{"id":198,"date":"2008-07-27T11:48:12","date_gmt":"2008-07-27T09:48:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=198"},"modified":"2009-12-28T14:49:31","modified_gmt":"2009-12-28T12:49:31","slug":"das-obama-phaenomen-yes-we-can-trifft-geht-nicht-weil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2008\/07\/27\/das-obama-phaenomen-yes-we-can-trifft-geht-nicht-weil\/","title":{"rendered":"Das Obama-Ph\u00e4nomen: Yes-we-can trifft Geht-nicht-weil"},"content":{"rendered":"<p>Die Reaktionen auf den &#8222;Obama-Event&#8220; an der Siegess\u00e4ule hab&#8216; ich mir genau so vorgestellt, wie sie dann auch eingetreten sind:  Ja, er habe Charisma und k\u00f6nne gut reden, ABER er sei doch nicht &#8222;der Messias&#8220;, denn in den USA werde er bereits &#8222;entzaubert&#8220;. Schlie\u00dflich verlange er mehr Kampftruppen in Afghanistan, sei in Einzelf\u00e4llen f\u00fcr die Todesstrafe und werde im \u00fcbrigen als Pr\u00e4sident auch nur machen k\u00f6nnen, was machbar sei, usw. usf.. Der Rest ist Spott und Gel\u00e4ster \u00fcber die Begeisterung, die Obama auch hierzulande entgegen schl\u00e4gt: die &#8222;Obamania&#8220;  erscheint weiten Teilen der politischen Klasse als Provokation, gegen die es anzuschreiben und anzureden gilt.  <!--more--><\/p>\n<p>Die gegen Ende der Veranstaltung auf 200.000 angewachsene Schar der Zuh\u00f6rer rund um die Siegess\u00e4ule skandierte neben &#8222;Obama, Obama&#8220; versuchsweise auch das &#8222;Yes, we can!&#8220;, den aufmunternden Leitspruch der Kampagne. F\u00fcr meine Ohren klang es seltsam bem\u00fcht, was ja auch nicht wundert im Lande des &#8222;geht nicht weil&#8220;. Denn bei uns verhandelt man Politik im Geiste der Anklage und Verdrossenheit: &#8222;denen da oben&#8220; werden regelm\u00e4\u00dfig \u00fcble Motive unterstellt und das Streben nach Machtpositionen gilt alleine schon als kritikw\u00fcrdig. Wer f\u00fcr eine wichtige Position ins Gespr\u00e4ch kommt, darf keinesfalls zu fr\u00fch Interesse signalisieren, denn damit ist er als Kandidat auch ganz schnell wieder &#8222;verbrannt&#8220;. Ein munteres &#8222;Yes, we can!&#8220; klingt f\u00fcr deutsche Ohren anma\u00dfend und allenfalls naiv: wissen wir doch, dass alle nur mit Wasser kochen, dass Macht korrumpiert und Politiker sowieso nur Marionetten m\u00e4chtiger Interessengruppen sind, die hinter den Kulissen die F\u00e4den ziehen, um uns alle immer weiter auszupl\u00fcndern. Begeisterung in der Politik ist demnach eine geistig-emotionale Verwirrung im Bann der Rattenf\u00e4nger &#8211; im harmlosen Fall blo\u00dfe Event-Jubelei:  mal der Pabst, mal unsere Fu\u00dfballer, jetzt halt Obama. <\/p>\n<p>Klar, diese Sicht der Dinge hat ihre Berechtigung und ist insbesondere mit Blick auf die deutsche Geschichte verst\u00e4ndlich: dieses Volk hat sich mal so wahnsinnig begeistert, dass die Welt in einen Abgrund gerissen wurde, der ohne Beispiel ist. Das kurze und \u00e4u\u00dferst erfolgreiche Aufflackern einer Aufbruchstimmung im Zuge der Wiedervereinigung (&#8222;wir sind das Volk!&#8220;) wurde sehr schnell herunter gedimmt und per &#8222;Anschluss&#8220; im lange ersehnten Konsum erstickt:  wir wollen nicht mehr &#8222;ganz anders&#8220; (&#8222;change&#8220;), sondern w\u00fcnschen, dass alles so bleibt, wie es ist, bzw. lieber noch, wie es zu Zeiten der vergleichsweise gem\u00fctlichen Bonner Republik gewesen ist. <\/p>\n<p>Und dann kommt so ein Obama und begeistert die Massen, zumindest kurzzeitig, bis die mediale &#8222;Entzauberung&#8220; alle erreicht hat.  Nat\u00fcrlich ist der Kandidat kein &#8222;Messias&#8220;, gerade diese Erwartung beschreibt ja eine untergr\u00fcndig schwelende Demokratie-Verdrossenheit:  Kompromisse gelten als Verrat an den eigenen \u00dcberzeugungen, nicht etwa als Alltagsgesch\u00e4ft im Verhandeln unterschiedlichster Interessen. Die hoch gehaltene N\u00fcchternheit in der Politik, die jedem, der etwas ver\u00e4ndern will, sofort die Grenzen aufzeigt (geht nicht, weil&#8230;), ist f\u00fcr mein Empfinden nicht einmal wirklich echt: K\u00e4me da ein &#8222;Messias&#8220;, w\u00e4re man vielleicht ja doch dabei&#8230;.<\/p>\n<p>Meine Eindr\u00fccke angesichts des Obama-Ph\u00e4nomens gebe ich hier nicht wieder, um etwas als richtig oder falsch, gut oder b\u00f6se zu bewerten. Ich sp\u00fcre im Moment nur der <strong>Janusk\u00f6pfigkeit<\/strong> unserer herrschenden politischen Stimmung nach: die mal ressentiment-geladene, mal sachlich-n\u00fcchterne Kritik an jeglicher Begeisterung f\u00fcr irgend etwas, die verhindern will, dass man irgendwelchen Rattenf\u00e4ngern hinterher l\u00e4uft; andrerseits die &#8222;gedeckelte Visionslosigkeit&#8220;, die damit untrennbar verbunden ist: wer sich f\u00fcr nichts mehr begeistern kann, wird auch nichts \u00e4ndern, sondern sich nur noch in Abwehrk\u00e4mpfen verschlei\u00dfen. Oder sich einfach abwenden und politische Themen g\u00e4hnend ignorieren, wie es ja viele schon lange tun. <\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Reaktionen auf den &#8222;Obama-Event&#8220; an der Siegess\u00e4ule hab&#8216; ich mir genau so vorgestellt, wie sie dann auch eingetreten sind: Ja, er habe Charisma und k\u00f6nne gut reden, ABER er sei doch nicht &#8222;der Messias&#8220;, denn in den USA werde er bereits &#8222;entzaubert&#8220;. 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