{"id":1963,"date":"2016-02-18T13:11:40","date_gmt":"2016-02-18T12:11:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/?p=1963"},"modified":"2016-02-19T11:59:18","modified_gmt":"2016-02-19T10:59:18","slug":"gesehen-man-for-a-day","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/2016\/02\/18\/gesehen-man-for-a-day\/","title":{"rendered":"Gesehen: Man for a day"},"content":{"rendered":"<p><strong>&#8230; und eine Kritik in Sachen &#8222;Doing Gender&#8220;.<\/strong><\/p>\n<p>Was w\u00fcrdest du dir w\u00fcnschen, wenn eine Fee dir einen Wunsch frei stellen w\u00fcrde? Ich erinnere mich gut, dass ich mir fr\u00fcher &#8211; insbesondere zu Zeiten gro\u00dfer Verliebtheit &#8211; gew\u00fcnscht h\u00e4tte, f\u00fcr einen Tag Mann zu sein. Um dann mit einer Frau Sex zu haben, mal gucken, wie das so ist. <!--more--><\/p>\n<p>Als ich nun gestern auf ZDF-Kultur landete, wo der Film &#8222;Man for a Day&#8220; gezeigt wurde, bin ich dran geblieben. Es ist ein Dokumentarfilm von Katarina Peters aus dem Jahr 2012. Den Inhalt k\u00f6nnte ich auch nicht besser beschreiben als <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Man_for_a_Day\">Wikipedia<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Die Regisseurin beobachtet einen speziell f\u00fcr den Film gecasteten Workshop der Gender-Aktivistin Diane Torr, bei dem sich Frauen f\u00fcr eine Woche in den Mann ihrer Phantasie verwandeln: Sie erfinden eine m\u00e4nnliche Biografie, w\u00e4hlen die entsprechende Kleidung, \u00fcben Gesichtshaar anzubringen und erlernen eine neue \u201dm\u00e4nnliche\u201d K\u00f6rpersprache. Der Film besch\u00e4ftigt sich mit Fragen von geschlechtlicher Identit\u00e4t und den Urspr\u00fcngen des Verhaltens von M\u00e4nnern und Frauen. Das Erkennen von m\u00e4nnlichen und weiblichen Rollenmustern erm\u00f6glicht den Teilnehmerinnen und dem Zuschauer eine bewusste Auseinandersetzung mit eigenem Verhalten und eigenen Rollenmusten und wird damit zu einer Basis von Empowerment.<\/p><\/blockquote>\n<p>Hier der deutsche Trailer &#8211; ist nicht lang!<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/ZktaPTPmQF4\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Im englischen Trailer gibts noch ein paar <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=1Sh-D7sln8A\">eindr\u00fccklichere, aggressivere Szenen<\/a> der &#8222;m\u00e4nnlichen Performance&#8220; &#8211; beeindruckend!<\/p>\n<p><a name=\"doinggender\"><\/a><\/p>\n<p>Der Film hat mich am\u00fcsiert und &#8211; aus meiner Sicht! &#8211; \u00fcberdeutlich gezeigt, wie sehr unser Rollenverhalten &#8222;konstruiert&#8220; ist. Es waren Frauen unter den Teilnehmerinnen, denen es gar nicht so leicht fiel, nach dem einw\u00f6chigen Workshop die m\u00e4nnlichen Verhaltensweisen &#8211; Gestik, Mimik, Bewegungsweisen &#8211; wieder abzulegen.<\/p>\n<h2>Doing Gender: Wollen oder M\u00fcssen?<\/h2>\n<p>In einigen Verhaltensweisen, die sich die Frauen in diesem Workshop &#8222;abtrainiert&#8220; haben, hab&#8216; ich eigenes Verhalten wieder erkannt. Das h\u00e4ufige L\u00e4cheln beim Reden, das Heben der Stimme am Ende eines Satzes, als w\u00e4re alles irgendwie &#8222;fraglich&#8220;, was ich sage, die Art, wie Frau sitzt, geht, steht und manches mehr. Sehr beeindruckend dann die zu M\u00e4nnern gewandelten Frauen, die sich auch allerlei Alltagssituationen aussetzten &#8211; und ziemlich gut &#8222;als Mann&#8220; durchgingen! <\/p>\n<p>Was mich ge\u00e4rgert hat &#8211; nicht am Film, sondern inhaltlich, es \u00e4rgert mich immer schon! &#8211; wurde in einer Situation thematisiert, in der ein solcher &#8222;Mann&#8220; ruhig und ungest\u00f6rt an einem Imbissstand seine Pommes verzehrt. Unterlegt wurde die Szene mit den gesprochenen Gedanken der gewandelten Frau, die in etwa lauteten: <\/p>\n<blockquote><p>Sch\u00f6n, mal so eine Windstille zu erleben (oder hie\u00df es &#8222;Leben im Windschatten?&#8220; Wei\u00df nicht mehr genau&#8230;). M\u00e4nner haben ihre Ruhe, m\u00fcssen sich nicht darauf konzentrieren, auf hohen Abs\u00e4tzen nicht umzukippen. M\u00fcssen sich nicht sorgen, dass ihnen niemand unter den Rock guckt und auch nicht darum, ob das MakeUp richtig sitzt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Arme Frauen! Aber wer wird eigentlich gezwungen, einen Rock zu tragen? Wer sich mit offenen Augen durch durch den \u00f6ffentlichen Raum bewegt, sieht vor allem Hosen-tragende Frauen. Ein Rock ist heutzutage doch eine freiwillige Inszenierung bzw. Betonung der Weiblichkeit zu besonderen Gelegenheiten, oder etwa nicht? Hohe Abs\u00e4tze sind ein Tribut an die eigene Eitelkeit, f\u00fcr die Frauen Schmerzen und Fu\u00dfsch\u00e4den in Kauf nehmen, unsicheren Gang inklusive. Aber wird irgend eine dazu gezwungen, sich das anzutun? Ebenso das MakeUp: ich hab immer schon gestaunt, wieviel Lebenszeit viele Frauen daf\u00fcr opfern, Gesicht, Fingern\u00e4gel und Haare zu stylen. Wenn ich im Schnitt eine Stunde t\u00e4glich f\u00fcrs Selbststyling ansetze (also alles, inkl. Enthaarung, Fris\u00f6r, Kosmetikerin, exzessive Hautpflege etc. &#8211; wer mag kann noch engagiertes Klamotten &#038; Schuhe kaufen dazu rechnen), komme ich bei nur 60 &#8222;aktiven&#8220; Jahren auf 21900 Stunden, was 915,5 ganzen Tagen entspricht bzw. ganzen 2,5 Lebensjahren! <\/p>\n<p>Vorwurfsvolle Feststellungen \u00fcber ein zu unbequemes weibliches Leben aufgrund solchen Rollenverhaltens kommen mir \u00e4hnlich seltsam vor wie Klagen von m\u00e4nnerbewegten Aktivisten aus der Masku-Szene, die sich dar\u00fcber aufregen, dass M\u00e4nner Wehrdienst leisten, &#8222;dreckige Berufe&#8220; ergreifen oder mehr \u00dcberstunden machen als Frauen. Wenn ich dann darauf hinweise, dass es &#8211;  jedenfalls hierzulande &#8211; zu alledem eine eigene, individuelle Entscheidung braucht, werde ich auf den &#8222;Erwartungsdruck&#8220; verwiesen, der angeblich so zwingend ist, dass Mann nicht anders kann. <\/p>\n<h2>Folgenlose Verweigerung<\/h2>\n<p>Nun, den &#8222;Erwartungsdruck&#8220; in Richtung Selbststyling hab ich in der Peergroup der Teenyjahre durchaus gesp\u00fcrt. Da gab es ein paar In-M\u00e4dels in der Klasse, deren Leben ums MakeUp und Klamotten kreiste. Nat\u00fcrlich hab&#8216; ich das alles auch mal ausprobiert, bin aber schnell zum Schluss gekommen, dass mir der Aufwand zuviel ist.<br \/>\n<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" style=\"margin-top:0.5em\" src=\"https:\/\/www.claudia-klinger.de\/digidiary\/wp-content\/uploads\/2016\/02\/jugendbild-mit-191.jpg\" alt=\"Jugendbild mit 19\" width=\"138\" height=\"213\" class=\"alignleft size-full wp-image-1965\" \/>Ich hab&#8216; es gehasst, mir wegen der Wimperntusche nicht mehr die Augen reiben zu k\u00f6nnen,  also kam ich mit einem gelegentlichen Kajalstrich und Seife durchs Leben. Jegliches MakeUp (= Cremes in Haut-Farbt\u00f6nen, die &#8222;Unreinheiten&#8220; verdecken sollen) war mir ein Graus, denn das &#8222;gedeckelte&#8220; Hautgef\u00fchl ist wirklich \u00e4tzend.  Zudem f\u00e4rbt das Zeug ab und ist nicht wirklich &#8222;schmusetauglich&#8220;. Ergebnis dieser Verweigerung: es hat mir an nichts gemangelt. Vor allem nicht an M\u00e4nnern, ich war in diesem Leben ab 14 nie wirklich Single und in der wilden Jugendzeit gabs auch mal mehrere Beziehungen parallel. Dabei geh\u00f6rte ich optisch zum schlichten Durchschnitt,  war also in etwa genauso &#8222;natursch\u00f6n&#8220; wie fast alle jungen Menschen.<\/p>\n<p>Wer auf Krawall geb\u00fcrstet ist, k\u00f6nnte mich jetzt missverstehen, deshalb sag&#8216; ich noch dazu: Ich hab&#8216; nix gegen Styling, hab&#8216; auch immer mal Frauen bewundert, die sich ganz gro\u00dfartig inszenieren &#8211; aber hey, es war halt nicht mein Ding! Ich bin einfach zu faul daf\u00fcr, immer gewesen und immer noch. Was ich nicht verstehe: alles mitmachen und sich dann \u00fcber die Beschwernisse, die so eine &#8222;konstruierte Weiblichkeit&#8220; mit sich bringt, auch noch beschweren! &#8222;Doing Gender&#8220; ist zum gr\u00f6\u00dften Teil eine freiwillige Sache, kein Grund also, sich als Opfer der eigenen Entscheidungen zu inzenieren. <\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Den Workshop von Diane Torr finde ich jedenfalls toll: Im Juli gibt sie den <a href=\"http:\/\/dianetorr.com\/2016\/02\/berlin-workshop-in-july-3\/\">nochmal in Berlin<\/a>. <\/p>\n<p>Mehr \u00fcber den Film:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/kino\/dokumentarfilm-man-for-a-day-a-845147.html\">Dokumentarfilm &#8222;Man for a Day&#8220;: Wie gro\u00df soll er denn sein?<\/a> &#8211; Daniel Sander auf SPON<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/kino\/man-for-a-day-im-kino-sie-kann-ihn-besser-als-er-selbst-11824239.html\">Sie kann ihn besser als er selbst<\/a> &#8211;  Bert Rebhandl \/ FAZ.net<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; und eine Kritik in Sachen &#8222;Doing Gender&#8220;. Was w\u00fcrdest du dir w\u00fcnschen, wenn eine Fee dir einen Wunsch frei stellen w\u00fcrde? Ich erinnere mich gut, dass ich mir fr\u00fcher &#8211; insbesondere zu Zeiten gro\u00dfer Verliebtheit &#8211; gew\u00fcnscht h\u00e4tte, f\u00fcr einen Tag Mann zu sein. 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