht sich allein auf die soziale Elternschaft mit allen rechtlichen und unterhaltsrechlichen Folgen. An der biologischen Elternschaft kann schlie\u00dflich nicht ger\u00fcttelt werden, doch kann man ihre Folgen als Gesellschaft per Rechtssystem frei gestalten. <\/p>\n<p>Das ginge so: <\/p>\n<ol>\n<li>Kommt ein Kind auf die Welt (weil Frau NICHT abgetrieben hat), haben BEIDE biologischen Eltern die Option, sich f\u00fcr oder gegen das Kind zu entscheiden. <\/li>\n<li>Entscheidet sich der Mann, die Frau oder beide F\u00dcR das Kind, anerkennen sie damit das Kind als das ihre, mit allen sozialen und rechtlichen Folgen.<\/li>\n<li>Entscheiden sie sich dagegen, sind sie frei von allen Pflichten (wie bisher nur die Frau, wenn sie das Kind abtreibt oder abgibt). <\/li>\n<li>Entscheidet sich nur ein Elternteil f\u00fcr das Kind, der\/die andere dagegen, hat der &#8222;willige&#8220; Elternteil auch alle Pflichten, der\/die andere ist raus. Das bezieht sich nat\u00fcrlich nicht nur auf Unterhaltszahlungen, sondern auch auf die t\u00e4tige Sorge f\u00fcr das Kind. <\/li>\n<\/ol>\n<p>Damit das Ganze auch funkionieren kann, muss man Rechte und Pflichten zweier weiterer Beteiligter beachten und regeln, schlie\u00dflich ist dieses biologische Elternpaar nicht allein auf der Welt!<\/p>\n<h2>Der Staat und das Kind<\/h2>\n<p>Auch Onyx hat in ihrem Blogpost schnell die Interessen des Kindes ins Spiel gebracht &#8211; zu Recht! Das Kind hat aus meiner Sicht verschiedene berechtigte Interessen, die in diesem neuen Eltern-Recht ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>1.)<br \/>\nKinder haben meines Erachtens ein Recht darauf, ihre biologischen Eltern zu kennen. Das leite ich von den vielf\u00e4ltigen Lebensgeschichten  heranwachsender Kindern ab, die auf die Suche nach ihren leiblichen Eltern gehen, weil sie &#8222;ihre Wurzeln kennen&#8220; wollen. <em>(Mit dem Fortschritt der Wissenschaft entstehen hier auch neue Argumente, etwa dass mensch wissen will, mit welchen Erbkrankheiten man evtl. zu rechnen hat)<\/em>. Wenn die biologische Elternschaft nicht mehr zwangsl\u00e4ufig auch rechtliche Folgen h\u00e4tte, g\u00e4be es keinen Grund mehr, die wahre Vater- oder Mutterschaft zu verschweigen, bzw. geheim zu halten. Eine &#8222;Umgangspflicht&#8220; best\u00fcnde nat\u00fcrlich nicht, doch k\u00f6nnte ein Kind, das seinen biologischen Elternteil kennt, irgendwann auf eigene Faust den Kontakt herstellen &#8211; man kann und soll nicht ALLES gesetztlich regeln! <\/p>\n<p>2.)<br \/>\nViel wesentlicher noch ist das Recht des Kindes auf Unterhalt und liebevolle F\u00fcrsorge. Diese Anspr\u00fcche w\u00fcrden sich nun nicht mehr automatisch an die biologischen Eltern richten, sondern an die sozialen Eltern. Gibt es keine sozialen Eltern, springt der Staat ein und sorgt sowohl f\u00fcr Unterhalt als auch f\u00fcr Erziehung und F\u00fcrsorge. Dies geschieht ja auch jetzt schon in Situationen, wo Eltern au\u00dferstande sind, sich um Kinder zu k\u00fcmmern, doch m\u00fcsste es in einer neuen, besseren Weise geschehen: nicht wesentlich durch Heime oder blo\u00dfe Pflegeeltern, sondern durch aktive Suche nach alternativen &#8222;sozialen Eltern&#8220;, sprich: Menschen, die das Kind gerne adoptieren. Wie wir wissen, gibt es sehr viele kinderlose Paare, die nichts lieber t\u00e4ten, als einen S\u00e4ugling zu adoptieren. Sie werden dann &#8222;soziale Eltern&#8220; mit allen Rechten und Pflichten.<br \/>\nEventuell sollte es grunds\u00e4tzlich einen staatlich bestellten Vormund geben, der die Rechte und Interessen des Kindes gegen\u00fcber den Eltern vertritt, gerne der klassische &#8222;Pate&#8220; aus dem Kreis der Freunde und Verwandten &#8211;  wie fr\u00fcher.<br \/>\nIm Fall, dass es nur ein soziales Elternteil gibt, leistet der Staat Hilfe zum Unterhalt &#8211; wie auch jetzt, aber weniger beschr\u00e4nkt. <\/p>\n<h2>Neu denken, neu regeln<\/h2>\n<p>Dieses Konzept ist noch nicht in allen Details durchdacht, enth\u00e4lt meiner Ansicht nach aber viel Potenzial &#8211; nicht nur zur Aufhebung der erw\u00e4hnten Ungerechtigkeiten, sondern auch zur Befriedung vieler unbefriedigender Zust\u00e4nde, an denen derzeit viele leiden. Dass der Staat eine bedeutendere Rolle spielen w\u00fcrde und mehr Kosten zu tragen h\u00e4tte, finde ich positiv: schlie\u00dflich gibt es ein starkes staatliches Interesse an Kindern aus Gr\u00fcnden der Demoskopie. Auch jetzt schon gibt es ja vielf\u00e4ltige Formen der Familienf\u00f6rderung und dem Leitspruch <strong>&#8222;Familie ist da, wo Kinder sind&#8220;<\/strong> ist finanziell noch lange nicht genug Rechnung getragen. Warum kinderlose Ehepaar z.B. durch das Ehegattensplitting massiv unterst\u00fctzt werden, ist nicht wirklich einsehbar. Da k\u00f6nnte viel Geld umgeleitet werden und dann als staatlicher Unterhaltsbeitrag an Kinder bzw. soziale Eltern verteilt werden.<\/p>\n<p>Es w\u00fcrde auch nicht mehr vorkommen, dass sich Menschen der Unterhaltspflicht durch Auswandern oder dadurch entziehen, dass sie sich als arbeitsunf\u00e4hig darstellen und auf Hartz4 leben &#8211; nur um nicht f\u00fcr ein Kind aufkommen zu m\u00fcssen, das sie nie gewollt haben. Man mag das verurteilen, aber das \u00e4ndert ja nichts an den Fakten. Denkt man bei neuen Regelungen wirtschaftlich (was ja immer schnell kommt) m\u00fcssen solche Aspekte jedenfalls eingerechnet werden. <\/p>\n<p>Ist man mal drin im neuen System, kann man auch weiter denken: Warum soll etwa die &#8222;soziale Elternschaft&#8220; auf zwei Personen beschr\u00e4nkt bleiben? K\u00f6nnte nicht auch eine dritte Person per &#8222;Opt-In&#8220; dazu sto\u00dfen? Drei Eltern zu haben ist doch besser als zwei&#8230; :-)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei Onyx l\u00e4uft eine unglaublich umfangreiche Diskussion \u00fcber die Forderung eines Bloggers, der unter dem missverst\u00e4ndlichen Titel &#8222;Abtreibungsrecht f\u00fcr M\u00e4nner&#8220; die Herstellung der Gleichberechtigung in Bezug auf ein gemeinsam gezeugtes Kind fordert: Auch M\u00e4nner sollten ein Recht haben, sich vom Kind loszusagen, da die Frau sich ja autonom auch f\u00fcr eine Abtreibung entscheiden kann &#8211; [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[3],"tags":[],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1983"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1983"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1983\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1983"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1983"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1983"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}